Einführendes
„Wann endlich lernen auch Sie die unbekannten Seiten der FAZ kennen?“ fragte im Jahr 1979 eine Werbestimme die Hörer vor den Radios.1 Was damit näher gemeint war, ist nicht überliefert. Waren es die Beilagen, Sonderseiten oder bestimmte Rubriken der Zeitung, auf die man hinweisen wollte? Die Frankfurter Allgemeine stellt seit dem 1.11.1949 Medienöffentlichkeit her.2 Sie definiert sich als „Zeitung für Deutschland“. Aktualität, Periodizität und inhaltliche Universalität gelten als Merkmale einer Zeitung – sowie Publizität. Sie muss also zugänglich und öffentlich für jeden sein.3 Diesem Umstand wohnt jedoch eine immanent notwendige Paradoxie inne: Denn, das Wesen einer Zeitung ist einerseits, öffentlich zu erscheinen. Doch die Vorgänge, die zur Zeitungsausgabe führen, sind nichtöffentlich. Der Öffentlichkeit bleiben die Strukturen hinter dem Produkt, die redaktionellen Entstehungsbedingungen, die Umstände, die Motivationen, die Menschen dahinter weitgehend verschlossen. Eine Zeitung hütet das, was sich hinter ihren verschlossenen Türen abspielt, wie ein Staat Geheimnisse. Im Gegensatz zu einem Staat ist die Zeitung jedoch nicht rechenschaftspflichtig gegenüber den Bürgern, sie hat keinen gesetzlichen Archivauftrag. Nach außen hin erscheinen Zeitungshäuser, Redaktionen, Ressorts als Blackbox. Die vorliegende Arbeit möchte dies in der historischen Rückschau ändern und die eigentlich „unbekannten Seiten“ der FAZ aufschlagen und Einblick geben in das größte und elementarste Ressort der FAZ – das Politikressort.
„Wir saßen am Webstuhl der Zeit“ – so beschrieb Ernst-Otto Maetzke, der ehemalige Deutschlandpolitik-Experte der FAZ, das Wirken von sich und seinen Kollegen im Politikressort nach seiner Pensionierung.4 Sich eines Goethe-Zitats zu bemüßigen, um das eigene Lebenswerk zu resümieren, sagt bereits viel über das um Niveau bemühte Selbstverständnis eines politischen Redakteurs der FAZ aus.5 Bei Goethe war der „Webstuhl“ sausend und stand für rasende Vergänglichkeit. Die Zeit sauste dahin und mit ihr die Ereignisse, die als wertig genug befunden wurden, um in die Zeitung zu kommen. Das Politikressort wob am Webstuhl die sinnstiftenden Bilder aus den Fasern der Zeit. Es stiftete seinen Lesern ein Bild, das Orientierung spendete, wo isoliert gesehen nur Chaos war. Man kennt diese Bilder in Form der Zeitungsausgaben, doch kaum jemand kennt ihre rastlosen Meister und das Werk dahinter.6 Der Politikteil rief bei seinen (Nicht-) Lesern wechselweise Wertschätzung und Ablehnung, Vertrauen und Ärger hervor. Die FAZ ist eine Instanz der deutschen Medienlandschaft und darin so tief verankert, dass ihr Wesen selbstverständlich erscheint und bislang irritierend wenig analytisch hinterfragt wurde. Die Redaktion, die Menschen hinter den Zeitungsausgaben, sind die eigentlich unbekannten Seiten.
In diesem Buch geht es um die Geschichte eines der bedeutsamsten politischen Ressorts der deutschen Zeitgeschichte. Der FAZ wird sowohl aus historischer als auch aus sozialwissenschaftlicher Perspektive das Attribut eines Qualitätsmediums verliehen.7 Diese Arbeit leitet die Relevanz der FAZ jedoch vom spezifischeren Begriff des Leitmediums ab. Ein solches zeichnet sich neben einer signifikanten, wenn auch nicht entscheidenden Auflagenhöhe und Reichweite durch eine überdurchschnittliche Zitierhäufigkeit sowie die Nutzung durch gesellschaftliche Eliten und andere Journalisten aus. Von einem Leitmedium geht eine dementsprechende Wirkung auf die öffentliche Meinungsbildung aus.8 Ab einer gewissen politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Teilhabe in einer Gesellschaft ist die Wirkung eines Leitmediums auf den Medienkonsumenten nicht mehr zu verneinen, selbst wenn man das Medium nicht primär konsumiert oder gar ablehnt. Das betrifft auch Staatsmänner. Charles de Gaulle äußerte sich beim damaligen Frankreich-Korrespondenten Jan Reifenberg 1968 mit folgenden Worten über die FAZ: „C’est le journal allemand que je lis chaque jour. Il ne m’est pas toujours favorable.“ Reifenberg schob ein: „Monsieur le Président, on fait ce qu’on peut …“, woraufhin de Gaulle sagte „… pas toujours favorable – mais cela n’a aucune importance.“9 De Gaulle fasste damit die Bedeutung der FAZ als Leitmedium im letzten Halbsatz ein – sinngemäß: die individuelle Beziehungsebene zur FAZ ist unerheblich, sie bleibt in jedem Fall wichtig.
Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit ist es herauszufinden, wie diese Erfolgsgeschichte möglich sein konnte. Welchen Beitrag leistete das politische Ressort für den Aufstieg zum Leitmedium und wie konnte dieser Status behauptet werden?
Was waren die entscheidenden Faktoren, was war das Wesen dieses Ressorts? Um auf Antworten zu stoßen, lenkt diese Arbeit den Blick auf spezifische Entwicklungslinien des Ressorts. Auf einer Ebene innerer Ressortentwicklungen will die Arbeit ergründen, wie sich die Faktoren Personalpolitik, journalistisches Selbstverständnis, generationale Dynamiken, Hierarchien und politische Linienfindung formten und ausgestalteten. Damit verknüpft stellt sich die Frage nach der Rolle und den wechselnden Positionsbestimmungen des Politikressorts im Kreis der beiden anderen großen Ressorts Wirtschaft und Feuilleton. Auf einer Ebene externer zeitgeschichtlicher Einflüsse sucht die Arbeit nach Antworten, wie es dem Ressort gelang, die für sie relevanten politischen, gesellschaftlichen, medialen, technischen Herausforderungen und Entwicklungen zu bewältigen. Hierbei geht es um Aspekte, die verdichtet und vielfach in den unveröffentlichten Quellen im Hintergrund auftraten. Die Geschichte des Ressorts berührt Basistrends der Zeitgeschichte, die eine fortschreitende Medialisierung der Politik sowie eine Politisierung der Medien in der Bonner Republik beschreiben.10 Wie verhielt sich das Politikressort zur neuen Logik medialer Aufmerksamkeitsökonomie, und wie wurden die Vorgänge dieser Medialisierung der politischen Kultur im Ressort aufgefasst und beurteilt?11 Definierte sich das Ressort als intermediäre Macht? Also, war dem Ressort die eigene politische Einflussgröße bewusst, und wie wurde es intern thematisiert?12 Eine Ressortgeschichte muss jedoch auch die konkreten Arbeitsumstände berücksichtigen. Technische Möglichkeiten, Innovationen, Strukturkonzepte und die Zeitungsinhalte werden beeinflusst durch den Medienwandel im Sinne sich verändernder Mediengewohnheiten seiner Leser, die durch Rundfunk und Fernsehen neue Erwartungen an das Medium Zeitung entwickelten.
Forschungsstand
Die Arbeit ist Teil und Produkt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts zur Geschichte der FAZ.13 Peter Hoeres, Leiter und Initiator des Projekts, hat eine umfangreiche Gesamtdarstellung der Geschichte der FAZ vorgelegt.14 Hoeres bescheinigt der FAZ drei Zentralressorts, die ein hohes Maß an Autonomie im Zeitungskörper besaßen und tendenziell innere Geschlossenheit aufwiesen. Der Autonomiegedanke der Ressorts erlaubte es für das Gesamtprojekt, die Ressorts relativ abgegrenzt voneinander zu durchleuchten. Mit Abstrichen galt, so Hoeres, dass jedes Ressort jeweils eine politische Farbe der deutschen Flagge repräsentierte: Das konservative Politikressort (schwarz), das Feuilleton (rot) und das liberale Wirtschaftsressort (gold).15 Hoeres’ Gesamtgeschichte der FAZ stützt sich auf eine teils ähnliche Quellenbasis wie die vorliegende Arbeit, weswegen Dopplungen mit dieser Arbeit nicht immer auszuschließen waren. Er behandelt auch wesentliche Aspekte der Geschichte des Politikressorts, wie etwa den Fall Sethe oder die Tern-Krise, die Politisierung des Ressorts in den 1970ern sowie das Wirken einzelner Akteure, beispielsweise Adelbert Weinstein oder Alfred Rapp.
Hoeres’ Arbeit schildert die Geschichte der Gesamtzeitung bis in die Gegenwart. Er attestiert dem Politikressort, ein „Agent der Verwestlichung“ gewesen zu sein. Von allen Ressorts sei das Politikressort am „ehesten ein Abbild der allgemeinen Geschichte der Bundesrepublik“ in Fragen der Westbindung gewesen, zunächst mit seiner anfänglichen Skepsis, dann, in der Post-Sethe-Zeit mit bedingungsloser Unterstützung. Zugleich erkennt Hoeres im Politikressort einen Wellenbrecher gegen Tendenzen politisch „liberale[r] Permissivität“ sowie ein „Widerlager“ gegen den allgemeinen Trend der „Totalpazifizierung“ in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Das Politikressort war, so Hoeres, der 1968er-Bewegung aversiv gegenüber eingestellt. Die neue Ostpolitik wurde insoweit bekämpft, als sie lange als hinderlich in Bezug auf eine potentielle Verhinderung der deutschen Einheit interpretiert wurde.16 Wie stark das Ziel der Wiedervereinigung Einfluss auf die „DNA“ der Zeitung hatte und in der Motivation der Gründung der FAZ verankert war, zeigt Projektkollege Maximilian Kutzner auf, der zum Schluss kommt: „Wer die Deutungshoheit über die Beurteilung der Einheitsfrage hatte, der bestimmte auch den gesamten Kurs der Zeitung.“17 Kutzner geht darüber hinaus in seiner 2019 erschienen Dissertation über die Geschichte des Wirtschaftsressorts der Frage nach der Bedeutung des Wirtschaftsressorts für Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und anderen Medien auf den Grund. Er widmet sich Leitbildern, Personal und Organisation des Ressorts. Das Wirtschaftsressort hatte publizistisch große Verdienste erlangt durch die Unterstützung der sozialen Marktwirtschaft und wurde zum Spindoktor für Ludwig Erhard, den man für die Wichtigkeit von Öffentlichkeitsarbeit sensibilisierte. Die FAZ war Dank des Wirtschaftsressorts „Zeitung der Unternehmer“ und, so Kutzner, wegen seines ordoliberalen Leitbilds ideell am eindeutigsten durchstrukturiert innerhalb der FAZ.18
Von Projektkollegin Roxanne Narz erschien eine Dissertation über das Feuilleton der FAZ in der Ära Karl Korn. Es weist Bezüge zu Binnenkonflikten innerhalb der Zeitung zwischen Politikressort und Feuilleton auf. Sie interpretiert das Feuilleton als „Debattenfeuilleton“ der frühen Bundesrepublik und auch seine Politisierung unter Korn.19
Christina Schäfer hat eine Biografie über Erich Welter, den Gründervater der FAZ veröffentlicht. Sie analysiert Welter akteurszentriert als gewieften Netzwerker im Gründungsvorgang und identifiziert ihn als den zentralen Strippenzieher im Hintergrund. Welter erscheint als omnipräsente Eminenz, der seine Agenda des Ordoliberalismus in die FAZ einführte und über Jahrzehnte hin durch Personalpolitik und strategische Intervention sicherte. Schäfer streift Schlaglichter der Ressortgeschichte dann, wenn sie vereinzelt Aspekte von Welters Wirken betreffen. Systematische Untersuchungen zum Ressort und Aussagen zu Welter und dessen Beziehung zum Politikressort und seinen Herausgebern selbst fehlen jedoch.20
Die Geschichte des Politikressorts wurde bislang am Rande thematisiert, wenn es um die Gründungsjahre der Zeitung ging, wobei besonders der Konflikt mit Herausgeber Paul Sethe 1955 von Interesse für die Forschung war. Friedemann Sierings Aufsatz über die Gründungsgeschichte der FAZ ist als Pionierstudie hervorzuheben. Siering geht dabei unter anderem den NS-Vergangenheiten der frühen FAZ-Mannschaft sowie den frühen Strukturen in der FAZ nach, auch zu Teilen das Politikressort betreffend.21 Volker Berghahn beleuchtet in „Journalists between Adenauer and Hitler“ mithilfe bislang unzugänglicher Quellen den ideengeschichtlichen und publizistischen Werdegang Sethes. Dort erscheint er im weltanschaulichen Umfeld des Goerdeler-Kreises in einem bislang neuen Licht und stark gezeichnet durch die Erfahrung erzwungener Anpassung im Nationalsozialismus.22 Marcus Payk berührt in einem Aufsatz personelle Konstellationen der 1960er Jahre im Politikressort und widmet sich Aspekten der „Fünfundvierziger Generation“.23
Es existieren darüber hinaus Biografien zu Margret Boveri, Berlin-Korrespondent Peter Jochen Winters und Herausgeber Benno Reifenberg. Rückschlüsse auf deren Arbeit im Ressort oder die Strukturen des Ressorts lassen sich jedoch nur bedingt ziehen.24 Im Bereich der Kommunikationswissenschaften, aus dem Untersuchungszeitraum, liegen einige kleinere Studien zur Berichterstattung der FAZ vor, in vergleichender Perspektive zu anderen Medien. Sie untersuchen die politische Positionierung des Politikteils im Kontext von Bundestagswahlkämpfen oder den Wandel von Berichterstattungsmustern. Sie attestieren der FAZ zumeist ein gemäßigt konservatives und CDU-nahes Profil.25 Auch modernere Arbeiten nehmen die politische Kommentierung und Berichterstattung der FAZ in Bezug auf spezifische Fragen und Ereignisse in den Blick – der Blick in die Blackbox Redaktion bleibt jedoch auch hier aus.26 Die Arbeit, Bedeutung und Funktion von Auslandskorrespondenten während des Untersuchungszeitraums erfuhr aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive erst in den letzten Jahren mehr Beachtung.27 Dabei berührten nur wenige historische Arbeiten die Korrespondenten der FAZ im Untersuchungszeitraum. Julia Metgers Arbeit über westdeutsche Korrespondenten im Kalten Krieg mit Sitz in Moskau ist hierbei eine der wenigen Ausnahmen. Sie beschäftigt sich näher mit den Umständen der Berichterstattung von vier Korrespondenten, wovon einer FAZ-Korrespondent Herrmann Pörzgen ist.28 Hansjakob Stehles Polen-Berichterstattung ist Gegenstand eines Aufsatzes von Guido Thiemeyer, in dem dessen Rolle als vermittelnder Akteur zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Schaltstellen und dem Regierungsapparat Thema ist.29 Antje Robrecht streift in ihrer Dissertation „Diplomaten in Hemdsärmeln“ die Biografien der beiden frühen London-Korrespondenten der FAZ – Peter Grubbe und Heinz Höpfl.30 Zu strukturellen und systematischen Erhebungen über die Arbeit der FAZ im Wechselspiel mit den Korrespondenten gelangt sie nicht. Eine quellengestützte Untersuchung, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und das Zusammenspiel und die Organisation eines Korrespondentenstabs innerhalb eines deutschen Ressorts zum Ziel hat, liegt nicht vor.
Die aktuelle kommunikationswissenschaftliche Betrachtung des politischen Journalismus erfreut sich einer Konjunktur, nachdem sie lange als der „vergessene Gegenstand“ (Wolfgang R. Langenbucher) galt.31 Die Kommunikationswissenschaften können mit dem Vorteil einer guten Datenbasis und vergleichenden Erhebungen aufwarten.32 Dahingegen erscheint die Forschungslage über geschichtswissenschaftliche Zugänge zum deutschen Printjournalismus und der medialen Öffentlichkeit in der Bonner Republik, gemessen an ihrer Bedeutung, vergleichsweise gering – wenn auch gleich in den letzten Jahren ein Zuwachs an Literatur zu verzeichnen ist.33 Vergleichbare Arbeiten zu politischen Ressorts anderer Leitmedien wie der Welt oder der Süddeutschen Zeitung fehlen bislang.
Quellen
Die empirische Grundlage dieser Arbeit setzt sich aus verschiedenen Quellengattungen zusammen. Die Arbeit konzentriert sich maßgeblich auf die Quellenbestände der hausinternen Akten und die Archiv-Nachlässe ihrer Akteure. Sie ist, wenig verwunderlich für eine Ressortgeschichte, stark auf Binnenquellen der FAZ angelegt. Das Hausarchiv der FAZ wurde erstmals den Arbeiten des DFG-Projekts zur Geschichte der FAZ zugänglich gemacht. In den Beständen des in der Zitation „FAZ-Archiv“ genannten unsystematischen Aktenbestandes aus 168 Ordnern befinden sich die für diese Arbeit zentralen Protokolle über die Herausgebersitzungen.34 Im FAZ-Archiv sind zudem Redaktionsprotokolle von 1962 bis 1981 erhalten. Darüber hinaus sind im FAZ-Archiv zahlreiche Redaktionskorrespondenzen enthalten sowie Werbebroschüren und eigens von der FAZ angelegte Zeitzeugengesprächsprotokolle mit bereits verstorbenen Redaktionsmitgliedern. Diese Protokolle entstanden beim Versuch der FAZ, selbst eine Geschichte über sich zu schreiben. Die Archivarinnen Ursula Graefe und Marianne Englert nahmen jeweils einen Anlauf zu einer solchen Geschichte, kamen jedoch nicht über eine lose Stoffsammlung hinaus, die dennoch wertvolles Rohmaterial für dieses Buch geliefert hat. Trotz dieser Quellenfülle bleiben Lücken in der Überlieferung. Am meisten wurde mündlich kommuniziert, vis-à-vis oder am Telefon. Dabei ging viel Bedeutsames unwiderruflich verloren. Tendenziell nahm auch die allgemeine Briefkultur mit den Jahrzehnten des Untersuchungszeitraums ab.35 Herausgeber Bruno Dechamps wies einmal darauf hin, dass viele Meinungsverschiedenheiten ohnehin bereits auf dem Gang in die Konferenz mündlich beigelegt wurden. Man spräche dort „eigentlich mehr auf dem Gang als in der Konferenz.“36 Die Vorgänge der Redaktionsarbeit sind gemessen an ihrer Komplexität nur unzureichend dokumentiert, was in Anbetracht des journalistischen Arbeitsalltags mit Konferenzen, Schreib-, Recherche- und Redigierarbeit nicht verwundert.37 Das Protokollieren wurde von Redakteuren, wie im Motto dieser Arbeit erwähnt, als lästig empfunden.38 Welter, der die Herausgebersitzungsprotokolle archivierte, dienten sie als Machtmittel.39 Die täglichen politischen Vorkonferenzen sowie Hintergrundgespräche wurden grundsätzlich nicht systematisch protokolliert. Die Ablagen der persönlichen Geschäftskorrespondenz der Redakteure blieben unzugänglich; das galt auch für die Personalakten, weswegen eine systematische Kollektivbiografie in dieser Arbeit nicht seriös zu leisten gewesen wäre. Zu den unveröffentlichten Quellen aus dem Hause FAZ kommen eigene Publikationen der Zeitung selbst, die das Unternehmen FAZ vorstellen und bestimmte Schlaglichter eigener Berichterstattung zusammenfassten und edierten.40 An wichtigster Stelle steht hier die mehrbändige Reihe „Sie redigieren und schreiben die F.A.Z.“ Die Bände sind kleine biographische Lexika mit Selbstauskünften der Redaktion und der Korrespondenten zu ihrem Profil und ihrer Vita.41 Die ehemaligen Ressortjournalisten waren und sind, obwohl als mitteilungsfreudig bekannt, erstaunlich wenig motiviert, Autobiographisches zu hinterlassen. Nur Nikolas Benckiser, Margret Boveri, Walter Henkels, Günther von Lojewski und Dietrich Ratzke haben aus dem Ressort Memoirenliteratur veröffentlicht, die für die Fragestellungen dieser Arbeit Erkenntnisse liefern konnten.42
Zentrale Akteure des Politikressorts wie Bruno Dechamps, Erich Dombrowski, Paul Sethe, Jürgen Tern, aber auch Harry Hamm hinterließen Nachlässe und Peter Jochen Winters einen Vorlass. Diese Quellenbestände waren jedoch für den Zuschnitt dieser Arbeit von geringer Bedeutung. Die Hauptreferenz neben den FAZ-Hausakten markiert der Nachlass von Gründungsherausgeber Erich Welter mit 556 Bänden. In den Nachlässen finden sich zahlreiche unterschiedliche Textsorten wie Briefe, Manuskripte, Notizen, Artikel, Gesprächsprotokolle und Entwürfe. Zur NS-Vergangenheit der Ressortmitglieder wurden die ehemaligen Bestände des Berlin Document Center untersucht sowie jene des MfS. Das Digitalarchiv der FAZ, das alle Ausgaben der Zeitung von der Gründung bis in die Gegenwart digitalisiert und per Volltextsuche zur Verfügung stellt, diente als zentrales Artikel-Gedächtnis. Hinzu kamen Quellen aus anderen Medien, zumeist vom Spiegel, der sich mit dem zeitgenössischen Wirken der FAZ auseinandergesetzt hatte. Zeitzeugengespräche mit einigen ehemaligen Redaktionsmitgliedern des Ressorts bildeten einen wichtigen narrativen Kitt. Sie verdeutlichten oder widerlegten anderweitig quellengestützte Annahmen und gaben darüber hinaus wichtige zusätzliche Einblicke in das, was man das Wesen des Ressorts nennen könnte. Die Befragung der Zeitzeugen erfolgte anhand der Leitfragen dieser Arbeit. Die Interviews waren jedoch offen und unsystematisch geführt worden. Es konnten hierbei Erfahrungen in der FAZ von 1956 bis in die 1990er Jahre reflektiert werden.
Methodische Überlegungen
Die methodische Herangehensweise bedingt eine Definition und Problematisierung des Ressortbegriffs. Die Arbeit folgt einem Ressortbegriff, der „kleinere Arbeitseinheiten“ meint, „die inhaltlich zugeschnitten, […] sich um die gleichen Themengebiete kümmern“.43 Die redaktionelle Arbeitseinheit „Politik“ innerhalb der FAZ definierte sich über den Output im politischen Teil der Zeitung und über alle, die ihn erarbeiteten. Der Politikteil folgte einem weiten Politikbegriff mit den klassischen Themenfeldern der Innen- und Außenpolitik.44 Dieser Politikbegriff begrenzte sich nicht auf die staatsbezogenen Politikprozesse im engeren Sinne, sondern bezog Politik auch auf private Lebensbereiche, soziale Bewegungen und gesellschaftliche Fragen.45 Letzten Endes war schlicht alles politisch, was das Politikressort in Aushandlung mit den Schwesterressorts als politisch erachtete. Der Ressortbegriff umfasst also all jene Journalisten, die der Arbeitseinheit des Politikteils unterstellt waren. Die Mannschaft des Politikressorts setzte sich nicht nur aus den fest angestellten Redakteuren und exklusiven Korrespondenten zusammen, sondern bestand auch aus den freien und sogenannten festen freien Mitarbeitern, Berichterstattern, Karikaturisten und Fotografen. Das Politikressort war in sich breit aufgefächert. Es bildete seinerseits Sach- und Fachressorts aus – über Innenpolitik, Sozialpolitik, Verteidigungspolitik, Hochschulpolitik, die Katholische wie auch Evangelische Kirche, oder über juristische Fragen, um nur einen kleinen Ausschnitt zu nennen. Dazu kam die Ordnungseinheit der In- und Auslandskorrespondenten an den zahlreichen Plätzen des Landes und der Kontinente. Die Ressort-Einteilung war in der FAZ nie starr, deshalb sind die Ränder dieser Geschichte weichgezeichnet. Denn obwohl das Ressort operativ weitgehend für sich arbeitete, was auch seit 1962 mit dem Umzug in die Hellerhofstraße 2–4 Ausdruck in einem eigenen Stockwerk fand, beziehen sich etliche Quellen und Betrachtungen auch auf die Gesamtzeitung und die beiden anderen Zentralressorts Feuilleton und Wirtschaft.
Das Politikressort lässt sich nicht von der Geschichte der FAZ trennen. Die FAZ bedeutete die Einheit aus Redaktion und Verlag.
Der redaktionelle Teil war klassisch aufgeteilt auf die drei Zentralressorts, Politik, Wirtschaft, Feuilleton. Dazu kam ein Lokalteil, das Stadtblatt. Zur FAZ gehörte jedoch auch Geschäftsleitung, Vertrieb, Anzeigenabteilung, Archiv, Rechnungswesen, EDV-Abteilung, Personalabteilung, Hausverwaltung, Materialverwaltung, Handwerker, Honorarkräfte, Generalvertreter, Agenten, Zeitungsausträger, Setzer, Drucker, Stereotypeure, Packer, Versandvorbereiter. All diese Aspekte kommen in einer Ressortgeschichte aus quellentechnischen Gründen bestenfalls am Rande vor, obwohl sie für die Arbeitsumstände im Ressort teilweise nicht unerheblich waren.
Diese Geschichte des Politikressorts kann nur eine Geschichte des Politikressorts sein. Der Fokus auf nur ein Ressort der Zeitung erlaubt eine Dichte und Tiefe, die einer derart komplexen medialen Organisation wie der FAZ gerecht wird – doch auch dieses Buch wird unweigerlich Fragen offenlassen. Die weitgehend fehlende Vergleichbarkeit mit anderen nationalen wie internationalen Medien erschwert die Einordnung der Erkenntnisse, verhindert Gegenüberstellungen. Diese Arbeit hat nicht zum Ziel, ein Handbuch voller Auflistungen über Ressortzusammensetzungen und Korrespondentenplätze zu sein. Die Arbeit möchte ebenso wenig Berichterstattung und Kommentierung des Politikteils rekapitulieren oder analysieren. Diese Vorhaben seien, auf Basis der Erkenntnisse aus dieser Arbeit, anderen Historikern empfohlen.
Der Untersuchungszeitraum dieser Arbeit erstreckt sich von der Gründung der Zeitung im November 1949 bis ins Jahr 1982. Der Zuschnitt des Untersuchungszeitraums hat vier Gründe. Erstens war 1982 das Todesjahr Erich Welters, der die Geschicke der Zeitung wie kein anderer lenkte. Mit seinem Tod wurde auch der für die Forschung an der FAZ grundlegende Nachlass vollendet. Es gibt für die Jahre nach 1982 bislang keinen substanziellen Nachlass eines anderen Herausgebers oder Ressort-Journalisten mit Führungsverantwortung, der auch nur ansatzweise an Welters Nachlass herankäme.46 Zweitens sind die Redaktionsprotokolle nur bis einschließlich September 1981 archiviert worden. Drittens markiert das Jahr 1982 in der Politikgeschichte der Bundesrepublik eine Zäsur, da nun nach 13-jähriger SPD-Ägide im Kanzleramt die Koalition aus SPD und FDP geplatzt war und damit ein wesentliches Ziel der publizistischen Agenda der politischen FAZ erreicht worden war. Und es gibt, viertens, noch eine medienhistorische Zäsur, um das Jahr 1982: Ein Jahr nach Welters Tod ebbte der Anstieg der Gesamtauflage der Tagespresse in der Bundesrepublik ab und der langfristige auflagenbezogene Sinkflug der Printmedien begann.47 Darauf folgte ein weiterer einschneidender Moment für die westdeutsche Medienlandschaft: Der Sendestart des Privatrundfunks- und Privatfernsehens in Deutschland.48
„Mitteilen heißt auswählen“ – das sei, so Winfried Schulz, die entscheidende Aufgabe des Journalismus.49 Das Auswählen, um eine Geschichte des Politikressorts zu schreiben, war auch für diese Arbeit eine entscheidende Aufgabe – angesichts der potenziellen Themenfülle. Für diese Arbeit ist ein ereignis- und themenbezogener, induktiver Zugriff gewählt worden, anhand der Leitfragen und der zur Verfügung stehenden Quellen. Das häufige Aufkommen bestimmter Themenkomplexe, die in möglichst unterschiedlichen Quellengattungen zueinander geSpiegelt werden konnten, bestimmte die Kapitelzuschnitte im Sinne einer induktiven hermeneutisch angelegten Quellenanalyse.50 Die „Theoriebedürftigkeit der Geschichte“51 hat auf dem Feld der Mediengeschichte besonderen Nachholbedarf. Auf der Ebene des medialen Outputs „zersetzen“ Tageszeitungen, so Jochen Hörisch, „systematisch alle Ewigkeitswerte“.52 (Medien-)Historische Untersuchungen über einen längeren Zeitraum zersetzen mitunter auch – und zwar Theoriewerte. Die Arbeit begreift Nachrichtenjournalismus und den daraus resultierenden Meinungsjournalismus als Elemente nichtlinearer Systeme. Deshalb meidet diese Arbeit aus methodischen Gründen theoretische Mikro-, Meso- und Makroebenen sowie einen systematischen Zugriff auf die Ebene der Berichterstattung und den politischen Teil, was im Zuge einer Ressortgeschichte möglicherweise zu erwarten gewesen wäre.53 Diese Arbeit versteht politischen Journalismus in Anlehnung an Stefan Frerichs als nicht linear und als konstruktives Chaos. Als nicht linear gilt, was in Systemen weder auflösbar, prognostizierbar oder berechenbar ist. Der medienhistorische Blick in die Blackbox der Redaktion zeigt auf, wie unvorhersehbar das Zeitgeschehen für die beteiligten Akteure oftmals war. Wenn sich Rahmenbedingungen und Umstände für Journalisten und Redaktionen in nicht-linearen System auch nur minimal ändern, können bereits erhebliche Folgen für den kommunikativen Output entstehen. Intermittenzen sind in chaotischen Systemen, wie dem des politischen Journalismus aber durchaus angelegt – also auftauchende Ordnungselemente im Chaos, beziehungsweise auch Chaos in der Ordnung.54 Der politische Journalismus unterliegt einem deterministischen Chaos mit bestimmten Gesetzmäßigkeiten. In den Naturwissenschaften, wo die Chaostheorie ihren Ursprung hat, sind die Naturgesetze deterministisch. Im politischen Journalismus der FAZ können als solche Gesetzmäßigkeiten die Herausgeber- und Mitarbeiterverträge angesehen werden, die bestimmte Abfolge der Redaktionskonferenzen und ein Druckschluss an sechs Tagen pro Woche, der das Erscheinen der Zeitungsausgabe am kommenden Tag sicherstellt. Frerichs verdeutlicht anhand des Nachrichtenjournalismus, wie die Chaostheorie Denkanstöße für das Verstehen der Praktiken des Journalismus liefern kann. Vom Fundament des Nachrichtenjournalismus leiten sich jedoch auch die Kommentierung sowie die Hintergrundberichte ab, kurz: ein Politikressort, das der Tagesaktualität verpflichtet ist, arbeitet automatisch in einem konstruktiven Chaos.
Die Schwäche von klassischen kommunikationswissenschaftlichen Theoriemodellen besteht darin, dass die journalistischen Akteure hinter der Nachrichtenproduktion unberücksichtigt bleiben. Zudem fehlen die Einbettung in das organisationale Gesamtgebilde im Sinne einer Zeitung sowie der Einfluss anderer Ressorts, die Identität des Unternehmens oder wirtschaftliche Aspekte. Vorteilhaft bleiben diese theoretischen Zugänge dann, wenn der Fokus stark verengt bleibt, um „kohärent, widerspruchsfrei und plausibel“ bleiben zu können.55 Damit kann jedoch keine Ressortgeschichte über drei Jahrzehnte geschrieben werden. Jene benötigte Verengung mit den Methoden der Kommunikationswissenschaften ist im Forschungsdesign dieser Arbeit nicht gangbar und angesichts der Quellen auch nicht sinnvoll. Das Problem einer medienhistorischen Arbeit ist es hingegen, über keine systematischen Erhebungsinstrumente zu verfügen.56 Den Gütekriterien einer kommunikationswissenschaftlichen Studie hält diese Arbeit zwangsläufig nicht stand, weil ein Großteil der Akteure bereits verstorben ist, die Quellenbasis zu inkonsistent ist und der „Schleier der Erinnerung“ der Zeitzeugen konkrete Arbeitsabläufe und detaillierte Fakten nicht mehr seriös rekonstruieren lässt.57
Die Arbeit interpretiert und versteht Medien als Konstrukteure sozialer Wirklichkeiten, in denen nicht nur Wirklichkeit abgebildet wird. Medien sind vielmehr „integraler Teil sozialer Wirklichkeiten“. Das widerspricht sich übrigens nicht mit der These des deterministischen Chaos. Medien Spiegeln nicht allein Realität, sie konstruieren Realität mit einer eigenen Agenda und sind „selbst Teil sozialer Wirklichkeiten.“58 FAZ-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Pfeifer sah das anders, weil es die Arbeit seiner Zeitung entzaubere: Zeitungen würden demnach als „Chronisten und Berichterstatter […] das Geschehen“ spiegeln.59 Man könnte es auch mit Max Frisch folgendermaßen formulieren: „Niemand weiß, was geschieht. Die Zeitungen tun nur so, als wissen sie’s von Tag zu Tag.“60 Diese Arbeit verweigert sich einem lang praktizierten Verständnis von Mediengeschichte, bestimmte Ereignisse, Prozesse oder Personen in der Rezeption eines bestimmten Mediums darzustellen. Das Politikressort ist nicht gleichzusetzen mit dem Politikteil, wahlweise auch das erste Buch oder politisches Buch genannt. Der Politikteil ist das publizistische Endprodukt der Arbeit des Politikressorts. Notwendigerweise ist in einer Geschichte des Politikressorts auch der Politikteil zumindest partiell Gegenstand der Analyse. In der vorliegenden Arbeit stehen die Akteure des Politikressorts und das Politikressort als Akteur innerhalb der Gesamtzeitung und des bundesdeutschen wie auch internationalen Mediensystems im Vordergrund. „Am Webstuhl der Zeit“ verknüpft im Wesentlichen die Analyseebenen der personenbezogenen Ebene der Journalisten mit jener der Organisationsebene, also der des Ressorts, eingebettet in die Gesamtzeitung. Dabei sieht sich die Arbeit der (historischen) Redaktionsforschung verpflichtet, die Journalismus unter dem Ordnungsrahmen konkreter Organisationsstrukturen, wie etwa Ressorts, untersucht. Sie lenkt den Blick auf Berufsethos, Identitäten, Routinen, Regelwerke, Kommunikation der Akteure untereinander.61 Manfred Rühl veröffentlichte 1969 eine wegweisende Studie, die Pioniercharakter hatte. Darin beschreibt er die Redaktion als soziale Organisation, die aus „einer Struktur von Erwartungen, aus einer elementaren Ordnungsform menschlichen Zusammenlebens“ existiere, „in die der einzelne durch sein Rollenverhalten nur partial eingebunden ist.“62 Rühl schlug einen empirischen Pfad ein und forderte eine Abkehr vom bis dahin in der Redaktionsforschung gängigen Blick auf Journalisten, der ohne weitere Umwelteinflüsse und soziale Aspekte auskam und die Redaktion mehr als geistiges und genialisches Konglomerat ansah.63 Diese Arbeit wählt einen organisationsgeschichtlichen Zugriff auf das Politikressort der FAZ und möchte einen Beitrag zur Erforschung der neuesten Mediengeschichte der Bundesrepublik leisten.
Vorgehen
Wie periodisiert man eine Ressortgeschichte der FAZ? Politische Mediengeschichte kann entweder allgemein mithilfe zeitgeschichtlich etablierter Zäsuren periodisiert werden, über Journalistengenerationen oder über medienhistorische Strukturveränderungen.64
„Am Webstuhl der Zeit“ orientiert sich an einer Eigenlogik der FAZ – an den Wegmarken der politischen Herausgeber. Der Aufbau der Arbeit folgt einem leicht gelockerten chronologischen Muster. Dabei wurde der Untersuchungszeitraum von 1949 bis 1982 in drei Teile untergliedert. Die inneren Bruchstellen dieses Triptychons markieren wesentliche personelle Umbrüche im Kollegium der politischen Herausgeber. Dass es sich dabei nahezu jeweils um Dekaden handelt, ist rein zufällig. Das erste der drei Großkapitel spinnt sich von der Gründung der Zeitung im November 1949 bis 1959: „Die (Post-)Sethe-Ära.“ Bis 1955 dominierte Paul Sethe das Ressort wie kein Zweiter. Nach seinem Abgang stand das Ressort noch lange in den Nachwehen jener Ereignisse. In diesem ersten Teil geht es um die mühsame Sortierung des Ressorts innerhalb der Gesamtzeitung, die ungeklärte politische Ausrichtung in Fragen der Westbindung und der Regierungsnähe sowie die damit verbundenen Dynamiken unter den Herausgebern. Die improvisierten Arbeitsbedingungen sind in dieser Phase ebenso Thema wie der mühsame Aufbau des politischen Korrespondentenwesens. Es folgt die vielschichtige Krise um Sethe, wobei auch Wert auf die Perspektive des Ressorts gelegt werden soll. Die sich daran anschließenden Unterkapitel behandeln die Schlüsse, die aus dem Sethe-Eklat gezogen wurden, eine neue Personalpolitik sowie die Vereinigung mit der Redaktion der Zeitschrift Die Gegenwart. Ein Abriss über die Neuerungen im Politikteil der Post-Sethe-Ära rundet den ersten Teil ab.
Unabhängig von der Chronologie folgt das Kapitel „NS-Vergangenheiten im Politikressort“. Es lenkt den Blick auf die Erfahrungen der Herausgeber und Ressortjournalisten im Dritten Reich. Das Kapitel behandelt systematisch einen biographischen Aspekt der Journalisten, der wegen seiner ihm innewohnenden Komplexität nicht beiläufig in die als „Personaltableaus“ betitelten Kapiteleinheiten eingeordnet wird. Wie belastet war die Ressortmannschaft durch den Nationalsozialismus und welcher Faktor das individuell und kollektiv Erlebte im Ressort überhaupt spielte, ist Thema dieses Kapitels.
Das zweite Großkapitel trägt die Überschrift „Die Tern-Dekade“ und behandelt die Jahre 1960 bis 1970. Jürgen Tern, de facto Sethes Nachfolger, war die prägende Führungsfigur der politischen FAZ in den 1960er Jahren – bis er 1970 entlassen wurde. Die Personalpolitik der frühen sowie der späten 1960er Jahre wird ausführlich behandelt sowie die Kooptationen der Herausgeber Nikolas Benckiser und Bruno Dechamps. Das Kapitel versucht überdies zu klären, wie die Nachrichtenredaktion dem Medienwandel begegnete und wie sich das journalistische Selbstverständnis des Ressorts in Zeiten der Spiegel-Affäre und dem Ende der Ära Adenauer entwickelte. Ein Teil des Kapitels beschäftigt sich mit den um die Mitte der 1960er Jahre beginnenden Konflikten um den dominant auftretenden Herausgeber Tern. Darüber hinaus soll es um Fragen eines Ressortkulturwandels in den späten 1960ern gehen. Dabei steht besonders eine verjüngte Nachrichtenredaktion im Fokus sowie allgemein die Rolle von Frauen im Ressort. Das Kapitel über die Kündigung Terns soll Erkenntnisse über die Stellung des Ressorts in der Gesamtzeitung zu dieser Zeit geben und behandelt den größten inneren Skandal der FAZ-Geschichte – aus Sicht des Ressorts. Finalisiert wird die „Tern-Dekade“ durch die Restaurationen nach Tern, einem konservativen Aufbegehren und der Einsetzung einer neuen Führungsriege im Ressort um Fritz Ullrich Fack und Heinz Stadlmann.
Es folgt ein allgemein angesetztes Kapitel über die politischen Auslandskorrespondenten: „‚Königreiche‘: Das politische Korrespondentenwesen“. Hier dreht es sich um Arbeitsumstände, Privilegien und Probleme der über den Globus verstreuten Ressort-Elite. Darüber hinaus wird das Zusammenspiel der politischen Auslandskorrespondenten mit der Zentrale untersucht sowie die sich aus der isolierten Arbeitssituation ableitenden Konfliktfelder. Es ist ein Kapitel, das allein schon aus Gründen inhaltlicher Ästhetik eine Ausgliederung aus der üblichen Chronologie verdient hat, da die Auslandskorrespondenten selbst nie wirklich Teil der Zentrale waren, sondern Solitäre.
Das dritte Großkapitel behandelt die Jahre 1971 bis 1982 mit dem Titel: „Das ‚lange‘ Oppositionsjahrzehnt“. Hierbei geht es um die strukturelle Reformierung des Ressorts hin zu einer und tragfähigen publizistischen Opposition entgegen dem sozial-liberalen Zeitgeist unter der Führung von Johann Georg Reißmüller und Fritz Ullrich Fack. Dieser Transformationsprozess soll untersucht werden anhand der neuen personellen Konstellationen im Ressort, der damit einhergehenden politischen Homogenisierung im Ressort, den neuen Arbeitsweisen und den Herausgeberwechseln. Weiter geht es um die Frage, wie der innere Diskurs um die Rolle der FAZ als kritische Opposition vonstatten ging und wie man sich von anderen Medien sowie vom hauseigenen Feuilleton dabei abgrenzte. Letzte Betrachtungen werfen personelle und inhaltliche Facetten auf das Ende der Ära Welter.
Die drei Großkapitel sowie die beiden weniger umfangreichen Einheiten werden jeweils durch kurze Fazit-Bemerkungen zusammengefasst und damit abgerundet. „Eine Bilanz der Ära Welter“ soll dann zum Ende der Arbeit gezogen werden und die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchungen bündeln.
Redaktionskonferenz vom 11. Januar 1979, in: FAZ-Archiv, Redaktionskonferenzen-Protokolle 1.1.1978–30.9.1981, S. 1.
Die Arbeit versteht den Begriff der Medienöffentlichkeit als die über den politischen Journalismus der FAZ vermittelte Kommunikation über politische Sachverhalte, Themen und Köpfe. Vgl. Christina von Hodenberg, Konsens und Krise. Eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit 1945–1973 (Moderne Zeit. Neue Forschungen zur Gesellschaft- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts 12), Göttingen 2006 (=Konsens und Krise), S. 7.
Vgl. Otto Groth, Geschichte der deutschen Zeitungswissenschaft. Probleme und Methoden, München 1948, S. 339f.
Audio-CD im Privatbesitz von Ernst-Otto Maetzkes Sohn Heinrich Maetzke.
Johann Wolfgang von Goethe, Faust. Eine Tragödie, in: Johann Wolfgang Goethe, Werke in zwei Bänden, Zweiter Band, hg. v. Herbert Reinoß unter Mitwirkung v. Wolfdietrich Rasch, Gütersloh 1982, S. 563–680, hier: S. 580.
Die als Bleiwüste oft verschriene FAZ erhält aus Gründen innerer Ästhetik auch eine Bleiwüste in ihrer hier vorliegenden historischen Analyse.
Zum wissenschaftlich problematischen, weil schwer messbaren, jedoch anerkannten Begriff der „Qualitätszeitung“: Johannes Raabe, Art. Qualitätszeitungen, in: Günter Bentele/Hans-Bernd Brosius/Otfried Jarren (Hgg.), Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft, 2. überarbeitete und erweiterte Aufl., Wiesbaden 2013, S. 288; aktuelle Forschungsperspektiven hierzu vgl.: Annika Geuß, Qualität im Journalismus. Eine Synopse zum aktuellen Forschungsstand (Bamberger Beiträge zur Kommunikationswissenschaft 8), Bamberg 2018.
Vgl. Jürgen Wilke, Leitmedien und Zielgruppenorgane, in: Jürgen Wilke (Hg.), Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Köln 1999, S. 302–329.
Jan Reifenberg an Viktor Muckel, 6.2.1968, in: FAZ-Archiv, Anerkennungen 1.8.1965–31.12.1985.
Medialisierung definiert im geschichtswissenschaftlichen Sinn einen Prozess, der eine fortschreitende Anpassung politischen Handelns und Kommunizierens an Medienlogiken meint. Vgl. Christoph Classen/Klaus Arnold, „Von der Politisierung der Medien zur Medialisierung des Politischen? Zum Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Politik im 20. Jahrhundert“, in: Christoph Classen/Klaus Arnold (Hgg.), Von der Politisierung der Medien zur Medialisierung des Politischen? Zum Verhältnis von Medien, Öffentlichkeiten und Politik im 20. Jahrhundert, Leipzig 2010, S. 11–26, hier S. 13.
Vgl. Schildt, Medien-Intellektuelle, S. 16f.
Vgl. Heinz Bonfadelli, Die Grundlagen sichten. Theorien des politischen Journalismus, in: Marlis Prinzing/Roger Blum (Hgg.), Handbuch politischer Journalismus, Köln 2021, S. 30–70.
Zum Projekt und seiner Genese: Andreas Lutsch, Tagungsbericht: Geschichte eines Leitmediums. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung von ihrer Gründung 1949 bis zur Gegenwart, 16.01.2018 Würzburg, in: H-Soz-Kult, 10.3.2018, URL: www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7599> [letzter Zugriff: 9.7.2021]; Frederic Schulz, Tagungsbericht: Geschichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1949–1992, 15.02.2019 Würzburg, in: H-Soz-Kult, 2.4.2019, URL: www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8201> [letzter Zugriff: 9.7.2021].
Peter Hoeres, Zeitung für Deutschland. Die Geschichte der FAZ, München 2019 (= Hoeres, Zeitung für Deutschland).
Hoeres, Zeitung für Deutschland, S. 422.
Vgl. ebd., S. 441f.
Maximilian Kutzner, „Zeitung für Deutschland?!“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 69 (3) 2021, S. 415–443, hier: S. 443 (= Kutzner, Zeitung für Deutschland).
Maximilian Kutzner, Marktwirtschaft schreiben. Das Wirtschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1949 bis 1992 (Medienakteure der Moderne 1), Tübingen 2019 (= Kutzner, Marktwirtschaft schreiben).
Roxanne Narz, Kultur im Widerstreit. Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1949–73 (Medienakteure der Moderne 3), Paderborn 2023 (= Narz, Kultur im Widerstreit).
Christina Schäfer, Erich Welter. Der Mann hinter der F.A.Z., Würzburg 2019 (= Schäfer, Erich Welter).
Zur Gründungsgeschichte der Zeitung: Friedemann Siering, Zeitung für Deutschland. Die Gründergeneration der ‚Frankfurter Allgemeinen‘, in: Lutz Hachmeister/Friedemann Siering (Hgg.), Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945, München 2002, S. 35–86 (= Siering, Zeitung für Deutschland); Schlumberger befasste sich in seiner Dissertation mit einer kleinteiligen Inhaltsanalyse der Kommentierung Adenauer’scher Innen- und Außenpolitik in der FAZ: Frank Schlumberger, Das Adenauer-Bild in der politischen Publizistik 1949–1955: die ‚Frankfurter Allgemeine‘ als zeitgeschichtliche Quelle, Frankfurt am Main [u.a.] 1991. Zur Genese des Falls Sethe und die gegenseitige Entfremdung Sethes und Adenauers: Arnulf Baring, Außenpolitik in Adenauers Kanzlerdemokratie. Bonns Beitrag zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, München/Wien 1969, S. 319–325 (= Baring, Außenpolitik in Adenauers Kanzlerdemokratie); Paul Noack, „Paul Sethe. Publizistische Opposition gegen Adenauer“, in: Josef Foschepoth (Hg.), Adenauer und die deutsche Frage, Göttingen 1990, 235–249; Hartmut Soell, Zum Problem der Freiheit des Journalisten. Aus der Korrespondenz Fritz Erler – Paul Sethe 1956/57, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 23 (1975), S. 91–105 (= Soell, Zum Problem der Freiheit); Rainer Zitelmann, Adenauers Gegner. Streiter für die Einheit, Erlangen [u.a.] 1991, S. 149–181 (= Zitelmann, Adenauers Gegner).
Volker R. Berghahn, Journalists between Hitler and Adenauer. From Inner Emigration to the Moral Reconstruction of West Germany, Oxford 2019 (= Berghahn, Journalists).
Marcus M. Payk, „… die Herren fügen sich nicht; sie sind schwierig.“ Gemeinschaftsdenken, Generationenkonflikte und die Dynamisierung des Politischen in der konservativen Presse der 1950er und 1960er Jahre, in: Franz-Werner Kersting/Jürgen Reulecke/Hans-Ulrich Thamer (Hgg.), Die Zweite Gründung der Bundesrepublik. Generationenwechsel und intellektuelle Wortergreifungen 1955–1975 (Nassauer Gespräche der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft 8), S. 43–68.
Dagmar Bussiek, Benno Reifenberg. 1892–1970. Eine Biographie, Göttingen 2011 (= Bussiek, Benno Reifenberg); Heike B. Görtemarker, Ein deutsches Leben. Die Geschichte der Margret Boveri 1900–1975, München 2005 (= Görtemarker, Ein deutsches Leben), Nicole Glocke, Peter Jochen Winters: Ein Leben als politischer Journalist im 20. Jahrhundert, Berlin 2016 (= Glocke, Peter Jochen Winters). Von Gemma Pörzgen wird eine Biografie über ihren Vater, den Moskau-Korrespondenten Hermann Pörzgen erwartet.
Vgl. u.a. Hermann Meyn, Politische Tendenzen überregionaler Tageszeitungen in der Bundesrepublik Deutschland, in: Publizistik Jg. 10/1965 (3), S. 412–423 (= Meyn, Politische Tendenzen); Udo Michael Krüger, Publizistisch bedeutsame Tageszeitungen im Bundestagswahlkampf 1976, in: Publizistik Jg. 23/1978, S. 32–57 (= Krüger, Publizistisch bedeutsame Tageszeitungen).
Vgl. u.a. Hans-Mathias Kepplinger, Zeitungsberichterstattung im Wandel, in: Jürgen Wilke (Hg.), Mediengeschichte, Köln [u.a.] 1999, S. 195–210; Ute Daniel, Beziehungsgeschichten, Politik und Medien im 20. Jahrhundert, Hamburg 2018 (= Daniel, Beziehungsgeschichten).
Vgl. Norman Domeier, Jörn Happel, Journalismus und Politik. Einleitende Überlegungen zur Tätigkeit von Auslandskorrespondenten 1900–1970, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 5 (2014), S. 389–397, hier: S. 389f.; zu einer stärkeren Beachtung der FAZ-Korrespondenten führte das allerdings nicht zwangsläufig, so findet sich in Lutz Mükkes Interviewsammlung unter 17 interviewten Auslandskorrespondenten, die zwischen den 1960er und 1980er Jahren im Dienst waren, keiner von der FAZ, vgl. Lutz Mükke, Korrespondenten im Kalten Krieg. Zwischen Propaganda und Selbstbehauptung, Köln 2014.
Julia Metger, Studio Moskau. Westdeutsche Korrespondenten im Kalten Krieg, Paderborn 2016 (= Metger, Studio Moskau).
Guido Thiemeyer, Der Journalist als Politiker. Die Polenberichterstattung von Hansjakob Stehle und die Anfänge der ‚Neuen Ostpolitik‘ der Bundesrepublik Deutschland, in: Dagmar Bussiek/Simona Göbel (Hgg.), Kultur, Politik und Öffentlichkeit, Kassel 2009, S. 469–482.
Antje Robrecht, Diplomaten in Hemdsärmeln? Auslandskorrespondenten als Akteure in den deutsch-britischen Beziehungen, 1945–1965 (Arbeitskreis Deutsche England-Forschung, Bd. 63), Augsburg 2010.
Marlis Prinzing/Roger Blum, Einleitung, in: Marlis Prinzing/Roger Blum (Hgg.), Handbuch politischer Journalismus, Köln 2021, S. 19–29 (= Prinzing/Blum, Handbuch), hier: S. 20.
Zur aktuellen Forschungslage des politischen Journalismus im 21. Jahrhundert vgl. u.a.: Kathrin Junghanns/Thomas Hanitzsch, Deutsche Auslandskorrespondenten im Profil, in: Medien & Kommunikationswissenschaft, 3/2006, S. 412–429; Erik Albaek/Arjen van Dalen/Nael Jebril/Claes H. De Vreese, Political Journalism in a Comparative Perspective, New York City 2014; Raymond Kuhn/Erik Neveau (Hgg.), Political Journalism in Transition. Western Europe in a Comparative Perspective, London 2014; Claes de Vreese/Frank Esser/David Nicholas Hopmann (Hgg.), Comparing Political Journalism. Abingdon/New York 2016.
Vgl. u.a. Hodenberg, Konsens und Krise; Peter Hoeres, Außenpolitik und Öffentlichkeit. Massenmedien, Meinungsforschung und Arkanpolitik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen von Erhard bis Brandt, München 2013; Thomas Lindenberger (Hg.), Massenmedien im Kalten Krieg. Akteure, Bilder, Resonanzen, Köln/Weimar/Wien 2006; Axel Schildt, Medien-Intellektuelle in der Bundesrepublik. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Kandzora und Detlef Siegfried, Göttingen 2020 (= Schildt, Medien-Intellektuelle).
Ab dem 23.1.1950 existieren Protokolle über die Herausgebersitzungen. Während der ersten 24 Monate sind nicht alle Herausgebersitzungsprotokolle vorhanden, die zudem nicht sonderlich umfang sind. Per Herausgeberbeschluss vom 29.7.1970 wurde dann beschlossen, nur noch Beschlussprotokolle der Herausgebersitzungen anzufertigen, und nicht länger der Verlauf der Argumentation. Nach Welters Ausscheiden 1980 wurden die Protokolle deutlich kürzer gehalten. Was in dieser Arbeit als „FAZ-Archiv“ betitelt ist, nennt die FAZ „Herausgeber- oder Redaktionsarchiv“. Die Arbeit schließt sich damit der Einfachheit halber der begrifflichen Verwendung von Peter Hoeres an.
Vgl. Axel Schildt, Medien-Intellektuelle in der Bundesrepublik. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Kandzora und Detlef Siegfried, Göttingen 2020 (= Schildt, Medien-Intellektuelle), S. 49.
Rolf Martin Korda, Business und Bürgertum, in: Michael Wolf Thomas (Hg.), Porträts der deutschen Presse. Politik und Profit, S. 81–96, hier S. 90 (= Korda, Business und Bürgertum).
Vgl. Jürgen Wilke, Redaktionsorganisation in Deutschland, in: Jürgen Wilke (Hg.), Unter Druck gesetzt. Vier Kapitel deutscher Pressegeschichte, Köln 2002, S. 9–68, hier: S. 10 (= Wilke, Redaktionsorganisation).
Tageskonferenz vom Donnerstag, 14. August 1975, in: FAZ-Archiv, Redaktionskonferenzen 1.1.1975–31.12.1977, S.
Dietrich Ratzke, der ehemalige Chef vom Dienst, gab in seinen Memoiren an, es sei erleichternd für ihn gewesen, als ihn die Herausgeber vom Archivieren der Herausgeberprotokolle im Lauf der 1970er Jahre entbunden hatten – wegen der Brisanz der darin enthaltenen Informationen; vgl. Ratzke, Weg, S. 115.
Vgl. u.a. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Alles über die Zeitung, Frankfurt am Main 1974 (= FAZ, Alles über die Zeitung [1974]; Die Erste Seite. Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland; Frankfurter Allgemeine Zeitung, Unsere Korrespondenten berichten über sich. Hg. v. Nikolas Benckiser. Mit Karikaturen von Hanns Erich Köhler, Frankfurt 1967; Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hg.), Die ersten Menschen auf dem Mond. Eine Sammlung der Berichte und Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frankfurt am Main 1969; Johann Georg Reißmüller/Robert Held (Hgg.), Bilder aus der Gegenwart. Große Reportagen, München 1987; Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hg.), Politische Köpfe 1978/1979, Frankfurt 1979; das in dieser Arbeit nicht sonderlich hervorstechende Thema der Sprachkritik im Politikressort war ein vergleichsweise häufiger Gegenstand von Veröffentlichungen, vgl. u.a. Nikolas Benckiser (Hg.), Im Gespräch mit der Sprache, Glossen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über gutes und schlechtes Deutsch, Frankfurt am Main 1960; Nikolas Benckiser (Hg.), Kritik aus dem Glashaus. Neue Glossen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über gutes und schlechtes Deutsch, Frankfurt am Main 1961; Nikolas Benckiser (Hg.), Sprache, Spiegel der Zeit Dritte Folge der Glossen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Über gutes und schlechtes Deutsch, Frankfurt am Main 1964; Nikolas Benckiser (Hg.), Modenschau der Sprache, Glossen und Aufsätze der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über gutes und schlechtes Deutsch, Frankfurt am Main 1969.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Sie redigieren und schreiben die Frankfurter Allgemeine, Zeitung für Deutschland, Frankfurt am Main 1960ff (= FAZ, Sie redigieren [1960]).
Nikolas Benckiser, Tage wie Schwestern. Ein Bericht, Frankfurt am Main 1958 (= Benckiser, Tage wie Schwestern); Margret Boveri, Verzweigungen. Eine Autobiographie, hg. v. Uwe Johnson, München 1977; Walter Henkels, Die Lage war immer so ernst. Ein Chronist erinnert sich, Düsseldorf/Wien 1982 (= Henkels, Die Lage war immer so ernst); Günther von Lojewski, Einigkeit und Recht und Freiheit … „Report“ eines deutschen Lebens, München 2000 (= Lojewski, Einigkeit); Dietrich Ratzke, Dieterchens Weg. Persönliche Episoden aus erlebter Zeitgeschichte, Berlin 2022 (= Ratzke, Weg).
Claudia Mast (Hg.), ABC des Journalismus. Ein Handbuch, 13. Auflage, (Praktischer Journalismus 1) 2018, S. 258.
Das Politikressort behandelte hingegen keine kommunalpolitischen Fragen, so ist es in deutschen Zeitungstradition üblich. Vgl. Prinzing/Blum, Handbuch, S. 21.
Anton Pelinka, Grundzüge der Politikwissenschaft, 2. Aufl., Weimar 2004, S. 21f.
Andere Nachlässe, wie etwa die der erst kürzlich verstorbenen Johann Georg Reißmüller (†2018) und Fritz Ullrich Fack (†2019) und haben bislang noch keinen Weg in ein Archiv gefunden. Sie wären basal für eine vergleichbare archivgestützte Geschichte der FAZ in den 1980er und 1990er Jahren, welche sich über die Ebene der Berichterstattung herauswagt.
Vgl. Walter J. Schütz, Die Zeitungen in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR 1945–2005, in: Martin Welke/Jürgen Wilke (Hgg.), 400 Jahre Zeitung. Die Entwicklung der Tagespresse im internationalen Kontext (Presse und Geschichte – Neue Beiträge 22), Bremen 2008, S. 467–482, hier: S. 471.
Am 1.1.1984 ging SAT.1 als erster privater TV-Sender an den Start. Im Bereich des Rundfunks war Radio Weinstraße, ebenfalls ab 1.1.1984, der erste private Radiosender. Ulrich Schulze, Von Sonntag an erweitertes Medienangebot in der Bundesrepublik, in: FAZ, 31.12.1983, S. 1; Zur Frühgeschichte der Privatfernsehsender in der Bundesrepublik: Joan Kristin Bleicher (Hg.), Programmprofile kommerzieller Anbieter. Analysen zur Entwicklung von Fernsehsendern seit 1984, Opladen 1997.
Schulz, Die Konstruktion, S. 7.
Vgl. die ähnliche Herangehensweise von Hoeres in Zeitung für Deutschland, S. 13f. Hoeres fügte hierbei noch die Erinnerungen von Zeitzeugen sowie die Wahrnehmung von „außen“ hinzu, also in anderen Medien sowie den in Luhmann’schen Sinne Funktionssystemen Politik, Kultur und Wirtschaft.
Vgl. Reinhard Koselleck, „Über die Theoriebedürftigkeit der Geschichte [1972], in: Reinhard Koselleck. Zeitgeschichten. Studien zur Historik, Frankfurt am Main 2000, S. 298–316.
Jochen Hörisch, Eine Geschichte der Medien, Vom Urknall zum Internet, Frankfurt am Main 2004, S. 177.
Mit Mikro- und Mesoebenen sind etwa theoretische Modelle zur Gatekeeper-Forschung und der Nachrichtenwerttheorie gemeint, die aufzeigen, warum Medien welche bestimmten Inhalte auswählen und versuchen kleinteilig und empirisch die Logik der Selektion zu bestimmen: Vgl. u.a. Johan Galtung/Mari Holmboe Ruge, The Structure of Foreign News. The Presentation of the Congo, Cuba and Cyprus Crisis in Four Norwegian Newspapers. In: Journal of Peace Research 2 (1965), S. 64–91; Walter Lippmann, Die öffentliche Meinung (Reprint). Bochum 1990; Benjamin Fretwurst, Nachrichten im Interesse der Zuschauer: Eine konzeptionelle und empirische Neubestimmung der Nachrichtenwerttheorie. Konstanz 2008; Winfried Schulz, Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Analyse der aktuellen Berichterstattung, 2. unv. Aufl., Freiburg i. Br./München 1990 (= Schulz, Die Konstruktion).
Stefan Frerichs, Journalismus als konstruktives Chaos, in: Martin Löffelholz/Liane Rothenberger (Hg.), Handbuch Journalismustheorien, Wiesbaden 2016, S. 191–200, hier: S. 194 (= Frerichs, Journalismus als konstruktives Chaos).
Vgl. Christiane Eilders, Journalismus und Nachrichtenwert, in: Martin Löffelholz/Liane Rothenberger (Hgg.), Handbuch Journalismustheorien, Wiesbaden 2016, S. 431–442, hier: S. 439f.
Zum Problem historischer Arbeiten auf dem Feld der Mediengeschichte und der beidseitigen Skepsis von empirischer Kommunikationswissenschaften und Geschichtswissenschaft: Christina von Hodenberg, Expeditionen in den Methodendschungel. Herausforderungen der Zeitgeschichtsforschung im Fernsehzeitalter, in: Journal of Modern European History 10, 2012/1, S. 24–48, hier: S. 26f.
Zum Begriff des Schleiers der Erinnerung: Johannes Fried, Der Schleier der Erinnerung. Grundzüge einer historischen Memorik, München 2004.
Frank Bösch, Mediengeschichte. Vom asiatischen Buchdruck zum Computer (Historische Einführungen 10). 2. Aufl., Frankfurt am Main 2019, S. 7; Vgl. Frank Bösch/Annette Vowinkel, Mediengeschichte, in: Frank Bösch/Jürgen Danyel (Hgg.), Zeitgeschichte. Konzepte und Methoden, Göttingen 2012, S. 370–390.
Hans-Wolfgang Pfeifer, Zeitungen in Hessen, in: Hans-Wolfgang Pfeifer/Siegfried Quant (Hgg.), Zeitungslandschaft Hessen. Prozesse, Profile, Perspektiven, S. 9–66, hier S. 9.
Max Frisch, Montauk, Frankfurt am Main 1975, S. 36.
Vgl. u.a. Michael Brüggemann, Journalistik als Kulturanalyse. Redaktionskulturen als Schlüssel zur Erforschung journalistischer Praxis“, in: Olaf Jandura/Thorsten Quandt/Jens Vogelgesang (Hgg.), Methoden der Journalismusforschung, Wiesbaden 2011, S. 47–65; Klaus-Dieter Altmeppen, Redaktionen als Koordinationszentren. Beobachtungen journalistischen Handelns, Opladen 1999.
Manfred Rühl, Die Zeitungsredaktion als organisiertes soziales System, 2. Aufl., Freiburg 1979, S. 13.
Ebd., S. 45–48; Rühl grenzte sich damit stark von Otto Groth und Emil Dovifat, den Begründern der Zeitungswissenschaft in Deutschland ab (vgl. u.a. Otto Groth, Die Zeitung. Ein System der Zeitungskunde (4 Bd.), Mannheim/Berlin/Leipzig, 1928–1930; Emil Dovifat, Die Zeitungen, Gotha 1925; ders. Wege und Ziele der zeitungswissenschaftlichen Arbeit, Berlin 1929.
Zeitgeschichtliche Zäsuren finden meist in Überblickswerken statt wie von u.a. Konrad Dussel, Deutsche Tagespresse im 19. und 20. Jahrhundert, 2. erw. Aufl., Berlin 2011 (= Dussel, Deutsche Tagespresse); Journalistengenerationen bestimmen maßgeblich die Gliederung in: Hodenberg, Konsens und Krise; medienhistorische Strukturveränderungen finden u.a. statt bei: Heinz Pürer/Johannes Raabe, Presse in Deutschland. 3. Aufl., Konstanz 2007.