Die im Brill | Schöningh Verlag publizierte Frankfurter Übersetzung des Neuen Testaments von Stefan Alkier und Thomas Paulsen (FNT) ist in besonderem Maß der Philologie und damit der Sprachkraft der Texte verpflichtet. Die sich daran anbindende neue Buchreihe Biblische Argumente in öffentlichen Debatten, zielt auf dieser Basis auf die Denk- und Differenzierungskraft biblischer Texte und Bücher und der Bibel als Ganzer in gegenwärtigen Kontexten und Konflikten. Die Bibel ist das Buch kritischen und selbstkritischen Umdenkens, was sie mit dem griechischen Leitwort metánoia zum Ausdruck bringt. Biblische Texte entfalten ein kritisches und kreatives Potential neu und Neues zu denken, wenn ihre Sichtweisen auf Gott und die Welt nicht kirchlich, politisch oder moralistisch domestiziert, subjektivistisch privatisiert und auch nicht historistisch musealisiert oder gar konstruktivistisch der Beliebigkeit und Belanglosigkeit ausgesetzt werden, sondern ihr anderes, befremdendes, streitbares Denken als enthüllender Widerstreit gegen ideologisch proklamierte Alternativlosigkeit, Starrsinn und jegliche Rechthaberei in kirchliche, kulturelle und politische Debatten eingebracht wird. Die Bibel ist nicht das Buch der Kirche, sondern Buch für die Welt in ihrer Gegebenheit, Schönheit, Fraglichkeit, Widersprüchlichkeit und Offenheit gerade auch in Zeiten des politischen Populismus, globaler Verunsicherung, gesellschaftlicher Polarisierungen und scheinbar unlösbarer Probleme wie Sexismus, Rassismus, enthemmter Kapitalismus, Armut, Hunger, Pandemie, Krieg, Migration und Klimawandel.
Die Publikationen, die in dieser Reihe erscheinen, mischen sich ein in kirchliche, kulturelle gesellschaftliche und politische Debatten zu den Problemen, Krisen, Fragen und Chancen der Gegenwart. Sie sollen helfen, der öffentlichen theologischen Sprachfähigkeit von Kirchenleitungen, Universitätstheologinnen und -theologen, Pfarrerinnen und Pfarrern, Lehrerinnen und Lehrern und allen an der Lebensrelevanz biblischer Texte Interessierten auf die Sprünge zu helfen. Die Bibel ist reicher als die Theologien der Gegenwart. In der Auseinandersetzung mit ihren Texten sehen wir ein enormes Erschließungspotential kritischen, überraschenden, neuen Denkens.
Der hier vorgelegte dritte Band der Reihe, der in zwei Teilbänden erscheint, wird den Anliegen der Reihe Biblische Argumente in öffentlichen Debatten ganz und gar gerecht. Wir danken den Autorinnen und Autoren der Zuversichtsargumente für ihre Bereitschaft, sich einzumischen, Theologie öffentlich werden zu lassen und damit einen Beitrag zur Bewältigung gegenwärtiger Problemlagen zu leisten. Wir wünschen den beiden Teilbänden, dass sie ein breites Gehör weit über die universitären Rahmen hinausfinden werden und die Zuversicht verbreiten, die für das Angehen der vielfältigen Problemlagen unserer Zeit notwendig ist.
Stefan Alkier, Tobias Nicklas, Thomas Paulsen
Bochum, Frankfurt am Main, Regensburg im Mai 2022