Das Schreiben dieser Arbeit hat von der ersten bis zur letzten Seite unheimlich viel Freude gemacht. Es ist nämlich ein sehr groÃes Privileg, wenn man sich einem frei gewählten Thema in einer solchen Ausführlichkeit widmen darf. Ich hoffe natürlich, dass diese Arbeit auch anderen WissenschaftlerInnen und HistorikerInnen nützlich sein wird, aber ohne die eigene Begeisterung für die Sache ist, so glaube ich, eine solche Aufgabe nicht mit Freude abzuschlieÃen. Und dabei interessiere ich mich eigentlich gar nicht für Magneten oder den Magnetismus. Physik habe ich in der zehnten Klasse abgewählt und in meinem Leben habe ich noch keinen Kompass besessen, geschweige denn je magnetische Experimente durchgeführt. Ich weià über dieses Phänomen in physikalischer Hinsicht auch heute kaum mehr als das, was darüber in den Quellen des 17. Jahrhunderts steht. Was mich fasziniert hat, ist etwas anderes.
Den ersten Impuls, der mich auf das Thema dieser Arbeit gebracht hat, verdanke ich meinem Philosophie- und Deutschlehrer aus Oberstufenzeiten Gerd Katthage. Zusammen haben wir vor über zehn Jahren einen Wikipedia-Artikel zum Konzept der Fernwirkung in der Philosophie verfasst. Der Artikel ist längst wieder offline, aber damals fiel mir zum ersten Mal auf, dass der Magnetismus als augenfälliges Fernwirkungsphänomen von vielen Philosophen der Vergangenheit ausführlich behandelt wurde und doch heute kaum als philosophisches Thema betrachtet wird. Das Erstaunliche und Rätselhafte der so leicht beobachtbaren, aber doch so schwer erklärbaren magnetischen Anziehung und Nordweisung haben also Forscher seit mehr als zwei Jahrtausenden ganz offensichtlich schwer beeindruckt und Anlass zu den, von heute aus betrachtet, merkwürdigsten Spekulationen und Ideen gegeben.
Diese Ideen, so falsch und abwegig sie heute vor allem Nicht-HistorikerInnen bewerten mögen, geben doch aussagekräftig und anschaulich davon Zeugnis, wie wandelbar und voraussetzungsreich das ist, was wir âWissenâ oder âErkenntnisâ nennen oder was wir für âschlüssigâ oder âvorstellbarâ halten. Ich für meinen Teil möchte so weit gehen zu bekennen, dass je seltsamer, abstruser, ja vermeintlich unsinniger eine wirkmächtige historische Idee erscheint, desto mehr interessiert sie mich. Und das Thema Magnetismus hält wahrlich ein Kabinett und Panoptikum merkwürdiger Ideen bereit. Allerdings habe ich eine historische Idee oder Vorstellung nie anders erschlossen als durch einen Text, durch Buchstaben auf Papier. Das Explorieren der geistesgeschichtlichen Vergangenheit ist somit, zumindest bei meiner Arbeitsweise, vor allem das Lesen alter Texte. Das faszinierende, soeben beschriebene âKabinettâ ist also nicht einfach âdaâ, sondern dessen Errichtung und Einrichtung ist das Ergebnis einer mühsamen wie erheiternden ErschlieÃungsarbeit und eines streitbaren wie erhellenden Interpretationsprozesses.
Mein Anspruch war es vor allem, nicht nur die Aspekte des Themas herauszupicken, die mir oder meinen KollegInnen unmittelbar ârelevantâ erscheinen, sondern gerade in der Breite des historischen Materials die Chance wahrzunehmen, das Kriterium der âRelevanzâ höchstens wirkungsgeschichtlich, aber nicht inhaltlich zu bestimmen. Und so wichtig Mikrostudien sind, so schade ist es doch, wenn die breiten Ãberblicke fehlen, denn erst diese eröffnen die neuen Perspektiven und präzisieren nicht nur die bereits bekannten. Für das Thema Magnetismus gibt es immer noch viel zu erforschen, aber ich hoffe, dass auch Nicht-SpezialistInnen der Vorzug des Ansatzes dieser Arbeit einleuchtet. Das Entwerfen eines solchen breiten Panoramas und das sich hieraus ergebende Eintauchen in eine fremdartige, aber faszinierende Gedankenwelt der Vergangenheit hat mir jedenfalls groÃe Freude bereitet.
Das Schreiben dieser Arbeit war aber auch verflixt anstrengend und eine recht einsame Tätigkeit, die ohne Hilfe und Unterstützung von Familie, FreundInnen und KollegInnen nicht nur fehlgeschlagen wäre, sondern mich wohl auch ruiniert hätte. Die Begeisterung für die Sache forderte mir nämlich immer wieder soziale und zuletzt deutliche gesundheitliche Tribute ab, und das nicht durch âDruck von AuÃenâ. Mir kam bisweilen der Blick dafür abhanden, dass es sich nur um eine Qualifikationsschrift handelte, ja um nicht mehr als eine Doktorarbeit, bei allem Respekt für diese akademische Bewährung. Ich möchte vor allem meinen Freundinnen und Freunden dafür danken, mich mit der nötigen Ironie, Distanz und Beharrlichkeit immer wieder daran erinnert zu haben, ein viel zu dickes Buch über ein, in den Augen mancher, heute wohl beinahe irrelevantes Thema zu schreiben. Meiner Partnerin Liv möchte ich wiederum dafür danken, mich über eine so lange Zeit hinweg unentwegt darin bestärkt zu haben, âmein Dingâ durchzuziehen und an nicht weniger festzuhalten als an dem, womit ich selbst zufrieden bin.
Dass dieser manchmal auch sture Weg meiner crime of passion nicht in eine Sackgasse führte, verdanke ich ganz besonders meinen Doktorvätern Friedrich Steinle und Christoph Lüthy. Sie haben weit mehr getan, als die Arbeit nur fachlich zu begleiten. Immer wieder haben sie mir Mut gemacht, ein viel zu dickes Buch über ein vielleicht doch nicht so irrelevantes Thema zu schreiben. Und sie haben mir dabei eine ganze Menge Vertrauen geschenkt, weil sie der eingangs angepriesenen Breite der Arbeit keineswegs den Riegel vorgeschoben haben.
Dass ich obendrein das dicke Buch über das wie auch immer irrelevante oder relevante Thema nicht nur schreiben durfte, sondern dafür sogar Geld bekommen habe, ist ein weiteres, beinahe aberwitziges Privileg. Diese Arbeit konnte ich nämlich ohne Geldsorgen durchführen, weil mich die Studienstiftung des Deutschen Volkes mit einem Stipendium gefördert hat. Dafür möchte ich mich bedanken. Nicht weniger möchte ich mich aber auch beim Jobcenter Berlin-Wedding bedanken, das mich in den letzten zwölf Monaten â unkompliziert und ohne jede Schikane â versorgt hat.
Für die Ausarbeitung des Themas und die Formulierung der Fragestellung bin ich vielen Anregungen dankbar. An dieser Stelle möchte ich daher Lorraine Daston, John Heilbron, Christoph Meinel, Kathrine Park, Dominik Perler, Jürgen Renn und Koen Vermeir danken. Für den fachlichen Rat in einigen Detailfragen und für andere praktische Hilfestellungen möchte ich mich bei Ann Blair, Charlott Böhm, Arianna Borrelli, Urte Brauckmann, Cristiano Casalini, MichaŠCzerenkiewicz, Mordechai Feingold, Sietske Fransen, Stefano Gulizia, Dag Nikolaus Hasse, Paul Hoftijzer, Maarten J. F. M. Hoenen, Thomas Horst, Micheal Infantine, Sven K. Knebel, Richard L. Kremer, Marco Lamanna, Ulrich G. Leinsle, Nora Lindner, Max Loeper, Roberto Lo Presti, Pamela MacKenzie, Hannah Marcus, Matteo Martelli, Seth Meehan, Malte Meyer, Thomas Morel, Pietro Daniel Omodeo, Matthijs van Otegem, Carla Rita Palmerino, Claude Pavur, Roberto Poma, Lawrence M. Principe, Bernd Roling, Sascha Salatowski, Oscar Seip, Thomas Sonar, Matteo Valleriani, Geert Vanpaemel und Benjamin Wallura bedanken. Gerd Katthage, Leo Menges und Anselm Oelze möchte ich für wichtige Anregungen zu einzelnen Kapiteln danken. Monica Ugaglia danke ich dafür, dass sie mir wichtige Scans und Dokumente zu Leonardo Garzoni zur Verfügung gestellt hat.
Die immense Aufgabe der sprachlichen und formalen Korrektur eines so langen Textes hätte ich ohne die Hilfe meines Opas Günther Sander und meiner Mutter Claudia Burghof niemals bewältigen können. Zum Ausdruck meines Dankes für ihre unermüdliche Unterstützung während der Schlussphase fehlen mir die Worte.
Meinen Dank an die zahlreichen BibliothekarInnen aus zahlreichen Bibliotheken, die meine Forschung erleichtert und unterstützt haben, kann ich an dieser Stelle nur pauschal ausdrücken. Besonders danke ich allerdings den MitarbeiterInnen der Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte Berlin. Ohne die hundertfach angeforderten und doch alle einzeln und von Hand bearbeiteten Fernleih-Bestellungen wäre die Arbeit deutlich magerer ausgefallen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Matteo Valleriani danken, der mich in den letzten Jahren immer wieder mit Forschungsaufgaben am MPIWG beschäftigt hat und mir damit nicht nur den Zugang zur Bibliothek ermöglicht, sondern auch den Blick für andere Forschungsthemen jenseits des Magnetismus offengehalten hat. Die groÃartige Betreuung seitens des Brill-Verlages verdanke ich Marcella Mulder und ihrem Team, ebenso wie Lydia Bax und ihrem Team von TAT Zetwerk, die unermüdlich alle Probleme und Herausforderungen, die diese Arbeit in groÃer Zahl mit sich gebracht hat, gelassen angenommen und kompetent gelöst haben. In diesem Zusammenhang sei auch Thomas Haye gedankt, dieses Buch in die von ihm herausgegebene Reihe aufgenommen zu haben. Der oder dem anonymen GutachterIn danke ich nicht nur für einige wichtige Hinweise, sondern vor allem auch dafür, die Publikation der Arbeit in ihrer ganzen Länge mit Nachdruck befürwortet zu haben. Im Zuge der Fahnenkorrektur danke ich Iulia Malaspina, die lateinischsprachigen Text mit scharfem Blick korrigiert hat. Für finanzielle Unterstützung bei der Buchproduktion bedanke ich mich bei Sietske Fransen (Mittel aus der Forschungsgruppe âVisualizing Science in Media Revolutionsâ (BH-P-19-35) an der Bibliotheca Hertziana â Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte) und bei Matteo Valleriani (Mittel aus dem Projekt âThe Sphereâ am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und dem Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD) finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (ref. 01IS18037A)). Zuletzt danke ich den Entwicklern der Bibliografie-Software Zotero dstillman, adomasven und fbennett, die mit einem eigens für mich entwickelten Patch ermöglicht haben, dass mein betagter Rechner angesichts der fast 10.000 Zotero-Felder im Dokument nicht gestreikt hat.
Widmen möchte ich diese Arbeit Gerd Katthage, nicht nur, weil er den Impuls für das Thema gegeben, sondern weil er mich maÃgeblich dazu motiviert hat, das Studium der Philosophie aufzunehmen und damit wie keine zweite Person den Weg hin zu dieser Doktorarbeit geebnet hat.
Um dem Verdacht des Eigenplagiats vorauseilend entgegenzuwirken, möchte ich darauf hinweisen, dass das Kapitel 1.2.3 (S. 29â¯ff.) eine leicht umgearbeitete Fassung der Publikation C. Sander 2017c darstellt und die Publikation C. Sander 2016b die Ergebnisse des Kapitels 10.1.4.3 (S. 804â¯ff.) bereits â in englischer Sprache â der Ãffentlichkeit zugänglich gemacht hat.