Solon bei Platon
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Der archaische Athener Gesetzgeber Solon war nicht nur der erste Dichter attischen Dialekts, sondern auch Begründer der Politologie und der früheste Philosoph Europas. Er darf über das Verwandtschaftsverhältnis zu Platon hinaus in mehrfacher Hinsicht als dessen Wegbereiter gelten, so auf den eng verzahnten Gebieten der Theologie, Ethik und Politik. Solons paradigmatisches Leben und Wirken, auch in der Darstellung Herodots, dürfte Platon bei der literarischen Überhöhung seiner Sokrates-Figur inspiriert haben. Neben den in der Solon-Kommentierung bereits verzeichneten anonymen Anspielungen Platons auf die poetischen Fragmente Solons lassen sich weitere indirekte Assonanzen im Schriftwerk Platons lokalisieren. Den namenlosen Gesprächsführer in den Nomoi, zweifellos eine Chiffre für Platon selbst, konstruiert Platon vermittels der gleichlautenden Anrede „Fremder aus Athen“ als Parallelfigur zum herodoteischen Solon (1.30.2); weitere Indizien im platonischen Schriftwerk belegen, dass Solon den Anforderungen Platons an dessen spezifischen Philosophie-Begriff genügt haben dürfte. Dasselbe trifft auf Solons Eignung als für den Idealstaat tauglicher Dichter zu. Unter den rund 50 namentlichen Nennungen Solons in Platons Œuvre kommt besondere Bedeutung der Einführung Solons im Timaios als „weisester der Sieben Weisen“ zu (20d8–e1): Damit verweist Platon dezent auf den Wahrheitsgehalt von Solons Bericht über Urathen und Atlantis und des von Solon projektierten Atlantis-Epos.