Der hier vorliegende zweite Band der Post-Systematischen Theologie behandelt die ersten materialen Themen der Theologie auf Basis der im ersten Band vorgestellten narrativen Ontologie des Werdens, die konsequent eine relationale Ontologie und eine dynamische Ontologie auf der Basis phänomenalen Wahrwertnehmens verbindet. Der vollständigen Gotteslehre, konsequent trinitarisch ausgeführt, folgt die Schöpfungslehre, die Anthropologie und die Hamartiologie. Deutlich wird die enge Verzahnung zum ersten Band dadurch, dass die dort getroffenen philosophischen, religionsphilosophischen und fundamentaltheologischen Entscheidungen nun als abhängig von der materialen Theologie erscheinen, wie sie hier expliziert wird. Damit wird auch das, was man die partielle Konvergenz von Philosophie und Theologie nennen mag, exemplifiziert. Obwohl der Ablauf traditionell erscheint und sich bewusst an einer loci-Dogmatik orientiert, darf man dadurch keine falschen inhaltlichen Schlüsse ziehen. Die Anthropologie und die Hamartiologie sind nicht neue Felder neben der Schöpfungslehre, sondern gehören zu dieser, wie auch der Mensch nur im Rahmen der Geschöpflichkeit thematisiert werden kann. Daher schließt der Band auch nicht mit der Hamartiologie, sondern mit kurzen Bemerkungen zu einem Ethos der Geschöpflichkeit angesichts der Überlebens- und Gestaltungsprobleme des Lebens auf unserem Planeten. Diese Bemerkungen dienen vor allem dazu zu zeigen, dass unter den Bedingungen der Gegenwart und Zukunft Umweltethik nicht als Bereichsethik entfaltet werden darf, sondern eingebettet sein muss in eine dem Wahrwertnehmen angemessene Revision des Verständnisses von Gott, Welt und Mensch. In diesem letzten Kapitel findet sich gegenüber den anderen Kapiteln nichts wirklich Neues, aber es versucht noch einmal die praktische Seite der gesamten Post-Systematischen Theologie aufzuweisen. Diese praktische Seite darf in Konkordanz zum ersten Band nicht falsch verstanden werden. Zwar beinhaltet der christliche Glaube auf Schritt und Tritt eine Handlungsorientierung, wie es auch nicht anders sein könnte, da es sich doch bei ihm um eine Weise des Wahrwertnehmens handelt. Allerdings muss diese Handlungsorientierung strikt als praxis, nicht als poiesis verstanden werden. Wie sehr sich Theologie auch unter den gegenwärtigen Bedingungen verändert, so dürfen diese Veränderungen weder als unter dem Druck der ökologischen Krise inauguriert verstanden werden, noch darf man meinen, eine veränderte Theologie löse alle Probleme. Theologie bleibt der trinitarischen Selbstpräsentation Gottes verbunden – sonst nichts, mag man ergänzen. Allerdings tritt in der Verschränkung der Geschichten von Gott und Welt in der Gegenwart die Selbstpräsentation in einer Weise hervor, die inhaltlich vieles anders wird sehen lassen müssen, und deren Wahrheitsgehalt aufzuzeigen, enge interdisziplinäre Arbeit erfordert. Obwohl der Begriff der Ökologie nicht unproblematisch ist, weil er sich bei näherem Hinsehen als nicht wirklich geeignet erweist, die Solidarität des Geschaffenen als imago trinitatis adäquat auszudrücken, sondern vielleicht sogar eher in die Geschichte dessen gehört, was die gegenwärtig überdeutlich wahrwertnehmbaren Probleme verursacht hat, habe ich mich nach langem Zögern doch entschlossen, ihn in den Untertitel aufzunehmen, weil er zumindest in der Alltagssprache eine entsprechende Aufmerksamkeit erzielt. Berücksichtigt man das in Kap. 45.5 Gesagte, dürfte er aber ohne Schaden verwendbar sein.
Gedankt sei für die Mitarbeit am Manuskript D. Bich Nhi Dang, Johanna Knotte und Brandon Watson. Joachim von Soosten sei für sein unermüdliches Engagement in der Lehre gedankt, das mir für den Abschluss des Manuskripts ein Forschungssemester ermöglicht hat. Von Seiten des Verlags gebührt für die hervorragende Betreuung Lisa Sauerwald, Martina Kayser und Jörg Persch stellvertretend Dank. Meiner Frau und meiner Tochter sei dafür gedankt, dass sie bereit sind, unseren Alltag nicht nur durch das übliche akademische Alltagsgeschäft durcheinander würfeln zu lassen, sondern auch durch ein entsprechendes Projekt, wie es diese Post-Systematische Theologie darstellt. Gewidmet ist dieses Buch meinem Freund und Lehrer Christoph Schwöbel, der viel zu früh und überraschend unsere Wege verlassen musste.
Estomihi 2023 Markus Mühling