In der derzeitigen Hochschullandschaft hat sich die Universität zu einer Institution entwickelt, die nicht mehr nur wissenschaftliche und bildnerische Prozesse verfolgt, sondern sich zunehmend als Wissenschaftsunternehmen mit wirtschaftlichen Interessen begreift. Die wirtschaftlichen Belange werden in Form von leistungsorientierten Mittelvergaben, Drittmittelprojekten und Forschungsberichten, die in Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor publiziert sein sollten, wahrgenommen und bedient. Bei der Konzeption von Forschungsprojekten werden dann zum Großteil Forschungstrends berücksichtigt, um die Chance einer Bewilligung von Drittmitteln zu erhöhen. Es stellt sich die Frage, inwiefern der Erkenntnisgewinn noch über dem Gewinn des Wissenschaftsunternehmens Universität steht. Des Weiteren kommt hinzu, dass in vielerlei Hinsicht der Blick für die Ganzheitlichkeit eines bestimmten Gegenstandsbereichs – aufgrund einer fast chirurgischen Spezifikation von Forschungsfragen und daraus folgenden Forschungsergebnissen auf der Mikroebene – verloren geht. Oftmals werden wissenschaftliche Aufsätze ohne theoretische Konzeption, historischen Hintergrund und ohne eine genaue Aufarbeitung von einschlägigen Begrifflichkeiten veröffentlicht. Ein Zeitschriftenaufsatz hat dann einen Umfang von ca. zehn Seiten und glücklicherweise ein Abstract in einem Umfang von maximal zehn Sätzen. Es wird natürlich, aus Zeitgründen im beschleunigten universitären Alltag, nur das (Online-)Abstract gelesen. Zwar bietet ein Peer-Review-Verfahren innerhalb von anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften eine Qualitätssicherung, der Platz in solchen anerkannten Journalen ist jedoch begrenzt, und die Veröffentlichungskriterien sind oft für Wissenschaftseinsteiger, die noch dazu keine Trendthemen bedienen, kaum realisierbar. Eine Monografie passt nun wirklich nicht mehr in das Wissenschaftsunternehmen Universität. Wann soll man sich denn einem solchem Werk in voller Gänze widmen? Diese Entwicklung ist, in Anbetracht der ursprünglichen Funktion einer Hoch-Schule (lat. Schola – Muße), erschreckend.
Die vorliegende Abhandlung kann die wirtschaftlichen Interessen der Universität wohl nicht bedienen. Sie ist weder das Resultat eines bewilligten Drittmittelprojekts noch bedient sie sich eines Trendthemas, das gerade in der scientific community gehypt wird. Dieses Forschungsprojekt ist aus einem Erkenntnisinteresse heraus entstanden, das hoffentlich zu einem erziehungs- und gesundheitswissenschaftlichen und nicht wirtschaftlichen Erkenntnisgewinn geführt hat. In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, sowohl einen Beitrag zur Weiterentwicklung der sich schon viel zu lang im Findungsprozess befindlichen Gesundheitspädagogik zu leisten als auch eine Explikation zweier für die Gesundheitspädagogik einschlägigen Fachbegriffe – Gesundheitserziehung und Gesundheitsbildung – voranzutreiben. Die in dieser Arbeit entwickelten wissenschaftlichen Grundlagen sollen für praxisorientierte Folgeprojekte in den gesundheitspädagogischen Professionen hilfreich sein.
Die Realisierung dieses Projekts war möglich, weil es Menschen gibt, die den in vielerlei Hinsicht anstrengenden Arbeitsprozess vorangetrieben haben.
Zuallererst danke ich meinen Eltern Jens-Peter und Kerstin Goldfriedrich, die mich und meinen Werdegang in mannigfaltiger Hinsicht unterstützt haben. Ich danke Luisa Gnauck, die mich mit ihrer liebevollen, verständnisvollen und aufbauenden Art in manchen schweren Stunden wieder motivieren konnte. Ich danke Herrn Prof. Dr. Dr. Ralf Koerrenz, der es geschafft hat, mir die nötige Freiheit, die in jeder Form hilfreiche Expertise und die soziale Kompetenz entgegenzubringen, die ich für das Gelingen dieser Arbeit benötigt habe. Ich danke Herrn PD Dr. Ulf Sauerbrey für die Zweitbegutachtung der Dissertation. Ich danke Herrn PD. Dr. Ulrich Seidelmann für den immer folgerichtigen Ratschlag in schwerwiegenden Entscheidungsprozessen. Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, die mich in den richtigen Momenten entschleunigt haben.
Martin Goldfriedrich, Jena, den 05.02.2019