Heiligkeit!
Die vorliegende Festschrift erscheint aus Anlass Ihres 70. Geburtstages, den Sie am 22. Juli 2021 begangen haben. Gern trage ich mit einem GruÃwort zu dieser Publikation bei, um so die guten Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der Rumänischen Orthodoxen Kirche zum Ausdruck zu bringen. Ich verbinde damit meine besten Segenswünsche für Sie und Ihre Kirche.
Die Ihnen gewidmete Festschrift ist ein guter Ort, um Ihnen für die groÃe ökumenische Aufgeschlossenheit, die Sie als Theologe und Amtsträger Ihrer Kirche von frühester Zeit an auszeichnet, Dank zu sagen. Das gilt auch für die Weise, in der Sie seit 2007 als Patriarch Verantwortung für Ihre Kirche tragen. Offensichtlich haben unter anderem die Erfahrungen am Ãkumenischen Institut Bossey und auch die spätere unmittelbare Zusammenarbeit mit dem Ãkumenischen Rat der Kirchen und der Konferenz Europäischer Kirchen Sie so geprägt, dass Ihr Herz für die Ãkumene offen blieb. Davon zeugt nicht zuletzt Ihre jahrzehntelange Verbundenheit mit der Stiftung Pro Oriente. Ihre ökumenischen und interreligiösen Aktivitäten führten 1998 zur Auszeichnung mit dem Abt-Emmanuel-Maria-Heufelder-Preis des Ãkumenischen Instituts der Abtei Niederalteich.
Die ökumenische Offenheit, mit der Sie Ihre Kirche leiten, zeigt sich spiegelbildlich auch in Deutschland, wo gute und verlässliche Beziehungen zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Rumänischen Orthodoxen Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa bestehen. Froh und dankbar bin ich für die engagierte Mitwirkung von Vertretern der Metropolie in der Gemeinsamen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, in die seit ihrer Konstituierung 2007 rumänisch-orthodoxe Vertreter die Stimme der Tradition Ihrer Kirche einbringen.
Papst Franziskus hat 2013 in seinem Apostolischen Schreiben âEvangelii gaudiumâ eine Ãkumene der Gaben stark gemacht. Dabei handelt es sich ânicht nur darum, Informationen über die anderen zu erhalten, um sie besser kennenzulernen, sondern darum, das, was der Geist bei ihnen gesät hat, als ein Geschenk aufzunehmen, das auch für uns bestimmt istâ (Nr. 246). Als wechselseitige Bereicherung vermag unser ökumenisches Miteinander uns vor jeder SelbstverschlieÃung und vor jedem verengten Blick auf die eigene Kirche und die eigene Tradition bewahren. In der Gemeinschaft derer, die Christi Namen tragen, können wir die Wahrheit, die er selbst ist, tiefer erkennen. Vertrauen wir dem Heiligen Geist, dass er uns in der Ãkumene auf diesen Weg führt!
Die Beziehung von Spiritualität und Theologie, von gelebtem Glauben und seiner rationalen Durchdringung, hat Sie, verehrter Patriarch Daniel, zeit Ihres Lebens als Wissenschaftler und Geistlicher beschäftigt. So ist es nur konsequent, dass sich die vorliegende Festschrift diesem Thema widmet. Beide Aspekte gehören untrennbar zusammen und befruchten einander. Sie müssen zusammenkommen, damit das Evangelium in unserer Zeit angesichts des Pluralismus von Religionen und Weltanschauungen und einer zunehmenden Gottesferne in weiten Teilen Europas glaubhaft verkündet werden kann. In dieser Perspektive hoffe und wünsche ich, dass die Festschrift Ihnen Freude bereitet. Möge sie auch den Austausch zwischen der Tradition des Ostens und des Westens weiter fördern und so zu einer wechselseitigen Bereicherung beitragen.