Music does not begin with the first note, but with the silence before it. And it doesnât end with the last note, but with the sound of silence afterwards.
Giora Feidmann
Collega carissime! Lieber Achim, die Chronistenpflicht ist eine honorable, selbstredend. Aber auch eine leidige, eine verdrieÃliche, eine unerquickliche, eine missliche â schlieÃlich ist sie meist kaum zu erfüllen. Denn sie geriert sich als unerbittlich:
Dein Weg, auf dem alle Beitragenden dieses Bandes Dich ein Stück weit begleiten durften, begann am 1. Juli 1955 in Darmstadt. Er hat Dich, wohin er Dich im Laufe der Jahre auch geführt hat, immer wieder nach Königsstädten, heute ein Teil von Rüsselsheim bei Frankfurt, zurückkehren lassen, in den Kreis Deiner Familie. Zunächst zu Erich und Helma, später zu Sabine, Teresa und Johanna und neuerdings auch zu Josefien und Mikael. Im Urlaub wurde nicht all-inclusive nach Antalya oder zum Goldstrand gejettet, sondern anfangs in der deutschen Heimat, im Harz, an der Mosel oder in der Rhön gewandert und in einfachen Unterkünften das Nachtquartier bezogen; später wurden mit dem Rucksack der nahe Osten und Südamerika erkundet. Vermutlich kommt daher Dein Faible für die Natur, das uns zusammen zu privaten Wanderungen und diversen âºLab Retreatsâ¹ in der Pfalz oder dem Rheingau geführt hat, die (nicht nur) ob der Güte der einen oder anderen Flasche rheinhessischen und pfälzischen Rieslings immer so ein Heidenspaà waren, dass wir uns fühlten wie der Spätlesereiter höchstpersönlich und diese besondere Art von âºapplied phenomenologyâ¹ genieÃen lernten.
Im Anschluss an das Abitur und den Wehrdienst in der Musikkompanie führt Dein Weg dich schon in den späten 1970er Jahren über Mannheim nach Niedersachsen. Allerdings noch nicht nach Osnabrück und auch noch nicht zur Kognitionswissenschaft â das dauert noch ein Vierteljahrhundert. Erst geht es nach Göttingen, zum Studium der Mathematik und der Philosophie. Dort triffst Du nicht nur Deine liebe Frau Sabine, Göttingen ist auch der Anfang Deiner akademischen Karriere sowie Deiner Freundschaft zu zweien unserer Beitragenden.
Ansgar Beckermann wurde, nachdem er von 1975 bis 1981 â die philosophische Welt ist, wir werden es wiederholt erleben, klein â in, richtig, Osnabrück wissenschaftlicher Mitarbeiter gewesen war, 1982 als junger Professor nach Göttingen berufen. Sofort zog er Dich mit seinem jugendlichen Elan und seinem zwanglosen Auftreten in der ansonsten eher biederen bis angestaubt-verknöcherten Atmosphäre am dortigen philosophischen Seminar in den Bann und begeisterte Dich für seine systematische Art, Philosophie zu treiben. Immer schon offen für alle Arten von (guter) Philosophie, bot Ansgar im Wintersemester 1983/84 zusammen mit Günther Patzig eines der legendären Göttinger Oberseminare an, in diesem Fall zu Aristotelesâ De anima. Dieses Seminar mag der Anfang Deines Interesses an der Philosophie des Geistes gewesen sein. Ganz sicher entstand dort aber die Bindung zu Ansgar, der für Dich seitdem ebenso wichtig geblieben ist wie einer Deiner damaligen Kommilitonen.
Ulrich Nortmann war ein Jahr vor Dir nach Göttingen gekommen und studierte dort, wie Du, Philosophie und Mathematik. Aus Patzigs Oberseminaren wart ihr während eures Studiums beide nicht wegzudenken. So führte euch euer gemeinsamer Weg über die Lektüre von analytischen Klassikern wie (unter anderem) ausgewählten Aufsätzen von Carnap und Quines Ontologische Relativität und andere Schriften erst zu De anima und dann weiter über die Promotion und Habilitation schlieÃlich auf Professuren in der theoretischen Philosophie, Ulrich nach Saarbrücken, Dich nach Osnabrück.
Ansgar ist ab 1985 einer von drei Koordinatoren des bis 1994 laufenden DFG-Schwerpunktprogramms Kognition und Gehirn. Im Zuge dieses Forschungsverbunds beantragt er zusammen mit Hans Flohr erfolgreich das Projekt âºEmergenz und das psycho-physische Problemâ¹. Nachdem Du 1988 bei Ansgar, Günther Patzig und Karl König mit der Arbeit Eine philosophische Untersuchung zu einem wesentlichen Aspekt des Sinn-Begriffes in der Psychoanalyse Sigmund Freuds promoviert hast, betrauen die beiden Dich mit der Durchführung dieses Projekts â Du wirst wissenschaftlicher Mitarbeiter, zunächst in Göttingen, später in Mannheim. Das Projekt läuft 1993 aus, das Thema Emergenz allerdings beschäftigt Dich weit länger: Es wird Gegenstand Deiner Habilitationsschrift, die 1998 unter dem Titel Emergenz. Historisch-systematische Studien zu einem zentralen Begriff der Metaphysik und Wissenschaftsphilosophie fertig wird.
Wie so vielen akademischen Leidensgenossen fehlt Dir in dieser Zeit eigentlich nur eines: eine feste Stelle. Du hangelst Dich von einem prekären Beschäftigungsverhältnis zum nächsten, ein Fellowship am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst sowie Vertretungsprofessuren in Bielefeld und Berlin überbrücken die Zeit, bis Du im Januar 2000 zunächst für ein Jahr eine Gastprofessur für Philosophie am Humboldt-Studienzentrum der Universität Ulm antrittst und 2001 endlich nach Osnabrück berufen wirst. Aber der Reihe nach â¦
Sara Dellantonio kommt 1997 aus Mailand als Gaststudentin ans Zentrum Philosophische Grundlagen der Wissenschaften in Bremen. Sie nimmt an allen Veranstaltungen und Konferenzen teil, derer sie habhaft werden kann, unter anderem auch am nahegelegenen Hansekolleg in Delmenhorst. Als Du Dich dort 1998 mit einem Fellowship für ein Jahr über Wasser hältst, freundet ihr euch an, und eure Bindung hat bis heute Bestand. Als Sara 2005 ihre Dissertation einreicht, bist Du ihr Zweitgutachter; als sie 2006 eine Stelle an der neu geschaffenen Fakultät für Kognitionswissenschaft an der Universität Trento bekommt, stellt ihr zusammen das Joint-Degree-Program in Cognitive Science zwischen Trento und Osnabrück auf die Beine; und als sie 2010 zusammen mit Luigi Pastore die Zeitschrift Rivista internazionale di Filosofia e Psicologia gründet, bist Du im Beirat natürlich mit dabei. Deine Zeit war oft knapp, umso knapper, je weiter Dich Dein Weg führte â aber wenn es darum ging, gerade junge Kolleginnen und Kollegen bei ihren philosophischen Unterfangen zu unterstützen, bist Du immer mehr als groÃzügig damit gewesen.
Jan Slaby studiert von 1996 bis 2001 an der Humboldt Universität in Berlin Philosophie. Als Du dort im Wintersemester 1999/00 eine C1-Stelle vertrittst, lernt ihr euch in einer Deiner Lehrveranstaltungen kennen â und schätzen: Eure Begeisterungsfähigkeit, euer Vermögen, euch in eurem Denken zu ergänzen, euer Respekt vor der Philosophie des anderen und eure gemeinsame Leidenschaft für das Thema Emotionen wird später, Anfang der 2000er Jahre, dann schon in Osnabrück, zu vielen gemeinsamen Publikationen und Projekten führen, die einen wichtigen Grundstein legen für das, was seitdem eines Deiner Markenzeichen ist: die Emotionsforschung. So richtig beginnt Deine Beschäftigung mit Emotionen allerdings in Ulm.
Henrik Walter studiert von 1981 bis 1989 in Marburg und GieÃen Medizin, Philosophie und Psychologie. Er arbeitet als Arzt in der Psychiatrie und Neurologie, findet aber dennoch nebenbei die Zeit, 1997 auch in Philosophie zu promovieren. Im Zuge seiner Auseinandersetzung mit dem Problem der Willensfreiheit ist er ebenfalls Teil des DFG-Schwerpunktprogramms Kognition und Gehirn, wo ihr euch kennenlernt und, das Geld ist knapp, auf diversen Konferenzen ein Zimmer teilt. 1998 wird Henrik stellvertretender ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie am Universitätsklinikum Ulm. Als Du 2000 die Gastprofessur in Ulm antrittst, lasst ihr es euch natürlich nicht nehmen: Ein gemeinsames Projekt muss her! Und beide interessieren: Emotionen. Gemeinsam organisiert ihr daher 2001 das 2. Ulmer Humboldt-Colloquium zu Moralität, Rationalität und die Emotionen, dessen Beiträge 2004 von euch in Buchform herausgegeben werden, ebenso wie schon 2003 der Band Natur und Theorie der Emotion. Und dabei bleibt es nicht: Du und Henrik sind hauptverantwortlich für die beiden interdisziplinären VW-Schlüsselthemenprojekte animal emotionale I und II, die in den 2000er Jahren mit dazu beitragen, Osnabrück als Ort der interdisziplinären Emotionsforschung national und international sichtbar zu machen, wo Du seit 2001 auf der Professur für Philosophie der Kognition das Institut für Kognitionswissenschaft (IKW) prägst und gestaltest. Der Weg dahin war, wie so oft, kein einfacher: Eine interdisziplinäre Philosophie des Geistes ist Anfang der 2000er Jahre nicht mehr, wie noch zu Zeiten des Schwerpunktprogramms, eine Nische für einige wenige, sondern bringt seit Mitte der 1990er Jahre mehr und mehr herausragende junge Philosophinnen und Philosophen hervor. Der so geschaffene Wettbewerb lässt zwangsläufig Vertraute in Konkurrenz zueinander treten. So wie bei einem unserer Beitragenden â¦
Albert Newen studierte von 1985 bis 1990 in Freiburg Philosophie, promovierte 1994 in Bielefeld und war bis zu seiner Habilitation 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter in Bonn (wo er â die philosophische Welt ist, wie gesagt, klein â unter anderem mich erst zum Logiktutor macht und mich dann zur Philosophie des Geistes bringt). Albert gehört Anfang der 2000er Jahre zu jenen nachdrängenden âºjungen Wildenâ¹, die sich mit Dir um die wenigen verfügbaren Stellen streiten. Aber es geht gut aus: Aus Konkurrenten werden erst Kollegen und schlieÃlich Freunde â Du bekommst den Ruf nach Osnabrück, Albert zunächst einen nach Tübingen, später geht er nach Bochum, gemeinsam heben wir in den 2010er und 2020er Jahren das bi-lokale Graduiertenkolleg Situated Cognition in Bochum und Osnabrück aus der Taufe.
Als Du in Osnabrück anfängst, wird Jan Slaby Dein erster wissenschaftlicher Mitarbeiter, und die gemeinsame Emotionsforschung nimmt Fahrt auf. Jan nutzt das erste animal emotionale Projekt als Sprungbrett für seine eigene wissenschaftliche Karriere, die ihn über Marburg zurück nach Berlin führt, von wo aus er bis heute in regem Austausch mit uns steht. Als Jan nach Marburg geht, muss für das animal emotionale II-Projekt Ersatz her, und Du hast auch schon jemanden ausgemacht â mich.
Sven Walter studiert 1995 bis 2000 in Bonn Philosophie, unter anderem bei Albert Newen und Ulrich Nortmann, und promoviert 2005 in Saarbrücken, Zweitgutachter war ein gewisser Ansgar Beckermann ⦠Ab 2005 bin ich, wie bereits Du gut zehn Jahre zuvor, bei Ansgar wissenschaftlicher Mitarbeiter, der zu dieser Zeit Präsident der GAP, der Gesellschaft für Analytische Philosophie, ist. Gemeinsam mit Holm Tetens organisieren Ansgar und ich 2006 den GAP.6 Kongress in Berlin. Dort stellen Du und ich erste Weichen für unsere gemeinsame Zukunft in Osnabrück. Kennengelernt haben wir uns sechs Jahre zuvor, auf dem GAP.4 Kongress 2000 in Bielefeld. Nachdem ich Deinen dortigen Vortrag gehört habe, habe ich Dich zu einem kleinen Workshop zum Thema Mental Causation, Multiple Realization, and Emergence eingeladen, den ich 2001 noch als Doktorand in Saarbrücken organisierte. Du bist leicht lädiert, kommst aber dennoch. Du hast Dir im Wanderurlaub in den Dolomiten den Knöchel gebrochen. Aber das hält Dich natürlich auf gar keinen Fall davon ab, einem jungen Kollegen zur Seite zu stehen, wenn auch humpelnd und mit Gips. Fünf Jahre später sehen wir uns wieder. In einer Pause auf der GAP.6 sitzen wir zusammen, als Dir eine Idee kommt. Wie so oft hast Du Visionen. Nicht die natürlich, die einer hat, dessen Verstand den Geist aufgibt, sondern die, die einer hat, der wie Du mit Weitsicht und Ingenium die Geschicke eines Instituts wie dem IKW lenkt. Erst kurz zuvor ist Dir eine Ausschreibung des Landes Niedersachsen auf den Tisch geflattert, das für sechs Jahre die Schaffung neuer Juniorprofessuren finanziert. Es ist Mitte September, die Deadline ist am 7. November. Wer in aller Welt soll in so kurzer Zeit einen geeigneten Kandidaten finden, einen erfolgversprechenden Antrag schreiben und die notwendigen institutionellen Voraussetzungen schaffen? Wer, wenn nicht Du? Am Tag nach der GAP.6 fangen wir an. Fünf Wochen harte Arbeit. Aber es lohnt sich. Ab April 2007 werde ich, nicht zuletzt dank Deiner Kreativität und Energie, Heyne-Juniorprofessor am IKW, finanziert von der VW-Stiftung. Und ab 2009 eben zusammen mit Henrik Teil des animal emotionale II Projekts. Sicherlich, nicht jeder hätte so einen Antrag aus dem Hut zaubern können. Aber nicht jeder hätte eben auch einen Achim gehabt, der die Grundlagen dafür schuf und unbedingtes Vertrauen hatte. Und auch die GAP wird uns nicht mehr loslassen: 2015 richten wir in Osnabrück gemeinsam den GAP.9 Kongress aus, wo Du trotz meiner anfänglichen Skepsis zum kongenialen Erfinder der seither nicht mehr wegzudenkenden Abschlussparty wirst. Zunächst aber haben wir jedoch ein ganz anderes Problem: Die Zusage der VW-Stiftung kommt Ende März 2007, mein Arbeitsbeginn soll der 1. April sein, aber natürlich kann ich Ansgar und die Bielefelder Kolleginnen und Kollegen nicht von heute auf morgen am Anfang des Sommersemesters sitzen lassen. Aber auch dafür hast Du eine jener unkonventionellen Lösungen, die ich immer an Dir bewundert habe.
Uwe Meyer studierte von 1985 bis 1991 in Osnabrück Germanistik und Philosophie, hat dort 1996 promoviert und war bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie und damit einer Deiner philosophischen Kollegen vor Ort. Du schlägst vor, Uwe und ich sollen für das Sommersemester 2007 in Bielefeld und Osnabrück ähnliche Lehrveranstaltungen anbieten, sodass wir, wenn unser Heyne-Antrag Erfolg hat, âºtauschenâ¹ können â ich übernehme Uwes Lehrveranstaltungen in Osnabrück, er meine in Bielefeld. Genau so machen wir es, es klappt, und das ist für Uwe der Auftakt zu einer Reihe von Stellenvertretungen und Lehraufträgen in Bielefeld, bis er 2010 wieder nach Osnabrück zurückkehrt â allerdings nicht ans Institut für Philosophie. Nachdem wir beide Rufe auf Ansgars Nachfolge in Bielefeld abgelehnt haben, entsteht auf Deine Initiative hin eine Stelle am IKW, auf der Uwe uns seitdem ein unverzichtbarer Kollege und Freund geworden ist. Nicht das einzige Osnabrücker Urgestein, im Ãbrigen, das zu diesem Band beigetragen hat.
Wolfgang Lenzen war bis zu seiner Emeritierung 2011 dreiÃig Jahre lang Mitglied des Instituts für Philosophie der Universität Osnabrück und nicht nur immer einer Deiner wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um organisatorische Fragen der Osnabrücker Philosophie ging, sondern bald auch assoziiertes Mitglied am IKW und vor allem: ein guter Freund, der bei seiner Weltumrundung per Fahrrad selbstredend bei Dir in Königstädten Station machte.
Neben den beiden animal emotionale Projekten wirbst Du 2009 ein weiteres Drittmittelprojekt auf dem Gebiet der Emotionsforschung ein, ein Deutsch-Britisches DFG/AHRC Projekt zu Emotionales Erleben in der Depression â eine philosophische Studie, das auf deutscher Seite von Dir geleitet wird, auf britischer Seite von einem unserer Beitragenden.
Matthew Ratcliffe, damals in Durham, später Professor für Philosophie in Wien und heute in York, ist einer der renommiertesten Emotionsforscher und insbesondere international bekannt für seine Arbeiten zum emotionalen Erleben in psychischen Erkrankungen. Eure gemeinsame Projektarbeit stöÃt nicht nur weitere Kooperationen an, bereichert Deine eigenen Arbeiten zu sogenannten existenziellen Gefühlen, beschert Dir 2014 den Titel eines Honorary Professor in the Department of Philosophy an der Universität Durham, sondern prägt vor allem maÃgeblich auch die Arbeit einer Deiner Doktorandinnen, die ebenfalls zu den Beitragenden dieses Bandes zählt.
Asena Paskaleva-Yankova macht am IKW zunächst ihren Bachelor und ihren Master in Cognitive Science, bevor sie dort bei Dir im Anschluss an die gemeinsame Arbeit mit Matthew 2018 mit einer Arbeit zu A Phenomenologically Inspired Framework of the Experience of Depression Described in First-Person Testimonies: Possibility, Ability, and Being with Others in Depression promoviert und dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach Magdeburg geht.
Asena war keineswegs das einzige Osnabrücker âºEigengewächsâ¹, das unter Deinen Fittichen zur selbstständigen Emotionsforscherin heranreifte. Was Dich über die ganzen Jahre hinweg ausgezeichnet hat, waren unter anderem Deine Offenheit für Ideen und Deine Bereitschaft, Ãberlegungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern mit dem gleichen Ernst und der gleichen Aufmerksamkeit zu belohnen wie die Ausführungen etablierter Kolleginnen und Kollegen. Ein Ort, an dem sich dies wieder und wieder gezeigt hat, waren unsere gemeinsamen Studienprojekte. Im Wintersemester 2009/10 zum Beispiel begannen wir mit einem Studienprojekt zu Affectivity â Emotions, moods and existential feelings. Eine der Masterstudierenden in diesem Studienprojekt, die später unsere Doktorandin wurde, hat auch zu diesem Band beigetragen.
Wendy Wilutzky hat, wie Asena, sowohl ihren Bachelor als auch ihren Master in Cognitive Science am IKW gemacht. Durch unser Studienprojekt findet sie zur Emotionsforschung. Derweil wartet die VW-Stiftung noch immer auf den vereinbarten Abschlussband der animal emotionale Projekte und ich muss noch einen Beitrag dafür schreiben, habe aber leidlich wenig (Neues) zu Emotionen zu sagen. Kreativ wie immer, hast Du einen Vorschlag: Wendy und ich sollen die Emotionsforschung auf der einen und sogenannte âºsituierteâ¹ Theorien von Kognition (damit kenne ich mich wenigstens halbwegs aus â¦) auf der anderen Seite miteinander verbinden. Da weder Wendy noch ich auf Dich verzichten wollen, oder besser gesagt: können, kommst Du mit an Bord. So entsteht unser erster Beitrag zur situierten Affektivität, der 2011 in dem von Dir, Jan, Henrik und mir herausgegebenen Band Affektive Intentionalität: Beiträge zur welterschlieÃenden Funktion menschlicher Gefühle in deutscher Sprache erscheint. Das Thema lässt uns bis heute nicht wieder los. Am 12. Dezember 2012 halten wir auf einer Konferenz in Bauru in Brasilien erneut einen Vortrag zu dem, was wir seitdem als âºsituated affectivityâ¹ bezeichnen. Und es pressiert mal wieder (so wie auch an jenem denkwürdigen Morgen des 27. Juni 2013, als wir uns, feinsäuberlich gestriegelt und gebügelt, wie es sich für mich als Bräutigam und Dich als meinem Trauzeugen gehört, die Langeweile vertreiben, indem wir den letzten noch fehlenden Beitrag unseres Handbuchs Kognitionswissenschaft redigieren, das am darauffolgenden Tag in Druck gehen soll): Am 15. Dezember 2012 ist nämlich die Deadline für ein Sonderheft der Zeitschrift Philosophical Psychology, zu dem wir etwas einreichen möchten. In drei heiÃen Tagen zunächst in Bauru und anschlieÃend an der Copacabana in Rio de Janeiro machen wir in einer Hauruckaktion aus Vortragsfolien ein paper. Es klappt: Die 2014 unter dem Titel âºEmotions beyond brain and bodyâ¹ erschienene Arbeit wird zu einem der grundlegenden Texte der Debatte um situierte Affektivität und letztlich zum Keim unseres späteren Graduiertenkollegs zu Situated Cognition. Eine weitere Beitragende unseres Bandes lässt sich von dem zuweilen arg analytischen Stil unserer Arbeit nicht abschrecken, findet Gefallen an der Vorstellung situierter Affektivität und verstärkt seitdem unser Team.
Imke von Maur kommt nach ihrem Bachelorstudium in Angewandter Kognitions- und Medienwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen 2012 für ihr Masterstudium nach Osnabrück und findet dort auf Anhieb in der Arbeitsgruppe Philosophie ihren Platz, nachdem sie in einem Deiner Seminare ganz beeindruckt davon ist, wie unprätentiös sich ein gestandener Professor von einem seiner Doktoranden Heidegger erklären lässt ⦠Imke promoviert schlieÃlich mit einer Arbeit zur epistemischen Relevanz des Fühlens in der lebensweltlichen Praxis bei uns beiden und arbeitet seitdem in unserer Arbeitsgruppe zu Emotionen, vor allem zur Frage ihrer (Un-)Angemessenheit, zu der ihr auf der EPSSE 2015 ein Symposium organisiert. Die Fragen der Situiertheit von Emotionen und ihres Weltbezugs, vor allem im politischen, realweltlichen Kontext, die euch beide umtreiben, habt ihr 2014 auch mit einem weiteren Beitragenden dieses Bandes diskutieren können.
Andrea Scarantino ist, wie Matthew, international ausgewiesener Experte der Emotionsforschung, liebäugelt wie wir mit einer situierten Theorie und kommt, folgerichtig, 2014 mit einem Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler nach Osnabrück, das mit Deiner Hilfe eingeworben wurde. Wie viele andere Gastwissenschaftler, die im Laufe der Jahre auf Deine Initiative hin aus der ganzen Welt den Weg nach Osnabrück, ins Land der, wie wir ein paar Jahre zuvor erfahren mussten, Pinkel- und Grünkohlforschung, auf sich genommen haben, um hier für ein paar Tage, Wochen oder Monate Philosophie zu treiben, ist Andrea dauerhaft mit uns in Kontakt geblieben und bis heute ein wertvoller Kollege.
Du sonnst Dich aber mitnichten (und auch nicht mit Neffen) nur im internationalen Austausch mit Fachkollegen. Du suchst immer auch die bodenständige Arbeit mit Studierenden, deren Interesse und Arbeit Du mit immensem Engagement und ansteckendender Begeisterung förderst, wie beispielsweise im Fall der beiden studentischen Beiträge zu diesem Band, zu denen auch ich mein Scherflein beitragen durfte.
Luu Zörlein und Hin Sing Yuen studieren beide in Osnabrück Cognitive Science im Master. Sie haben ein Projekt auf die Beine gestellt, das so eigentlich nur in einem intellektuellen Klima wie dem entstehen kann, das Du während der vergangenen zwanzig Jahre als Vorstandsmitglied, Studiendekan und Lehrender am IKW maÃgeblich mit geprägt hast. Vor einer Weile sprach Luu mich an, ob ich ihre Masterarbeit zum Thema Polyamorie betreuen könne. Selbstredend. In unserem Studienprojekt Situated Affectivity stellte Luu im April 2022 erste Ãberlegungen zum Gefühl der Compersion in nicht-monogamen Beziehungen vor. Sing, der von Hong Kong aus nach Osnabrück in den Master gekommen ist, war, wie Du, sofort Feuer und Flamme: So fassten Luu und Sing den Entschluss, mit meiner Hilfe Luus Wissen über Polyamorie und Sings Kenntnisse zum Buddhismus zu kombinieren. Wie immer konnten wir uns Deiner Unterstützung und Deines Enthusiasmusâ sicher sein, und so ist es nichts weniger als angebracht, das Resultat hier zu Deinen Ehren öffentlich zu machen.
Eine weitere Veranstaltung von uns, die im Laufe der Zeit zahllose Arbeiten hervorgebracht hat, ist unser philosophischer Reading Club. Auch dort hast Du immer die Tür weit offen gehalten für talentierte junge Studierende, damit diese im geschützten Raum einer vertrauten akademischen Atmosphäre ihre ersten philosophischen Versuche wagen können. So wie die jüngste Beitragende zu diesem Band.
Carmen MoÃner studiert Cognitive Science im Bachelor und hatte eigentlich vor, sich auf Neuropsychologie zu spezialisieren, bevor sie ihren Umweg in die Philosophie fand. Als sie im Sommersemester 2022 an einer Deiner Lehrveranstaltungen zu Emotionen teilnimmt, schreibt sie eine Hausarbeit zu Empathie, von der Du so begeistert bist, dass Du vorschlägst, sie zu überarbeiten und anschlieÃend im philosophischen Reading Club vorzustellen. Immer noch ein wenig baff, tut Carmen wie geheiÃen. Seitdem haben sie und ich, mit Deinem wie immer unermüdlichen Input, daran weitergearbeitet. Das Resultat Deiner Unterstützung ist einer der Beiträge zu diesem Band.
Lieber Achim, wir alle sind froh, dass wir das Vergnügen hatten, Dich wenigstens ein Stück Deines an- wie aufregenden Wegs begleiten zu dürfen. Mindestens so neugierig aber sind wir auf das, was da zweifelsohne noch kommen wird, wenn Du Deine unbändige Energie, mit der Du Königstädten bis 2030 im Alleingang CO2 neutral machen wirst, wieder stärker auf die Philosophie verwenden kannst und Dein Tatendrang nicht mehr durch institutionelle Verpflichtungen gehemmt wird. Den Diederich HeÃling über Deinem Schreibtisch kannst Du nun abhängen. Auf zu neuen Ufern! Wir freuen uns drauf. Und: Danke!