Literatur und Kultur im Deutschland der Frühen Neuzeit

Gesammelte Studien

Autor:in:
Die politisch ›verspätete Nation‹ (Helmuth Plessner) ist auch literarisch ein Nachzügler. Drei Jahrhunderte nationalsprachiger Literatur liegen hinter den westeuropäischen Kulturnationen, bevor Deutschland zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Anschluss an die weitfortgeschrittenen Nationen der Romania, Englands und der Niederlande findet.
Zwischen Celtis und Lessing wird mehr als dreihundert Jahre unter dem Einfluss der Antike und der europäischen Renaissance gedacht und gedichtet. Der ständige Vergleich mit den europäischen Vorgängern macht die geschichtliche Rekonstruktion der deutschen frühneuzeitlichen Literatur zu einem faszinierenden Kapitel europäischer Kulturgeschichte. Die vorliegenden Essays beschreiben diesen Weg in der einzig gemäßen Art: als Formanalyse einzelner Werke. Ob es um die calvinistisch beeinflusste Formation der deutschen Literatur oder ihre Stellung im historischen Kontext der Deutschen, die Assimilation der europäischen Arkadienutopie im deutschen Gewande, die Stellung des frühneuzeitlichen Autors im Spannungsfeld von Stadt und Hof, Zunftbürgertum und Patriziat, Adel und Fürstentum geht – immer tritt die spezifisch deutsche Variante im europäischen Kontext nur durch den Blick über die Grenzen hervor.

Unsere Preise:

Preliminary Material
Seiten: 1–7
Vorwort
Seiten: 9–15
›Von europäischer poeterey‹
Sprachen- und Literatur-Politik im Europa der Frühen Neuzeit
Seiten: 17–42
Die europäische Literatur unter dem Stern des Calvinismus
Zum Entwurf eines kulturgeschichtlichen Projekts
Seiten: 43–58
Literatur im Zeitalter des Konfessionalismus
Zum Kontext der nationalliterarischen Bewegung um 1600
Seiten: 59–68
Linker Nationalismus in Deutschland?
Eine Betrachtung unter dem Aspekt des nationalliterarischen Aufbruchs im frühneuzeitlichen Europa
Seiten: 69–79
›Sub specie theatri‹
Zur nationalen Ausdifferenzierung einer kulturellen Neuschöpfung im Europa der Frühen Neuzeit
Seiten: 81–98
Städtische Literatur
Ein lexikalischer Aufriß
Seiten: 99–112
Gibt es eine bürgerliche Literatur im Deutschland des 17. Jahrhunderts?
Eine Stellungnahme zu Dieter Breuers gleichnamigem Aufsatz
Seiten: 113–121
Stadt-Kultur und Barock-Begriff
Zur Kritik eines Epochenbegriffs am Paradigma der bürgerlichgelehrten humanistischen Literatur des 17. Jahrhunderts
Seiten: 123–149
Europäisches Barock und deutsche Literatur des 17. Jahrhunderts
Zur Epochenproblematik in der internationalen Diskussion
Seiten: 151–182
Stadt und Literatur im alten deutschen Sprachraum
Umrisse der Forschung – Regionale Literaturgeschichte und kommunale Ikonographie – Nürnberg und Johann Helwigs Nymphe Noris als Paradigma
Seiten: 183–261
›Teutscher Olivenberg‹
Die städtische Literatur des 17. Jahrhunderts auf ihrem Zenit im festlichen Nürnberg
Seiten: 263–298
Literatur in der Stadt – Bilder der Stadt in der Literatur
Eine europäische Revue
Seiten: 299–320
Schäfer-, Landleben- und Idyllendichtung
Ein lexikalischer Aufriß
Seiten: 321–339
Anfänge der Erzählkunst im Deutschland des 17. Jahrhunderts
Opitz’ Schäfferey Von der Nimfen Hercinie als Ursprung der Prosaekloge und des Schäferromans in Deutschland
Seiten: 341–387
Das Erbe Opitzens im hohen Norden
Paul Flemings Revaler Pastoralgedicht
Seiten: 389–402
Pastoraler Petrarkismus und protestantisches Bürgertum
Die Schäferlyrik Johann Rists und Jakob Schwiegers
Seiten: 403–428
Pastorale Aufrichtigkeit
Ein Blick in Harsdörffers und Klajs Pegnesisches Schäfergedicht
Seiten: 439–455
Utopia
Zur Naturdichtung der Frühen Neuzeit
Seiten: 457–473
Die Naturform der Poesie im Zeitalter des Naturrechts
Der Aufstieg der Gattung ›Idylle‹
Seiten: 475–483
Idylle und Revolution
Zum Abschluß einer zweitausendjährigen Gattungstradition im Zeitalter der Aufklärung
Seiten: 485–511
›Verkehrte Welt‹ in Arkadien?
Paradoxe Diskurse im schäferlichen Gewande
Seiten: 513–535
Der Autor im 17. Jahrhundert
Drei Porträts: Opitz – Birken – Weise
Seiten: 537–554
Eine Stimme aus dem deutschen Südwesten
Julius Wilhelm Zincgref und der Aufbruch in Heidelberg um 1600
Seiten: 555–562
Dichter – Kulturpolitiker – Diplomat
Der ›Vater der deutschen Dichtung‹ Martin Opitz
Seiten: 563–639
Statthalter der Poesie im Norden Deutschlands
Ein Porträt Johann Rists
Seiten: 641–668
Lyrisches Ingenium im Kontext der sächsischen Liedtradition
Ein Porträt Paul Flemings
Seiten: 669–685
Städtischer Ordenspräsident und höfischer Dichter
Zur Physiognomie des Nürnberger Dichters Sigmund von Birken
Seiten: 711–736
Private literarische Gebrauchsformen im 17. Jahrhundert
Autobiographika und Korrespondenz Sigmund von Birkens
Seiten: 737–761
Auf dem langen Wege zur Edition eines Großschriftstellers
Ein Autoren- und Werk-Porträt Sigmund von Birkens nebst einer forschungsgeschichtlichen Retrospektive
Seiten: 763–882
Zur Statuskonkurrenz von Adel und gelehrtem Bürgertum im politischen Schrifttum des 17. Jahrhunderts
Veit Ludwig von Seckendorffs Teutscher Fürstenstaat und die deutsche ›Barock‹-Literatur
Seiten: 883–906
Der deutsche Sonderweg
Gedanken zu einer kleindeutsch-calvinistischen Alternative
Seiten: 907–917
Zentraleuropäischer Calvinismus und deutsche ›Barock‹-Literatur
Zu den konfessionspolitischen Ursprüngen der deutschen Nationalliteratur
Seiten: 919–954
Die deutsche Nationalliteratur des 17. Jahrhunderts im historischen Kontext der Deutschen
Ein humanistisches Projekt der Frühen Neuzeit und seine zwiegesichtige Nachgeschichte in der Moderne
Seiten: 955–993
Klaus Garber, geboren 1937 in Hamburg, ist Professor für Literaturtheorie und Geschichte der Neueren Literatur an der Universität Osnabrück und Direktor des dortigen Interdisziplinären Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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