Unschuld

Das verfolgte Ideal

著者:
Ach, die Unschuld des Kindes! Sie entzückt uns, obwohl wir wissen, dass sie ins Zwielicht des Erwachsenseins treten und korrumpiert werden wird. Sie ist uns Leitfaden und Quelle, wenn wir nach dem Ursprung streben. Traumwandlerisch folgen wir ihr. Aus ihr schöpfen wir, auf sie rich- tet sich unsere Paradieses-Sehnsucht.
Kommt es daher, dass wir die Unschuld auch gerne verfolgen, ihr nachstellen, um sie zu beschädigen? Ja, denn ihre Reinheit beschämt uns. Sie macht uns böse, sobald wir an uns herunterblicken. Wir fühlen uns beschmutzt. Wir fühlen die Schuld, die daraus erwächst, dass wir leben.
Deshalb bedürfen wir der Unschuld zusätzlich als ethischer Größe und Rechtsfigur. Sie verteidigen wir, ohne uns nach ihr zu sehnen. Sie ist der kalte Ersatz jenes Gnadenstands, den wir als Zustand unseres unbeschädigten Wesens phantasieren: unserer Natur »vor dem Sündenfall«. Strasser geht den Wegen nach, den Holz-, Um- und Abwegen der Unschuld, dieses verfolgten Ideals. Auf ihnen wandeln Adam und Eva ebenso wie Parzival und Don Quichotte, die Heiligen und die Schwulen, die Unschuld vom Lande und der Sanftmensch des Rudolf Steiner. Sie alle tragen die Urschrift der Schöpfung, das unschuldig Böse und die Bedürftigkeit nach Erlösung in sich.

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Preliminary Material
页码: 1–5
An den geneigten Leser
页码: 7–9
Das Ideal der Unschuld
页码: 11–21
Die Menschwerdung
页码: 23–35
Ohne Urschrift – die sekundäre Welt
页码: 37–51
Das Mal der gefallenen Unschuld
页码: 53–70
Die falsche Unschuld des Neomythos
页码: 71–78
Der Baum des Lebens
页码: 79–99
Die größte Einsamkeit
页码: 101–115
Das Leben einbläuen
页码: 117–126
Das unschuldig Böse
页码: 127–141
Wie Sonnenstrahlen durch ein Glas
页码: 143–153
Und sie erkannten einander
页码: 155–169
Die Sehnsucht nach der Urschrift
页码: 171–178
Anmerkungen
页码: 179–184
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