Krise und Trauma

Zur Psychosoziologie kollektiver Gewalt im Nationalsozialismus

Militärische Niederlage, Revolution, Versailles, soziale Unruhen, Hyperinflation und schließlich die Weltwirtschaftskrise – diese Anhäufung negativer Erfahrungen war für viele Zeitgenossen traumatisch. Hitler und die Nationalsozialisten schienen eine Auflösung zu bieten, indem sie versprachen, Deutschland wieder stark zu machen und es, von äußeren Fesseln und inneren Feinden befreit, zur Großmacht zu führen. Doch es war die falsche Therapie. Statt der Auseinandersetzung mit der Realität konstruierte man irrationale Mythen und paranoide Feindbilder. Um für einen neuen Waffengang gewappnet zu sein, brauchte man ein geeintes und geschlossenes, von inneren Feinden gereinigtes Volk mit Menschen, die von einem neuen Rassenbewusstsein getragen waren, das sie stark und unbesiegbar machen sollte. Mit dem Krieg verselbständigten sich die irrationalen Momente dieser Therapie. Je mehr sich die Realität den Erwartungen widersetzte, desto mehr schlug der Wunsch nach Stärke in Vernichtungswahn um.
Military defeat, revolution, Versailles, economic crises – this accumulation of negative experiences was traumatic for many contemporaries. The National Socialists seemed to offer a resolution by promising to make Germany strong again. But instead of confronting reality, they constructed irrational myths and paranoid images of enemies, which unleashed fantasies of omnipotence and annihilation.

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Hans-Christian Harten war Professor für Soziologie der Erziehung und Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie für Historische Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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