Mein Interesse an der Erforschung des Antiken Orients wuchs allmählich während meines Studiums der Klassischen Antike an der Universität Leipzig. Die Beschäftigung mit der griechischen und römischen Antike führte unweigerlich in den Mittelmeerraum und darüber hinaus zu dem einst mächtigen Rivalen der Griechen und Römer, dem Perserreich. Um dieses aufkeimende Interesse weiterverfolgen zu können, erschien es mir sinnvoll, die Eingrenzungen der Fachdisziplinen, die sich mit der Antike befassen, zu überwinden und eine Erweiterung von Sprachkenntnissen über Griechisch, Latein und Arabisch hinaus sowie die Einarbeitung in weitere Wissenschaftsdisziplinen anzustreben. Der beschrittene Weg führte schließlich an das Institut für Iranistik der Freien Universität in Berlin zu Frau Prof. Dr. Maria Macuch, die mir nach dem Erlernen des Mittelpersischen die Möglichkeit zur Promotion bot und mir seither eine unerschütterliche Lehrerin, Beraterin und Unterstützerin durch viele Jahre und zahllose Tiefen war. Weitere Sprachkurse besuchte ich in Berlin bei Prof. Dr. Desmond Durkin-Meisterernst in Altpersisch sowie in den mitteliranischen Sprachen Parthisch und Baktrisch und in Halle (Saale) am Orientalischen Institut der Martin-Luther-Universität bei Prof. Dr. Jürgen Tubach und PD Dr. Armenuhi Drost-Abgarjan in Aramäisch-Syrisch und Altarmenisch. Unterstützung erfuhr ich dankenswerterweise von Herrn Tubach, der mir über eine Kooperation mit Rev. Dr. Jacob Thekeparampil zu einem Aufenthalt am SEERI Institute der Mahatma Ghandi University in Kottayam, Kerala, Indien, verhalf. Ebenfalls bin ich Dastur Firoze M. Kotwal zu Dank verpflichtet, der mir bei einem anschließenden Aufenthalt in Mumbai behilflich war, mittelpersische Handschriften in der Bibliothek von Navsari in Gujarat zu sichten.
Das ursprüngliche Konzept meiner Dissertation, einen detaillierten Vergleich zwischen den Reichsverwaltungen des Sasanidenreichs und des Römischen Reiches vorzunehmen, ließ sich aufgrund zahlreicher methodischer und inhaltlicher Probleme in der vorgesehenen Form nicht verwirklichen. Doch dass ich diese Arbeit überhaupt in Angriff nehmen konnte, verdanke ich Prof. Dr. Ernst Baltrusch und der Elsa-Neumann-Stiftung, die mir durch die Erteilung eines Promotionsstipendiums die Möglichkeit boten, die vielen Schwierigkeiten, die mit dem Versuch einer solchen Gegenüberstellung verbunden sind, erst kennenzulernen. In einer zweiten Phase der Arbeit wandte ich mich dann besonders den Quellen zu, die für die Erforschung iranischer Amtsträger der Sasanidenperiode am erträglichsten erschienen, den Siegelinschriften in Verbindung mit verstreuten Einzelheiten über die sasanidische Staatshierarchie in den verfügbaren literarischen Quellen. Als Ergebnis der Auswertung dieser wichtigen Zeugnisse entstand der Artikel Noble Ones of Ērānšahr (2019) über soziale Rangsysteme, der ursprünglich als erstes Kapitel der Dissertation vorgesehen war (was dann jedoch aufgrund der Umstellung des Konzepts verworfen wurde). In dieser Zeit nahm ich Kontakt zu Dr. Rika Gyselen auf, die mich dankenswerterweise nicht nur in der Idee eines Verwaltungsvergleichs zwischen dem Sasanidenreich und dem Römischen Reich bestärkte, sondern mich in die Siegelkunde einführte und meine Arbeit bis heute mit Rat, Material und Vermittlung von Kontakten unterstützt.
Die dritte Phase der Arbeit führte zu einer Konzeptänderung, die für den Aufbau der Dissertation ausschlaggebend werden sollte. Da eine gleichgewichtige Gegenüberstellung der beiden Reichsverwaltungen nicht zu realisieren war, reduzierte ich die Ausführungen zum Imperium Romanum unter Verwendung entsprechender Fachliteratur bewährter Spezialisten auf diesem Gebiet auf diejenigen Bereiche der antiken Administration, die für einen Vergleich mit der sasanidischen Verwaltung von Interesse sein könnten. Die ausschlaggebende Konzeptänderung, welche die Arbeit in die jetzt vorliegende Form lenken sollte, entstammt dem Ideenreichtum von Prof. Dr. Matthäus Heil, der vorschlug, die Funktionsweise des Reiches nicht von der Zentralregierung ausgehend zu betrachten, wie in den meisten Arbeiten zu diesem Thema („von oben nach unten“), sondern die umgekehrte Reihenfolge einzuschlagen und von den Siedlungen und Provinzen auszugehen („von unten nach oben“).
Zur Verwirklichung dieses Konzepts begann in der nächsten Phase die intensive Auswertung von hunderten über die Jahre zusammengestellten Originaldokumenten in mittelpersischer und baktrischer Sprache aus den Provinzen, die kontextualisiert und im Hinblick auf die Angaben zu verwaltungstechnischen Vorgängen ausgewertet werden mussten. Besonders danke ich in diesem Zusammenhang Dr. Dieter Weber, ohne dessen großzügige Hilfe, auch durch die Zusendung von noch unpubliziertem Material, das erste Kapitel der Arbeit in der vorliegenden Form nicht hätte geschrieben werden können. Zu Dank verpflichtet bin ich auch Prof. Nicholas Sims-Williams, Prof. Harry Falk und Aman Ur-Rahman für ihre Hilfe bei der Auswertung der baktrischen Urkunden und Siegel. Darüber hinaus danke ich allen, die mir zu verschiedenen Zeiten mit konstruktivem Austausch und Vorschlägen zur Materialauswertung zur Seite standen, besonders Dr. Eduard Khurshudian, Dr. Matthias Weinreich, Prof. Dr. Tonio Sebastian Richter, Dr. Susan Tyler-Smith und Prof. Dr. Eberhard W. Sauer.
Die nächsten Phasen der Arbeit waren der Koordinierung der drei Großkapitel gewidmet, wobei die methodische Schwierigkeit der Verbindung des ersten Kapitels über die Provinzverwaltung mit dem dritten Kapitel über die zentrale Reichsverwaltung eine große Herausforderung darstellte. In diesem Kontext erschien die Entwicklung von Schemata und Karten zur Visualisierung komplexer Prozesse, die sich in den Dokumenten abspielten, sinnvoll, um einen Überblick über die komplizierten Verwaltungsvorgänge herzustellen und diese Prozesse besser nachvollziehbar zu machen. Sinnvoll erschien mir auch – auch wenn die Arbeit insgesamt dadurch sehr umfangreich geworden ist – die Erstellung eines Textkorpus, der dem Leser einen besseren Zugang zu den in vielen Einzelveröffentlichungen verstreuten Quellen ermöglichen soll.
Auf diese Art und Weise hoffe ich dem Leser ein Werk zu übergeben, das trotz der Kompliziertheit der Materie den Aufbau des Sasanidenreiches nachvollziehbar darstellt und einen neuen Zugang zu den administrativen Strukturen und Verwaltungsvorgängen in den Provinzen sowie im Zentrum dieses Imperiums ermöglicht. Schließlich danke ich Prof. Dr. Touraj Daryaee und Prof. Dr. Shervin Farridnejad für ihre großzügige Bereitschaft, diese Arbeit in ihre Publikationsreihe aufzunehmen, und damit den Zugang zu einem größeren Fachpublikum zu ermöglichen.
Nils Purwins
Berlin, den 21.08.2024