Einen nachhaltigen Einfluss auf Zeitvorstellungen und Geschichtsdeutungen im lateinischsprachigen frühen Mittelalter übten die von Augustin von Hippo (354â430) verfassten Schriften zur Zeittheorie und zum Weltaltermodell aus. Sie werden im Folgenden zunächst auf ihre inhaltlichen Aspekte und im Anschluss daran auf ihre Rezeption hin untersucht. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Verhältnis sowohl zwischen Zeit und Ewigkeit als auch zwischen Zeit und Schöpfung. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, welche Rolle der eschatologische Horizont für die Darstellung und für die Deutung der Weltgeschichte einerseits und für das Verhältnis der Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft andererseits spielte. In alledem geht es darum zu ergründen, ob und inwieweit die der Zeit und der ihr unterliegenden Weltgeschichte zugeschriebene Vergänglichkeit das Ende der Welt brisant erscheinen lieÃ, den Ausblick auf das Jenseits bedingte und die Sicht auf das Diesseits beeinflusste.
1.1 Hintergründe und Voraussetzungen: Zeittheorie und Weltaltermodell bei Augustin von Hippo
1.1.1 Zeittheorie
Eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit unternimmt Augustin im 11. Buch seiner Confessiones.1 Den Ausgangspunkt hierfür bildet seine Bitte an Gott, Einsicht in den Sinn der Schrift zu erlangen, auch und insbesondere ihrer dunklen und nur schwer durchdringlichen Stellen.2 Alles wolle er bedenken, von dem Anbeginn der Welt bis zu ihrem Ende.3 Von grundlegendem Interesse ist dabei für ihn Gen 1,1, wonach Gott im Anfang Himmel und Erde schuf. Denn zum einen beschäftigt Augustin, auf welche Weise Gott den Schöpfungsakt vollzogen habe,4 zum anderen weist er die Frage, was Gott gemacht habe, bevor er Himmel und Erde schuf, konsequent zurück.5 Die Antwort auf das quomodo findet Augustin in dem Wort Gottes,6 das er als ewig und unsterblich beschreibt.7 Im Kontrast dazu sieht er die Schöpfung: Himmel und Erde seien, weil sie gemacht seien, d.h. sie hätten nicht schon immer bestanden, sondern verdankten ihr Sein Gott und könnten folglich nicht gleichewig mit ihm und seinem Wort sein. Vielmehr, so Augustin, würden sie der Wandelbarkeit, der Veränderlichkeit und der Sterblichkeit unterliegen.8 Durch die Hervorhebung der grundverschiedenen Eigenschaften Gottes und seines Wortes auf der einen Seite und der Schöpfung auf der anderen Seite wird sowohl die Betrachtung der Zeit vorbereitet als auch die Grundlage dafür gelegt, der Frage, was Gott gemacht habe, bevor er Himmel und Erde schuf, jegliche Schlüssigkeit abzusprechen. Denn als wesentliches Kennzeichen von Zeit erkennt Augustin die mutabilitas. Dadurch dass Zeit im Wandel begriffen sei, unterscheide sie sich von der Ewigkeit.9 In der Konsequenz könne Gott nicht der Zeit unterworfen werden, da er im Unterschied zu ihr bleibe10 und es in seiner Ewigkeit keine Veränderlichkeit gebe.11 Vielmehr sei Gott vor allen Zeiten,12 er sei ihr Schöpfer und ihr Ordner.13 Demnach wird bei Augustin Zeit selbst als ein Teil der Schöpfung verstanden.14 Infolge dessen erübrigt sich auch die Frage, was Gott gemacht habe, bevor er Himmel und Erde schuf: Es gab nämlich kein Damals, wo es keine Zeit gab.15 Vielmehr ist Zeit nach Augustin auf das Geschaffene angewiesen, da es durch seine Bewegung Veränderung bewirke, sodass sich ein Nacheinander und ein auf seine Dauer hin messbarer Verlauf ergebe.16 So lässt sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Geschaffenem und Zeit ableiten, dass Zeit als ebenso begrenzt wie die Welt selbst gedacht wird. Diese Verbindung lässt sich unter Hinzuziehung des eschatologisch ausgerichteten 20. Buches von De civitate Dei fundieren. Es handelt von dem Jüngsten Gericht und thematisiert in diesem Zusammenhang u.a. die Vorstellung von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Vor dem Hintergrund von 2Petr 3,7 hält Augustin fest, dass Himmel und Erde, d.h. die nach der Sintflut erneuerte Welt am Tag des Gerichts dem Feuer übergeben werde, was zugleich den Untergang der gottlosen Menschen bedeute.17 Durch diesen Weltbrand, so Augustin weiter, würden die Eigenschaften der vergänglichen Elemente, die mit den vergänglichen Leibern übereingestimmt hätten, gänzlich zugrunde gehen. Die neue Welt werde dagegen den durch wunderbare Wandlung unsterblichen Leibern angepasst sein.18 Denn auch die Leiber werden zu neuer Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit aus der alten Vergänglichkeit und Sterblichkeit hinübergehen.19 Laut Augustin wird es nach dem Jüngsten Gericht nichts mehr geben, was entstehen und vergehen könnte. Somit verliert Zeit die Bedingung ihrer Möglichkeit, woraus ihr Ende im Jüngsten Gericht und damit ihre Begrenztheit resultiert. Dass Zeit für Augustin eine veränderliche und vergängliche GröÃe ist, wird schlieÃlich auch daran ersichtlich, dass er allein der Gegenwart ein Sein zuschreibt, wohingegen er die Vergangenheit als nicht mehr und die Zukunft als noch nicht seiend begreift. Ihm zufolge kann zwar Vergangenes durch die Erinnerung und Zukünftiges durch die Erwartung vergegenwärtigt werden.20 Dies ändert allerdings nichts daran, dass auch das Zukünftige übergeht in das Vergangene. So nimmt laut Augustin das Zukünftige so lange ab und das Vergangene so lange zu, bis das Zukünftige gänzlich verbraucht und alles Vergangenes ist.21
1.1.2 Weltaltermodell
Mit der Begrenztheit der Zeit geht die Begrenztheit der ihr unterliegenden Weltgeschichte einher. Mit seinem Modell der Weltalter unternahm Augustin den Versuch, ihren Verlauf zu erfassen, zu ordnen und zu interpretieren. So wird die Weltgeschichte in seinen Texten als Heilsgeschichte periodisiert,22 wobei die Gliederung und die Deutung nach unterschiedlichen Mustern erfolgen: Zum einen richtet sich Augustin an den in seiner Zeit gängigen Lebensaltern aus,23 zum anderen beschreibt er unter Rückgriff auf alttestamentliche Texte die einzelnen Weltalter in Analogie zu den sechs Schöpfungstagen und dem Schöpfungssabbat.24 Beide in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten geläufigen Schemata verbindet erstmals er in seinem zwischen 388 und 390 verfassten Werk De Genesi contra Manichaeos25 miteinander.26 In späteren Schriften wie De civitate Dei27 oder in dem darin erwähnten Brief28 an Bischof Hesychius von Salona29 De fine saeculi30 beschäftigt er sich darüber hinaus intensiv mit der Frage nach der Kalkulierbarkeit des Weltendes. Die folgende Untersuchung nimmt daher sowohl Augustins Modell der Weltalter als auch die daraus resultierenden Konsequenzen für die eschatologische Erwartung in den Blick und konzentriert sich insofern auf den âgeschichtstheologische[n] Charakter der Zeitâ als eines âKonstituens [â¦] der universalen Entwicklung der Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht.â31
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In De Genesi contra Manichaeos32 orientiert sich Augustin zur Einteilung und Abgrenzung der Weltalter an den in der Christusgenealogie in Mt 1,1â17 hervorgehobenen biblischen Ereignissen und Personen. Bedingt durch den Lebensaltervergleich und durch die Analogie zu den sechs Schöpfungstagen und dem Schöpfungssabbat wird der durch diesen neutestamentlichen Text vorgegebene Rahmen bis zur Erschaffung des Menschen erweitert, sodass die Geschichte des Volkes Israel zur Geschichte der ganzen Menschheit wird.33 Folglich lässt Augustin das erste Weltalter bei Adam beginnen und setzt es sowohl mit dem mit der Hervorbringung des Lichts verbundenen ersten Schöpfungstag als auch mit der infantia als der ersten Altersstufe des Menschen gleich. Das Ende markiert für ihn die Sintflut. Denn durch sie sei die prima aetas der Vergessenheit anheimgefallen, so wie auch das Säuglingsalter der Erinnerung entzogen sei.34 Das darauffolgende zweite Weltalter erstreckt sich laut Augustin von Noah bis Abraham und entspricht der pueritia, als deren Kennzeichen die fehlende Fortpflanzungsfähigkeit ausgemacht wird. Zudem wird die Arche als sichere Zuflucht inmitten der Sintflut parallelisiert mit der Aufrichtung des Himmelsgewölbes inmitten des Urmeeres am zweiten Schöpfungstag.35 Als die mit dem Zeugungsvermögen assoziierte adolescentia begreift Augustin das bis David reichende dritte Weltalter und verortet in ihm die Geburt des Gottesvolkes aus Abrahams Geschlecht basierend auf Gen 17,5â8.36 Indem das daran anschlieÃende vierte Weltalter von David bis zur babylonischen Gefangenschaft mit der unter den Lebensaltern eine herausragende Stellung als firmum ornamentum einnehmenden iuventus und mit dem vierten Schöpfungstag als dem Tag der Erschaffung der strahlenden Gestirne des Himmelsgewölbes in Beziehung gesetzt wird, wird es als vorübergehende Glanzzeit Israels bis zum Untergang des Königtums präsentiert.37 Das durch das Exil geprägte fünfte Weltalter hingegen gleicht für Augustin der mit declinatio a iuventute ad senectutem umschriebenen Altersstufe des Menschen und wird als eine Phase des allmählichen Niedergangs negativ konnotiert. Dies zeigt sich auch daran, dass das fünfte Weltalter mit dem fünften Schöpfungstag in Ãbereinstimmung gebracht wird. Denn so wie Gott die Tiere im Wasser und die Vögel des Himmels hervorgebracht habe, habe das jüdische Volk nach dem Verlust seines Landes zerstreut und ohne festen Wohnsitz unter den Völkern zu leben begonnen.38 Analog zum sechsten Schöpfungstag als dem Tag der Erschaffung des Menschen lässt Augustin das sechste Weltalter mit der Menschwerdung Jesu Christi anbrechen. Durch den Vergleich mit der senectus als dem Greisenalter weist er es zugleich als den letzten Zeitabschnitt der Weltgeschichte aus. Bei dem sechsten Weltalter handelt es sich somit um das gegenwärtige Weltalter, dessen mit der noch ausstehenden Parusie Christi einhergehendes Ende zugleich das Ende der Welt bedeutet. Vom Verfall betroffen ist laut Augustin aber nur der dem Irdischen verhaftete alte Mensch.39 Im Gegensatz dazu sieht Augustin den in der Hinwendung zu Christus von der Sehnsucht nach dem ewigen Leben erfüllten neuen Menschen in der Lage,40 âdas Greisenalter der Welt [zu] transzendierenâ in dem Sinne, dass er âbereit [ist] für das neue saeculum, den neuen Aion.â41 Gemeint ist damit das mit der Parusie Christi beginnende siebte Weltalter, das von Augustin in Gleichsetzung mit dem Schöpfungssabbat und unter Verzicht auf eine chiliastische Deutung als immerwährende Sabbatruhe im Jenseits verstanden wird.42
Dass Augustin das sechste Weltalter als das Greisenalter der Welt einstuft, es allerdings nicht nur mit Verfall, sondern zugleich auch mit Erneuerung verbindet, weist Therese Fuhrer zufolge auf die Ãberwindung der âjüdisch-christliche[n] Fixierung auf die eschatologische Perspektiveâ hin. Nicht durch âdie Naherwartung und die bevorstehende Erlösungâ würde sich demnach der letzte Zeitabschnitt der Weltgeschichte von den vorherigen Weltaltern abheben, sondern durch âdie Geburt Christi und damit die Möglichkeit der eigenen Erneuerung und [â¦] der Verjüngung bereits im Diesseits.â43 Angesichts dieser Fokusverlagerung stellt sich die Frage, ob tatsächlich von einer Ãberwindung der eschatologischen Perspektive auszugehen ist. Denn die eigene Erneuerung impliziert bei Augustin unweigerlich ein durch die Aussicht auf die immerwährende Sabbatruhe im Jenseits bestimmtes irdisches Dasein. So werden in den Aussagen über das sechste Weltalter nicht âdie Naherwartung und die bevorstehende Erlösungâ selbst in den Vordergrund gestellt, wohl aber das diesseitige Leben des homo novus, für den die eschatologische Perspektive konstitutiv ist.
Zu der Frage nach dem Gesamtzeitraum der Weltgeschichte äuÃert sich Augustin in seiner Schrift De civitate Dei, ohne sich allerdings auf eine konkrete Zahl festzulegen. Gemäà civ. 12.11 lehnt er die Vorstellung von einer viele tausend Jahre umfassenden Dauer vehement ab und nimmt unter Verweis auf die heiligen Schriften stattdessen an, dass seit der Erschaffung des Menschen noch nicht ganz 6000 Jahre vergangen seien.44 Anhand dieser Formulierung wird bereits ersichtlich, dass Augustin weder um eine genaue Verortung seiner eigenen Zeit innerhalb der Weltgeschichte bemüht ist noch Spekulationen über die Dauer des sechsten Weltalters anstellt.45 Denn es sei, so heiÃt es in civ. 18.53, eine vergebliche Anstrengung, die verbleibende Zeit bis zum Weltende ausrechnen und bestimmen zu wollen. Mit einem Zitat aus Apg 1,7 bringt Augustin zum Ausdruck, dass dies zu wissen nicht dem Menschen, sondern allein Gott zukomme.46 Angaben wie 400, 500 oder 1000 Jahre bis zur Parusie Christi seien demnach nichts anderes als lediglich menschliche MutmaÃungen.47 In civ. 20.7 positioniert sich Augustin auÃerdem ausdrücklich gegen das chiliastische Geschichtsbild48, indem er ein wörtliches Verständnis der in Apk 20,2 genannten 1000 Jahre andauernden Bindung des Teufels ausschlieÃt. Zur Deutung dieser Zahl sieht er stattdessen zwei Möglichkeiten: Entweder stünde sie gewissermaÃen als totum pro parte für den verbleibenden Rest des sechsten Weltalters oder für die Fülle der Zeit.49
Den Standpunkt einer Nichtkalkulierbarkeit des Weltendes vertritt Augustin auch in seinem in civ. 20.5 erwähnten Brief an Bischof Hesychius von Salona. Unter der Ãberschrift De fine saeculi greift er in ep. 199 wie in civ. 18.53 Apg 1,7 auf und mahnt unter Bezugnahme auf die markinische Endzeitrede zur ständigen Wachsamkeit. Denn weil Christus zu einem unerwarteten Zeitpunkt wiederkehren werde, sei es entscheidend, stets vorbereitet zu sein.50 So gelangt Augustin schlieÃlich zu folgendem Urteil: Wer behauptet, die Parusie sei nah, sage zwar etwas äuÃerst Wünschenswertes, stehe jedoch auch in der Gefahr eines Irrtums. Erfüllt sich die Erwartung demnach nicht, stelle sich ein Gefühl des Ãrgers ein. Wer dagegen sagt, die Wiederkunft Christi sei noch fern, aber dennoch an sie glaubt und auf sie hofft, werde sich in gröÃerer Geduld üben können, sollte sich diese Einschätzung als richtig erweisen. GleichermaÃen werde er von gröÃerer Freude erfüllt sein, sollte er sich doch geirrt haben. Nur derjenige aber, der bekennt, dass er den Zeitpunkt nicht wisse, sei gänzlich ohne Irrtum, da er weder das eine noch das andere bejahe oder verneine.51
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Es lässt sich festhalten, dass Augustin mit seinem Modell der Weltalter in De Genesi contra Manichaeos die als Heilsgeschichte begriffene Weltgeschichte auf Grundlage biblischer Personen und Ereignisse zwar gliedert und deutet, nicht aber ihre bisherige oder verbleibende Dauer zu berechnen versucht. Dies rechtfertigt er in seinen späteren Schriften wie De civitate Dei und dem Brief De fine saeculi damit, dass das Wissen um den Gesamtzeitraum der Weltgeschichte dem Menschen ganz und gar entzogen und stattdessen allein Gott vorbehalten sei. Was er folglich in den Mittelpunkt rückt, ist nicht die Frage, wann das Weltende kommen wird, sondern die Gewissheit, dass es zu einem für den Menschen unerwarteten Zeitpunkt kommen wird. Als auf die Parusie Christi vorbereitet gilt ihm der vom Irdischen weggewandte homo novus. Dem gegenwärtigen sechsten Weltalter ist somit eine eschatologische Qualität insofern inhärent, als es mit der durch die Menschwerdung Christi bedingten Möglichkeit der Erneuerung bereits im diesseitigen Leben die Sehnsucht nach und die Aussicht auf die immerwährende Sabbatruhe im Jenseits eröffnet.
1.2 Augustinrezeption im frühen Mittelalter
Zu den bekanntesten Rezipienten des augustinischen Weltaltermodells im frühen Mittelalter gehören Bischof Isidor von Sevilla52 und der angelsächsische Mönch und Gelehrte Beda Venerabilis53. Während sich Isidor in seinen im Jahr 615 verfassten Chronica maiora54 vor allem an Augustins biblisch fundierter Gliederung der Weltalter orientiert, legt Beda in seiner um 725 angefertigten Schrift De temporum ratione55 darüber hinaus ein besonderes Augenmerk auf die Deutung der Weltgeschichte basierend auf den zwei Schemata, die erstmals in De Genesi contra Manichaeos zusammengeführt wurden:56 dem Lebensaltervergleich und der Analogie zu den sechs Schöpfungstagen und dem Schöpfungssabbat. Zugleich besteht ein wesentlicher Unterschied zu Augustin darin, dass sich sowohl Isidor als auch Beda in ihren Schriften intensiv mit der Frage nach der Dauer der einzelnen Weltalter beschäftigen.57 Ob damit ein gesteigertes Interesse an dem Zeitpunkt des Weltendes einhergeht und sich der Schwerpunkt von der Erneuerung im Diesseits mit der Aussicht auf die immerwährende Sabbatruhe im Jenseits hin zur Naherwartung verschiebt, gilt es nachfolgend näher zu ergründen.
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In Isidors Chronica maiora umfassen die ersten fünf Weltalter wie bei Augustin den Zeitraum von der Erschaffung der Welt über Noah, Abraham, David und die babylonische Gefangenschaft bis hin zur Menschwerdung Christi. Was die inhaltliche Ausgestaltung und die Berechnung der Zeitspanne der einzelnen Weltalter anbelangt, richtet sich Isidor unter Hinzufügung eigener Daten vornehmlich an der von Euseb von Cäsarea (vor 265â339/340) verfassten und von Hieronymus (347â419/420) ins Lateinische übersetzten und fortgeschriebenen Weltchronik aus. In der Konsequenz nimmt er neben den Herrscherfolgen verschiedener GroÃreiche die genealogischen Angaben und die Regierungsjahre der Könige Israels und Judas im Alten Testament gemäà der Septuaginta zur Grundlage seiner Zählung.58 Daraus ergibt sich für das erste Weltalter eine Dauer von 2242 Jahren. Darauf folgen mit einer jeweils weitaus kürzeren Spanne das zweite Weltalter mit 942 Jahren, das dritte Weltalter mit 940 Jahren, das vierte Weltalter mit 485 Jahren und das fünfte Weltalter mit 601 Jahren.59 Die Menschwerdung Christi markiert schlieÃlich den Ãbergang vom fünften zum sechsten Weltalter, dessen mit dem römischen Kaiser Tiberius (14â37) assoziierter Beginn60 ausgehend von der Gesamtlänge der vorherigen fünf Weltalter im Weltjahr 5210 anzusetzen ist.61 Im Hinblick auf den bisherigen Verlauf des sechsten Weltalters verzeichnet Isidor eine sukzessive Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Völkern.62 So wird etwa Konstantin I. (306â337) zum ersten christlichen Kaiser erklärt. Als solcher habe er den Christen gestattet, sich frei zu versammeln und zur Ehre Christi Basiliken zu errichten.63 Nur wenige Jahrzehnte später habe Kaiser Theodosius I. (379â395) den Befehl gegeben, pagane Heiligtümer auf der ganzen Welt zu zerstören.64 SchlieÃlich wird über die Westgoten berichtet, dass auch sie den katholischen Glauben angenommen65 und sich in den von ihnen unter König Sisebut66 eroberten Gebieten in Spanien ebenfalls die Juden zum Christentum bekehrt hätten.67 Somit ist bei Isidor ähnlich wie bei Augustin nicht nur die Weltgeschichte Heilsgeschichte, sondern auch die Heilsgeschichte Weltgeschichte insofern, als sie die im christlichen Glauben verbundene Universalgemeinschaft betrifft.68
Insgesamt sind laut Isidor von der Erschaffung der Welt bis zur Abfassung seiner Chronica maiora bereits etwas mehr als 5800 Jahre vergangen. Obwohl er in seinen Ausführungen zum ersten Weltalter kurz die Analogie zu den sechs Schöpfungstagen ohne Berücksichtigung des Schöpfungssabbats berührt,69 geht er an keiner Stelle seiner Chronik auf die chiliadische Hexaemerontypologie und die mit ihr verbundene Erwartung des Weltsabbats nach 6000 Jahren ein. Stattdessen weist er mit Mt 24,36 und Apg 1,7 wie Augustin darauf hin, dass dem Menschen das Wissen um die verbleibende Weltzeit unzugänglich bleibe. Weil allein Gott der Vater den genauen Zeitpunkt kenne, habe Jesus Christus jeglichen Versuch der Nachforschung zurückgewiesen.70 Folglich gibt auch Isidor keine Antwort auf die universaleschatologische Frage nach dem Wann des Weltendes. Vielmehr verlagert er die Thematik rund um den Gesamtzeitraum der Weltgeschichte am Schluss seiner Chronica maiora auf eine Individualebene, indem er mit Sir 7,40 zu einem gottwohlgefälligen diesseitigen Leben in stetem Bedenken der letzten Dinge mahnt. Denn für jeden Menschen bedeute der eigene Tod zugleich das Ende der Welt.71
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Auch der angelsächsische Mönch und Gelehrte Beda Venerabilis gliedert in dem universalchronologischen Anhang72 seiner um 725 verfassten Schrift De temporum ratione73 die Weltgeschichte in sechs Weltalter, die der augustinischen Periodisierung entsprechend den Zeitraum von Adam über Noah, Abraham, David und die babylonische Gefangenschaft bis zur Menschwerdung Christi und dessen noch ausstehender Parusie abdecken.74 Zur Deutung des Verlaufs zieht Beda wie schon Augustin sowohl den Lebensaltervergleich als auch die Analogie zu den sechs Schöpfungstagen und dem Schöpfungssabbat heran. So werden die ersten fünf Weltalter in aufsteigender Reihenfolge als infantia, pueritia, adolescentia, iuvenalis aetas und als senilis aetas begriffen.75 Indem Beda letztlich das sechste Weltalter mit der Schwäche und Kraftlosigkeit implizierenden aetas decrepita gleichsetzt, macht er darauf aufmerksam, dass es einst im Tod der ganzen Welt dahinraffen werde.76 Demnach veranschaulicht der Lebensaltervergleich nicht nur die zeitliche Begrenztheit der Weltgeschichte, sondern lässt auch ihren in die mors mündenden Lauf als natürlich und das Ende der Welt als unvermeidlich erscheinen.
Dass Beda seinen Blick nicht allein auf das Diesseits richtet, zeigt die Analogie zu den sechs Schöpfungstagen und dem Schöpfungssabbat, die er bereits im 10. Kapitel von De temporum ratione anwendet und im 71. Kapitel nochmals aufgreift. Auffällig ist zunächst, dass die sechs Weltalter von Adam bis zur Parusie Christi jeweils einen auf ein intaktes Gottesverhältnis hindeutenden Morgen und einen auf Not, Bedrängnis und Sündhaftigkeit hinweisenden Abend haben.77 Ãhnlich wie bei dem Lebensaltervergleich wird die Weltgeschichte damit als vergänglich und unbeständig charakterisiert. Dennoch steht auch bei Beda das sechste Weltalter nicht nur für den Verfall, sondern ebenso für die Erneuerung. Wie nämlich Gott am ersten Schöpfungstag den Menschen nach seinem Bild gemacht habe, sei der Gottessohn im sechsten Weltalter im Fleisch erschienen und habe den Menschen nach dem Bild Gottes wiederhergestellt.78 Hinzu kommt, dass Beda noch ein siebtes und ein achtes Weltalter differenziert. Anders als die sechs in Ãberstimmung mit den sechs Schöpfungstagen stehenden diesseitigen Weltalter werden sie als jenseitige Weltalter ohne Abend beschrieben: Das siebte Weltalter sei dem Schöpfungssabbat gleich der Sabbat der Seelen, der mit Abel als dem ersten Märtyrer seinen Anfang genommen habe, allen Gerechten nach ihrem leiblichen Tod immerwährende Ruhe in einem anderen Leben gebe und schlieÃlich seine Vollendung in dem in sich ewigen achten Weltalter finden werde. Denn wie Christus am achten Tag als dem Tag nach dem Sabbat auferstanden sei, würden auch die Seelen der Gerechten einst mit unsterblichen Leibern ausgestattet werden und das Himmelreich erlangen.79 Indem Beda ausdrücklich von einem achten Weltalter spricht, geht er über Augustin hinaus,80 fokussiert den Ãbergang von der Vergänglichkeit in die Ewigkeit und vertieft somit die eschatologische Dimension des gesamten Weltaltermodells.81
Die Möglichkeit, die Dauer des sechsten Weltalters im Voraus zu bestimmen, schlieÃt Beda unter Verweis auf die verschiedenen Längen der vorherigen fünf Weltalter konsequent aus. Hierfür bezieht er zwar neben den Herrscherfolgen verschiedener GroÃreiche häufig die genealogischen Angaben und die Regierungsjahre der Könige Israels und Judas im Alten Testament gemäà der Septuaginta mit ein, präferiert jedoch anders als Isidor den von Hieronymus ins Lateinische übersetzten und als Hebraica Veritas bezeichneten hebräischen Text.82 Auf dieser Grundlage zählt Beda für das erste Weltalter 1656 Jahre, für das zweite Weltalter 292 Jahre, für das dritte Weltalter 942 Jahre, für das vierte Weltalter 473 Jahre und für das fünfte Weltalter 589 Jahre, sodass die Menschwerdung Christi als Beginn des sechsten Weltalters im Unterschied zur eusebianisch-hieronymianischen Chronik nicht auf das Weltjahr 5199, sondern auf das Weltjahr 3952 datiert wird.83 Daran anknüpfend warnt er vor dem Trugschluss, dass eine vermeintlich kürzere oder längere verstrichene Weltzeit zugleich eine längere oder kürzere noch verbleibende Weltzeit bedeuten würde. Denn, so argumentiert er unter Bezugnahme auf Mt 24,36 und in Ãbereinstimmung mit Augustin und Isidor, allein Gott der Vater kenne den letzten Tag und die letzte Stunde.84 In der Konsequenz spricht er der mit der chiliadischen Hexaemerontypologie verbundenen Vorstellung von einem 6000 Jahre umfassenden Gesamtzeitraum der Weltgeschichte jegliche Schlüssigkeit ab.85 Weil sich nämlich bei keinem der schon vergangenen fünf Weltalter eine Dauer von exakt 1000 Jahren nachweisen lasse, sondern stets mal mehr und mal weniger, sei auch die Länge des sechsten Weltalters dem sterblichen Menschen unbekannt. Deshalb sei es notwendig, stets wachsam und jederzeit vorbereitet auf die Parusie Christi zu sein.86 Diese Mahnung wird durch einen Ausschnitt aus dem von Augustin verfassten Brief De fine saeculi fundiert.87 Aus ihm entnimmt Beda fast wörtlich und ohne eigenen Kommentar die drei unterschiedlich gewichteten Antworten auf die Frage nach dem Zeitpunkt der Parusie Christi: Eine baldige Wiederkunft würden demnach alle Gläubigen ersehnen. Wer sich aber darauf festlegt, dass sie nahe sei, laufe Gefahr, sich zu irren und bei einer Verzögerung enttäuscht zu werden. Auch wer behauptet, dass sie noch fern sei, könne falsch liegen. Gleichwohl werde die Freude umso gröÃer sein, sollte sich die Parusie Christi früher ereignen. Gänzlich frei von Irrtum sei jedoch allein der Mensch, der sich eingestehe, den Zeitpunkt nicht zu kennen.88
So wie sich Beda gegen die Vorstellung von einer sechsmal 1000 Jahre währenden Weltgeschichte positioniert, lehnt er die chiliastische Deutung des Schöpfungssabbats ab. Er hebt hervor, dass das siebte Weltalter nicht erst nach den sechs vorhergehenden einsetzen werde, dass ihm keine Frist von 1000 Jahren gesetzt sei und dass es nicht die Herrschaft der Heiligen mit Christus im Diesseits bedeute. Vielmehr sei es das Weltalter immerwährender Ruhe im jenseitigen Leben, das die heiligen Seelen nach dem leiblichen Tod in Christus empfingen. Nochmals betont Beda auÃerdem, dass das siebte Weltalter mit Abel als dem ersten Märtyrer begonnen habe und mit der Totenauferstehung zu seiner Vollendung gelangen werde.89 Folglich verläuft es laut Beda parallel zu den sechs diesseitigen Weltaltern, sodass der eschatologische Horizont über den gesamten Zeitraum der Weltgeschichte hinweg transparent bleibt.
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AbschlieÃend und zusammenfassend sei der Blick auf die jeweilige praefatio von Isidors Chronica maiora und von Bedas De temporum ratione gerichtet. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass der zählbare Lauf der Zeiten als dahingleitend beschrieben oder anders ausgedrückt die Weltgeschichte als vergänglich ausgewiesen wird.90 In der daraus erwachsenden Frage nach dem Weltende betonen Isidor und Beda, dass die zeitliche Fixierung allein Gott obliege. Daher fokussieren sie sich wie Augustin nicht auf das Wann, sondern konzentrieren sich auf die menschlichen Möglichkeiten im Umgang mit der Gewissheit über die bevorstehende, aber nicht kalkulierbare Parusie Christi. Ein wiederkehrendes Motiv ist dabei die Mahnung zu ständiger Wachsamkeit. Bestimmend für das diesseitige Leben ist somit auch bei Isidor und Beda das eschatologische Ziel.
1.3 Zeitvorstellungen und Geschichtsdeutungen im karolingischen Reich
1.3.1 Berechnung der Weltjahre und der Weltalter
1.3.1.1 In der Herrschaftszeit Karls des GroÃen
In seiner in den 830er Jahren verfassten Vita Karoli Magni bescheinigt der fränkische Gelehrte Einhard91 dem verstorbenen König und Kaiser Karl dem GroÃen (768â814) rückblickend sowohl Sachkenntnis in der Kunst des Rechnens als auch ein erhebliches Interesse für den Lauf der Gestirne.92 Unter der Herrschaft Karls des GroÃen sind teils sogar auf dessen direkten Befehl hin zahlreiche Schriften zur Komputistik entstanden. Sie umfassen neben der Berechnung des christlichen Jahreskalenders mit besonderem Schwerpunkt auf der Kalkulation des Ostertermins häufig auch Angaben zu den Weltjahren und den Weltaltern. Im ausgehenden 8. Jhd. konkurrierten im karolingischen Reich vor allem die in der eusebianisch-hieronymianischen Chronik dominierende Zählung gemäà der Septuaginta und die von Beda Venerabilis präferierte Zählung basierend auf dem ebenfalls von Hieronymus ins Lateinische übersetzten hebräischen Text des Alten Testaments miteinander. Ein Grund, warum letztere zu Beginn des 9. Jhd. für verbindlich erklärt wurde, könnte laut Johannes Fried neben ihrer durch den angelsächsischen Gelehrten Alkuin93 geförderten Verbreitung im Frankenreich darin liegen, dass infolge der Datierung der Menschwerdung Christi auf das Weltjahr 3952 statt auf das Weltjahr 5199 mehr Zeit bis âzum kritischen Weltjahr 6000â94 blieb. Ob und inwieweit in der Herrschaftszeit Karls des GroÃen das Weltjahr 6000 mit dem Weltende verknüpft wurde und für die Berechnung der Weltjahre und der Weltalter ein eschatologisches Interesse angenommen werden kann, soll anhand ausgewählter von Arno Borst edierter und titulierter Schriften zur Komputistik im Frankenreich nachvollzogen werden. Namentlich sind das die Additamenta Coloniensia ad chronica95 von 798, die Series annorum mundi nova96 von 807, die Series annorum mundi secundum antiquos patres97 von 809 und die Libri computi98 von 809. Berücksichtigt wird schlieÃlich auch die von Claudius von Turin99 im Todesjahr Karls des GroÃen 814 begonnene Brevis chronica100, insbesondere weil sie einerseits die genannten zeitgenössischen Schriften zur Komputistik aufgreift und sich andererseits durch ihre Ausrichtung auf die Bibelexegese von ihnen abhebt.101
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Die Additamenta Coloniensia ad chronica von 798 sind vermutlich von Erzbischof Hildebald von Köln102 in Auftrag gegeben worden und richten sich in ihrer Berechnung und in ihrer inhaltlichen Füllung der Weltjahre und der Weltalter vornehmlich an der eusebianisch-hieronymianischen Chronik sowie an den von Isidor von Sevilla angelegten Chronica maiora in einer Bearbeitung von 631 aus.103 Der Zählung gemäà der Septuaginta wird dementsprechend der Vorzug gegenüber der Zählung nach dem hebräischen Text des Alten Testaments gegeben. Das wird vor allem daran ersichtlich, dass für das erste Weltalter von Adam bis zur Sintflut eine Dauer von 2242 Jahren und für das zweite Weltalter von der Sintflut bis Abraham eine Länge von 942 Jahren genannt wird.104 Zudem wird festgehalten, dass vom Anbeginn der Welt bis zur Geburt Christi insgesamt 5199 Jahre vergangen seien.105 Diese Zählung wird am Schluss der Additamenta Coloniensia ad chronica mit leichten Abweichungen bis in das Inkarnationsjahr 798 als das 31. Regierungsjahr Karls des GroÃen fortgesetzt und in Ãbereinstimmung mit dem Weltjahr 5998 secundum veritatem Hebraeorum106 bzw. mit dem Weltjahr 6268 secundum vero Septuaginta gebracht.107 Beide Angaben lassen darauf schlieÃen, dass das Weltjahr 6000 in den Additamenta Coloniensia ad chronica nicht eschatologisch aufgeladen wird.108 Denn zum einen fehlt im Zusammenhang mit dem Weltjahr 5998 jegliche Bezugnahme auf das gemäà der Hexaemerontypologie unmittelbar bevorstehende Ende der Welt. Zum anderen wird mit dem Weltjahr 6268 angezeigt, dass die Welt das vermeintlich kritische Weltjahr 6000 bereits überschritten hat. Folglich wird mit Verweis auf Mk 13,32 darauf hingewiesen, dass der Zeitpunkt des Jüngsten Gerichts allen Menschen verborgen sei und dass allein Gott der Vater darüber Kenntnis habe.109 In den Additamenta Coloniensia ad chronica dient die Berechnung der Weltjahre und der Weltalter somit nicht dazu herauszufinden, wie lange die Welt noch Bestand haben wird. Vielmehr geht es darum, die eigene Zeit in die als Heilsgeschichte periodisierte Weltgeschichte einzuordnen: So wie Isidor von Sevilla in seinen Chronica maiora die Verbreitung des christlichen Glaubens durch die Westgoten unter König Sisebut lobend hervorhebt, wird Karl der GroÃe in den Additamenta Coloniensia ad chronica demnach als Verteidiger der Kirche und als ein der Kaiserkrone würdiger König glorifiziert.110
Im Unterschied zu den Additamenta Coloniensia ad chronica von 798 folgt die wahrscheinlich im Kloster Lorsch erstellte und im gesamten Frankenreich breit rezipierte Series annorum mundi nova von 807 in der Berechnung der Weltjahre und der Weltalter der von Beda Venerabilis präferierten Zählung nach dem hebräischen Text des Alten Testaments,111 sodass als Gesamtzeitraum der ersten fünf Weltalter 3952 Jahre und bis zum Abfassungsjahr der Series annorum mundi nova 4759 Jahre angegeben werden.112 Ihr Inhalt ist bestimmt durch die lückenlose Aneinanderreihung von Zahlen und Namen angefangen bei Adam als dem ersten Menschen und schlieÃend mit Karl dem GroÃen als dem unter Gottes Schutz stehenden und deshalb glücklich regierenden König und Kaiser.113 An keiner Stelle werden die Fragen nach dem Zeitpunkt des Weltendes und nach der Bedeutung des Weltjahres 6000 behandelt. Stattdessen versucht die Series annorum mundi nova, den âNachweis der historischen, möglichst auch der genealogischen Kontinuitätâ114 zu erbringen und auf diese Weise die karolingische Zeit mit dem Anbeginn der Welt zu verbinden.115 Für die Darstellung der ersten vier Weltalter von Adam bis zur babylonischen Gefangenschaft stützt sie sich auf alttestamentliche Texte und bezieht neben den Toledotformeln die Amtszeiten der Richter und die Regierungsjahre der Könige Israels und Judas mit ein. Zum Ende des vierten Weltalters wird dann mit der Erwähnung Nebukadnezars II. (605â562 v.Chr.) ein flieÃender Ãbergang zum Neubabylonischen Reich geschaffen.116 Daran schlieÃt sich mit Beginn des fünften Weltalters fast nahtlos die mit Kyros II. (559â530 v.Chr.) einsetzende und mit Dareios III. (336â330 v.Ch.) ausgehende Reihe persischer Könige an. Sie mündet in die durch die Nennung Alexanders des GroÃen (336â323 v.Chr.) gekennzeichnete hellenistische Zeit,117 bis sich mit dem Wechsel von Kleopatra VII. (51â30 v.Chr.) zu Gaius Julius Cäsar (100â44 v.Chr.) und mit dessen Ablösung durch Augustus (27 v.Chr.â14 n.Chr.) allmählich der Fokus hin zum Römischen Reich verschiebt.118 Daraufhin werden für das sechste Weltalter nacheinander die römisch-byzantinischen Kaiser von Tiberius (14â37) bis Justinian II. (685â695; 705â711) aufgelistet. Auffällig ist, dass die historische und genealogische Kontinuitätslinie in der Series annorum mundi nova unmittelbar nach Justinian II. mit dem fränkischen Hausmeier Pippin II.119 weitergeführt wird und letztlich über Karl Martell120 und Pippin III.121 bei der Alleinherrschaft Karl des GroÃen angelangt,122 sodass die âkarolingische Herrschaft als imperiale Nachfolge legitimiertâ123 wird. Als grundlegend für die Deutung der Weltgeschichte erweist sich in der Series annorum mundi nova somit der Gedanke von der translatio imperii.124
Der Series annorum mundi nova wurde im Jahr 809 die Series annorum mundi secundum antiquos patres gegenübergestellt. Die überlieferten Handschriften lassen vermuten, dass sie hauptsächlich im 9. Jhd. im Umlauf war und vor allem im Gebiet zwischen Reims und Tours Verbreitung fand.125 Charakteristisch für sie ist, dass sie sich in der Berechnung der Weltjahre und der Weltalter gegen die in der Series annorum mundi nova vorgenommene Zählung nach dem hebräischen Text des Alten Testaments wendet und sich darum bemüht, die anhaltende Aktualität und âdie Wahrhaftigkeit der frühchristlichen Universalchronistikâ126 zu belegen. Neben Euseb von Cäsarea und Hieronymus werden als normative GröÃen Orosius (380/385ânach 418) und Prosper (um 393ânach 455) angeführt.127 Sie alle sind laut der Series annorum mundi secundum antiquos patres nach demselben Muster vorgegangen: So hätten sie die 2242 Jahre des ersten Weltalters mit den 942 Jahren des zweiten Weltalters addiert, anschlieÃend den 2015 Jahre umfassenden Abstand zwischen Abraham und Christus hinzugefügt und die Geburt Christi folglich übereinstimmend auf das Weltjahr 5199 datiert.128 Davon ausgehend wird das gegenwärtige Inkarnationsjahr 809 als das Weltjahr 6008 identifiziert.129 Die Angaben machen die fehlende kritische Einstufung des bereits verstrichenen Weltjahres 6000 deutlich. Ebenso wird an ihnen ersichtlich, dass sich die Series annorum mundi secundum antiquos patres von 809 wie die Additamenta Coloniensia ad chronica von 798 in der Berechnung der Weltjahre und der Weltalter auf die Zählung gemäà der Septuaginta stützt und dies als eine aufrechtzuerhaltende Tradition ausweist. Anders als die Additamenta Coloniensia ad chronica befasst sie sich allerdings weder mit dem Ende der Welt noch mit dem Standort und dem Stellenwert der Herrschaft Karls des GroÃen innerhalb der als Heilsgeschichte periodisierten Weltgeschichte.
Wie sich zeigt, gab es zu Beginn des 9. Jhd. einige Schwankungen hinsichtlich der Berechnung der Weltjahre und der Weltalter. Auch zur Klärung dieser diffusen Lage bestellte Karl der GroÃe noch im Jahr 809 führende Sachverständige im Bereich der Komputistik zu einer Befragung vermutlich nach Aachen ein. Laut dem Ergebnisprotokoll130 fiel die Entscheidung nach intensiven Diskussionen zugunsten der Zählung nach dem hebräischen Text des Alten Testaments aus.131 Gefestigt wurde sie durch die bald darauf verfassten und mit über 200 erhaltenen Handschriften im Mittelalter viel beachteten Libri computi. Die Anfertigung der insgesamt sieben Bücher erfolgte auf kaiserliche Weisung hin, denn Karl der GroÃe erhöhte nun den Druck auf seine Sachverständigen zur Umsetzung seiner seit dem ausgehenden 8. Jhd. formulierten Forderung, ein verbindliches Lehrbuch zur Zeitkunde vorzulegen.132 In Bezug auf die Berechnung der Weltjahre und der Weltalter wird im 1. Buch der Libri computi die Series annorum mundi nova von 807 übernommen und um zwei Jahre nach hinten bis zu dem 42. Jahr der Königsherrschaft und dem 9. Jahr der Kaiserherrschaft Karls des GroÃen ergänzt, sodass sich vom Anbeginn der Welt bis zum Inkarnationsjahr 809 ein Zeitraum von 4761 Jahren ergibt. Zudem wird Karl der GroÃe am Ende der historischen und genealogischen Kontinuitätslinie erneut als unter Gottes Schutz stehend und deshalb als glücklich regierend charakterisiert, wodurch seine Herrschaft schlieÃlich als âKlimax karolingischer Machtentfaltungâ133 ausgewiesen wird.134
Im Anschluss an die Libri computi von 809 datiert auch Claudius von Turin die Geburt Christi auf das Weltjahr 3952.135 Während allerdings die Libri computi die Series annorum mundi nova von 807 fortschreiben und somit das fünfte Weltalter mit Herrscherfolgen verschiedener GroÃreiche füllen, nimmt Claudius allein biblische Texte zur Grundlage und schafft den Ãbergang zum sechsten Weltalter durch eine Auslegung der Christusgenealogien in Mt 1,1â 17 und Lk 3,23â38.136 Das Inkarnationsjahr 814 kennzeichnet er mit dem Tod Karls des GroÃen und mit dem Beginn der Kaiserherrschaft Ludwigs des Frommen als Zäsur im Lauf der Weltgeschichte und identifiziert es als das Weltjahr 4766.137 Zugleich enthält er sich eines Urteils über die verbleibende Dauer des sechsten Weltalters bis zum Ende der Welt und begründet dies wie die Additamenta Coloniensia ad chronica von 798 unter Bezugnahme auf Mk 13,32 damit, dass allein Gott dem Vater der Zeitpunkt bekannt sei.138 Wenn sogar Christus als der Sohn keine Kenntnis darüber habe, so Claudius abschlieÃend, solle erst recht der Mensch unwissend bleiben wollen.139
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Obwohl die Brevis chronica keinen weitreichenden Anklang fand,140 lässt sich an ihrem Beispiel dennoch der Ausgang der Debatte um die Berechnung der Weltjahre und der Weltalter in der Herrschaftszeit Karls des GroÃen zusammenfassen. Festzuhalten ist demnach die sukzessive Durchsetzung der von Beda Venerabilis präferierten Zählung basierend auf dem von Hieronymus ins Lateinische übersetzten hebräischen Text des Alten Testaments. Mehr noch als der Einsicht in das Alter der Welt dient sie der Einbindung der eigenen Zeit in den Lauf der als Heilsgeschichte periodisierten Weltgeschichte. Damit einher gehen die fehlende Brisanz des Weltjahres 6000 und der Bedeutungsverlust des zeitlichen Aspekts in der Frage nach dem Ende der Welt.141 Stattdessen liegt der Schwerpunkt in den zur Untersuchung herangezogenen Schriften zur Komputistik darauf, den karolingischen Anspruch auf die mit der Verantwortung für den Fortbestand des römischen Kaisertums verbundene imperiale Nachfolge zu legitimieren.142
1.3.1.2 In der Herrschaftszeit Ludwigs des Frommen
Die Verknüpfung zwischen Komputistik und Historiografie blieb auch in der Herrschaftszeit Ludwigs des Frommen (814â840) bestehen. Gleichzeitig wurde nun zunehmend die Perspektive über die Vergänglichkeit der Welt hinaus auf das eschatologische Ziel hin erweitert sowie die bereits von Claudius von Turin vorgenommene Ausrichtung auf die Bibelexegese verstärkt.143 Diese Tendenzen sollen im Folgenden unter der Frage nach ihren Auswirkungen auf die Bedeutung der Berechnung der Weltjahre und der Weltalter exemplarisch an dem Liber calculationis144 von 818, an der von Hrabanus Maurus145 verfassten Schrift De computo146 von 820 sowie an der von Frechulf von Lisieux147 um 830 fertiggestellten Weltchronik Historiarum Libri XII148 nachgezeichnet werden.
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Der von Erzbischof Arn von Salzburg149 angeregte Liber calculationis von 818 gehört mit seinen insgesamt 115 Kapiteln zu den umfangreichsten komputistischen Schriften der karolingischen Zeit. Zu seinen Hauptvorlagen zählen das von Beda Venerabilis erarbeitete Lehrbuch zur Zeitrechnung De temporum ratione von 725 und die Libri computi von 809.150 Auf diesen Grundlagen wird die erstmals in der Series annorum mundi nova von 807 erstellte genealogische und historische Kontinuitätslinie bis in das mit dem Weltjahr 4771 gleichgesetzte Inkarnationsjahr 818 fortgesetzt.151 Im Liber calculationis wird jedoch nicht nur die Weltgeschichte in Zahlen eingefangen und die eigene Zeit mit dem Anbeginn der Welt verknüpft, sondern auch das eschatologische Ziel mitberücksichtigt. Das wird vor allem daran ersichtlich, dass aus dem universalchronologischen Anhang von Bedas De temporum ratione neben den die Unmöglichkeit der zeitlichen Fixierung des Weltendes implizierenden Aussagen über die ersten sechs Weltalter ebenso die Ausführungen zu dem als Sabbat der Seelen begriffenen siebten Weltalter und dem als ewig charakterisierten achten Weltalter wörtlich übernommen werden.152
Ãhnlich verhält es sich mit der von Hrabanus Maurus verfassten Schrift De computo von 820.153 Laut dem vorgeschalteten Widmungsbrief ist sie als Dialog zwischen fragendem Schüler und antwortendem Lehrer angelegt und geht auf die Bitte des Mönches Macharius zurück, Klarheit über die Grundsätze der Zeitrechnung zu schaffen und Stellung zu einigen bisher in Umlauf gebrachten Antworten zu beziehen.154 Hierbei legt Hrabanus Wert darauf zu betonen, dass er sich nicht allein auf eigene Ãberlegungen verlassen habe, sondern diese auf die Aussprüche und die Lehrsätze anerkannter kirchlicher Autoritäten zurückgeführt habe.155 Ãberhaupt wolle er nicht sich selbst den Vorzug geben. Vielmehr gehe es ihm darum, als Begleiter denen zur Seite zu stehen, die auf der Suche nach der Wahrheit seien und dem katholischen Glauben auf rechte Weise dienten.156 Im 9. Kapitel von De computo definiert Hrabanus Zeit als Bewegung der unbeständigen Welt und als Lauf der dahingleitenden Dinge, sodass er sie wie Augustin157 in Beziehung zu dem Geschaffenen setzt und sie als eine endliche, veränderliche GröÃe ausweist.158 Beide Aspekte hebt er auch dadurch hervor, dass er basierend auf Bedas De temporum ratione den Begriff tempus von temperamentum als Bezeichnung für das richtige Maà ableitet und zur Begründung u.a. anführt, dass der Gang des sterblichen Lebens in Zeiträumen, konkret in Augenblicken, Stunden, Tagen, Monaten, Jahren, Jahrhunderten und Weltaltern gemessen werde.159 Was speziell die Weltalter betrifft, so wiederholt Hrabanus im 96. Kapitel als dem Schlusskapitel von De computo wie der Liber calculationis von 818 Bedas Aussagen in dessen universalchronologischem Anhang in De temporum ratione.160 Anders als der Liber calculationis macht Hrabanus allerdings an keiner Stelle in De computo deutlich, ob er selbst der Zählung gemäà der Septuaginta oder der Zählung nach dem hebräischen Text des Alten Testaments folgt.161 Auffällig ist zudem, dass er Bedas Ausführungen zum siebten und zum achten Weltalter ergänzt um die gebetsartige Bitte, dass Gott, der alle Zeiten geschaffen habe, der in Ewigkeit bleibe, der dreifaltig und einer und allmächtig sei, es durch seine Gnade gewähre, zur immerwährenden Ruhe und zum ewigen Leben zu gelangen.162 Insgesamt tritt somit im Hinblick auf den Weltlauf die Standortbestimmung der eigenen Zeit hinter der Aussicht auf die jenseitige Heilsvollendung zurück.
Im Unterschied zu dem Liber calculationis von 818 und zu der von Hrabanus Maurus verfassten Schrift De computo von 820 zeugt der Umgang mit biblischen Texten in den von Frechulf von Lisieux um 830 fertiggestellten Historiarum Libri XII163 nicht nur von einem vornehmlich historiografischen, sondern auch von einem exegetischen Interesse.164 Dies zeigt vor allem der dem ersten Teil der Weltchronik voranstehende und an den Kanzler Ludwigs des Frommen Helisachar165 gerichtete Widmungsbrief.166 Darin heiÃt es, dass Helisachar Frechulf damit beauftragt habe, durch die Untersuchung verschiedenster Schriften die Geschichte von der Erschaffung des ersten Menschen bis zur Geburt Christi darzustellen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Zeit von Adam bis Abraham zu legen. Diesbezüglich wird dem biblischen Text in seinem wörtlich-historischen Sinn eine Schlüsselrolle zugesprochen, zugleich jedoch auch angemerkt, dass er schwierige, zu entknotende Fragen enthalte. Indem er somit als historisches Zeugnis eingestuft und für auslegungsbedürftig befunden wird, wird er sowohl zum Gegenstand der Historiografie als auch zum Gegenstand der Exegese.167 Weiterhin ist auffällig, dass Frechulf allein für die auf Anweisung von Helisachar ausführlich behandelte Zeit von Adam bis Abraham eine Berechnung der Weltjahre und der Weltalter vornimmt. So bevorzugt er in Bezug auf die Dauer des von Abraham bis zur Sintflut zurückreichenden zweiten Weltalters die auf dem hebräischen Text des Alten Testaments basierende Zählung von 292 Jahren gegenüber der an der Septuaginta orientierten Zählung von 942 Jahren.168 Für den Rückblick von der Sintflut auf die Erschaffung des ersten Menschen nimmt er hingegen nur die Septuaginta zur Grundlage und nennt als Gesamtlänge des ersten Weltalters 2242 Jahre.169 Für die Zeit ab Abraham bis zum ersten römischen Kaiser Augustus (27 v.Chr.â14 n.Chr.) stützt sich Frechulf auf die Herrscherfolgen verschiedener GroÃreiche und lässt sie in Anlehnung an den Gedanken von der translatio imperii170 ineinander übergehen.171 Am Ende des ersten Teils seiner Weltchronik sind auÃerdem noch rechnerische Eigenheiten für die Angaben zur Geburt Christi festzustellen: Sie ereignete sich laut Frechulf 515 Jahre nach dem Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels, 1027 Jahre nach der Errichtung des Salomonischen Tempels, 1506 Jahre nach dem Auszug aus Ãgypten, 2011 Jahre nach Abraham, 2921 Jahre nach der Sintflut und 5129 Jahre nach Adam.172 Nicht die Einteilung des diesseitigen Weltlaufs in sechs Weltalter hat für Frechulf demnach Priorität.173 Vielmehr bildet die Geburt Christi den entscheidenden Fixpunkt, was auch dadurch deutlich wird, dass Frechulf sie als den Ãbergang von der langen Dunkelheit zum wahren Licht begreift.174 Daran anknüpfend konkretisiert er sie am Anfang des zweiten Teils seiner Weltchronik als die Geburt des neuen Menschen. Ihm stellt Frechulf Adam als den ersten Ahnherrn und den Verbreiter der Sterblichen gegenüber, âohne die in der christlichen Literatur geläufige [â¦] typologische Entsprechung zwischen der Erschaffung Adams am sechsten Tag und der Geburt Christi im sechsten Weltalterâ175 aufzugreifen.176 Folglich unternimmt er eine Zweiteilung der Weltgeschichte in eine vorchristliche Zeit und in eine christliche Zeit.177 Letztere entfaltet er bis zum Tod Papst Gregors I. (590â604) als eine Zeit der sukzessiven Ausbreitung der Kirche über die ganze Welt und interpretiert den Eintritt der Völker in die christliche Gemeinschaft als Erfüllung alttestamentlicher Segensworte.178
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Es lässt sich ersehen, dass Frechulf in seiner um 830 fertiggestellten Weltchronik Historiarum Libri XII sowohl die Weltgeschichte als Heilsgeschichte als auch die Heilsgeschichte als Weltgeschichte betrachtet. Was ihre Gliederung betrifft, stützt er sich anders als etwa Augustin, Isidor von Sevilla, Beda Venerabilis oder Claudius von Turin weniger auf das Weltaltermodell als vielmehr auf die Geburt Christi. Ihren Stellenwert in dem und für den Verlauf der Weltgeschichte hebt er dadurch zusätzlich hervor, dass er durch die Auflistung der in Weltjahre gefassten zeitlichen Abstände zentrale biblische Ereignisse auf sie ausrichtet.179 Insofern wird die Zeitrechnung in den Dienst der Geschichtsdeutung gestellt. Im Liber calculationis von 818 und in der von Hrabanus Maurus verfassten Schrift De computo von 820 wiederum gibt die Berechnung der Weltjahre und der Weltalter Aufschluss über den Standort und den Stellenwert der eigenen Zeit und weist ebenso auf die Endlichkeit der Zeit und der ihr unterliegenden Weltgeschichte hin. Zugleich wird durch die Einbeziehung des siebten und des achten Weltalters das eschatologische Ziel akzentuiert, sodass schlieÃlich wie bei Beda Venerabilis der Fokus auf den Ãbergang von der Vergänglichkeit in die Ewigkeit gelegt wird.
1.3.2 Die Zeitebenen im Verhältnis
Die im karolingischen Reich vorgenommenen Berechnungen der Weltjahre und der Weltalter implizierten ein teleologisches Geschichtsbild, wonach die Weltgeschichte in insgesamt sechs aufeinanderfolgenden Weltaltern von ihrem Anfang in der Schöpfung auf ihr Ende im Jüngsten Gericht zustrebt. Der Zeitverlauf ist somit linear. Dass es sich hierbei um einen wichtigen, nicht aber um den alleinigen Aspekt frühmittelalterlicher Zeitvorstellungen handelt, wird mit Blick auf das Verhältnis der Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deutlich. Denn wie noch zu zeigen sein wird, zeichnete es sich vor allem durch Dynamik im Sinne von Ãberlagerung, Verflechtung und Wechselseitigkeit aus, sodass sich die Grenzen zwischen den Zeitebenen als fluide und flexibel beschreiben lassen.180 Als dynamisch kann das Verhältnis der Zeitebenen auch deshalb beschrieben werden, weil es jeweils in Abhängigkeit des Kontextes bestimmt wurde. Daher werden im Folgenden unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung der eschatologischen Zukunft sowohl historiografische Werke als auch mahnend-erzieherische und theologisch-exegetische Schriften einer näheren Betrachtung unterzogen.
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In Anlehnung an Augustins zeittheoretische Ausführungen in den Confessiones181 wurde in historiografischen Werken der karolingischen Zeit die memoria des Vergangenen als ein wesentliches Anliegen der Geschichtsschreibung benannt.182 Der Astronomus183 etwa hebt im Prolog zu seiner Vita Hludowici imperatoris184 hervor, dass es einen doppelten Nutzen habe, die guten und die schlechten Taten früherer Regenten der Erinnerung zuzuführen: Dies würde nämlich einerseits zum Vorteil und zur Erbauung gereichen und andererseits zur Vorsicht mahnen.185 In der Vergegenwärtigung vergangener Taten greifen die Zeitebenen Vergangenheit und Gegenwart folglich ineinander.186 Der lehrhafte Charakter der memoria lässt dabei erkennen,187 dass das Interesse an der Vergangenheit in der Gegenwart wurzelt und damit vornehmlich der Bewältigung und der Einordnung der eigenen Zeit dient.188 Dass der Astronomus darüber hinaus die Nachwelt im Blick hat, bringt er durch den Anspruch zum Ausdruck, weder pflichtwidrig gegenüber den gegenwärtig Lebenden noch missgünstig gegenüber den künftigen Generationen sein zu wollen. Stattdessen beabsichtige er, die Taten und das Leben des gottwohlgefälligen und rechtgläubigen Kaisers Ludwig (814â840) zu überliefern.189 Diesen Aussagen ist zu entnehmen, dass Ludwig der Fromme bereits der Vergangenheit zugerechnet wird. Unter der Berücksichtigung, dass die Vita Hludowici imperatoris bald nach dem Tod des Kaisers entstand, lässt sich in dem Werk des Astronomus demnach eine Engfassung der Gegenwart feststellen. Möglich ist, dass sie auf ein Krisenbewusstsein zurückgeht.190 Einen Hinweis darauf gibt die Darstellung der Vater-Sohn-Beziehung, die sich als zentrales Motiv durch die gesamte Vita Hludowici imperatoris zieht.191 So wird zunächst der Gehorsam Ludwigs des Frommen gegenüber Karl dem GroÃen (768â814) mitsamt der damit verbundenen stabilisierenden Bedeutung für das Reich betont.192 Als Gegensatz dazu wird anschlieÃend den Söhnen Ludwigs des Frommen Lothar193, Pippin194 und Ludwig195 Treulosigkeit und Aufsässigkeit gegenüber ihrem Vater vorgeworfen.196 Nach dessen Tod spitzte sich die Lage weiter zu und mündete letztlich in die von 840 bis 843 geführten Brüderkriege. Diese Situation scheint der Astronomus in seiner Vita Hludowici imperatoris reflektierend miteinzubeziehen und zum Anlass dafür zu nehmen, die davorliegende Zeit als erinnerungswürdige, die Gegenwart gleichermaÃen erschlieÃende und kritisierende Vergangenheit zu präsentieren.197
Ãhnlich geht Nithard198 in seinen von dem Tod Karls des GroÃen 814 bis in das Jahr 843 reichenden Historiarum libri IIII199 vor. Im 7. Kapitel des 4. Buches unternimmt er einen wertenden tunc-nunc-Vergleich, d.h. er stellt nach inhaltlichen Aspekten ein Damals und ein Jetzt einander gegenüber.200 Während er die Zeit Karls des GroÃen als tunc einstuft, sieht er wie der Astronomus die Zeit der Brüderkriege als nunc an. Laut Nithard hat das Volk zu Karls Zeit den Weg des Herrn als den einen und den rechten Weg beschritten. Zudem hätten im gesamten Reich Friede und Eintracht, Ãberfluss und Freude vorgeherrscht. Nunc hingegen gehe jeder Mensch seinen eigenen Weg und überall gebe es Zwietracht, Streitigkeiten, Mangel und Traurigkeit.201 Darüber hinaus sei eine Mondfinsternis beobachtet worden und eine groÃe Menge an Schnee gefallen. Diese Ereignisse bringt Nithard mit Gottes Gericht in Verbindung mit der Begründung, dass Raubüberfälle und allerlei Ãbel Verbreitung gefunden hätten und durch die unbeständige Witterung letztlich die Hoffnung auf alles Gute entrissen worden sei.202 Die Zeit Karls des GroÃen wird folglich glorifiziert und idealisiert, sodass die Vergangenheit als MaÃstab zur Bewertung der eigenen Zeit fungiert und auf diese Weise Gegenwartskritik bedingt.203 Auch bei Nithard ist es somit das Bewusstsein für den Wandel und die Krise, das eine Abgrenzung der beiden Zeitebenen Vergangenheit und Gegenwart verursacht.
Neben extremen Wetterlagen galten in der karolingischen Zeit viele weitere Phänomene als Ausdruck göttlichen Zorns und als (unheilvolle) Vorzeichen. Dass derartige prodigia die Menschen in einem hohen MaÃe beschäftigten, lässt sich daran ersehen, dass sie in den fränkischen Annalen und in den Lebensbeschreibungen Karls des GroÃen und Ludwigs des Frommen festgehalten wurden.204 Gemäà dem Bericht in den Annales regni Francorum205 ereigneten sich gleich mehrere prodigia im Jahr 823: Die Pfalz in Aachen sei durch ein Erdbeben erschüttert worden, in anderen Gegenden hätten Blitze und Hagel Häuser zerstört und die Feldfrüchte vernichtet. Daraufhin sei eine Seuche mit verheerendem Ausmaà ausgebrochen, da sie im gesamten Frankenreich gewütet und unzählige Menschen jeglichen Geschlechts und Alters hinweggerafft habe.206 In den Annales Fuldenses207 wiederum werden für das Jahr 839 die Beobachtung eines Kometen sowie die Rotfärbung des Himmels als prodigia angeführt.208 Weitere sind für das Jahr 870 überliefert: In der Nähe von Mainz habe die ganze Luft mehrere Nächte hindurch in einem Rot wie von Blut durchsetzt geschimmert.209 In Italien, so werde erzählt, habe es im Jahr 873 sogar drei Tage und drei Nächte lang Blut geregnet. Ebenso ist von einer groÃen Hungersnot sowie von einer Plage neuer Art die Rede, die erstmals unter den Franken aufgetreten sei und dem germanischen Volk aufgrund seiner begangenen Sünden stark angehaftet habe.210 Suggeriert wird damit göttliches Eingreifen aufgrund von menschlichem Fehlverhalten. Dass derartige Einschätzungen Reaktionen herausforderten, veranschaulicht die Vita Hludowici imperatoris. Darin schildert der Astronomus für das Jahr 823 dieselben unheilvollen Vorzeichen, die in den Annales regni Francorum aufgezählt sind,211 mit dem zusätzlichen Vermerk, dass Ludwig der Fromme ihretwegen in Beunruhigung versetzt worden sei. Deshalb habe der überaus fromme Kaiser zur Besänftigung Gottes zum häufigen Fasten, zum inständigen Beten und zu reichen Almosen durch die Priesterschaft aufgefordert. Denn er habe mit äuÃerster Gewissheit gesagt, dass diese Zeichen groÃes künftiges Unglück für das Menschengeschlecht ankündigen würden.212 Hierin scheint eine Wechselbeziehung zwischen Gegenwartsbetrachtung und Zukunftsprognose auf: So wird von den zu beobachtenden Phänomenen auf ein noch bevorstehendes Unheil kosmischen AusmaÃes geschlossen. Zugleich bewirkt diese düstere Aussicht den Ruf nach jetzt zu unternehmenden GegenmaÃnahmen. Dasselbe Muster findet sich in dem Bericht über den Kometen, der laut dem Astronomus zum Osterfest des Jahres 837 als grauenvolles sowie Unglück verheiÃendes Vorzeichen gesichtet wurde und den Kaiser vermuten lieÃ, dass eine Veränderung des Reiches und der Tod des Regenten bevorstehe. Insofern habe er erkannt, dass diese Angelegenheit nicht nur ihn, sondern alle gemeinsam betreffe. Daraus habe er die Konsequenz gezogen, dass sich auch alle nach bestem Vermögen und Wissen zum Besseren zu befleiÃigen hätten, um nicht wegen der eigenen UnbuÃfertigkeit der Barmherzigkeit Gottes für unwürdig befunden zu werden. Ludwig selbst habe sich zur Sorge für die ihm anvertraute Kirche bis zur Morgendämmerung mit Lobgesängen und flehentlichem Bitten an Gott gewandt. Danach habe er die Hofbeamten zusammengerufen und befohlen, die Armen und Diener Gottes, sowohl Mönche als auch Kanoniker, mit reichlich Almosen zu bedenken und durch jeden, der es vermochte, die Messe feiern zu lassen.213 Dadurch dass angesichts eines besorgniserregenden Vorzeichens die Notwendigkeit zum sofortigen Handeln betont wird, mutet die diesseitige Zukunft gerade nicht als vorbestimmt und als unveränderbar an.214 Vielmehr eröffnen sich in der Gegenwart Handlungsmöglichkeiten zu ihrer Gestaltung, wodurch beide Zeitebenen miteinander verflochten werden. Demnach ist es im vorliegenden Beispiel das jetzt zu übende gottwohlgefällige Verhalten, das die Abwendung des drohenden Unheils bewirken soll.
In historiografischen Werken der karolingischen Zeit lässt sich auch ein eschatologischer Horizont feststellen. Davon zeugen Berichte über Jenseitsvisionen215, die in den fränkischen Annalen überliefert sind. In den Annales Bertiniani216 etwa wird für das Jahr 839 festgehalten, dass sich der angelsächsische König Aethelwulf (839â858) im Zuge der Bitte, auf dem Weg nach Rom durch das Frankenreich ziehen zu dürfen, mit der Mahnung an Kaiser Ludwig gewandt habe, Sorge für das Seelenheil der Untertanen zu tragen. Als Grund dafür wird ein Traumgesicht genannt, das einem Presbyter nach Weihnachten erschienen sei und zum Aufruhr der Gemüter geführt habe.217 So sei der Presbyter von einem Mann dazu aufgefordert worden, ihm in ein unbekanntes Land mit wundersamen Gebäuden zu folgen. Darunter sei eine Kirche gewesen, in der viele lesende Jungen zu sehen gewesen seien. Beim Herantreten habe der Presbyter die blutrote Farbe einiger Buchstaben in den Büchern bemerkt und auf seine Frage nach deren Bedeutung die Antwort erhalten, dass sie die Sünden der Christen darstellen würden. Die Jungen als die Seelen der Heiligen würden diese tagtäglich beklagen und für die Hinwendung der Christen zur Reue und zur Umsetzung der in den heiligen Schriften enthaltenen Gebote beten. Denn wenn die Christen nicht bald umkehrten und den Tag des Herrn nicht achtsamer im Auge behielten, werde eine überaus groÃe und unerträgliche Gefahr auf sie zukommen: Dichtester Nebel werde sich über ihr Land ausbreiten, die paganen Völker würden sodann mit Schiffen herannahen und den überwiegenden Teil des christlichen Volkes mit Feuer und Schwert verwüsten. Noch sei es allerdings möglich, dem durch BuÃe, Fasten, Beten und Almosen zu entgehen.218 Indem der Bericht über die Jenseitsvision des angelsächsischen Presbyters die folgenschweren Konsequenzen eines sündhaften diesseitigen Lebenswandels aufzeigt, vereint er nicht nur Gegenwartskritik und Zukunftsschau miteinander, sondern ruft auch und vor allem zur Korrektur bestehender Missstände auf. Dass die Missachtung solcher Warnungen fatale Auswirkungen haben konnte, verdeutlicht der Bericht über die Vision Ludwigs des Deutschen (843â876), die in den Annales Fuldenses für die Fastenzeit des Jahres 874 geschildert wird: Während Ludwig im Gebet versunken gewesen sei, habe er des Nachts seinen längst verstorbenen und im Jenseits durch Ãngste geplagten Vater im Traum gesehen. Dieser habe seinen Sohn angefleht, ihn von den Qualen zu befreien, in denen er gefesselt sei, damit er einst das ewige Leben erlangen könne. Dadurch aufgeschreckt habe der König Briefe an alle Klöster des Reiches entsandt mit der dringlichen Forderung, für die Seele des Vaters durch Gebete vor dem Herrn einzutreten.219 Erklärt werden die im Jenseits erlittenen Qualen Ludwigs des Frommen anschlieÃend damit, dass er zu seinen Lebzeiten zwar viel Lobenswertes und Gottwohlgefälliges getan habe, aber auch zugelassen habe, dass in seinem Reich besonders häufig gegen das Gesetz Gottes verstoÃen worden sei. So habe er es versäumt, die Mahnungen des Erzengels Gabriel zu beachten, die ihm durch Einhard220 in zwölf Kapiteln zum Lesen und zum Ausführen übergeben worden seien. Andernfalls wäre ein derartiges Leiden wohl nicht über ihn gekommen. Denn weil Gott kein Vergehen ungestraft lasse, habe es verdient zu büÃen, wer trotz Warnung die Irrtümer der ihm Anvertrauten nicht zu korrigieren gewillt gewesen sei.221 In dem vorliegenden Visionsbericht überlagern und verbinden sich Diesseitiges und Jenseitiges in dem Sinne, dass einerseits die Gegenwart als die Zeitebene der Berichtigung und der Absicherung der eschatologischen Zukunft erscheint und dass andererseits das Ergehen der Seele nach dem leiblichen Tod den irdischen Lebenswandel widerspiegelt.
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Das Verhältnis zwischen Gegenwart und (eschatologischer) Zukunft spielt auch in mahnend-erzieherischen Schriften der karolingischen Zeit eine wesentliche Rolle, so etwa in dem zwischen 841 und 843 entstandenen Liber manualis222. Darin wendet sich die fränkischen Adlige Dhuoda223 an ihren erstgeborenen Sohn Wilhelm. Gleich zu Beginn widmet sie sich unter Zuhilfenahme biblischer Verse der Erläuterung des Titels ihrer Schrift. Sie legt dar, dass das Wort manus auf vielerlei Weise verstanden werden könne: als Macht Gottes gemäà 1 Petr 5,6 Demütigt euch unter die mächtige Hand Gottes, als Macht des Sohnes entsprechend Dan 7,14 Seine Macht ist ewige Macht sowie als Sohn selbst nach Ps 143,7 Reiche deine Hand von der Höhe herab. Diese und ähnliche Beispiele seien als heilige Handlung und Macht zu begreifen. Denn manus bezeichne das vollendete Werk, wenn die Schrift nach Ez 3,22 sagt: Und die Hand des Herrn ist über mich gekommen. Gemeint sei damit die Erlösung, weil sie die Gläubigen zur Vollendung geführt habe. Ebenso verhalte es sich mit Ez 3,14 Die Hand des Herrn war es, die mich stärkte und mit Lk 1,66 Denn auch die Hand des Herrn ist mit ihm.224 Was das Suffix -alis betrifft, so geht Dhuoda wiederum von einer Sinnvielfalt aus, wobei sie sich im Folgenden darauf beschränkt, drei Bedeutungen hervorzuheben: das Ziel, die Vollendung und die Bestimmung. Weiterhin nimmt sie eine Herleitung von dem Substantiv ales vor und bringt es in einen Zusammenhang mit dem Verkündiger und dem Boten des Lichts, der das Ende der Nacht begleite und das Licht des Tages vorhersage.225 Eine manualis im Titel tragende Schrift habe folglich das Ende der Unwissenheit zum Ziel wie auch der Bote, der das Licht der zukünftigen Dinge vorausahne.226 Auf semantischer Ebene dominieren Worte, die das Ende zum Inhalt haben. Unter Beachtung der Lichtmetaphorik erhält dieses Ende eine positive Konnotation. Zugleich wird zum Ausdruck gebracht, dass die Erlösung durch göttliches Wirken in der Welt bereits geschehen sei. In Dhuodas Ausführungen zur Ausrichtung ihrer Schrift scheint somit eine futurische wie auch eine präsentische eschatologische Perspektive auf.227 Dass sie daneben das diesseitige Wohlergehen ihres Sohnes im Blick hat, lässt sich aus ihrer Aussage entnehmen, wonach alles in diesem Büchlein vom Anfang bis zum Schluss zum Heil seiner Seele und seines Leibes geschrieben sei.228
Auf Basis dieses doppelten Anliegens wird im Prolog eine zweigliedrige, auf das Diesseits und auf das Jenseits ausgreifende Handlungsrichtlinie formuliert. So solle Wilhelm der Welt nützlich sein können und es auÃerdem vermögen, Gott stets in allem zu gefallen.229 Miriam Czock schlieÃt daraus, dass Dhuoda in ihrem Liber manualis von der Vorstellung zweier Zukünfte geleitet sei. Demnach seien die Zukunft inmitten der Welt und die auf das endgültige Heil bezogene Zukunft sowohl zu differenzieren als auch gemeinsam zu betrachten.230 Denn, so Czock, nach Dhuodas Darstellung sei ein frommes, tugendhaftes Leben für das eigene Seelenheil und für das Geschick im Diesseits förderlich.231 Barbara Schlieben wiederum stellt besonders die Wechselwirkung zwischen den beiden Zukünften und dem Verhalten in der Gegenwart heraus. Ihr zufolge bedingt der Blick auf das Ende âdie Notwendigkeit zum rechten Handeln in der Gegenwart und für die Gestaltung der noch verbleibenden Zeitâ232. Insofern seien Dhuodas Ratschläge an Wilhelm ââRüstzeug für die Endzeitââ233 und hätten darüber hinaus âeine andere Zukunft als die, die sich gegenwärtig [â¦] abzuzeichnen begannâ234, zum Ziel. Im Hier und Jetzt galt es somit, sowohl die nahe irdische Zukunft vorzubereiten und ihr (neue) Konturen zu verleihen als auch zum Erhalt des ewigen Lebens Vorsorge zu treffen.
Im 1. Kapitel des 1. Buches etwa fordert Dhuoda ihren Sohn dazu auf, stets zu erforschen, wie er mit würdigen und Gott liebenden Menschen zum sicheren Gipfel emporsteigen könne und in das Reich gelange, das ohne Ende bleiben werde.235 Berücksichtigt Wilhelm ihre Ratschläge und setzt sie praktisch um, so heiÃt es im 1. Kapitel des 3. Buches weiter, werde er nicht nur auf dieser Erde ein glückliches Los haben. Vielmehr werde er es sich ebenso verdienen, jenes Land mit den Heiligen zu besitzen, von dem der Psalmist in Ps 26,13 sagt: Ich glaube, die Güter des Herrn zu sehen im Land der Lebendigen.236
Im 7. Buch beschäftigt sich Dhuoda zudem mit der zweifachen Geburt und mit dem zweifachen Tod. Für ihren Sohn hält sie fest, dass es nicht möglich sei, dem ersten Tod als dem Tod des Leibes zu entgehen.237 Dem zweiten Tod als dem Tod der Seele jedoch könne der Mensch entrinnen, wenn er es wirklich wolle und sich redlich bemühe. Damit Wilhelm das Vermögen dazu aufbringe und sich als würdig zum Erhalt des ewigen Lebens erweise, sei es notwendig, dass er unentwegt bete und lese. Dann werde er sich in dieser Welt voller Schwankungen bewähren können.238
Die eschatologische Dimension zieht sich sichtbar durch Dhuodas gesamte Schrift, was vermutlich mit der Bewertung ihrer eigenen Zeit im Zusammenhang steht. Denn für sie ist es unzweifelhaft, dass Kaiser Ludwig der Fromme in dem herabstürzenden und wachsenden Unheil im Elend dieser Welt aufgrund der vielen das Reich betreffenden Schwankungen und Uneinigkeiten den Weg in den leiblichen Tod gegangen sei.239 An anderer Stelle macht Dhuoda darauf aufmerksam, dass auf zahlreiche verschiedene Arten gehandelt werde und wegen fehlender würdiger Ratgeber Vieles in der Welt offenstehe. Die Schrift sage nämlich: Die Ungerechtigkeit nimmt überhand und bei vielen erkaltet die Liebe.240 Mit Mt 24,12 führt Dhuoda einen Vers aus der matthäischen Endzeitrede an, was die Annahme zulässt, dass sie für ihre Zeit die Zeichen vor der Ankunft des Antichristen als erfüllt ansah.241 Vor dem Hintergrund scheint es für Dhuoda umso dringender gewesen zu sein, unter den etlichen Möglichkeiten der Gegenwart die richtigen zu wählen, um auf diese Weise die nahe irdische Zukunft gelingend zu gestalten und die eschatologische Zukunft in der Aussicht auf das ewige Leben abzusichern.242 Ãhnliches bringt schlieÃlich auch die Aufforderung an Wilhelm zum Ausdruck, für Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges zu beten: für Vergangenes, dass er es vergessen mache, sollte er nachlässig gewesen sein; für die gegenwärtigen Ãbel, dass er ihnen stets entgehe, und für die zukünftigen, dass er sich vorsehe und sie ihm niemals anhafteten.243
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In theologisch-exegetischen Schriften wird die Frage nach der Vergegenwärtigung und der Absicherung der eschatologischen Zukunft häufig im Bereich der Sakramente und der Liturgie thematisiert. Besonders umfangreich fällt die Auseinandersetzung damit in dem unter Theodulfs244 Leitung entstandenen Opus Caroli regis contra synodum245 aus.246 Der Inhalt richtet sich ausdrücklich gegen den byzantinischen Kaiser Konstantin VI.247 und dessen Mutter Irene sowie gegen die vermeintlichen248 Beschlüsse des Konzils von Nicäa 787. So wird basierend auf der Annahme, dass Konstantin VI. und Irene sich angemaÃt hätten, Gott als ihren Mitherrscher zu bezeichnen, die unüberbrückbare Differenz zwischen Gott und Mensch betont.249 Mit Anklängen an Augustin und an Isidor von Sevilla wird in Bezug auf das göttliche Sein angemerkt, dass es das Sein, nicht aber das Gewesensein oder das zukünftige Sein kenne.250 Folglich wird das Ego sum, qui sum aus Ex 3,14 als Ausdruck von Gottes Unwandelbarkeit und immerwährender Gegenwart gewertet. Dem menschlichen Sein wird hingegen wie der Zeit eine Dreidimensionalität zugeschrieben: Das Vergangene sei in der Erinnerung, das Gegenwärtige in der Anschauung und das Zukünftige in der Erwartung,251 sodass das menschliche Leben trotz der Unsterblichkeit der Seele durch einen Anfang und durch ein Ende begrenzt sei und Veränderung zu erdulden habe.252 Dieser Gedanke von der Dreidimensionalität der Zeit und des ihr unterliegenden menschlichen Seins bildet den Ausgangspunkt für die nachstehende Behandlung der Bilderfrage, bei der ein Vergleich zwischen dem Bild und der Eucharistie u.a. unter dem Gesichtspunkt vorgenommen wird, was sie beide auf welche Art und Weise vergegenwärtigen.253 Mehrfach wird herausgestellt, dass Bilder der Zierde der Kirchen dienen, die Erinnerung an vollbrachte Heilstaten hervorrufen und die Unwissenden unterweisen würden.254 Ihnen wird damit eine dreifache Funktion zuerkannt: eine ästhetische, eine pädagogische und die memoria als Vergegenwärtigung von Vergangenem.255 Zu den Eigenschaften der Bilder wird auÃerdem gezählt, dass sie sichtbar angefertigt seien durch die Hand eines Künstlers, dass durch sie bei unvorsichtigem Gebrauch die Sünden vermehrt würden und dass sie lediglich für die Augen Nahrung böten. Bilder seien demnach nicht dazu geeignet, zu wahrer Gotteserkenntnis beizutragen. Denn nicht in sichtbaren, handgefertigten Dingen, sondern im Herzen sei Gott zu suchen. Und nicht mit fleischlichen Augen, sondern mit den Augen des Geistes sei er zu erblicken.256 Im Unterschied zu den Bildern würde das Sakrament des Leibes und des Blutes Christi auf unsichtbare Weise durch das Wirken des Geistes Gottes hervorgebracht und von dem Priester in der Anrufung des göttlichen Namens geweiht werden. Ebenso würden durch die Eucharistie die Sünden erlassen und die Seele erquickt werden, sodass sie durch den Verzehr zum Eingang in das Himmelreich führe.257 Nach dem Opus Caroli regis contra synodum ist die Eucharistie somit göttlichen Ursprungs, macht Immaterielles zugänglich und entfaltet eine Wirkung in die eschatologische Zukunft hinein. Indem den Bildern diese Merkmale abgesprochen und ihre Wirkung auf die sinnliche Vergegenwärtigung von Vergangenem beschränkt werden,258 wird letztlich ihr Wert für die christliche Glaubenspraxis gemindert und gegen ihre Sakralisierung argumentiert.259
Auch der Mönch Hrabanus Maurus260 beschäftigt sich in seiner Schrift De institutione clericorum261 von 819 mit der Bedeutung der Eucharistie. In dem vorangestellten Prolog schildert er, dass ihn unzählige Anfragen von Mitbrüdern zu deren Dienst und zu den verschiedenen in der Kirche Gottes einzuhaltenden Vorschriften erreicht hätten. Je nach Gelegenheit habe er darauf mal schriftlich, mal mündlich Auskunft gegeben. Da er schlieÃlich inständig darum gebeten worden sei, alle seine Antworten in einem Werk zusammenzutragen, habe er insgesamt drei Bücher angefertigt, von denen das erste neben den geistlichen Ständen und der priesterlichen Kleidung auch die vier Gnadengaben der Kirche Taufe, Salbung, Leib und Blut des Herrn sowie den Messdienst nach römischer Tradition zum Inhalt habe.262 Hrabanus betont auÃerdem, dass er sich zur Unterweisung der Geistlichen an den Autoritäten der Väter orientiert habe und somit in allem der katholischen Wahrheit gefolgt sei.263 Auch seine Abhandlung über die Sakramente reichert er inhaltlich an, indem er mit wenigen Abweichungen eine umfangreiche Passage aus den von Isidor von Sevilla verfassten Etymologiae übernimmt. Danach würden Taufe, Salbung sowie Leib und Blut deshalb als Sakramente bezeichnet werden, weil aus dem Untergewand materieller Dinge die göttliche Kraft auf verborgene Weise die heilbringende Wirkung eben dieser Sakramente hervorrufe, sodass sie gänzlich unabhängig sei von den positiven wie negativen Verdiensten derjenigen, in deren Zuständigkeit das Spenden der Sakramente liege. Daher sei im Griechischen auch von mysterium im Sinne von Geheimnis die Rede.264 Vor diesem Hintergrund stellt Hrabanus für die Eucharistie zwei Dimensionen heraus: die sichtbare und die unsichtbare. Der Herr habe es demnach lieber gewollt, dass die Sakramente seines Leibes und Blutes über den Mund der Gläubigen aufgenommen und in ihre Nahrung zurückgebracht würden, damit durch das sichtbare Werk die unsichtbare Wirkung spürbar werde.265 Unter Bezugnahme auf Joh 6,56 und Mt 5,6 legt Hrabanus dar, dass Christi Fleisch wahrhaft eine Speise sei, weil es den Menschen nähre und ihn zum ewigen Leben gedeihen lasse. Ebenso sei Christi Blut wahrhaft ein Trank, weil es die nach Gerechtigkeit hungernde und dürstende Seele sättige.266 Auch an anderer Stelle hält Hrabanus fest, dass Christus als himmlischer Mensch aus den irdischen Früchten eine himmlische Speise gemacht habe, damit, gleichwie der unsichtbare Gott zur Erlösung der Sterblichen im sichtbaren Fleisch erschienen sei, aus der sichtbaren Materie heraus etwas Unsichtbares auf angemessene Art veranschaulicht werde. So hätten eben jene Sterblichen gelernt, was Gott um ihretwillen getan habe und was sie durch ihn zukünftig sein würden.267 Durch jene Speise und durch jenen Trank werde nämlich die den Eingang in das Himmelreich ermöglichende immerwährende Gemeinschaft zwischen Christus als dem Haupt und den Gläubigen als seinen Gliedern geschaffen.268 Gleichzeitig mahnt Hrabanus mit Verweis auf 1Kor 11,27â29 zur Vorsicht, denn die Würde und die Wirksamkeit des Sakraments seien derartig groÃ, dass jeder, der es unwürdig empfange, sich eher die Verdammnis als das Heil erwerbe.269 Ãhnlich wie bei Theodulf wird der sichtbare Vollzug der Eucharistie mit einer unsichtbaren, auf die eschatologische Zukunft ausgreifenden Wirkung verbunden. Diese beschränkt Hrabanus explizit auf die Individualebene, da er es von der Haltung des einzelnen Menschen abhängig macht, ob sie sich als Heil bringend oder als Unheil herbeiführend erweist.270
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Sowohl in historiografischen Werken als auch in mahnend-erzieherischen und theologisch-exegetischen Schriften der karolingischen Zeit nimmt die Gegenwart in dem dynamischen Verhältnis der Zeitebenen eine Schlüsselrolle ein. Sie erweist sich in Anlehnung an die augustinische Zeittheorie als die Zeitebene der Aktion, in der die memoria ihren Platz hat und von der aus Zukunftsaussichten formuliert werden. Während die Vergegenwärtigung von Vergangenem häufig Gegenwartskritik bedingt, schlieÃt die Vergegenwärtigung von Zukünftigem darüber hinaus den Aufruf zum (korrigierenden) Handeln mit ein. Die eschatologische Zukunft begrenzt dabei nicht nur die irdische Zukunft, sondern verleiht der Gestaltung der verbleibenden Zeit überhaupt erst ihren Sinn.271 So sind in dem dynamischen Verhältnis der Zeitebenen letztlich auch die räumlichen Dimensionen des Diesseits und des Jenseits über den Tun-Ergehen-Zusammenhang unmittelbar miteinander verbunden.
Ed. L. Verheijen, CCSL 27, Turnhout 1990. Vgl. zu Augustins Zeittheorie in den Confessiones K. Flasch, Was ist Zeit? Augustinus von Hippo: Das XI. Buch der Confessiones: Historisch-philosophische Studie: TextâÃbersetzungâKommentar, Frankfurt 1993; D. Günther, Schöpfung und Geist: Studien zum Zeitverständnis Augustins im XI. Buch der Confessiones, Elementa. Schriften zur Philosophie und ihrer Problemgeschichte 58, Amsterdam 1993; zu der Entstehung, dem Inhalt und der Rezeption der Confessiones D. Weber, Confessiones, in: OGHRA 1 (2013), 167â174; P. Frederiksen, Die Confessiones (Bekenntnisse), in: V.H. Drecoll (Hg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 294â309. Im Folgenden wird ergänzend die Schrift De civitate Dei (ed. B. Dombart / A. Kalb, CCSL 47â48, Turnhout 1955) herangezogen, da Augustin darin wesentliche Aspekte seiner im 11. Buch der Confessiones formulierten Zeittheorie aufgreift, expliziert und zuspitzt.
Vgl. Aug., conf. 11.3: Largire inde spatium meditationibus nostris in abdita legis tuae neque aduersus pulsantes claudas eam. Neque enim frustra scribi uoluisti tot paginarum opaca secreta [â¦] O domine, perfice me et reuela mihi eas (CCSL 27,195,25â27.30 L. Verheijen).
Vgl. ebd.: Considerem mirabilia de lege tua ab usque principio, in quo fecisti caelum et terram, usque ad regnum tecum perpetuum sanctae ciuitatis tuae (CCSL 27,195,34â36 L. Verheijen). Mit der als ewigwährend und heilig charakterisierten Bürgerschaft ist die civitas Dei angesprochen. Ihr und der terrena civitas widmet sich Augustin ausführlich in seinem Werk De civitate Dei. So sind gemäà civ. 1.35 beide Bürgerschaften bis zum Jüngsten Gericht miteinander verwoben: Perplexae quippe sunt istae duae ciuitates in hoc saeculo inuicemque permixtae, donec ultimo iudicio dirimantur (CCSL 47,34,14â15 B. Dombart / A. Kalb). Unter Aufnahme von Apk 20,9â10 legt Augustin in civ. 20.14 dar, dass die auch als gottlose Bürgerschaft bezeichnete terrena civitas im Jüngsten Gericht dem Feuer ausgesetzt werde: Post hanc autem commemorationem nouissimae persecutionis breuiter complectitur totum, quod ultimo iam iudicio diabolus et cum suo principe ciuitas inimica passura est. Dicit enim: Et diabolus, qui seducebat eos, missus est in stagnum ignis et sulphuris, quo et bestiae et pseudopropheta; et cruciabuntur die ac nocte in saecula saeculorum [Apk 20,9â10] (CCSL 48,723,1â6 B. Dombart / A. Kalb); ebenso civ. 20.9: Quae sit porro ista bestia, quamuis sit diligentius requirendum, non tamen abhorret a fide recta, ut ipsa inpia ciuitas intellegatur et populus infidelium contrarius populo fideli et ciuitati Dei (CCSL 48,718,95â98 B. Dombart / A. Kalb). Dagegen würden die zur civitas Dei gehörenden Menschen civ. 22.1 zufolge Unsterblichkeit erlangen: Omnes in ea ciues inmortales erunt, adipiscentibus et hominibus, quod numquam sancti angeli perdiderunt (CCSL 48,806,11â12 B. Dombart / A. Kalb). Dies führt laut civ. 20.17 dazu, dass keine Spuren der Vergänglichkeit zurückbleiben würden: De caelo descendere ista ciuitas dicitur [â¦] per iudicium Dei, quod erit nouissimum per eius filium Iesum Christum, tanta eius et tam noua de Dei munere claritas apparebit, ut nulla remaneant uestigia uetustatis (CCSL 48,727,8â9.14â17 B. Dombart / A. Kalb). Indem Augustin in civ. 20.16 schlieÃlich Mt 25,46 und Apk 21,1 zitiert, macht er deutlich, dass er nach den o.g. Ereignissen einen neuen Himmel und eine neue Erde erwartet: Finito autem iudicio, quo praenuntiauit iudicandos malos, restat ut etiam de bonis dicat. Iam enim explicauit quod breuiter a Domino dictum est: Sic ibunt isti in supplicium aeternum [Mt 25,46]; sequitur ut explicet, quod etiam ibi conectitur: Iusti autem in uitam aeternam. Et uidi, inquit, caelum nouum et terram nouam. Nam primum caelum et terra recesserunt, et mare iam non est [Apk 21,1]. Isto fiet ordine (CCSL 48,726,1â7 B. Dombart / A. Kalb). Für Augustin geht demnach mit der Herrschaft der civitas Dei das Ende der (alten) Welt einher. Vgl. hierzu auch Flasch, 1993, 86; zu der Entstehung, dem Inhalt und der Rezeption von De civitate Dei J.v. Oort, De ciuitate dei (Ãber die Gottesstadt), in: Drecoll (Hg.), 2007, 347â363; M.C. Sloan, De civitate Dei, in: OGHRA 1 (2013), 255â261.
Vgl. Aug., conf. 11.5: Audiam et intellegam, quomodo in principio fecisti caelum et terram (CCSL 27,196,57â58 L. Verheijen).
Vgl. Aug., conf. 11.12â13: Nonne ecce pleni sunt uetustatis suae qui nobis dicunt: âQuid faciebat deus, antequam faceret caelum et terram?â [â¦] Qui haec dicunt, nondum te intellegunt, o sapientia dei, lux mentium, nondum intellegunt, quomodo fiant, quae per te atque in te fiunt (CCSL 27,200,1â201,3 L. Verheijen).
Vgl. Aug., conf. 11.7: Ergo dixisti et facta sunt atque in uerbo tuo fecisti ea (CCSL 27,198,21â22 L. Verheijen).
Vgl. Aug., conf. 11.9: Non ergo quidquam uerbi tui cedit atque succedit, quoniam uere immortale atque aeternum est (CCSL 27,199,10â11 L. Verheijen).
Vgl. Aug., conf. 11.6: Ecce sunt caelum et terra, clamant, quod facta sint; mutantur enim atque uariantur. Quidquid autem factum non est et tamen est, non est in eo quidquam, quod ante non erat: quod est mutari atque uariari. Clamant etiam, quod se ipsa non fecerint: âIdeo sumus, quia facta sumus; non ergo eramus, antequam essemus, ut fieri possemus a nobis.â Et uox dicentium est ipsa euidentia. Tu ergo, domine, fecisti ea, qui pulcher es: pulchra sunt enim (CCSL 27,197,1â8 L. Verheijen); Aug., conf. 11.9: Nouimus, domine, nouimus, quoniam in quantum quidque non est quod erat et est quod non erat, in tantum moritur et oritur (CCSL 27,199,8â10 L. Verheijen).
Vgl. Aug., civ. 11.6: Recte discernuntur aeternitas et tempus, quod tempus sine aliqua mobili mutabilitate non est, in aeternitate autem nulla mutatio est (CCSL 48,326,1â3 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. Aug., conf. 11.17: Et nulla tempora tibi coaeterna sunt, quia tu permanes (CCSL 27,202,2â3 L. Verheijen).
Vgl. Aug., civ. 11.6: Deus, in cuius aeternitate nulla est omnino mutatio (CCSL 48,326,8â9 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. Aug., conf. 11.16: Ante omnia tempora tu es (CCSL 27,202,26â27 L. Verheijen).
Vgl. ebd.: Omnia tempora tu fecisti (CCSL 27,202,26 L. Verheijen); Aug., civ. 11.6: Deus [â¦] creator sit temporum et ordinator (CCSL 48,326,8â9 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. Aug., civ. 11.6: Procul dubio non est mundus factus in tempore, sed cum tempore (CCSL 48,326,16â17 B. Dombart / A. Kalb).
Aug., conf. 11.15: Non enim erat tunc, ubi non erat tempus (CCSL 27,202,14 L. Verheijen).
Vgl. Aug., civ. 11.6: Quis non uideat, quod tempora non fuissent, nisi creatura fieret, quae aliquid aliqua motione mutaret, cuius motionis et mutationis cum aliud atque aliud, quae simul esse non possunt, cedit atque succedit, in breuioribus uel productioribus morarum interuallis tempus sequeretur? (CCSL 48,326,3â8 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. Aug., civ. 20.18: Qui autem nunc sunt, inquit, caeli et terra, eodem uerbo repositi sunt, igni reseruandi in diem iudicii et perditionis hominum impiorum [2Petr 3,7]. Proinde qui caeli et quae terra, id est, qui mundus pro eo mundo, qui diluuio periit, ex eadem aqua repositus est, ipse igni nouissimo reseruatur in diem iudicii et perditionis hominum impiorum (CCSL 48,730,35â40 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. Aug., civ. 20.16: Illa itaque, ut dixi, conflagratione mundana elementorum corruptibilium qualitates, quae corporibus nostris corruptibilibus congruebant, ardendo penitus interibunt, atque ipsa substantia eas qualitates habebit, quae corporibus inmortalibus mirabili mutatione conueniant; ut scilicet mundus in melius innouatus apte adcommodetur hominibus etiam carne in melius innouatis (CCSL 48,726,15â727,21 B. Dombart / A. Kalb).
Aug., civ. 20.17: Quando quidem et corpora ad incorruptionem atque inmortalitatem nouam ex uetere corruptione ac mortalitate transibunt (CCSL 48,727,17â19 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. Aug., conf. 11.18: Praeteritum enim iam non est et futurum nondum est (CCSL 27, 203,6â7 L. Verheijen); Aug., conf. 11.26: Quod autem nunc liquet et claret, nec futura sunt nec praeterita, nec proprie dicitur: tempora sunt tria, praeteritum, praesens et futurum, sed fortasse proprie diceretur: tempora sunt tria, praesens de praeteritis, praesens de praesentibus, praesens de futuris. Sunt enim haec in anima tria quaedam et alibi ea non uideo, praesens de praeteritis memoria, praesens de praesentibus contuitus, praesens de futuris expectatio (CCSL 27,206,1â207,7 L. Verheijen).
Vgl. Aug., conf. 11.16: Quia illa futura sunt, et cum uenerint, praeterita erunt (CCSL 27,202,17â18 L. Verheijen); Aug., conf. 11.36: Deminutione futuri crescente praeterito, donec consumptione futuri sit totum praeteritum (CCSL 27,213,66â67 L. Verheijen).
Dass Augustin auch umgekehrt die Heilsgeschichte als Weltgeschichte âim Sinne einer Geschichte, die die gesamte Menschheit angehtâ versteht, betont K.H. Schwarte, Die Vorgeschichte der Augustinischen Weltalterlehre, Bonn 1966, 54.
Der Vergleich mit Lebensaltern war vor allem in der römischen Historiografie ein häufig genutztes Mittel, um die âGeschichte der Menschheit, eines Volkes, einer Stadt oder einer bestimmten Kulturâ zu periodisieren und dabei eine Entwicklungskurve von einem Urzustand über eine Blütezeit bis hin zum Verfall oder zur Erneuerung zu zeichnen. Dieses Gliederungs- und Deutungsschema war bis in das 19. Jhd. hinein in Gebrauch. Hierzu T. Fuhrer, Erneuerung im Alter: Augustins aetates-Lehre, in: T. Fitzon / S. Linden / K. Liess / D. Elm (Hgg.), Alterszäsuren: Zeit und Lebensalter in Literatur, Theologie und Geschichte, Berlin 2012, 261â287 (261â267).
Nach jüdisch-christlicher Vorstellung hat die Weltgeschichte ihren Anfang in der Schöpfung genommen und wird ihr Ende im Reich Gottes finden. Ihr Verlauf wurde ab dem 1. Jhd. zunehmend in Analogie zu den sechs Schöpfungstagen und dem Schöpfungssabbat gemäà Gen 1,1â2,3 gegliedert und interpretiert. Von grundlegender Bedeutung war hierbei die Aussage in Ps 89,4 bzw. in 2Petr 3,8, dass vor Gott 1000 Jahre wie ein Tag seien. Denn davon ausgehend wurden die sechs Schöpfungstage als sechsmal 1000 Jahre währende Weltgeschichte gedeutet. Im frühen Christentum bildete sich unter dem Einfluss jüdischer Apokalypsen zudem die in Apk 20,1â6 zum Ausdruck gebrachte Vorstellung heraus, dass nach den 6000 Jahren mit der Parusie Christi ein nochmals 1000 Jahre andauerndes messianisches Zwischenreich einsetzen werde. In diesem als chiliastisch bezeichneten Geschichtsbild wird der Schöpfungssabbat somit zum vor dem Jüngsten Gericht und vor der Ewigkeit liegenden Weltsabbat. Vgl. hierzu G.G. Blum, Chiliasmus II, in: TRE 7 (1981), 729â733; K. Fitschen, Chiliasmus III,1, in: 4RGG 2 (1999), 137â138; Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 267â269; K.-H. Schwarte, Apokalyptik / Apokalypsen V, in: TRE 1 (1977), 257â275 (270).
Ed. D. Weber, CSEL 91, Wien 1998. Vgl. zur Entstehung, zum Inhalt und zur Rezeption von De Genesi contra Manichaeos D. Weber, Die Genesisauslegungen, in: V.H. Drecoll (Hg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 275â279 (276); J. Yates, De Genesi adversus Manichaeos, in: OGHRA 1 (2013), 308â313.
Vgl. Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 269.
Ed. B. Dombart / A. Kalb, CCSL 47â48, Turnhout 1955.
Vgl. zur Entstehung, zum Inhalt und zum Aufbau der Briefe Augustins L. Dalmon, Epistulae, in: OGHRA 1 (2013), 423â428; J. Divjak, Epistulae, in: AugL 2 (2002), 893â1057.
Hesychius (4./5. Jhd.) war vermutlich von 405 bis zu seinem Tod 420/426 Bischof von Salona in Dalmatien. In mehreren zwischen 418 und 420 verfassten Schreiben an Augustin bringt er unter Verweis auf âbiblische Prophezeiungen und vermeintliche geschichtliche Indizienâ seine Erwartung eines baldigen Weltendes zum Ausdruck. Augustins ausführliche Antwort darauf liefert der o.g. Brief De fine saeculi. Hierzu Divjak, in: AugL 2 (2002), 990â991.
Ed. A. Goldbacher, in: CSEL 57, Wien 1911, 243â292.
H.-W. Goetz, Historiographisches ZeitbewuÃtsein im frühen Mittelalter: Zum Umgang mit der Zeit in der karolingischen Geschichtsschreibung, in: A. Scharer / G. Scheibelreiter (Hgg.), Historiographie im frühen Mittelalter, Wien 1994, 159.
Vgl. zu Augustins Modell der Weltalter in De Genesi contra Manichaeos V.H. Drecoll, Die Entstehung der Gnadenlehre Augustins, BHTh 109, Tübingen 1999, 130â131; Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 269â273; C. Müller, GeschichtsbewuÃtsein bei Augustinus: Ontologische, anthropologische und universalgeschichtlich/heilsgeschichtliche Elemente einer Augustinischen Geschichtstheorie, Würzburg 1993, 292â296.
Vgl. Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 269â270.
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,35: Primordia enim generis humani, in quibus ista luce frui coepit, bene comparantur primo diei quo deus fecit lucem. Haec aetas tamquam infantia deputanda est ipsius universi saeculi, quod tamquam unum hominem proportione magnitudinis suae cogitare debemus, quia et unusquisque homo, cum primo nascitur et exit ad lucem, primam aetatem agit infantiam. Haec tenditur ab Adam usque ad Noe generationibus decem. Quasi vespera huius diei fit diluvium; quia et infantia nostra tamquam oblivionis diluvio deletur (CSEL 91,104,7â15 D. Weber).
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,36: Et incipit mane a temporibus Noe, secunda aetas tamquam pueritia, et tenditur haec aetas usque ad Abraham aliis generationibus decem. Et bene comparatur secundo diei quo factum est firmamentum inter aquam et aquam; quia et arca, in qua erat Noe cum suis, firmamentum erat inter aquas inferiores in quibus natabat et superiores quibus compluebatur. [â¦] Sed nec ista aetas secunda generavit populum dei, quia nec pueritia apta est ad generandum (CSEL 91,104,1â105,6.11â12 D. Weber).
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,37: Mane ergo fit ab Abraham et succedit aetas tertia similis adoles-centiae. [â¦] Haec enim aetas iam potuit generare populum deo, quia et tertia aetas, id est adolescentia, filios habere iam potest. Et ideo ad Abraham dictum est: patrem multarum gentium posui te et augeam te nimis valde et ponam te in gentes, et reges de te exient. Et ponam testamentum meum inter me et te et inter semen tuum post te in generationes eorum in testamentum aeternum, ut sim tibi deus et semini tuo post te; et dabo tibi et semini tuo post te terram in qua habitas omnem terram Chanaan in possessionem aeternam, et ero illis deus [Gen 17,5â8]. Haec aetas porrigitur ab Abraham usque ad David quattuordecim generationibus (CSEL 91,105,1â2.10â106,20 D. Weber).
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,38: Et inde fit mane, regnum David. Haec aetas similis iuventuti est; et revera inter omnes aetates regnat iuventus et ipsa est firmum ornamentum aetatum omnium, et ideo bene comparatur quarto diei quo facta sunt sidera caeli in firmamento caeli. Quid enim evidentius significat splendorem regni quam solis excellentia?Et plebem obtemperantem regno lunae splendor ostendit tamquam synagogam ipsam, et stellae principes eius, et omnia tamquam in firmamento in regni stabilitate fundata. Huius quasi vespera est in peccatis regum, quibus illa gens meruit captivari atque servire (CSEL 91,106,1â107,10 D. Weber).
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,39: Et fit mane, transmigratio in Babyloniam, cum in ea captivitate populus leniter in peregrino otio collocatus est. Et porrigitur haec aetas usque ad adventum domini nostri, id est quinta aetas, declinatio a iuventute ad senectutem, nondum senectus, sed iam non iuventus, quia senioris aetas est [â¦] Et revera sic ista aetas a regni robore inclinata et fracta est in populo Iudaeorum, quemadmodum homo a iuventute fit senior. Et bene comparatur illi diei quinto quo facta sunt animalia in aquis et volatilia caeli, posteaquam illi homines inter gentes tamquam in mari vivere coeperunt et habere incertam sedem et instabilem sicut volantes aves (CSEL 91,107,1â5.7â12 D. Weber).
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,40: Mane autem fit ex praedicatione evangelii per dominum nostrum Iesum Christum et finitur dies quintus, incipit sextus, in quo senectus veteris hominis apparet (CSEL 91,108,1â3 D. Weber). Dem alten Menschen weist Augustin nachfolgend die carnalis concupiscentia, die tenebrosa curiositas und die superbia zu (CSEL 91,109,28â30 D. Weber). Vgl. hierzu auch Drecoll, 1999, 131.
Vgl. ebd.: In ista tamen aetate tamquam in senectute veteris hominis homo novus nascitur qui iam spiritaliter vivit. Sexta enim die dictum est: producat terra animam vivam [Gen 1,24]. [â¦] Istam vero animam vivam dicit, qua vita iam incipiunt aeterna desiderari (CSEL 91,108,7â9.13â109,14 D. Weber).
Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 272.
Vgl. Aug., Gn. adv. Man. 1.23,41: Post istam vesperam fiet mane, cum ipse dominus in claritate venturus est; tunc requiescent cum Christo ab omnibus operibus suis hi quibus dictum est: estote perfecti sicut pater vester qui in caelis est [Mt 5,48]. Tales enim faciunt opera bona valde. Post enim talia opera speranda est requies in die septimo qui vesperam non habet (CSEL 91,110,4â9 D. Weber). Vgl. hierzu auch Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 269.271. In De civitate Dei verlagert Augustin die immerwährende Sabbatruhe auf den achten Tag als den Tag der Auferstehung. Vgl. Aug., civ. 22.30: Haec tamen septima erit sabbatum nostrum, cuius finis non erit uespera, sed dominicus dies uelut octauus aeternus, qui Christi resurrectione sacratus est, aeternam non solum spiritus, uerum etiam corporis requiem praefigurans (CCSL 48,866,141â145 B. Dombart / A. Kalb). In De vera religione wiederum geht Augustin zunächst auf die geistigen und die körperlichen Entwicklungsstufen des einzelnen Menschen ein und beschreibt im Zuge dessen die Herausbildung des neuen, inneren und himmlischen Menschen aus dem alten, äuÃeren und irdischen Menschen. Erst danach überträgt er dieses Schema auf die Geschichte des gesamten Menschengeschlechts. Vgl. Aug., vera rel. 48â49 (CCSL 32,217,1â219,55 K.-D. Dauer). Vgl. hierzu auch Drecoll, 1999, 130; Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 272, Fn. 30.
Fuhrer, in: Fitzon / Linden / Liess / Elm (Hgg.), 2012, 273.
Vgl. Aug., civ. 12.11: Fallunt eos etiam quaedam mendacissimae litterae, quas perhibent in historia temporum multa annorum milia continere, cum ex litteris sacris ab institutione hominis nondum completa annorum sex milia conputemus (CCSL 48,365,1â4 B. Dombart / A. Kalb); ebenso Aug., civ. 12.13: Homo [â¦] sero sit creatus, ut minus quam sex milia sint annorum, ex quo esse coepisse in sacris litteris inuenitur (CCSL 48,366,6.7â9 B. Dombart / A. Kalb). Augustin folgt hierin vermutlich der von Euseb von Cäsarea (vor 265â339/340) verfassten und von Hieronymus (347â419/420) übersetzten und fortgeschriebenen Weltchronik. Denn danach beträgt die Spanne der Weltzeit bis zum Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu im 15. Jahr des Kaisers Tiberius (14â37) 5228 Jahre. Nach dieser Rechnung wären bis zu Augustins Zeit ca. 5600 Jahre und somit noch nicht ganz 6000 Jahre vergangen. Vgl. zu Eusebs Weltchronik ausführlich G. Bodmann, Jahreszahlen und Weltalter: Zeit- und Raumvorstellungen im Mittelalter, Frankfurt 1992, 54â149.
Vgl. J. Fried, Die Endzeit fest im Griff des Positivismus? Zur Auseinandersetzung mit Sylvain Gouguenheim, in: HZ 275 (2002), 281â321 (307).
Vgl. Aug., civ. 18.53: Non est, inquit, uestrum scire tempora, quae Pater posuit in sua potestate [Apg 1,7]. Non utique illi de hora uel die uel anno, sed de tempore interrogauerant, quando istud accepere responsum. Frustra igitur annos, qui remanent huic saeculo, computare ac definire conamur, cum hoc scire non esse nostrum ex ore Veritatis audiamus (CCSL 48,652,9â14 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. ebd.: Quos tamen alii quadringentos, alii quingentos, alii etiam mille ab adscensione Domini usque ad eius ultimum aduentum compleri posse dixerunt. [â¦] Coniecturis quippe utuntur humanis (CCSL 48,652,14â17.19 B. Dombart / A. Kalb). Vgl. hierzu auch Fried, in: HZ 275 (2002), 307â308.
Vgl. zum chiliastischen Geschichtsbild S. 5â6, Fn. 24.
Vgl. Aug., civ. 20.7: Mille autem anni duobus modis possunt [â¦] intellegi: aut quia in ultimis annis mille ista res agitur, id est sexto annorum miliario tamquam sexto die, cuius nunc spatia posteriora uoluuntur, secuturo deinde sabbato, quod non habet uesperam, requie scilicet sanctorum, quae non habet finem, ut huius miliarii tamquam diei nouissimam partem, quae remanebat usque ad terminum saeculi, mille annos appellauerit eo loquendi modo, quo pars significatur a toto; aut certe mille annos pro annis omnibus huius saeculi posuit, ut perfecto numero notaretur ipsa temporis plenitudo (CCSL 48,710,55â56.57â65 B. Dombart / A. Kalb). Vgl. hierzu auch P. Darby, Bede and the End of Time, London 2016, 79.
Vgl. Aug., ep. 199.3: Vigilate ergo, quia nescitis, quando dominus domus ueniat, sero an media nocte an galli cantu an mane, ne, cum uenerit repente, inueniat uos domientes. Quod autem uobis dico, omnibus dico: Vigilate [Mk 13,35â37]. [â¦] Tunc enim unicuique ueniet dies ille, cum uenerit ei dies, ut talis hinc exeat, qualis iudicandus est illo die. Ac per hoc uigilare debet omnis Christianus, ne inparatum eum inueniat domini aduentus (CSEL 57,246,9â13.247,3â6 A. Goldbacher).
Vgl. Aug., ep. 199.54: Quapropter qui dicit dominum citius esse uenturum, optabilius loquitur, sed periculose fallitur. utinam ergo sit uerum, quia erit molestum, si non erit uerum! qui autem dicit dominum tardius esse uenturum et tamen credit, sperat, amat eius aduentum, profecto de tarditate eius etiam si fallitur, feliciter fallitur; habebit enim maiorem patientiam, si hoc ita erit, maiorem laetitiam, si non erit. [â¦] qui autem, quid horum sit uerum, ignorare se confitetur, illud optat, hoc tolerat, in nullo eorum errat, quia nihil eorum aut adfirmat aut negat (CSEL 57,291,20â292,1â8 A. Goldbacher).
Isidor (um 560â636) entstammte einer hispanorömischen Familie, die in der Mitte des 6. Jhd. von Cartagena nach Sevilla übersiedelte. Um 599/601 folgte er seinem Bruder Leander als Erzbischof von Sevilla nach, führte auf dem 4. Konzil von Toledo 633 den Vorsitz und gründete bischöfliche Schulen mit Bibliotheken in Sevilla, Toledo und Saragossa. Neben den Chronica maiora zeugt vor allem die Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Sueborum von seinem historischen Interesse. Als sein Hauptwerk gelten die im gesamten Mittelalter breit rezipierten Etymologiae, die als eine Art Realenzyklopädie das Wissen seiner Zeit bündeln und mittels etymologischer Begriffsanalyse zu erschlieÃen versuchen. Vgl. hierzu J. Fontaine, Isidor von Sevilla, in: LMA 5 (1991), 677â680; R. Rieger, Isidor von Sevilla, in: 4RGG 4 (2001), 247â248; R. Tenberg, Isidor von Sevilla, in: BBKL 2 (1990), 1374â1379.
Beda (um 672â735) wurde im angelsächsischen Königreich Northumbrien geboren und im Alter von sieben Jahren dem Kloster St. Peter in Wearmouth zur Erziehung übergeben. Um 686 folgte die Ãbersiedlung in das Kloster St. Paul in Jarrow, das 689 mit einer umfangreichen Bibliothek ausgestattet wurde. Sie bildete die Grundlage für Bedas Schriften, die neben grammatischen Lehrbüchern auch exegetische Arbeiten und historiografische Werke beinhalten. Darüber hinaus verfasste er mehrere Abhandlungen zur Zeitrechnung, von denen vor allem De temporum ratione im frühen Mittelalter breit rezipiert wurde. Vgl. hierzu J.O. Fichte, Beda Venerabilis, in: 4RGG 1 (1998), 1201â1202.
Ed. T. Mommsen, in: MGH AA 11, Berlin 1894, 391â481. Eine Kurzfassung der Chronica maiora ist in Isidors Etymologiae (ed. W.M. Lindsay, SCBO, Oxford 1911) enthalten. Sie geht über das Jahr 615 hinaus und reicht bis in das Jahr 627 als dem 17. Jahr der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Herakleios I. (610â641) hinein. Vgl. hierzu Isid., etym. 5.39,42: Heraclius septimum decimum agit annum (SCBO W.M. Lindsay).
Ed. C.W. Jones, CCSL 123B, Turnhout 1977.
Vgl. T. Fuhrer, Erneuerung im Alter: Augustins aetates-Lehre, in: T. Fitzon / S. Linden / K. Liess / D. Elm (Hgg.), Alterszäsuren: Zeit und Lebensalter in Literatur, Theologie und Geschichte, Berlin 2012, 261â287 (269).
Vgl. R. Schmidt, Aetates mundi: Die Weltalter als Gliederungsprinzip der Geschichte, in: ZKG 67 (1956), 288â317 (293).
Dass Isidor in seinen Chronica maiora das augustinische Modell der Weltalter rezipiert, bedingt trotz der inhaltlichen Ausrichtung an der eusebianisch-hieronymianischen Weltchronik zugleich einen gewichtigen Unterschied zu ihr. Denn anders als in ihr stellt Isidor nicht die Geschichten einzelner Völker nebeneinander, sondern vereint sie zu der einen als Heilsgeschichte periodisierten Weltgeschichte von der Schöpfung bis zur Parusie Christi. Vgl. hierzu auch P.M. Bassett, The Use of History in the Chronicon of Isidore of Seville, in: History and Theory 15 (1976), 278â292 (279â280); F. Wallis, Commentary, in: Bede, The Reckoning of Time, translated, with introduction, notes and commentary by F. Wallis, TTH 29, Liverpool 1999, 357â358.
Vgl. hierzu mit geringfügiger Abweichung auch Schmidt, in: ZKG 67 (1956), 293, Fn. 33.
Vgl. zum Beginn des sechsten Weltalters bei Isidor auch Bassett, in: History and Theory 15 (1976), 286â287.
Vgl. Isid., chr. mai. 235; 237â238: Octavianus Augustus regnavit ann. LVI. [â¦] et cessante regno ac sacerdotio Iudaeorum dominus Iesus Christus ex virgine nascitur anno regni eius XLII. Sexta aetas saeculi. Tiberius filius Augusti regnavit ann. XXIII (MGH AA 11,453.454 T. Mommsen).
Vgl. hierzu auch Bassett, in: History and Theory 15 (1976), 290. Die Verbreitung des christlichen Glaubens wurde im frühen Mittelalter u.a. auf Grundlage des Missionsbefehls in Mt 28,18â20 als christliche Pflicht gedeutet. In diesem Zusammenhang galt die Taufe als wesentlicher Schritt hin zu der Erlangung des ewigen Lebens. So schreibt etwa Papst Gregor II. (715â731) in einem Brief an die Thüringer mit Verweis auf Mt 28,19, dass Bischof Bonifatius (um 675â754) zu ihnen gesandt worden sei, dass er sie taufe, den Glauben an Christus lehre und sie vom Irrtum hin zum Weg des Heils führe, damit sie Erlösung und ewiges Leben erlangten. Vgl. hierzu S. Bonifatii et Lulli epistolae 25: Discipulis etiam suis, sanctis apostolis, ait: Euntes docete omnes gentes, baptizantes eos in nomine patris et filii et spiritus sancti [Mt 28,19]; ipse enim credentibus in se vitam aeternam promisit. Cupientes vos ergo in perpetuum nobiscum gaudere, [â¦] ideo fratrem nostrum sanctissimum Bonifatium episcopum ad vos direximus, ut vos debeat baptizare et fidem Christi docere et ab errore ad viam salutis deducere, ut salutem habeatis et vitam sempiternam (MGH Ep 3,274,30â36 E. Dümmler).
Vgl. Isid., chr. mai. 329; 330: Constantinus regnavit ann. XXX. Iste primus imperatorum Christianus effectus licentiam dedit Christianis libere congregari et in honorem Christi basilicas construi (MGH AA 11,465 T. Mommsen).
Vgl. Isid., chr. mai. 361: Gentium quoque templa per totum orbem iubente Theodosio eodem tempore subvertuntur: nam adhuc intemerata manebant (MGH AA 11,470 T. Mommsen).
Vgl. Isid., chr. mai. 408: Gothi Reccaredo principe innitente ad fidem catholicam revertuntur (MGH AA 11,477 T. Mommsen); ebenso Isid., etym. 5.39,41: Gothi catholici efficiuntur (SCBO W.M. Lindsay). Im Hintergrund dieser Aussagen steht der Ãbertritt vom homöischen Bekenntnis zum nicäno-konstantinopolitanischen Bekenntnis durch den westgotischen König Rekkared I. (586â601) im Jahr 587. Vgl. hierzu J.M. Alonso-Núñez, Reccared I., in: LMA 7 (1995), 500.
Sisebut herrschte als westgotischer König von 612 bis zu seinem Tod 621. Von der jüdischen Bevölkerung verlangte er die Annahme des christlichen Glaubens und zwang diejenigen, die sich der Taufe verweigerten, zur Emigration nach Gallien. Isidor von Sevilla pflegte Kontakt zu Sisebut und verfasste auf dessen Bitte hin die Schrift De natura rerum. Vgl. hierzu J.M. Alonso-Núñez, Sisebut, in: LMA 7 (1995), 1938.
Vgl. Isid., chr. mai. 415â416: Sisebutus Gothorum gloriosissimus princeps in Spania plurimas Romanae militiae urbes sibi bellando subiecit. Et Iudaeos sui regni subditos ad Christi fidem convertit (MGH AA 11,479 T. Mommsen).
Vgl. hierzu auch Bassett, in: History and Theory 15 (1976), 290â292.
Vgl. Isid., chr. mai. 3 basierend auf Gen 1: Sex diebus rerum creaturam deus formavit. Primo die condidit lucem: secundo firmamentum caeli: tertio speciem maris et terrae: quarto sidera: quinto pisces et volucres: sexto bestias atque iumenta. Novissime ad similitudinem suam hominem primum Adam (MGH AA 11,426 T. Mommsen).
Vgl. Isid., chr. mai. 418: Residuum saeculi tempus humanae investigationis incertum est. Omnem enim de hac re quaestionem dominus Iesus Christus abstulit dicens: Non est vestrum nosse tempora vel momenta, quae pater posuit in sua potestate [Apg 1,7], et alibi: De die autem, inquit, et hora nemo scit neque angeli caelorum nisi solus pater [Mt 24,36] (MGH AA 11,481 T. Mommsen).
Vgl. ebd.: Unus quisque ergo de suo cogitet transitu, sicut sacra scriptura ait: In omnibus operibus tuis memorare novissima tua, et in aeternum non peccabis [Sir 7,40]. Quando enim quisque de saeculo migrat, tunc illi consummatio saeculi est (MGH AA 11,481 T. Mommsen). Vgl. hierzu auch M. Häusler, Das Ende der Geschichte in der mittelalterlichen Weltchronistik, Köln 1980, 24â26.
Vgl. Bed., temp. rat. 66 (CCSL 123B,463â535 C.W. Jones).
Vgl. zur Entstehung, zum Inhalt und zum Kontext von De temporum ratione F. Wallis, Introduction, in: Bede, The Reckoning of Time, translated, with introduction, notes and commentary by F. Wallis, TTH 29, Liverpool 1999, xvâci.
Vgl. Bed., temp. rat. 66.1â7: Prima est ergo mundi huius aetas ab Adam usque ad Noe [â¦] Secunda aetas a Noe usque ad Abraham [â¦] Tertia ab Abraham usque ad Dauid [â¦] Quarta a Dauid usque ad transmigrationem Babylonis [â¦] Quinta [â¦] a transmigratione Babylonis usque in aduentum domini saluatoris in carnem [â¦] Sexta, que nunc agitur, aetas, nulla generationum vel temporum serie certa (CCSL 123B,463,8.15.22.29.464,36â37.41â42 C.W. Jones). Die Gliederung der Weltgeschichte in sechs Weltalter nimmt Beda bereits in seiner vermutlich um 703 angefertigten Schrift De temporibus vor. Sie umfasst neben dem auch als Chronica minora bekannten Chronikteil Kapitel über die Zeitmessung und über die Festlegung des Ostertermins. In De temporum ratione greift Beda diese Themen erneut auf, äuÃert sich nun aber ausführlicher zu ihnen, weshalb der darin enthaltene universalchronologische Anhang auch als Chronica maiora bezeichnet wird. Vgl. hierzu G. Dunphy, Die mittelalterliche Chronikliteratur in Irland, England, Wales und Schottland, in: G. Wolf / N.H. Ott (Hgg.), Handbuch Chroniken des Mittelalters, Berlin 2016, 609â662 (615â617).
Bedas Vergleich der ersten fünf Weltalter mit den ersten fünf Lebensaltern eines Menschen weist viele Parallelen zu Augustins Interpretation in De Genesi contra Manichaeos (Gn. adv. Man. 1.23,35â41) auf. Ein merklicher Unterschied ist allerdings darin zu sehen, dass Beda die pueritia nicht mit der Zeugungsunfähigkeit, sondern mit der Ausbildung des Sprechvermögens verbindet. Vgl. hierzu Bed., temp. rat. 66.3: Haec quasi pueritia fuit generis populi Dei et ideo in lingua inuenta est, id est Hebrea, a pueritia namque homo incipit nosse loqui post infantiam, quae hinc appellata est, quod fari non potest (CCSL 123B,463,18â21 C.W. Jones); dagegen Aug., Gn. adv. Man. 1.23,36: Sed nec ista aetas secunda generavit populum dei, quia nec pueritia apta est ad generandum (CSEL 91,105,11â12 D. Weber).
Vgl. Bed., temp. rat. 66.7: Sexta, que nunc agitur, aetas, nulla generationum uel temporum serie certa, sed ut aetas decrepita ipsa totius saeculi morte consumenda (CCSL 123B,464,41â43 C.W. Jones).
Der Kontrast zwischen Morgen und Abend kommt besonders deutlich in Bedas Ausführungen zum vierten Weltalter zum Ausdruck: Wie am vierten Schöpfungstag der Himmel mit den Gestirnen geschmückt worden sei, sei das hebräische Volk, bekannt für den himmlischen Glauben unter der Regentschaft der Könige David und Salomo, auf dem ganzen Erdkreis berühmt geworden wegen der Erhabenheit des heiligsten Tempels. Doch auch hier habe der Abend eingesetzt, als wegen der Zunahme der Sünden das Königreich durch die Chaldäer zerrissen, der Tempel zerstört und das gesamte Volk nach Babylon weggeführt worden sei. Vgl. hierzu Bed., temp. rat. 10: Quarta die caelum luminaribus ornatur; quarta aetate gens illa, caelesti fide inclita regno Dauid et Salomonis gloriosa, templi etiam sanctissimi altitudine totum nobilitatur in orbem. Sed accepit et uesperam, quando crebrescentibus peccatis regnum illud a Chaldaeis dissipatum, templum dirutum, et tota gens est Babyloniam translata (CCSL 123B,311,23â28 C.W. Jones).
Vgl. Bed., temp. rat. 10: Sexta die terra suis animantibus impletur et homo primus ad imaginem Dei creatur, [â¦] sexta aetate praeconantibus prophetis filius Dei in carne qui hominem ad imaginem Dei recrearet apparuit (CCSL 123B,311,36â38.39â40 C.W. Jones).
Vgl. ebd.: Septima die consummatis operibus suis Deus requieuit, eamque sanctificans sabbatum nuncupari praecepit, quae uesperam habuisse non legitur. Septima aetate iustorum animae post optimos huius uitae labores in alia uita perpetuo requiescunt, quae nulla umquam tristitia maculabitur, sed maiori insuper resurrectionis gloria cumulabitur. Haec aetas hominibus tunc coepit, quando primus martyr Abel, corpore quidem tumulum, spiritu autem sabbatum perpetuae quietis intrauit. Perficietur autem quando receptis sancti corporibus in terra sua duplicia possidebunt, laetitia sempiterna erit eis. Et ipsa est octaua pro qua sextus psalmus inscribitur. Credo quia in sex huius saeculi aetatibus pro septima uel octaua illius saeculi est aetate supplicandum, in qua, quia iusti gaudia sed reprobi sunt supplicia percepturi, psalmus hic ingenti pauore incipit, currit, finitur: Domine ne in ira tua arguas me [Ps 6,2], et caetera (CCSL 123B,312,44â59 C.W. Jones); Bed., temp. rat. 71.610: Et haec est octaua illa aetas semper amanda, speranda, suspiranda fidelibus, quando eorum animas Christus incorruptibilium corporum munere donatas ad perceptionem regni caelestis contemplationemque diuinae suae maiestatis inducat (CCSL 123B,542,2â5 C.W. Jones); Bed., temp. rat. 71.614â615: [â¦] Cum ergo octauam in scripturis legimus, sciamus mystice et diem et aetatem posse intellegi, quia et dominus octaua die, id est post septimam sabbati, resurrexit a mortuis. Et nos non solum post septem uolubiles huius saeculi dies, sed etiam post saepe memoratas septem aetates in octaua aetate simul et die resurgemus. Quae uitae dies in se quidem ipsa mansit semper, manet et manebit aeterna; sed nobis tunc incipiet cum ad eam uidendam meruerimus intrare (CCSL 123B,544,75â82 C.W. Jones).
In De civitate Dei geht Augustin zwar auf den achten Tag als den Tag der Auferstehung ein, erwähnt aber nicht explizit ein achtes Weltalter. Vgl. hierzu Aug., civ. 22.30: Haec tamen septima erit sabbatum nostrum, cuius finis non erit uespera, sed dominicus dies uelut octauus aeternus, qui Christi resurrectione sacratus est, aeternam non solum spiritus, uerum etiam corporis requiem praefigurans (CCSL 48,866,141â145 B. Dombart / A. Kalb).
Vgl. P. Darby, Bede and the End of Time, London 2016, 69â74.
Vgl. Bed., temp. rat. 67.594: Haec de cursu praeteriti seculi ex Hebraica Veritate, prout potuimus, elucubrare curauimus, aequum rati ut, sicut Graeci LXX Translatorum editione utentes de ea sibi suisque temporum libros condidere, ita et nos, qui per beati interpretis Hieronimi industriam puro Hebraicae Veritatis fonte potamur, temporum quoque rationem iuxta hanc scire queamus (CCSL 123B,535,2â536,7 C.W. Jones).
Vgl. hierzu mit geringfügiger Abweichung auch Schmidt, in: ZKG 67 (1956), 293, Fn. 33. Bereits in seiner um 703 angefertigten Schrift De temporibus datiert Beda die Menschwerdung Christi auf das Weltjahr 3952. Seine Zählung hatte zur Folge, dass er von einigen angelsächsischen Geistlichen der Häresie bezichtigt wurde. Vor dem Hintergrund der chiliadischen Hexaemerontypologie warfen sie ihm vor, die Menschwerdung Christi aus dem sechsten Weltalter verdrängt zu haben. Darauf reagierte Beda mit der 708 verfassten und als Verteidigung seiner Weltjahreszählung angelegten Epistula ad Pleguinam de aetatibus saeculi. Vgl. hierzu Darby, 2016, 35â47.
Vgl. Bed., temp. rat. 67.594: Et siue prolixiora seu breuiora transacti seculi tempora signauerit, aut signata reppererit, nullatenus tamen ex hoc longiora vel breuiora quae restant saeculi tempora putet, memor semper dominicae sententiae: quia de die ultima et hora nemo scit neque angeli caelorum, nisi pater solus [Mt 24,36] (CCSL 123B,536,19â23 C.W. Jones).
Vgl. Bed., temp. rat. 67.595: Neque enim ullatenus sunt audiendi, qui suspicantur huius saeculi statum sex milium annorum ab initio fuisse definitum (CCSL 123B,536,23â25 C.W. Jones).
Vgl. Bed., temp. rat. 67.597: Et quia nulla aetatum quinque praeteritarum mille annis acta repperitur, sed aliae plures annos, aliae pauciores habuere, neque ulla alteri similem habuit summam annorum, restat ut pari modo haec quoque, quae nunc agitur, incertum mortalibus habeat suae longitudinis statum, soli autem Illi cognitum, qui seruos suos accinctis lumbis lucernisque ardentibus uigilare praecepit, similes hominibus exspectantibus dominum suum, quando reuertatur a nuptiis [Lk 12,35â36] (CCSL 123B 537,52â60 C.W. Jones).
Vgl. zu Augustins Brief an Bischof Hesychius von Salona Kapitel 1.1.2, S. 11â12.
Vgl. Bed., temp. rat. 68 mit Verweis auf Aug., ep. 199.52â54 (CCSL 123,537,1â538,32 C.W. Jones).
Vgl. Bed., temp. rat. 67.596â597: Et quod est grauius, fuere qui propter septimum diem, in quo requieuit Deus ab operibus suis, sperarent post sex annorum milia sanctorum laboris in hac vita mortali septimo mille annorum curriculo eos post resurrectionem in hac ipsa uita inmortales in deliciis et multa beatitudine regnaturos esse cum Christo. Verum his, quia heretica sunt et friuola, funditus omissis intellegamus sincere et catholicae sex illos dies in quibus mundi huius ornatum perfecit Deus, et septimum, in quo ab omni opere suo requieuit, quem ob id perpetuae quietis benedictione sanctificauit, non sex annorum milia seculi laborantis et septimum regni beatorum in terra cum Christo, sed sex potius aetates significare mundi labentis, in quibus sancti laborant in hac uita pro Christo, et septimam perpetuae quietis in alia uita quam solutae a corporibus percipiunt animae sanctae cum Christo. Quod animarum sabbatum tunc inchoasse recte creditur, cum primus Christi martyr carne occisus a fratre, mox anima est aeternam translatus in requiem. Tunc autem perficietur cum in die resurrectionis animae etiam corpora incorrupta receperint (CCSL 123B,536,34â537,52 C.W. Jones).
Vgl. Isid., chr. mai. 2: Horum nos temporum summam ab exordio mundi usque ad Augusti Heraclii vel Sisebuti regis principatum quanta potuimus brevitate notavimus, adicientes e latere descendentem lineam temporum, cuius indicio summa praeteriti saeculi cognoscatur (MGH AA 11,425 T. Mommsen); Bed., temp. rat., praefatio: Prolixiorem de temporibus librum edidi prout ipso largiente potui qui aeternus permanens tempora quando uoluit constituit et qui nouit temporum fines immo ipse labentibus temporum curriculis finem cum uoluerit imponet (CCSL 123B,263,19â12 C.W. Jones).
Einhard wurde um 770 im Maingau geboren und schon in jungen Jahren dem Kloster Fulda zur Erziehung übergeben. Dort ist er von 788 bis 791 als Urkundenschreiber bezeugt. Im Jahr 794 wurde er zur weiteren Ausbildung an die Hofschule nach Aachen gesandt und übernahm nur wenige Jahre später als Nachfolger des angelsächsischen Gelehrten Alkuin deren Leitung. Darüber hinaus erhielt er den Beinamen Beseleel nach dem Werkmeister des Zeltheiligtums in Ex 35,30â35, was auf seine Rolle als Hofbaumeister hinweist. Nach dem Tod Karls des GroÃen fungierte er zunächst als Berater Ludwigs des Frommen (814â840), der ihm 815 sieben Klöster übertrug. Während der politischen Wirren der 830er Jahre zog sich Einhard zunehmend in das auf seinem Eigenbesitz gegründete Kloster Seligenstadt zurück. In diese Zeit fällt auch die Abfassung seiner an den Kaiserviten Suetons orientierten Vita Karoli Magni, in der er die Herrschaft Karls des GroÃen als vorbildlich und nachahmungswürdig darstellt. Einhard starb 840 in Seligenstadt. Vgl. hierzu J. Fleckenstein, Einhard, in: LMA 3 (1986), 1737â1739; W. Hartmann, Einhard, in: 4RGG 2 (1999), 1160.
Vgl. Ein., vit. Karol. Mag. 25: Discebat artem conputandi et intentione sagaci siderum cursum curiosissime rimabatur (MGH SRG 25,30,16â18 O. Holder-Egger).
Alkuin (735/740â804) stammte aus dem angelsächsischen Königreich Northumbrien, erhielt seine Ausbildung an der Domschule in York und wurde später deren Vorsteher. 781 begegnete er Karl dem GroÃen in Parma und wurde an die Hofschule nach Aachen berufen. Ab 782 übernahm er nicht nur deren Leitung, sondern stieg auch zu einem der engsten Berater des Königs vor allem in kirchlichen Belangen und in theologischen Streitfragen auf und widmete sich darüber hinaus in besonderer Weise der Förderung der Wissenschaften. Er verfasste Schriften u.a. zur Orthografie, Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Hinzu kommen Briefwechsel mit Karl dem GroÃen bezüglich der Astronomie, diverse Bibelkommentare, liturgische, hagiografische und ethische Texte sowie dogmatische Werke. Zu seinen bekanntesten Schülern zählen die Gelehrten Einhard und Hrabanus Maurus. Obwohl Alkuin dem Mönchsstand nicht angehörte, unternahm er intensive Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensführung und der geistigen Bildung in den Klöstern. Einige wurden ihm von Karl dem GroÃen übertragen, darunter auch die bedeutende Abtei St. Martin in Tours, wo er 804 starb. Vgl. hierzu W. Hartmann, Alkuin, in: 4RGG 1 (1998), 301â302; W. Heil, Alkuin I, in: LMA 1 (1980), 417â419. Vgl. zu Alkuins Einfluss auf die Verbreitung der von Beda Venerabilis verfassten Schriften zur Zeitrechnung K. Springsfeld, Alkuins Einfluà auf die Komputistik zur Zeit Karls des GroÃen, Stuttgart 2002.
J. Fried, Karl der GroÃe: Gewalt und Glaube: Eine Biographie, München 32014, 560. Vgl. hierzu auch ders., Aufstieg aus dem Untergang: Apokalyptisches Denken und die Entstehung der modernen Naturwissenschaft im Mittelalter, München 2001, 58â60; ders., Dies irae: Eine Geschichte des Weltuntergangs, München 2016, 90â92.
Ed. A. Borst, in: MGH QG 21,2, Nr. 9, Hannover 2006, 780â793.
Ed. A. Borst, in: MGH QG 21,2, Nr. 13, Hannover 2006, 971â1008.
Ed. A. Borst, in: MGH QG 21,2, Nr. 14, Hannover 2006, 1015â1020.
Ed. A. Borst, in: MGH QG 21,3, Nr. 17, Hannover 2006, 1087â1334.
Claudius (gest. 827) stammte aus Spanien, kam um 800 in das Frankenreich und hielt sich mehrere Jahre in Lyon auf. Von dort berief ihn Ludwig der Fromme 811 zunächst an seinen Hof im Unterkönigreich Aquitanien und sandte ihn um 816 schlieÃlich als Bischof nach Turin. Noch vor seiner Erhebung zum Bischof verfasste Claudius seine Brevis chronica. Bei dem GroÃteil seiner Schriften handelt es sich allerdings um Bibelkommentare, von denen einige nicht erhalten und viele noch nicht ediert sind. Vgl. hierzu J. Heil, âNos nescientes de hoc velle manereâ â âWe wish to remain ignorant about thisâ: Timeless End, or: Approaches to Reconceptualizing Eschatology after A.D. 800 (A.M. 6000), in: Tr. 55 (2000), 73â103 (77â78); C. Leonardi, Claudius v. Turin, in: LMA 2 (1983), 2132â2133; W. Hartmann, Claudius von Turin, in: 4RGG 2 (1999), 392.
In: PL 104, 917â926.
Vgl. hierzu A. Borst, Die aquitanische Weltjahresberechnung des Claudius von 814 (Claudius Ser.), in: MGH QG 21,3, Hannover 2006, 1335â1344 (1336â1341).
Hildebald (gest. 818) gehörte zu den engsten Beratern Karls des GroÃen und wurde 791 zum obersten Kaplan der Hofkapelle ernannt. Ab 787 war er Bischof, ab 794/795 Erzbischof von Köln. Er unterzeichnete 811 als einer der ersten Zeugen das Testament Karls des GroÃen, führte auf der Mainzer Reformsynode von 813 den Vorsitz und geleitete Papst Stephan IV. (816â817) 816 zur Krönung und Salbung Ludwigs des Frommen zum Kaiser nach Reims. Vgl. hierzu F.W. Bautz, Hildebold, Erzbischof von Köln, in: BBKL 2 (1990), 844â845; W. Schäfke, Hildebald, in: LMA 5 (1991), 10â11.
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung der Additamenta Coloniensia ad chronica A. Borst, Die Kölner Chronikanhänge von 798 (Add. Col.), in: MGH QG 21,2, Hannover 2006, 773â779.
Vgl. Add. Col. 1.1: Ab Adam usque ad diluvium anni duo milia ducenti quadraginta duo. A diluvio usque ad Abraham anni nongenti quadraginta duo (MGH QG 21,2, Nr. 9,780,5â7 A. Borst).
Vgl. ebd.: Ab inicio mundi usque ad nativitatem Christi anni quinque milia centum nonaginta novem (MGH QG 21,2, Nr. 9,781,1â3 A. Borst).
Anders als in den Additamenta Coloniensia ad chronica ausgewiesen, basiert die Angabe des Weltjahres 5998 nicht auf der Zählung gemäà dem hebräischen Text des Alten Testaments, sondern auf der Addition der in der eusebianisch-hieronymianischen Chronik enthaltenen Zahlen bis zur Menschwerdung Christi mit den 798 Inkarnationsjahren. Vgl. hierzu auch Borst, in: MGH QG 21,2, 2006, 793, Anm. 36.
Vgl. Add. Col. 2.3: Sunt anni ab initio mundi secundum veritatem Hebraeorum, ut transtulit Hieronimus, usque ad istum annum tricesimum primum regni Karoli regis [â¦] anni quinque milia nongenti nonaginta octo, secundum vero Septuaginta anni sex milia ducenti sexaginta octo, anni ab incarnatione Domini septingenti nonaginta octo (MGH QG 21,2, Nr. 9,793,2â4.6â794,2 A. Borst).
Vgl. hierzu auch Borst, in: MGH QG 21,2, 2006, 793, Anm. 36.
Vgl. Add. Col. 1.2: Sed diem illam omnibus hominibus occultam ipse Dominus manifestat dicens: De die autem illa et hora nemo scit, neque angeli caelorum neque filius hominis, nisi pater solus [Mk 13,32] (MGH QG 21,2, Nr. 9,782,5â7 A. Borst).
Vgl. Add. Col. 2.3: Sunt anni ab initio mundi [â¦] usque ad istum annum tricesimum primum regni Karoli regis â ipse est annus, quando hospites accepit de Saxonia tertiam partem populi et quando missi venerunt de Graecia, ut traderent ei imperium (MGH QG 21,2, Nr. 9,2.3â6 A. Borst). Vgl. hierzu auch Borst, in: MGH QG 21,2, 2006, 776â777.
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung der Series annorum mundi nova A. Borst, Die ostfränkische Ahnentafel von 807 (Ser. nov.), in: MGH QG 21,2, Hannover 2006, 951â970.
Vgl. Ser. nov. 5: Et fiunt simul anni quinque aetatum tria milia nongenti quinquaginta duo (MGH QG 21,2,991,3â5 A. Borst); Ser. nov. 6: Sunt autem totius summae ab origine mundi anni usque in praesentem annum [â¦] quattuor milia septingenti quinquaginta novem (MGH QG 21,2, Nr. 13,1007,8â9.1008,3 A. Borst).
Vgl. Ser. nov. 1: Aetas prima. Adam cum esset centum triginta annorum, genuit Seth (MGH QG 21,2, Nr. 13,971,2â4 A. Borst); Ser. nov. 6: Et inde domnus Carolus solus regnum suscepit et Deo protegente gubernat usque in praesentem annum feliciter, qui est annus regni eius tricesimus nonus, imperii autem septimus (MGH QG 21,2, Nr. 13,1006,3â6 A. Borst). Vgl. hierzu auch Borst, in: MGH QG 21,2, 2006, 958.
Borst, in: MGH QG 21,2, 2006, 956.
Vgl. a.a.O., 964.
Vgl. Ser. nov. 4: De Sedechia usque ad Nabuchodonosor anni undecim (MGH QG 21,2, Nr. 13,984,3â4 A. Borst).
Vgl. Ser. nov. 5: Sunt anni quintae aetatis usque ad Cyrum triginta (MGH QG 21,2, Nr. 13,985,2â3 A. Borst); ebd.: A Dario autem usque ad Alexandrum sunt anni sex (MGH QG 21,2, Nr. 13,987,5â6 A. Borst).
Vgl. ebd.: Et a Cleopatra usque ad Iulium Caesarem anni duo. A Iulio usque ad Octavianum Augustum sunt anni quinque (MGH QG 21,2, Nr. 13,990,1â4 A. Borst).
Pippin II. (640/650â714) war zunächst Hausmeier von Austrasien. Nach seinem Sieg über Neustrien 687 und nach der Ermordung des dortigen Hausmeiers Berchar 688 gelang es ihm, seine Macht auszubauen und als Hausmeier von Austrasien und Neustrien die Gesamtleitung über das Frankenreich zu übernehmen, ohne das merowingische Thronrecht anzufechten. Vgl. hierzu U. Nonn, Pippin II. (d. Mittlere), frk. Hausmeier, in: LMA 6 (1993), 2167â2168.
Karl Martell (688/689â741) war ein aus einer Friedelehe stammender und folglich aus der Nachfolge ausgeschlossener Sohn Pippins II. Durch militärische Erfolge stieg er erst zum Hausmeier von Austrasien auf und wurde schlieÃlich als gesamtfränkischer Hausmeier anerkannt. Ab 737 lieà er den merowingischen Thron unbesetzt und teilte vor seinem Tod das Reich unter seinen Söhnen Karlmann, Pippin und Grifo auf. Vgl. hierzu U. Nonn, Karl Martell, frk. Hausmeier, in: LMA 5 (1991), 954â956.
Pippin III. (751â768) war ein Sohn Karl Martells und seit 741 Hausmeier von Neustrien, Burgund und der Provence. Wie von seinem Vater vorgesehen, teilte er die Macht über das Frankenreich zunächst mit seinem älteren Bruder Karlmann, der Hausmeier von Austrasien, Alemannien und Thüringen wurde. Beide lehnten Grifos Mitherrschaft ab, einigten sich aufgrund vermehrter Widerstände gegen die hausmeierliche Gewalt im Jahr 743 allerdings darauf, mit Childerich III. (743â751) wieder einen merowingischen König einzusetzen. Im Jahr 747 beugte sich Karlmann schlieÃlich dem zunehmenden politischen Druck und zog sich als Mönch nach Italien zurück. Mit Unterstützung von Papst Zacharias (741â752) sorgte Pippin anschlieÃend für die Absetzung des merowingischen Königs, wurde 751 in Soissons von den fränkischen GroÃen selbst zum König gewählt und 754 von Papst Stephan II. (752â757) in St. Denis gesalbt. Vgl. J. Fleckenstein, Pippin III. (d. Jüngere), Kg. der Franken, in: LMA 6 (1993), 2168â2170; U. Nonn, Childerich III., merow. Kg., in: LMA 2 (1983), 1818â1819.
Vgl. Ser. nov. 6: A Iustiniano usque ad Pippinum seniorem fiunt anni duo. A Pippino seniore usque ad Carolum anni viginti septem, a Carolo usque ad Pippinum et Carlomannum anni viginti septem. Et a Pippino et Carlomanno, usquedum Pippinus rex constitutus est, fiunt anni decem, a Pippino vero usque ad Carlum et Carlomannum anni septendecim. Et a Carlo et Carlomanno usque ad Carlum fiunt anni quattuor (MGH QG 21,2, Nr. 13,1003,14â1006,2 A. Borst).
R. Corradini, Das Zeitbuch des Walahfrid Strabo: Langzeitperspektiven und Nachhaltigkeitskonzepte, in: M. Czock / A. Rathmann-Lutz (Hgg.), ZeitenWelten: Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung, 750â1350, Köln 2016, 39â62 (59).
Vgl. ebd. Der Gedanke von der translatio imperii geht zurück auf Hieronymus, der in einige von ihm übersetzte alttestamentliche Texte die Wendung regna transferre einarbeitete, so etwa in Dan 2,21. Vgl. hierzu Hier., Dan. 1.2,21a: Ipse mutat tempora et aetates, transfert regna atque constituit [Dan 2,21a]. Non ergo miremur siquando cernimus et regibus reges et regnis regna succedere quae Dei gubernatur et mutantur et finiuntur arbitrio. Causasque singulorum nouit ille qui conditor omnium est et saepe malos reges patitur suscitari ut mali malos puniant: simulque subostendit, et generali disputatione praeparat auditorem, somnium quod uidit esse de mutatione et successione regnorum (CCSL 75A,787,237â244 F. Glorie). Basierend auf seinem Daniel-Kommentar wurde die Weltgeschichte als eine lineare Abfolge von vier Weltreichen gedeutet: dem babylonischen, dem persischen, dem griechischen und dem römischen. Der Untergang des letzten Reiches war folglich gleichbedeutend mit dem Ende der Welt. Vgl. hierzu H. Thomas, Translatio Imperii, in: LMA 8 (1997), 944â946.
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung der Series annorum mundi secundum antiquos patres A. Borst, Die nordwestfränkische Weltjahreszählung von 809 (Ser. ant.), in: MGH QG 21,2, Hannover 2006, 1009â1014.
A.a.O., 1011.
Was die literarischen Abhängigkeiten untereinander betrifft, erweist sich die von Euseb verfasste Weltchronik als grundlegend. Denn sie wurde in ihrer von Hieronymus ins Lateinische übersetzten und bis in das Jahr 378 fortgeschriebenen Gestalt sowohl von Orosius für seine Historiarum adversum paganos libri VII als auch von Prosper für seine Chronica verwendet. Vgl. hierzu J.M. Alonso-Núñez, Prosper Tiro v. Aquitanien, in: LMA 7 (1995), 266; H.-W. Goetz, Orosius, in: LMA 6 (1993), 1474â1475.
Vgl. Ser. ant. 1â4 (MGH QG 21,2, Nr. 14,1015,3â1017,10 A. Borst).
Vgl. Ser. ant. 5: A nativitate autem Christi usque ad praesens tempus secundum supputationes et ciclos et argumenta antiquorum patrum conputantur anni octingenti novem. Qui simul collecti ab initio mundi usque ad praesentem annum fiunt sex milia octo (MGH QG 21,2, Nr. 14,1017,13â1018,2 A. Borst).
Capitula, de quibus convocati compotiste interrogati fuerint. Responsiones quoque eorum, quales et ordine quo reddite fuerint, hic pariter ostenduntur, ed. A. Borst, in: MGH QG 21,3, Nr. 16, Hannover 2006, 1040â1053. Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung A. Borst, Das Aachener Verhör von 809 (Cap. comp.), in: MGH QG 21,3, Hannover 2006, 1034â1039.
Vgl. Cap. comp. 4: Interrogati, quot annos a mundi initio usque ad Christi incarnationem dicerent? Qui cum propter diversorum auctoritates primum diversa protulissent, postremo in Ebraice veritatis numero fidem facere censuerunt (MGH QG 21,3, Nr. 16,1042,4â7 A. Borst). Vgl. hierzu auch Heil, in: Tr. 55 (2000), 76.
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung der Libri computi A. Borst, Die Aachener Enzyklopädie von 809 (Lib. comp.), in: MGH QG 21,3, Hannover 2006, 1054â1086.
Corradini, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 59.
Vgl. Lib. comp. 1.5: Et inde domnus Carolus solus regnum suscepit et Deo protegente gubernat usque in praesentem annum feliciter, qui est annus regni eius quadragesimus secundus, imperii auten nonus. Sunt autem totius summae ab origine mundi anni usque in praesentem annum quattuor milia septingenti sexaginta unus (MGH QG 21,3, Nr. 17,1109,16â1110,2 A. Borst). Dass Karl der GroÃe nicht nur seine Herrschaft in die als Heilsgeschichte periodisierte Weltgeschichte einzuordnen verlangte, sondern darüber hinaus auch Zukünftiges zu erschlieÃen versuchte, lassen die detaillierten Angaben zum gehäuften Auftreten von Sonnenfinsternissen während seiner Regierungszeit im 5. Buch der Libri computi erahnen. Vgl. hierzu Lib. comp. 5.10 (MGH QG 21,3, Nr. 17,1277,4â1279,15 A. Borst); Borst, in: MGH QG 21,3, 2006, 1065. Denn derartige astronomische Phänomene wurden im frühen Mittelalter häufig als unheilvolle Vorzeichen gedeutet. So greift Einhard in seiner Vita Karoli Magni u.a. die in den Jahren 810 bis 812 beobachteten Sonnenfinsternisse auf und stuft sie rückblickend als Hinweis auf Karls Ableben nur wenige Jahre später ein. Vgl. hierzu Ein., vit. Karol. Mag. 32: Adpropinquantis finis conplura fuere prodigia, ut non solum alii, sed etiam ipse hoc minitari sentiret. Per tres continuos vitaeque termino proximos annos et solis et lunae creberrima defectio et in sole macula quaedam atri coloris septem dierum spatio visa (MGH SRG 25,36,3â7 O. Holder-Egger). Die Annales Fuldenses wiederum legen in ihren Schilderungen zum Jahr 840 eine Verbindung zwischen der Beobachtung einer Sonnenfinsternis und dem Tod Ludwigs des Frommen nahe: In ipsa autem vigilia ascensionis Domini, hoc est in IIII. Id. Mai., eclipsis solis circa septimam et octavam horam diei facta est tam valida, ut etiam stellae propter obscuritatem solis visae sint rebusque color in terris mutaretur. Imperator vero illis diebus morbo correptus aegrotare coepit et per Moenum fluvium navigio ad Franconofurt, inde post dies paucos in insulam quandam Rheni fluminis prope Ingilenheim delatus morbo invalescente XII. Kal Iul. diem ultimum clausit (MGH SRG 7,31 G.H. Pertz / F. Kurze). Vgl. hierzu auch H. Nelsen-Minkenberg, David oder Salomon? Studien zur Rezeptionsgeschichte Kaiser Ludwigs des Frommen in der Historiographie des 9. bis 13. Jahrhunderts, Aachen 2005, 42â43.
Vgl. Claud.-T., brev. chron.: Quia igitur fautore Deo annos a conditione mundi cum serie generationis juxta Hebraicam veritatem pariter adnotatos Deo juvante magna ex parte superius jam ostendimus, nunc eosdem denuo recapitulando latius exponemus (PL 104,917C); ebd.: Et ita fit ut a constitutione mundi usque ad Nativitatem Domini Salvatoris in carne [â¦] colligantur omnes anni 3952. Sed et in libro Chronicorum, quem idem sanctus vir non plus mirabili veritate quam celeritate comprehendit, eosdem annos simili modo secundum Hebraicam veritatem a constitutione mundi, usque ad Nativitatem Domini in carne similiter adnotavit (PL 104,924BâC).
Vgl. Borst, in: MGH QG 21,3, 2006, 1337.
Vgl. Claud.-T., brev. chron.: Colliguntur omnes anni a conditione mundi usque ad praesentem annum, qui est Incarnationis Domini Jesu Christi 814, quo piae recordationis et bonae semper memoriae Carolus gloriosus princeps ex hoc migravit mortali saeculo, et ei pius princeps sanctae Dei Ecclesiae catholicae Ludovicus successit imperio, anni 4766 (PL 104,924D). Vgl. hierzu auch Borst, in: MGH QG 21,3, 2006, 1335.
Vgl. ebd.: Si autem quaeratur a me quam longo tempore, aut quot annis debeat praesens mortale saeculum perdurare, nescire me fateor, quia non uspiam me legisse reminiscor, et ideo nec de imperitia erubesco, quia lectione non doceor, nec de periculo formido, quia quae non lego nec praesumo, ne transgressor inveniar divini oraculi, qui apostolis de hoc interrogantibus ita respondit: De die autem illo et hora nemo scit, neque angeli caelorum, neque Filius nisi Pater solus [Mk 13,32] (PL 104,925Bâ926A). Vgl. hierzu auch Heil, in: Tr. 55 (2000), 81â82.
Vgl. ebd.: Filii nescire est, nos nescientes de hoc velle manere (PL 104,926A).
Vgl. Borst, in: MGH QG 21,3, 2006, 1341â1342; A.-D. von den Brincken, Studien zur lateinischen Weltchronistik bis in das Zeitalter Ottos von Freising, Düsseldorf 1957, 118.
Vgl. Heil, in: Tr. 55 (2000), 82.
Vgl. Corradini, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 59.
Vgl. A. Borst, Die aquitanische Weltjahresberechnung des Claudius von 814 (Claudius Ser.), in: MGH QG 21,3, Hannover 2006, 1335â1344 (1340â1341).
Ed. A. Borst, in: MGH QG 21,3, Nr. 20, Hannover 2006, 1383â1451.
Hrabanus (780â856) war Mönch im Kloster Fulda. Nach 800 hielt er sich zur weiteren Ausbildung für kurze Zeit in Tours auf und erhielt dort Unterricht von dem ehemaligen Hofgelehrten und Berater Karls des GroÃen (768â814) Alkuin, der ihm den Beinamen Maurus gab. Noch vor Alkuins Tod 804 kehrte er als Lehrer nach Fulda zurück, empfing 814 die Priesterweihe und verfasste anschlieÃend mehrere Schriften für den schulischen Gebrauch, darunter das Handbuch für Geistliche De institutione clericorum von 819 und das auf Fragen zur Zeitrechnung Antwort gebende Werk De computo von 820. Im Jahr 822 folgte Hrabanus dem verstorbenen Eigil als Abt von Fulda nach und übte dieses Amt bis 842 aus. Während dieser Zeit wurde sowohl der Bestand der Klosterbibliothek massiv erweitert als auch die Verwaltung des Klosters durch die Erstellung von Listen der Klosterinsassen und durch die Anfertigung eines umfangreichen Chartulars verbessert. Als Abt eines Reichsklosters tangierten Hrabanus auÃerdem die politischen Wirren der 830er Jahre und die Brüderkriege am Beginn der 840er Jahre, in denen er zunächst für Ludwig den Frommen und nach dessen Tod 840 für den ältesten Kaisersohn Lothar (840â855) eintrat. Nach dessen Niederlage gegen Karl den Kahlen (843â877) und Ludwig den Deutschen (843â876) in der Schlacht bei Fontenoy 841 trat Hrabanus 842 als Abt von Fulda zurück und intensivierte daraufhin sein literarisches Schaffen, wie die aus dieser Zeit stammenden zahlreichen Bibelkommentare und die Enzyklopädie De rerum naturis zeigen. Nach einer Aussöhnung mit Ludwig dem Deutschen wurde er 847 schlieÃlich zum Erzbischof von Mainz ernannt und lieà im Oktober 848 auf einer von ihm geleiteten Provinzialsynode im Zuge des Prädestinationsstreits seinen ehemaligen Schüler und Mönch Gottschalk verurteilen. Vgl. hierzu W. Hartmann, Hrabanus Maurus, in: 4RGG 3 (2000), 1916â1917; R. Kottje, Hrabanus Maurus, in: LMA 5 (1991), 144â147; D. Zimpel, Einleitung, in: Hrabanus Maurus, De institutione clericorum (Ãber die Unterweisung der Geistlichen), übersetzt und eingeleitet von D. Zimpel, FC 61, Turnhout 2006, 7â103 (7â15).
Ed. W.M. Stevens, in: CCCM 44, Turnhout 1979, 199â321.
Frechulf (9. Jhd.) war von 823 bis etwa 853 Bischof von Lisieux. Vor der Ãbernahme des episkopalen Amtes stand er als missus im Dienst Ludwigs des Frommen und war ein Schüler des Kanzlers Helisachar. Auf dessen Anregung hin begann er noch am kaiserlichen Hof mit der Arbeit an seiner Weltchronik, die zunächst die Zeit von Adam bis zur Geburt Christi umfasste und einige Jahre später um die Zeit von Christi Geburt bis zum Tod Papst Gregors I. (590â604) ergänzt wurde. Beide Teile wurden nachträglich zu einem Werk zusammengefasst. Vgl. hierzu F.-J. Schmale, Frechulf, in: LMA 4 (1989), 882â883.
Ed. M.I. Allen, CCCM 169A, Turnhout 2002.
Arn (740â821) entstammte dem bayerischen Adel, wurde 782 Abt des fränkischen Klosters St. Amand zu Elnon und 785 durch die Fürsprache Karls des GroÃen Bischof von Salzburg. 797 reiste er im Auftrag des Königs nach Rom und erwirkte dort im Frühjahr 798, dass Papst Leo III. (795â816) Salzburg zur Erzdiözese und ihn selbst zum Erzbischof erhob. Als Vertrauter Karls des GroÃen war Arn bei dessen Kaiserkrönung zum Weihnachtsfest des Jahres 800 in Rom anwesend und unterzeichnete dessen 811 aufgesetztes Testament. Auch zu den führenden Gelehrten im fränkischen Reich unterhielt er enge Beziehungen und stand etwa mit Alkuin in einem freundschaftlichen Verhältnis. Vgl. hierzu F.W. Bautz, Arn (Arno), erster Erzbischof von Salzburg, in: BBKL 1 (1990), 219â220; S. Krämer, Arn (Arno, Aquila), in: LMA 1 (1980), 993â994.
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung des Liber calculationis A. Borst, Die Salzburger Enzyklopädie von 818 (Lib. calc.), in: MGH QG 21,3, Hannover 2006, 1367â1382.
Vgl. Lib. calc. 1: A nativitate Domini nostri Iesu Christi usque [â¦] in presentem annum octingentesimum decimum octavum incarnationis Domini quattuor milia septuaginta unus (MGH QG 21,3, Nr. 20,1388,19â21 A. Borst).
Vgl. Lib. calc. 99 (MGH QG 21,3, Nr. 20,1439,8â9 A. Borst) aus Bed., temp. rat. 66.1â8: De sex huius mundi aetatibus ac septima uel octaua quietis uitaeque caelestis et supra in conparatione primae ebdomadis, in qua mundus ornatus est, aliquanta perstrinximus, et nunc in conparatione aeui unius hominis, qui microcosmos Grecae a philosophis, hoc est, minor mundus solet nuncupari, de eisdem aliquanto latius exponemus. Prima est ergo mundi huius aetas ab Adam usque ad Noe, continens annos iuxta Hebraicam Veritatem mille DCLVI, iuxta LXX interpretes IÍI CCXLII, generationes iuxta utramque editionem numero X. Quae uniuersali est deleta diluuio, sicut primam cuiusque hominis obliuio demergere consueuit aetatem; quotus enim quisque est, qui suam recordetur infantiam? Secunda aetas a Noe usque ad Abraham generationes iuxta Hebraicam Auctoritatem conplexa X, annos autem CCXCII, porro iuxta LXX interpretes ann. CCLXXII, generationes uero XI. Haec quasi pueritia fuit generis populi Dei et ideo in lingua inuenta est, id est Hebrea, a pueritia namque homo incipit nosse loqui post infantiam, quae hinc appellata est, quod fari non potest. Tertia ab Abraham usque ad Dauid generationes iuxta utramque auctoritatem XIIII, annos uero DCCCCXLII conplectens. Haec quaedam uelut adolescentia fuit populi Dei, a qua aetate quia incipit homo posse generare, propterea Matheus euangelista generationum ex Abraham sumsit exordium, qui etiam pater gentium constitutus est, quando mutatum nomen accepit. Quarta a Dauid usque ad transmigrationem Babylonis, habens annos iuxta Hebraicam Veritatem CCCCLXXIII, iuxta LXX translationem XII amplius, generationes iuxta utrosque codices XVII; quas tamen euangelista Matheus certi mysterii gratia XIIII ponit. A qua uelut iuuenali aetate in populo Dei regum tempora coeperunt, haec namque in hominibus aetas apta gubernando solet existere regno. Quinta quasi senilis aetas a transmigratione Babylonis usque in aduentum domini saluatoris in carnem, generationibus et ipsa XIIII, porro annis DLXXXVIIII extenta. In qua, ut graui senectute fessa, malis crebrioribus plebs Hebrea quassatur. Sexta, que nunc agitur, aetas, nulla generationum uel temporum serie certa, sed ut aetas decrepita ipsa totius saeculi morte consumenda. Has erumnosas plenasque laboribus mundi aetates quique felici morte uicerunt; septima iam sabbati perennis aetate suscepti, octauam beatae resurrectionis aetatem, in qua semper cum domino regnent, exspectant (CCSL 123B,463,2â464,47 C.W. Jones). Vgl. zum Weltalterkonzept bei Beda Venerabilis Kapitel 1.2, S. 16â21.
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung von De computo R. Corradini, The Rhetoric of Crisis: Computus and Liber Annalis in Early Ninth-Century Fulda, in: R. Corradini / M. Diesenberger / H. Reimitz (Hgg.), The Construction of Communities in the Early Middle Ages: Texts, Resources and Artefacts, The Transformation of the Roman World 12, Leiden 2003, 269â321; M. Rissel, Rezeption antiker und patristischer Wissenschaft bei Hrabanus Maurus: Studien zur karolingischen Geistesgeschichte, Lateinische Sprache und Literatur des Mittelalters 7, Bern 1976, 30â75.
Vgl. Hrab. Maur., comp., prologus: Petebas ergo ut quibusdam de computo propositionibus earumque minus perfectis responsionibus quas mihi protuleras (nescio a quibus) confectas stilum adhiberem easque tibi lucidiores redderem. [â¦] Composui quidem ex numero et temporum articulis quendam dialogum et nomini tuo ipsum dicavi. In quo quae necessaria mihi videbantur interrogandi discipuli nomine et quae respondendi magistri vocabulo prenotavi (CCCM 44,199,8â11.18â22 W.M. Stevens).
Vgl. ebd.: Et non haec tantummodo propriis ratiocinationibus sed etiam ex antiquorum dictis et sanctorum patrum sententiis enodare curavi (CCCM 44,199,22â24 W.M. Stevens).
Vgl. ebd.: Nulli enim me prefero, sed bene quaerentibus et fidem catholicam rite seruantibus pro modulo meo comitem spondeo, ac iuniorem subdo (CCCM 44,200,28â31 W.M. Stevens).
Vgl. zu Augustins Zeittheorie Kapitel 1.1.1, S. 1â5.
Vgl. Hrab. Maur., comp. 9: D. Haec quidem gratanter accipio. Et quia de temporum diuisionibus ac ratione nobis disputandum est, primum mihi dic quid sit tempus. M. Tempus est mundi instabilis motus rerumque labentium cursus (CCCM 44,215,2â216,6 W.M. Stevens).
Vgl. ebd.: D. Unde dicitur tempus? M. Scilicet a temperamento siue quod unumquodque illorum spatium separatim temperatum sit, seu quod momentis, horis, diebus, mensibus, annis seculisque, et aetatibus omnia mortalis uitae curricula temperentur (CCCM 44,216,7â11 W.M. Stevens). Vgl. hierzu Bed., temp. rat. 2: Tempora igitur a âtemperamentoâ nomen accipiunt, siue quod unumquodque illorum spatium separatim temperatum sit, seu quod momentis, horis, diebus, mensibus, annis, saeculisque et aetatibus omnia mortalis uitae curricula temperentur (CCSL 123B,274,1â5 C.W. Jones).
Vgl. Hrab. Maur., comp. 96 (CCCM 44,318,2â321,59 W.M. Stevens).
Vgl. hierzu auch Hrab. Maur., comp. 65: D. Quot sunt anni ab initio mundi usque in aduentum Christi? M. Secundum hebraicam ueritatem anni III milia DCCCCLVI, secundum uero septuaginta interpretes anni V milia CXCVIIII. Colliguntur autem omnes anni a creatione primi hominis usque in septimum annum Hludowici imperatoris secundum hebraicam ueritatem IIII milia DCCLXXVI, secundum quoque septuaginta VI milia decem et nouem (CCCM 44,281,3â282,10 W.M. Stevens).
Vgl. Hrab. Maur., comp. 96: Septima iam sabbati perennis aetate suscepti, octauam beatae resurrectionis aetatem, in qua semper cum DOMINO regnent, expectant; ad quam nos feliciter sua gratia ipse peruenire concedat, qui cuncta tempora creauerat, et aeternitate semper manet perenni trinus et unus omnipotens DEVS qui est benedictus in secula. Amen (CCCM 44,321,57â62 W.M. Stevens).
Vgl. zur Entstehung, Ausführung und Ãberlieferung der Historiarum Libri XII W. Goez, Zur Weltchronik des Bischofs Frechulf von Lisieux, in: E. Kaufmann (Hg.), Festgabe für Paul Kirn zum 70. Geburtstag dargebracht von Freunden und Schülern, Berlin 1961, 93â110; E. Mégier, Karolingische Weltchronistik zwischen Historiographie und Exegese: Frechulf von Lisieux und Ado von Vienne, in: H.P. Neuheuser / R.M.W. Stammberger / M.M. Tischler (Hgg.), Diligens Scrutator Sacri Eloquii: Beiträge zur Exegese- und Theologiegeschichte des Mittelalters: Festgabe für Rainer Berndt SJ zum 65. Geburtstag, ArVe.S 14, Münster 2016, 37â52; S. Patzold, Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts, Mittelalter-Forschungen 25, Ostfildern 2008, 173â175; G. Ward, The Sense of an Ending in the Histories of Frechulf of Lisieux, in: R. Kramer / H. Reimitz / G. Ward (Hgg.), Historiography and Identity 3: Carolingian Approaches, Cultural Encounters in Late Antiquity and the Middle Ages 29, Turnhout 2021, 291â315.
Vgl. Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 37â38.
Helisachar (gest. vor 840) stand zunächst der Kanzlei im Unterkönigreich Aquitanien vor. Nach dem Tod Karls des GroÃen übernahm er von 814 bis 819 die Leitung der kaiserlichen Kanzlei und fungierte als Berater Ludwigs des Frommen, der ihm die Abteien St. Aubin und St. Riquier übertrug. Obwohl Heilisachar 830 an dem Aufstand gegen den Kaiser beteiligt war, wurde er nur wenige Jahre später wieder als Abt eingesetzt und als missus mit politischen Aufgaben betraut. Vgl. hierzu J. Fleckenstein, Helisachar, in: LMA 4 (1989), 2121.
Vgl. zu den Teilen von Frechulfs Weltchronik und zu ihrer nachträglichen Zusammenfassung zu einem Werk S. 32, Fn. 147.
Vgl. Frech., hist. 1, prologus: Iussisti ut perscrutando diligenter uolumina antiquorum, seu agiographorum siue etiam gentilium scriptorum, quaeque pertinent ad historiae ueritatem breuiter ac lucide colligere desudarem, a conditione quidem primi hominis usque ad Christi natiuitatem Domini: eo scilicet modo ut quicquid de primo saeculo, quod ante generale fuerat cataclismum, siue de secundo, quod fuit post diluuium usque ad natiuitatem Abrahae et regis Assyriorum Nini regnum, nostri siue gentiles senserunt scriptores, pandere diligentius curarem, quaestiones etiam difficiles quae per haec tempora in scriptis habentur Legislatoris enodare non neglegerem, quantum adtinet ad historiae ueritatem (CCCM 169A,18,13â24 M.I. Allen); Frech., hist. 1.1,1: Igitur auxilio omnipotentis Dei fultus atque auctoritate diuinae scripturae fretus, ab ipso protoplausto exordium meae narrationis sumere curaui (CCCM 169A,28,16â29,19 M.I. Allen). Vgl. hierzu auch Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 38â40.
Vgl. Frech., hist. 1.1,35: Ergo a natiuitate Abrahae, qui decimus fuit a Noe [â¦], supputa per singulas aetates numerum annorum ab ortu uniuscuiusque patris usque ad ortum subsequentis filii, et inuenies CCXCII annos, id est a natiuitate Abrahae usque ad diluuium, quamuis beatus Hieronimus in Chronica Eusebii atque Orosius in prima fronte suorum librorum [â¦] aliter sentiant in numero annorum, dicentes a natiuitate Abrahae usque ad totius orbis diluuium inueniri supputando retrorsum annos DCCCCXLII (CCCM 169A,67,10â18 M.I. Allen).
Vgl. Frech., hist. 1.1,25: Inde autem usque ad primi hominis conditionem erant anni transacti IÍI CCXLII. Ergo ut quaedam perstrinximus libando, ita primum se habuit saeculum (CCCM 169A,50,2â4 M.I. Allen).
Vgl. zum Gedanken von der translatio imperii Kapitel 1.3.1.1, S. 27â28, Fn. 124.
Vgl. Frech., hist. 1, prologus: Inde autem per reges Assyriorum, Medorum, atque Persarum, siue Grecorum, et usque Octouiani Caesaris monarchiam, ad quas gentes Assyriorum diriuando regnum per succedentia peruenit tempora, in populo autem Dei per patriarchas, iudices, reges ac sacerdotes, iterumque reges, numerum custodire annorum cautius obseruarem, et ea quae gesta in singulis mundi partibus et memoria sunt digna adnotarem, ut quaeque inmortaliter per singula frequentantur tempora, quando uel ubi fuerint, qui tunc etiam imperauerint in eminentioribus regnis uel qui populo praefuerint Dei ostenderem (CCCM 169A,18,24â19,33 M.I. Allen). Vgl. hierzu auch Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 40.
Vgl. Frech., hist. 1.7,19: Igitur, ut praemissimus, ad Domini nostri Iesu Christi natiuitatem, hominis Deique filii, peruenimus, quae, ut a prophetis praenuntiabatur, angelis praedicantibus, stella duce, ac sacerdotibus legumque doctoribus protestantibus, in Bethleem Iudae celebrata est: anno uidelicet a reaedificatione templi quae sub Dario rege facta est DXV; a Salomone autem et a prima aedificatione templi anni IÌ XXVII; a Moyse et egressu Israhelis ex Aegypto anno millesimo DVI; ab Abraham et regno Nini et Semiramidis anni IÍI XI; a diluuio quippe anni IÍI DCCCCXXI; ab Adam uero VÌ CXXVIIII (CCCM 169A,431,45â432,53 M.I. Allen).
Vgl. A.-D. von den Brincken, Studien zur lateinischen Weltchronistik bis in das Zeitalter Ottos von Freising, Düsseldorf 1957, 123; Goez, in: Kaufmann (Hg.), 1961, 102.
Vgl. Frech., hist. 1.7,19: Hanc igitur annorum seriem, a protoplausto scilicet usque ad Domini aduentum, in singulis prout potuimus regnis ex celebrioribus factis enarrare curauimus. Nunc autem post inmensos pelagi fluctus, Scilleos tandem euasisse latratus, optata statione potiti, post longeuas saeculorum tenebras ad lucem uenimus ueram, qua respersi in Domini Christi aduentu librorum finem fecimus (CCCM 169A,432,56â62 M.I. Allen). Vgl. hierzu auch Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 41â42.
Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 43.
Vgl. Frech., hist. 2.1,1: In prioribus libris [â¦] sumens exordium a primo parente mortalium propagatore; tandem post multas saeculorum tenebras ad noui natiuitatem hominis peruenimus, Domini scilicet Iesu Christi, Dei et hominis filii, ubi priorum finem decreui facere librorum (CCCM 169A,440,1.4â8 M.I. Allen).
Vgl. Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 41; Ward, in: Kramer / Reimitz / Ward (Hgg.), 2021, 296â297.
Vgl. Frech., hist. 1.1,31: In populo enim gentium totum orbem terrarum occupauit ecclesia. Hoc prorsus pronuntiabatur cum diceretur: Dilatet Deus Iafeth, et habitet in tabernaculis Sem [Gen 9,27]. Sem quippe, de cuius semine incarnatus est Christus, interpretatur ânominatusâ. Quid autem nominatius Christo [â¦], in cuius domibus, id est ecclesiis, habitat gentium latitudo? Nam Iafeth âlatitudoâ interpretatur. Ecce quomodo dilatet Deus Iafeth, et habitet in tabernaculis Sem, id est in ecclesiis quas filii prophetarum apostoli construxerunt (CCCM 169A,62,4â8.9â12 M.I. Allen). Vgl. hierzu auch Mégier, in: Neuheuser / Stammberger / Tischler (Hgg.), 2016, 42; Ward, in: Kramer / Reimitz / Ward (Hgg.), 2021, 296â300.
Vgl. hierzu auch Ward, in: Kramer / Reimitz / Ward (Hgg.), 2021, 297.
Vgl. zu den Fragen nach der Vielschichtigkeit von Zeit und nach der Abgrenzung der Zeitebenen im (frühen) Mittelalter u.a. T.M. Buck, Vergangenheit als Gegenwart: Zum Präsentismus im Geschichtsdenken des Mittelalters, in: Saec. 52/2 (2001), 217â244; M. Czock / A. Rathmann-Lutz (Hgg.), ZeitenWelten: Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung, 750â1350, Köln 2016; H.-W. Goetz, Historiographisches ZeitbewuÃtsein im frühen Mittelalter: Zum Umgang mit der Zeit in der karolingischen Geschichtsschreibung, in: A. Scharer / G. Scheibelreiter (Hgg.), Historiographie im frühen Mittelalter, Wien 1994, 159â178; ders., Vergangenheit und Gegenwart: Mittelalterliche Wahrnehmungs- und Deutungsmuster am Beispiel der Vorstellungen der Zeiten in der früh- und hochmittelalterlichen Historiographie, in: H. Bleumer / H.-W. Goetz / S. Patzold / B. Reudenbach (Hgg.), Zwischen Wort und Bild: Wahrnehmungen und Deutungen im Mittelalter, Köln 2010, 157â202.
Vgl. Aug., conf. 11.26: Fortasse proprie diceretur: tempora sunt tria, praesens de praeteritis, praesens de praesentibus, praesens de futuris. Sunt enim haec in anima tria quaedam et alibi ea non uideo, praesens de praeteritis memoria, praesens de praesentibus contuitus, praesens de futuris expectatio (CCSL 27,207,3â7 L. Verheijen). Vgl. zu Augustins Zeittheorie auch Kapitel 1.1.1, S. 1â5.
Vgl. Goetz, in: Bleumer / Goetz / Patzold / Reudenbach (Hgg.), 2010, 164.
Es handelt es sich hier um einen Geistlichen der Hofkapelle aus der ersten Hälfte des 9. Jhd., der aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse im Bereich der Astronomie Astronomus genannt wurde. In seiner Vita Hludowici imperatoris beschreibt er das Leben Ludwigs des Frommen von der Geburt 778 bis zum Tod 840. Für die Zeit bis zu dessen Antritt der Kaiserherrschaft 814 hat sich der Astronomus laut eigenen Angaben auf einen nicht überlieferten Bericht eines gemeinsam mit Ludwig dem Frommen aufgewachsenen Mönches namens Adhemar gestützt. Was die Zeit nach 814 betrifft, scheint er sich bis 829 vor allem an den Annales regni Francorum und danach vornehmlich an eigenen Aufzeichnungen orientiert zu haben. Vgl. hierzu E. Heyse, Astronomus, in: LMA 1 (1980), 1153.
Ed. E. Tremp, in: MGH SRG 64, Hannover 1995, 280â555.
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp., prologus: Cum gesta priscorum bona malave, maxime principum, ad memoriam reducuntur, gemina in eis utilitas legentibus confertur: alia enim eorum utilitati et aedificationi prosunt, alia cautelae. Quia enim primi in sublimi veluti specula consistunt et ideo latere nequeunt, eo fama eorum latius propagatur, quo et diffusius cernitur, et tanto quique illorum bono plurimi allicuntur, quanto preminentiores se imitari gloriantur. Haec ita se habere maiorum produnt monimenta, qui relatione sua posteritatem instruere studuerunt, quisque principum quo calle mortalium iter triverit (MGH SRG 64,280,2â11 E. Tremp).
Vgl. Goetz, in: Scharer / Scheibelreiter (Hgg.), 1994, 165.
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp., prologus: Quia enim primi in sublimi veluti specula consistunt et ideo latere nequeunt, eo fama eorum latius propagatur, quo et diffusius cernitur, et tanto quique illorum bono plurimi allicuntur, quanto preminentiores se imitari gloriantur. Haec ita se habere maiorum produnt monimenta, qui relatione sua posteritatem instruere studuerunt, quisque principum quo calle mortalium iter triverit (MGH SRG 64,280,4â11 E. Tremp).
Vgl. Buck, in: Saec. 52/2 (2001), 229â230.243.
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp., prologus: Quorum nos studium imitantes, nolumus esse vel praesentibus inoffitiosi vel futuris invidi, set actus vitamque Deo amabilis atque ortodoxi imperatoris Hludouuici stilo licet minus docto contradimus (MGH SRG 64,280,12â15 E. Tremp).
Vgl. Goetz, in: Scharer / Scheibelreiter (Hgg.), 1994, 165.
Vgl. H. Nelsen-Minkenberg, David oder Salomon? Studien zur Rezeptionsgeschichte Kaiser Ludwigs des Frommen in der Historiographie des 9. bis 13. Jahrhunderts, Aachen 2005, 99â100.
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp. 4: Cui filius Hludouuicus pro sapere et posse oboedienter parens (MGH SRG 64,294,18â19 E. Tremp); Astr., vit. Hlud. imp. 6: Cui oboediens Aquitaniam autumni tempore rediit, omnibusque que ad tutamen regni pertinent ordinatis, [â¦] in Italiam transvehitur (MGH SRG 64,300,12â15 E. Tremp); Astr., vit. Hlud. imp. 20: Interea imperator Karolus considerans suum in senectute adclinem devexum, et verens ne forte subtractus rebus humanis confusum relinqueret regnum, quod erat Deo donante nobiliter ordinatum, scilicet ne aut externis quateretur procellis aut intestinis vexaretur scissionibus, misit filiumque ab Aquitania evocavit. Quem venientem clementer suscepit, [â¦], de his quibus eum indigere putavit instruxit, qualiter videlicet sibi vivendum, regnandum, regnum ordinandum et ordinatum tenendum foret, monuit, et tandem imperiali eum diademate coronavit et rerum summam penes eum futuram esse Christo favente innotuit (MGH SRG 64,342,17â22.344,1â5 E. Tremp).
Lothar (gest. 855) war der älteste der drei Söhne, die aus der Ehe zwischen Ludwig dem Frommen und Irmingard von Hespengau (gest. 818) hervorgingen. Er wurde 814 zum Unterkönig von Bayern ernannt und 817 zum Mitkaiser erhoben. In den 830er Jahren war er an mehreren Aufständen gegen seinen Vater beteiligt, ohne sich allerdings langfristig behaupten zu können. In dem nach dem Tod Ludwigs des Frommen im Juni 840 begonnenen Krieg zwischen den Söhnen des Kaisers um die territoriale Aufteilung des Reiches unterlag Lothar seinen Brüdern in der Schlacht bei Fontenoy 841. In dem 843 ausgehandelten Teilungsvertrag von Verdun wurden ihm schlieÃlich das Kaisertum und das Mittelreich von der Nordsee bis Italien zugesprochen. Nach seinem Tod 855 folgte ihm sein ältester Sohn Ludwig (gest. 875) als Kaiser nach. Vgl. hierzu H.-W. Goetz, Lothar I., Ks., frk. Kg., in: LMA 5 (1991), 2123â2124.
Pippin (gest. 838) war der zweite aus der Ehe zwischen Ludwig dem Frommen und Irmingard stammende Sohn. Er wurde 814 als Unterkönig von Aquitanien eingesetzt und 817 zunächst darin bestätigt. In den 830er Jahren begehrte er erst mehrmals gegen seinen Vater und später gegen Lothar auf. Nach seinem Tod 838 versuchte sein gleichnamiger Sohn Pippin den Anspruch auf die Nachfolge als Unterkönig von Aquitanien gegen Karl den Kahlen als den 823 geborenen Sohn Ludwigs des Frommen und seiner zweiten Ehefrau Judith (gest. 843) durchzusetzen, was ihm nach anfänglichen Erfolgen jedoch misslang. Vgl. hierzu B. Schneidmüller, Pippin I., Kg. von Aquitanien, in: LMA 6 (1993), 2170.
Ludwig (gest. 876) war der jüngste Sohn Ludwigs des Frommen und Irmingards. Ihm wurde 817 das Unterkönigreich Bayern zugesprochen. Aufgrund seiner Minderjährigkeit trat er die Herrschaft allerdings erst 826 an. Nach seiner Beteiligung an dem Aufstand und an der Absetzung seines Vaters als Kaiser 833 setzte er sich schon bald darauf für dessen Restitution ein, bis es 838 infolge einiger von Ludwig dem Frommen vorgenommener Ãnderungen in der Gebietsaufteilung unter den Söhnen erneut zu einem Zerwürfnis kam. Nach den Brüderkriegen wurden Ludwig im Teilungsvertrag von Verdun 843 mit Ausnahme Frieslands die fränkischen Territorien âöstlich der Rhein-Aare-Linie bis zu den Alpen mit einer nach Westen reichenden Ausbuchtung am Mittelrhein zugestanden, also Alemannien, Bayern, Franken, Thüringen und Sachsen.â In den 880er Jahren gelang es schlieÃlich seinem jüngsten Sohn Karl III. (gest. 888), die einzelnen karolingischen Teilreiche noch einmal für kurze Zeit unter (s)einer Herrschaft zu vereinen. Vgl. hierzu S. Kaschke, Die Teilungsprojekte der Zeit Ludwigs des Frommen, in: P. Depreux / S. Esders (Hgg.), La productivité dâune crise: Le règne de Louis le Pieux (814â840) et la transformation de lâEmpire carolingien / Produktivität einer Krise: Die Regierungszeit Ludwigs des Frommen (814â840) und die Transformation des karolingischen Imperiums, Relectio. Karolingische Perspektiven 1, Ostfildern 2018, 87â127 (92); B. Schneidmüller, Karl (III.) der Dicke, Ks., frk. Kg., in: LMA 5 (1991), 968â969; W. Störmer, Ludwig II. d. Deutsche, ostfrk. Kg., in: LMA 5 (1991), 2172â2174; P. Thorau, Ludwig II., Ostfränkisches Reich, König, in: BBKL 5 (1993), 378â385.
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp. 45: Circa maium porro mensem filius imperatoris Hlotharius ex Italia venit eumque in Compendio repperit. Ad quem venientem tota se illa contulit factio imperatoris inimica; ipse tamen nichil tunc temporis patri intulisse visus est dedecoris, probavit autem que gesta erant (MGH SRG 64,460,1â5 E. Tremp); Astr., vit. Hlud. imp. 48: Humano porro generi pacique contrarius diabolus nequaquam ab imperatoris infestatione feriabatur, sed per satellitum suorum versutias filios sollicitabat persuadens illis, quod pater eos ultro perdere vellet, non considerantes, quod qui mitior omnibus esset externis, immanis non poterat effici suis (MGH SRG 64,472,6â10 E. Tremp); Astr., vit. Hlud. imp. 55: Sed ne mandatum imperatoris ad effectum perduceretur, morbus febrisque intercessit, et [â¦] Hlotharium vero lectulo deiciens maximo tempore languere fecit. [â¦] At vero postquam deseviente languore convaluit, nuntiatum est imperatori, eo quod conditiones sacramentorum dudum promissas inrumperet, maximeque ecclesiam sancti Petri, quam tam avus eius Pippinus quamque pater eius Karolus necnon et ipse in tutelam susceperant, homines eius crudelissima clade vexarent (MGH SRG 64,506,14â17.508,4â9 E. Tremp). Vgl. zu den politischen Wirren der 830er Jahre Kapitel 3.3.2, S. 244â253.
Vgl. Nelsen-Minkenberg, 2005, 100.
Nithard (gest. nach 843) war ein unehelicher Sohn der Tochter Karls des GroÃen Bertha (779/780ânach 829) und des fränkischen Gelehrten Angilbert (um 750â814). Im Auftrag Karls des Kahlen (843â877) fertigte er am Beginn der 840er Jahre seine Historiarum libri IIII an. Sie wurden in der Folgezeit kaum rezipiert, zählen aber wegen ihrer ausführlichen Darstellung zu den wichtigsten Quellen über die von 840 bis 843 geführten Brüderkriege. Vgl. hierzu H.-W. Goetz, Nithard, in: LMA 6 (1993), 1201.
Ed. G.H. Pertz / E. Müller, in: MGH SRG 44, Hannover 31907, 1â50.
Vgl. Goetz, in: Bleumer / Goetz / Patzold / Reudenbach (Hgg.), 2010, 189â190.202.
Vgl. Nit., hist. 4.7: Nam temporibus bone recordationis Magni Karoli, qui evoluto iam pene anno XXX. decessit, quoniam hic populus unam eandemque rectam ac per hoc viam Domini publicam incedebat, pax illis atque concordia ubique erat, at nunc econtra, quoniam quique semitam quam cupit incedit, ubique dissensiones et rixae sunt manifestae. Tunc ubique habundantia atque leticia, nunc ubique poenuria atque mesticia. Ipsa elementa tunc cuique rei congrua, nunc autem omnibus ubique contraria (MGH SRG 44,49,28â50,4 G.H. Pertz / E. Müller).
Vgl. ebd.: Per idem tempus eclypsis lunae XIII. Kal. Aprilis contigit. Nix insuper multa eadem nocte cecidit meroremque omnibus [â¦] iusto Dei iuditio incussit. Id propterea inquam, quia hinc inde ubique rapinae et omnigena mala sese inserebant, illinc aeris intemperies spem omnium bonorum eripiebat (MGH SRG 44,50,6â11 G.H. Pertz / E. Müller).
Vgl. Goetz, in: Bleumer / Goetz / Patzold / Reudenbach (Hgg.), 2010, 183â185.202. Dass umgekehrt auch die Gegenwart zum Ideal erhoben werden konnte, zeigt Einhards Prolog zu seiner Vita Karoli Magni. Darin heiÃt es, das gegenwärtige Zeitalter sei nicht derartig gering zu schätzen, dass es als der Erinnerung unwert befunden werden oder durch Schweigen in Vergessenheit geraten dürfe. Aus diesem Grund habe Einhard beschlossen, das überaus ruhmvolle Leben und die wohl kaum nachzuahmenden Taten Karls des GroÃen als des unübertroffenen Königs seiner Zeit niederzuschreiben: Et quamquam plures esse non ambigam, qui otio ac litteris dediti statum aevi praesentis non arbitrentur ita neglegendum, ut omnia penitus quae nunc fiunt velut nulla memoria digna silentio atque oblivioni tradantur, potiusque velint amore diuturnitatis inlecti aliorum praeclara facta qualibuscumque scriptis inserere quam sui nominis famam posteritatis memoriae nihil scribendo subtrahere [â¦] Satiusque iudicavi eadem cum aliis velut communiter litteris mandata memoriae posterorum tradere quam regis excellentissimi et omnium sua aetate maximi clarissimam vitam et egregios atque moderni temporis hominibus vix imitabiles actus pati oblivionis tenebris aboleri (MGH SRG 25,1,10â17.22â27 O. Holder-Egger). Im 15. Kapitel setzt Einhard auÃerdem die frühere ReichsgröÃe in Kontrast mit dem aktuellen, beinahe verdoppelten Umfang. Dabei wird prius auf die Zeit vor Karl dem GroÃen bezogen (MGH SRG 25,17â18 O. Holder-Egger). In der Vita Karoli Magni werden das Leben und die Taten Karls des GroÃen folglich als etwas vorher nicht Dagewesenes stilisiert, sodass in diesem Fall die als Gegenwart begriffene Zeit Karls des GroÃen zum MaÃstab genommen wird, an den die davorliegende Zeit als Vergangenheit nicht heranreicht. Vgl. hierzu auch Goetz, in: Scharer / Scheibelreiter (Hgg.), 1994, 163â165. Vgl. zu Einhard Kapitel 1.3.1.1, S. 22, Fn. 91.
Vgl. U. Kleine, Zukunft zwischen Diesseits und Jenseits: Zeitlichkeit und ihre Visualisierung in der karolingischen Visionsliteratur, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 135â168 (147).
Ed. G.H. Pertz / F. Kurze, in: MGH SRG 6, Hannover 1895, 1â178.
Vgl. ArF a. 823: Hoc anno prodigia quaedam extitisse narrantur, in quibus praecipua fuerunt in Aquense palatio terrae motus [â¦] Et in multis regionibus fruges grandinis vastatione deletae atque in quibusdam locis simul cum ipsa grandine veri lapides atque ingentis ponderis decidere visi; domus quoque de caelo tactae hominesque ac caetera animalia passim fulminum ictu praeter solitum crebro exanimata dicuntur. Secuta est ingens pestilentia atque hominum mortalitas, quae per totam Franciam inmaniter usquequaque grassata est et innumeram hominum multitudinem diversi sexus et aetatis gravissime seviendo consumpsit (MGH SRG 6,163â164 G.H. Pertz / F. Kurze).
Ed. G.H. Pertz / F. Kurze, in: MGH SRG 7, Hannover 1891, 1â138.
Vgl. AF a. 839: Eodem quoque anno stella cometes in signo Arietis apparuit et prodigia alia in caelo visa sunt. Nam et caelum noctu serenum rubuit et per aliquot noctes igniculi plurimi instar stellarum per aerem discurrere videbantur (MGH SRG 7,30 G.H. Pertz / F. Kurze).
Vgl. AF a. 870: Apud Mogontiacum per aliquot noctes aer totus rubore quasi sanguine perfusus enituit (MGH SRG 7,71 G.H. Pertz / F. Kurze).
Vgl. AF a. 873: Eodem anno facta est fames valida per universam Italiam atque Germaniam, et multi inedia consumpti sunt. Tempore vero novarum frugum novi generis plaga et prima in gente Francorum visa Germanicum populum peccatis exigentibus non mediocriter affixit. [â¦] In Italia in pago Brixiensi tribus diebus et tribus noctibus sanguis de caelo pluisse narratur (MGH SRG 7,79.80 G.H. Pertz / F. Kurze).
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp. 37 (MGH SRG 64,420,12â16 E. Tremp).
Vgl. ebd.: Eo tempore quedam prodigiosa signa apparentia animum imperatoris sollicitabant [â¦] Propter quae singula piissimus imperator crebro fieri ieiunia, orationumque instantia atque elemosinarum largitionibus divinitatem per sacerdotium monebat offitium placandam, certissime dicens, per haec portendi magnam humano generi futuram cladem (MGH SRG 64,420,11â12.16â18.422,1â2 E. Tremp).
Vgl. Astr., vit. Hlud. imp. 58: At vero mediante festivitate paschali dirum semper ac triste portentum, id est cometÈ© sidus, in signo Uirginis apparuit [â¦] mutationem enim regni mortemque principis hoc monstrari portento dicitur. [â¦] Quia ergo et me et omnes communiter hoc tangit ostentum, omnes pro posse et sapere ad meliora festinemus, ne forte misericordiam illo praerogante et nostra inpenitudine inpediente, nos illa inveniamur indigni. [â¦] noctemque illam, ut relatum nobis est, pene pervigilem ac Dei laudibus et obsecrationibus honeratam luci supervenienti praesentavit. In cuius crepusculo ministros aulicos vocavit, et elemosinas quam largissimÈ© pauperibus ac servis Dei, tam monachis quamque canonicis, porrigi iussit, missarumque sollemnia per quoscumque potuit celebrari fecit, non tantum sibi metuens, quantum ecclesiÈ© sibi credite prospitiens (MGH SRG 64,518,14â16.522,9â10.17â20.524,2â9 E. Tremp).
Vgl. Kleine, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 167.
Vgl. zu Berichten über Jenseitsvisionen in karolingischer Zeit und zu deren Bedeutung auch Kapitel 2.4, S. 145â162.
Ed. G. Waitz, in: MGH SRG 5, Hannover 1883, 1â154.
Vgl. AB a. 839: Verum post sanctum pascha imperatori in Francia repedanti rex Anglorum legatos misit, postulans per Franciam pergendi Romam orationis gratia transitum sibi ab imperatore tribui, monens etiam curam subiectorum sibi erga animarum salutem solicitius impendendam, quoniam visio cuidam apud illos ostensa non minimum animos eorum terruerat. Cuius seriem visionis imperatori mittere studuit, habentem hunc modum: Visio cuiusdam religiosi praesbiteri de terra Anglorum, quae post natalem Domini ei rapto a corpore ostensa est (MGH SRG 5,18 G. Waitz).
Vgl. ebd. (MGH SRG 5,18â19 G. Waitz).
Vgl. AF a. 874 (MGH SRG 7,82 G.H. Pertz / F. Kurze).
An dieser Stelle wird Bezug genommen auf Einhards Schrift Translatio et miracula sanctorum Marcellini et Petri (ed. G. Waitz, in: MGH SS 15,1, Hannover 1887, 239â264). Darin heiÃt es im Zusammenhang mit der Ãberführung der Gebeine des Marcellinus und Petrus von Rom nach Seligenstadt, dass Einhard von seinem Notar Ratleik eine Schrift zur Ãbergabe an Kaiser Ludwig erhalten habe. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass nicht nur das Verstehen, sondern vor allem auch die Umsetzung ihres Inhalts zu gewährleisten sei. Worüber die Schrift konkret handelt, wird allerdings nicht ausgeführt. Es wird lediglich erwähnt, dass alles enthalten sei, was der Erzengel Gabriel einem Mann namens Alberich in einer Erscheinung bei Nacht mitgeteilt habe. Einhard gibt an, die Schrift selbst gelesen, verbessert und die überarbeitete Version schlieÃlich an Ludwig überreicht zu haben: Suscepi ab eo libellum atque perlegi, emendatumque ac noviter scriptum imperatori, ut iussus erat, obtuli (MGH SS 15,1,252,46â47 G. Waitz); Tum ille prior: âHacâ, inquit, ânocte, paulo antequam sono signorum excitati surgeremus, apparuit mihi per visum quidam vir canitie venerabilis, veste candida indutus, virgam auream manu tenens, ac talibus me verbis compellavit: âVideâ, inquit, âAlbrice, ut cuncta quae tibi dixero bene intellegas eaque adeo tenaci memoria retineas, ut etiam aliis qui illa scripturi sunt exponere valeas. Volo enim, ut scribantur et Hludewico imperatori ad legendum per seniorem vestrum ostendatur. Sunt quippe valde necessaria, non solum ad cognoscendum, verum etiam ad faciendum principi, in cuius regnum isti martyres divina iussione veneruntâ (MGH SS 15,1,252,54â60 G. Waitz); Deinde subiungens: âNostineâ, inquit, âquis ego sim, qui tibi ista praecipio?â Tum ego nihil haesitans, sanctum Marcellinum eum esse, respondi. Et ille: âNon ita estâ, inquit, âut opinaris; sed Gabriel archangelus ego sum (MGH SS 15,1,253,4â6 G. Waitz). Vgl. hierzu auch Kleine, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 135â136. Vgl. zu Einhard Kapitel 1.3.1.1, S. 22, Fn. 91.
Vgl. AF a. 874: Unde datur intellegi, quod, quamvis memoratus imperator multa laudabilia et Deo placita fecisset, plurima tamen legi Dei contraria in regno suo fieri permisit. Si enim, ut cetera omittam, haeresi Nicolaitarum viriliter restitisset et monita Gabrielis archangeli, quae Einhartus abbas duodecim capitulis comprehensa ei obtulit legenda et facienda, observare curasset, forsitan talia non pateretur. Sed quia Deus, ut scriptum est, nullum peccatum impunitum dimittet et iuxta apostolum non solum, qui ea faciunt, sed qui consentiunt facientibus, digni sunt morte, merito poenas luere iussus est, qui, dum potuit, sibi commissorum errata vel admonitus corrigere noluit (MGH SRG 7,82 G.H. Pertz / F. Kurze).
Ed. P. Riché, SC 225, Paris 1975.
Dhuoda wurde 824 mit dem 828 zum Herzog von Septimanien erhobenen Bernhard (gest. 844) verheiratet. Dieser pflegte ein ambivalentes Verhältnis zum kaiserlichen Hof und war bis zu seiner Hinrichtung 844, die wegen Illoyalität auf Veranlassung Karls des Kahlen (843â877) hin vollzogen wurde, in die politischen Wirren der 830er und der 840er Jahre involviert. Der erste gemeinsame Sohn Wilhelm wurde nach der Schlacht von Fontenoy 841 Karl dem Kahlen unterstellt und 850 ebenfalls hingerichtet. Die durch die Brüderkriege geprägte Situation des fränkischen Reiches am Ende der ersten Hälfte des 9. Jhd. wird im Liber manualis vielfach reflektierend mitaufgegriffen. Vgl. hierzu D. Claude, Bernhard, Gf. v. Barcelona, in: LMA 1 (1980), 1985; W. Fels, Einführung, in: Dhuoda, Liber manualis: Ein Wegweiser aus karolingischer Zeit für ein christliches Leben, eingeleitet, aus dem Lateinischen des 9. Jahrhunderts übersetzt und kommentiert von W. Fels, BML 5, Stuttgart 2008, VIIâXXIII.
Vgl. Dhuod., lib. man.: âManusâ enim multis intelligitur modis: aliquando Dei potestas, aliquando Filii, aliquando etiam ipse intelligitur Filius. Potestas Dei, sicut ait Apostolus: Humiliamini sub potenti manu Dei [1Petr 5,6]; potestas Filii, ut ait Danihel: Potestas eius, potestas aeterna [Dan 7,14]; aliquando ipse Filius, Psalmista dicente: Mitte manum tuam de alto [Ps 143,7], id est Filium tuum e sumis coelorum. Haec omnia vel his similia operatio et potestas intelligitur sancta, nam manus opus significat perfectum, Scriptura dicente: Et facta est super me manus Domini [Ez 3,22], hoc est redemptio, quod credentes ad perfectum usque perduxit; item: Erat enim manus Domini confortans me [Ez 3,14], et item: Nam et manus eius cum ipso est [Lk 1,66] (SC 225,66,13â21.68,22â25 P. Riché).
Vgl. ebd.: âAlisâ quanquam multas habet significationes, tamen hoc in loco secundum quidem sententias Patrum tribus replicabo sensibus, hoc est scopon quod dicitur destinatio, et âconsumatioâ quod intelligitur perfectio, et senito quod est finitio; uel certe âalesâ preco et lucis intelligitur nuncius: finem noctis deducens, lucem precinit horarum (SC 225,68,26â32 P. Riché).
Vgl. ebd.: Quam significationem habeat huius locutio quod dicitur Manualis, nisi finis ignorantiae? Et nuntius intelligitur prescius lucis futurorum (SC 225,68,32â34 P. Riché).
Vgl. B. Schlieben, Zum Zusammenhang von Gegenwartsbetrachtung und Prognose im Frühmittelalter, in: F. Schmieder (Hg.), Mittelalterliche Zukunftsgestaltung im Angesicht des Weltendes, Köln 2015, 33â51 (43); dagegen die Differenzierung zwischen einer als vergangen klassifizierten Erlösung und der VerheiÃung des zukünftigen Endes bei M. Czock, Arguing for Improvement: The Last Judgment, Time and the Future in Dhuodaâs Liber manualis, in: V. Wieser / V. Eltschinger / J. Heiss (Hgg.), Cultures of Eschatology 2: Time, Death and Afterlife in Medieval Christian, Islamic and Buddhist Communities, München 2020, 509â527 (514): âDhuoda inserts her work in between the poles of past redemption and the prophecy of the future end.â
Vgl. Dhuod., lib. man.: A capite huius libelli usque ad finem, et in arte et in sensu, et metris melodiae et in articulatione motibus atque fluxuum membrorum, omnia et per omnia et in omnibus ad salutem animae et corporis tui cuncta tibi scriptitata cognosce (SC 225,68,38â42 P. Riché).
Vgl. Dhuod., lib. man., prologus: Quod tibi per omnia necesse est, fili Wilhelme, ut in utroque negotio talis te exibeas, qualiter possis utilis esse saeculo, et Deo per omnia placere ualeas semper (SC 225,82,24â27 P. Riché).
Vgl. Czock, in: Wieser / Eltschinger / Heiss (Hgg.), 2020, 512: âDhuoda therefore constructed her discourse around two futures, one within the world, the other salvational.â
Vgl. a.a.O., 517: âDhuoda was convinced that the future within the world and eternal salvation went hand in hand. Living according to Christian moral precepts was thus not only beneficial for the salvation of the soul, but also for present-day life.â
Schlieben, in: Schmieder (Hg.), 2015, 43.
Ebd.
Vgl. Schlieben, in: Schmieder (Hg.), 2015, 45. Als Herzog von Septimanien gelang es Dhuodas Ehemann Bernhard, eine weitgehende Unabhängigkeit von den fränkischen Königen zu etablieren. Dies könnte der Grund dafür sein, dass Dhuoda in ihrem Liber manualis die Liebe und die Loyalität zum Vater höher gewichtet als die Treue gegenüber dem König. Laut Barbara Schlieben prognostiziert sie damit entgegen den sie umgebenden zeitgenössischen Vorstellungen âdie Macht âregionalerâ Fürsten.â Hierzu a.a.O., 47.
Vgl. Dhuod., lib. man. 1.1: Inter quos adortor te, fili, ut, in quantum uales, illa semper perquiras ubi cum dignis et abtis Deumque diligentibus, ad certum possis scandere culmen, atque una cum illis ad regnum ualeas pertingere sine fine mansurum (SC 225,96,4â8 P. Riché).
Vgl. Dhuod., lib. man. 3.1: Quod si tu audiens, factis quos supra tibi comemoro impleueris dignis, non solum in hanc terram habebis in aliquibus sortem, sed etiam illam cum sanctis mereberis possidere, de qua ait Psalmista: Credo uidere bona Domini in terra uiuentium [Ps 26,13] (SC 225,140,70â75 P. Riché).
Vgl. Dhuod., lib. man. 7.5: Primam nullus euadere potest hominum, sicut dicit Psalmista: Quis est homo qui uiuit et non videat mortem? Subaudis: nullus (SC 225,302,2â4 P. Riché).
Vgl. Dhuod., lib. man. 7.6: De morte autem secunda potest euadere homo, si uult et si certauerit digne. [â¦] Beatus ille qui inter fluctuationes saeculi huius ita certauerit ut tali sit dignus cumulari honore. Obliuiosus mortem, uitam sine defectione cum sanctis possidebit aeternam. Et, ut tali famulatui adhaerere ualeas, fili, secundum admonitionem meam, et tua[m] in Christo adcrescente uoluntate, frequenter debes legere, frequenter orare (SC 225,302,2â3.304,8â14 P. Riché).
Vgl. Dhuod., lib. man., praefatio: Voluente et crescente calamitate huius saeculi miseria, inter multas fluctuationes et discordias regni, imperator praedictus uiam omnium isse non dubium est (SC 225,84,10â12 P. Riché). Vgl. zu den politischen Wirren der 830er Jahre Kapitel 3.3.2, S. 244â253.
Vgl. Dhuod., lib. man. 3.6: In multis diuersis agitur modis. Fuerunt retro saecula multi digni utilesque et ueraces, et sunt hodie certe dissimiles in multis. Quid ad nos? Patent in saeculo plura. Ait enim Scriptura: Abundat iniquitas et inter multos refrigescit karitas [Mt 24,12]. In hac uolutione nescit homo quem eligat consiliatorem aut cui primum debeat credere, spemque utilitati in ullo comitti incertum manet a pluribus (SC 225,160,9â16 P. Riché).
Vgl. Schlieben, in: Schmieder (Hg.), 2015, 43.
Vgl. ebd.
Vgl. Dhuod., lib. man. 8.2: Ora pro praeteritis, praesentibus et futuris. Praeterita, si negligens fuisti, ut obliuiosus maneas ex ea; praesentia mala, ut fugias semper; futura, ut caueas et nunquam in te adhaereat ultra (SC 225,306,2â3.308,4â5 P. Riché).
Der aus Nordspanien stammende Gelehrte Theodulf (760â821) gelangte in den 780er Jahren an den Hof Karls des GroÃen und stieg dort zu einem der engsten Berater des Königs auf. Zwischen 790 und 792 verfasste er das Opus Caroli regis contra synodum. Noch vor 798 wurde er zum Bischof von Orléans erhoben und erhielt mehrere Klöster zur Leitung. 801 überreichte ihm Papst Leo III. (795â816) das Pallium. Im Zusammenhang mit dem Streit um das filioque schrieb Theodulf im Auftrag Karls des GroÃen 809 die Abhandlung De processione Spiritus Sancti über den Ausgang des Heiligen Geistes von dem Vater und dem Sohn. Nach dem Tod Karls des GroÃen 814 stand Theodulf auch bei dessen Nachfolger Ludwig dem Frommen zunächst in Gunst, bis er 818 der Beteiligung an dem vermeintlichen Aufstand Bernhards von Italien (812/813â818) gegen den Kaiser bezichtigt wurde. Infolgedessen wurde er als Bischof von Orléans abgesetzt und in Klosterhaft genommen. Vgl. hierzu W. Hartmann, Theodulf von Orléans, in: 4RGG 8 (2005), 248; H. Sauer, Theodulf, in: LMA 8 (1997), 647â648.
Ed. A. Freeman, in: MGH Conc 2, Suppl 1, Hannover 1998, 97â558.
Vgl. zur Zeitauffassung im Opus Caroli regis contra synodum u.a. U.R. Jeck, Die frühmittelalterliche Rezeption der Zeittheorie Augustins in den âLibri Caroliniâ und die Temporalität des Kultbildes, in: R. Berndt (Hg.), Das Frankfurter Konzil von 794: Kristallisationspunkt karolingischer Kultur 2: Kultur und Theologie, Mainz 1997, 861â884; B. Schlieben, Gegenwart und Vergegenwärtigung im Opus Caroli regis des Theodulf von Orléans, in: M. Czock / A. Rathmann-Lutz (Hgg.), ZeitenWelten: Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung, 750â1350, Köln 2016, 63â80.
Konstantin VI. (780/790â797) wurde durch den frühen Tod seines Vaters Leo IV. (775â780) bereits im Kindesalter byzantinischer Kaiser, sodass zunächst seine Mutter Irene (797â802) die Regentschaft übernahm. Nachdem er 790 die Alleinherrschaft für sich beansprucht hatte, wurde er nur wenige Jahre später entmachtet und geblendet und starb 797 an den Folgen. Ihm folgte Irene als byzantinische Kaiserin bis zur ihrer Absetzung 802 nach. Vgl. hierzu P. Speck, Irene, byz. Ksn., in: LMA 5 (1991), 644â645; ders., Konstantin VI., byz. Ks., in: LMA 5 (1991), 1376.
Das Konzil von Nicäa 787 fand im Zuge des byzantinischen Bilderstreits statt. Aufgrund einer fehlerhaften lateinischen Ãbersetzung der Beschlüsse durch päpstliche Legaten wurde im Frankenreich irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass statt der Bilderverehrung deren Anbetung gebilligt worden sei. Vgl. zu den näheren Umständen auch A. Freeman, Einleitung, in: MGH Conc 2, Suppl 1, 1â12.
Vgl. zu dem Hintergrund Jeck, in: Berndt (Hg.), 1997, 865â866.
Vgl. Theod., op. Carol. reg. contr. syn. 1.1: Illius enim esse esse tantum novit, fuisse vel futurum esse non novit (MGH Conc 2, Suppl 1,105,24 A. Freeman). Vgl. hierzu Isid., etym. 7.1,12: Deus autem esse tantum novit, fuisse et futurum esse non novit (SCBO W.M. Lindsay).
Vgl. ebd.: Non habet enim partem aeternitatis, quam nos tempus dicimus et in praesens, praeteritum et futurum dividimus, sed totius aeternitatis in suae essentiae inconmutabilitate integritatem habens esse tantum ei est. Unde et sancto Moysi dixit: Ego sum, qui sum, et qui est, misit me ad vos. Nostrum autem esse, quibus prÄterita in recordatione, praesentia in intuitu, futura in expectatione, illius essentiae conparatum non esse est (MGH Conc 2, Suppl 1,105,24â29 A. Freeman). Vgl. zu den hierin enthaltenen Anklängen an Augustins Zeittheorie ausführlich Jeck, in: Berndt (Hg.), 1997, 867â872; Schlieben, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 69â70.
Vgl. ebd.: Nostrum autem vivere ortum et occasum et mutabilitatem patitur; quamquam anima inmortalis sit (MGH Conc 2, Suppl 1,106,4â5 A. Freeman).
Vgl. Schlieben, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 76â79.
Vgl. u.a. Theod., op. Carol. reg. contr. syn., praefatio: Imagines in ornamentis ecclesiarum et memoria rerum gestarum habentes (MGH Conc 2, Suppl 1,102,14â15 A. Freeman); Theod., op. Carol. reg. contr. syn. 2,21: Imagines vero omni sui cultura et adoratione seclusa, utrum in basilicis propter memoriam rerum gestarum et ornamentum sint an etiam non sint (MGH Conc 2, Suppl 1,275,4â7 A. Freeman); Theod., op. Carol. reg. contr. syn. 2.23: Frangi ergo non debuit, quod non ad adorandum in ecclesiis, sed ad instruendas solummodo mentes fuit nescientium conlocatum (MGH Conc 2, Suppl 1,279,3â6 A. Freeman).
Vgl. zu den verschiedenen Funktionen der Bilder auch H. Hoping, Mein Leib für euch gegeben: Geschichte und Theologie der Eucharistie, Freiburg 22015, 184; J. Fried, Karl der GroÃe: Gewalt und Glaube: Eine Biographie, München 32014, 451â452.
Vgl. Theod., op. Carol. reg. contr. syn. 4.2: Unde datur intellegi, quod non in rebus visibilibus, non in manufactis, sed in corde Deus est quaerendus; nec carnalibus oculis, sed mentis solummodo oculo aspiciendus (MGH Conc 2, Suppl 1,493,14â16 A. Freeman). Vgl. hierzu auch Schlieben, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 74â76.78.
Vgl. Theod., op. Carol. reg. contr. syn. 2.27: Multum igitur, et ultra quam mentis oculo prÄstringi queat, distat sacramentum Dominici corporis et sanguinis ab imaginibus pictorum arte depictis, cum videlicet illud efficiatur operante invisibiliter spiritu Dei, hae visibiliter manu artificis; illud consecretur a sacerdote divini nominis invocatione, hae pingantur a pictore humanÄ artis eruditione; [â¦] per illud peccata remittuntur, per has, si incaute abutantur, adiciuntur; [â¦] illud est vita et refectio animarum, hae cibus tantummodo oculorum; illud ducit per Äsum ad caelestis regni introitum, hae rerum gestarum deferunt memoriam per intuitum (MGH Conc 2, Suppl 1,294,15â23.26â28.295,1â7 A. Freeman).
Vgl. Schlieben, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 77â78.
Vgl. a.a.O., 72.
Vgl. zu Hrabanus Maurus Kapitel 1.3.1.2, S. 32, Fn. 145.
Ed. D. Zimpel, FBMG 7, Frankfurt 1996.
Vgl. Hrab. Maur., inst. cler., prologus: Quaestionibus ergo diversis fratrum nostrorum et maxime eorum, qui sacris ordinibus pollebant, respondere compellebar, qui me de officio suo et variis observationibus, quae in ecclesia dei decentissime observantur, saepissime interrogabant, et aliquibus eorum tunc dictis, aliquibus vero scriptis prout opportunitas loci ac temporis erat, secundum auctoritatem et stilum maiorum ad interrogata respondi. Sed non in hoc satis eis facere potui, qui me instantissime postulabant immo cogebant, ut omnia haec in unum volumen congerem [â¦] Quibus consensi et quod rogabant feci, quantum potui. Nam de hoc tres libros edidi, quorum primus de ecclesiasticis ordinibus et de veste sacerdotali continet; item de quattuor charismatibus ecclesiae, id est: baptismo et crismate, corpore et sanguine domini et de officio missae secundum morem Romanae ecclesiae (FBMG 7,281,13â21.282,24â28 D. Zimpel).
Vgl. ebd.: Confido tamen omnipotentis dei gratiae, quod fidem et sensum catholicum in omnibus tenerem; nec per me quasi ex me ea protuli, sed auctoritati innitens maiorum per omnia illorum vestigia sum secutus: Cyprianum dico atque Hilarium, Ambrosium, Hieronimum, Augustinum, Gregorium, Iohannem, Damasum, Cassiodorum atque Isidorum et ceteros nonnullos [â¦] In omnibus tamen, ni fallor, catholicam imitatus sum veritatem (FBMG 7,282,47â283,52.56â57 D. Zimpel).
Vgl. Hrab. Maur., inst. cler. 1.24: Sunt autem sacramenta: baptismum et chrisma, corpus et sanguis, quae ob id sacramenta dicuntur, quia ex subtegumento corporalium rerum virtus divina secretius salutem eorundem sacramentorum operatur; unde et a secretis virtutibus vel sacris sacramenta dicuntur. Quae ideo fructuose penes ecclesiam fiunt, quia sanctus in ea manens spiritus eundem sacramentorum latenter operatur effectum. Unde seu per bonos seu per malos ministros intra ecclesiam dei dispensentur, nec bonorum meritis dispensatorum amplificantur haec dona, nec malorum attenuantur, quia âneque qui plantat est aliquid, neque qui rigat, sed qui incrementum dat deusâ [1Kor 3,7], unde et graece mysterium dicitur, quod secretam et reconditam habeat repositionem (FBMG 7,316,3â13 D. Zimpel). Vgl. hierzu Isid., etym. 6.19,39â42 (SCBO W.M. Lindsay).
Vgl. Hrab. Maur., inst. cler. 1.31: Maluit enim dominus corporis et sanguinis sui sacramenta fidelium ore percipi et in pastum eorum redigi, ut per visibile opus invisibilis ostenderetur effectus (FBMG 7,329,17â19 D. Zimpel).
Vgl. ebd.: âCaro enim mea vere est cibus, et sanguis meus vere est potusâ [Joh 6,56]. Vere scilicet caro Christi est cibus, quia vere pascit et ad aeternam vitam hominem nutrit; et sanguis eius vere est potus, quia esurientem et sitientem animam iustitiam in aeternum veraciter satiat [Mt 5,6] (FBMG 7,329,23â26 D. Zimpel).
Vgl. ebd.: De terrenis fructibus cibum caelestem homo caelestis fecit, ut sicut ipse deus invisibilis in carne visibili ad salvandos mortales mortalibus apparuit, ita etiam ex materia visibili rem invisibilem congrue ipsis demonstraret, ut in eadem re simul ediscerent, et quid deus propter nos factus est et quid nos per ipsum futuri sumus (FBMG 7,330,36â41 D. Zimpel).
Vgl. ebd.: Temporalem quippe vitam sine isto cibo et potu habere possunt homines, aeternam omnino non possunt, quia iste cibus et potus aeternam societatem capitis membrorumque suorum significat. âQui manducatâ, inquit, âcarnem meam et bibit meum sanguinem, ipse in me manet, et ego in eoâ [Joh 6,57]; quapropter necesse habemus sumere corpus et sanguinem eius, ut in ipso maneamus et eius corporis membra simus, quia ânemo ascendit in caelum, nisi qui descendit de caelo, filius hominis, qui est in caelo [Joh 3,13] (FBMG 7,329,26â330,33 D. Zimpel).
Vgl. ebd.: Sed tamen ipsius sacramenti, sicut supra diximus, tanta est dignitas et tanta potentia, ut quicumque illud indigne perceperit, magis sibi damnationem quam salutem adquirat, quod ostendit apostolus dicens: âQuicumque ergo manducaverit panem hunc, vel biberit calicem domini indigne, reus erit corporis et sanguinis domini. Probet autem seipsum homo et sic de pane illo edat et de calice bibat. Qui enim manducat et bibit indigne, iudicium sibi manducat et bibit, non diiudicans corpusâ [1Kor 11,27â29] (FBMG 7,331,70â77 D. Zimpel).
Vgl. ebd.: Sumunt ergo fideles bene et veraciter corpus Christi, si corpus Christi esse non neglegant; fiant corpus Christi, si volunt vivere de spiritu Christi; de spiritu Christi non vivit, nisi corpus Christi (FBMG 7,332,81â83 D. Zimpel). Vgl. zu dem Verhältnis der Zeitebenen in De institutione clericorum weiterführend M. Czock, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Konstruktionen von Zeit zwischen Heilsgeschichte und Offenbarung: Liturgieexegese um 800 bei Hrabanus Maurus, Amalarius von Metz und Walahfried Strabo, in: M. Czock / A. Rathmann-Lutz (Hgg.), ZeitenWelten: Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung, 750â1350, Köln 2016, 113â133 (120â126).
Vgl. Kleine, in: Czock / Rathmann-Lutz (Hgg.), 2016, 146â147.