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“Weißheit ist nicht Bauen, sondern Niederreissen”

Unzers und Mauvillons Streitschrift Ueber den Werth einiger Deutschen Dichter im Kontext der Geniediskussion und eines neuen literarischen Kanons

“Wisdom Is Not Building, But Tearing Down”

The Disputation On the Value of Certain German Poets by Unzer and Mauvillon in the Context of the Discourse on Genius and on a New Literary Canon
in Daphnis
Autor:in:
Arne Klawitter Faculty of Letters, School of Humanities, Waseda University Tokyo Japan

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Abstract

The ‘Letters on German Poets’ written jointly by Ludwig August Unzer and Jakob Mauvillon published under the title Ueber den Werth einiger Deutschen Dichter und über andere Gegenstände den Geschmack und die schöne Litteratur betreffend (2 Vol., 1771/1772) caused a sensation immediately after its appearance. While in the first part Gellert’s entire poetic œuvre is critically dissected and dismantled, in the second part the authors rank the German poets by subjecting their poems to a comprehensive classification according to the aspects of an aesthetic of genius. The radicalism of this aesthetic approach is reflected in the largely devastating criticism that the letters received in leading review journals. However, some judgments, such as the one published in the Frankfurter gelehrten Anzeigen, reveal that these ‘Letters on German Poets’ written according to the Socratic method can be considered in retrospect as a ‘ferment’ of a provocative criticism in the spirit of genius aesthetics and as a harbinger of the Sturm und Drang movement.

Abstract

Der gemeinsam von Ludwig August Unzer und Jakob Mauvillon verfasste Briefwechsel Ueber den Werth einiger Deutschen Dichter und über andere Gegenstände den Geschmack und die schöne Litteratur betreffend (2 Teile, 1771/1772) sorgte sogleich nach seinem Erscheinen für Furore. Während im ersten Teil das gesamte dichterische Œuvre Gellerts kritisch seziert und demontiert wird, nehmen die Verfasser im zweiten Teil eine Rangordnung der deutschen Dichter vor, indem sie deren Dichtungen einer umfassenden Klassifizierung nach den Gesichtspunkten einer Genieästhetik unterziehen. Die Radikalität dieses ästhetischen Ansatzes spiegelt sich in der zum Großteil vernichtenden Kritik wider, die der Briefwechsel in den einschlägigen Rezensionsorganen erfuhr. Doch zeugen einige weitblickende Urteile wie das in den Frankfurter gelehrten Anzeigen davon, dass diese nach dem Vorbild sokratischer Mäeutik bedacht in der permanent nachfragenden und einen Dialog nachbildenden Briefform abgefassten Streitschrift, rückblickend betrachtet, als “Ferment” einer provozierenden Kritik im Geiste der Genieästhetik und als Vorbote des Sturm und Drang bzw. als ein Bindeglied zu ihm angesehen werden kann.

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