Kritische Rationalität und Verstehen

Beiträge zu einer naturalistischen Hermeneutik

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Die hier vorgelegte Arbeit enthält drei inhaltlich zusammenhängende erkenntnistheoretische Untersuchungen über Probleme des Verstehens und Interpretierens von Rede und Text. Das Ziel der Untersuchungen besteht jeweils darin, die von unterschiedlichen Autoren vorgebrachten Behauptungen einer erfahrungsunabhängigen Geltung der Prinzipien des Verstehens und Interpretierens einer eingehenden Prüfung zu unterziehen – sei es im Zusammenhang mit der im Rahmen der Sozialen Erkenntnistheorie geführten Diskussion über den Status von menschlichen Zeugnissen, sei es in Form einer Kritik des von Karl Popper im Kontext seiner Situationslogik vertretenen Rationalitätsprinzips oder auch in der eingehenden Analyse der Argumente, die von analytischen Philosophen zugunsten einer erfahrungsunabhängigen Geltung des principle of charity vorgebracht wurden. Diese kritische Ausrichtung der Arbeit im Sinne der Zurückweisung der genannten Behauptungen hat jedoch auch eine konstruktive Dimension: Sie zeigt die Möglichkeit einer naturalistischen Hermeneutik, d.h. einer Verstehenslehre, die konsequent auf die Beanspruchung apriorischen Wissens verzichtet.

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Jan M. Böhm (geb. 1971), M.A., Dr. phil.; Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Soziologie in Münster und Tübingen. Lehrtätigkeit im Fach Philosophie an den Universitäten Münster und Duisburg-Essen. Promotion an der Universität Düsseldorf. Arbeitsschwerpunkte: Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Hermeneutik, Methodologie der Sozial- und Geisteswissenschaften, politische Philosophie. Veröffentlichungen: Sozialisation und Persönlichkeit (Gießen 1998, gemeinsam mit Claudia Hoock), Aufsätze u.a. zur Hermeneutik und zu Methodenproblemen der Sozialforschung. Herausgeber der Zeitschrift für Humanistische Sozialwissenschaft (ZfHS, 1996-1999) sowie von kontrapunkt – Jahrbuch für kritische Sozialwissenschaft und Philosophie.
Nach einer durchschlagenden Kritik von Versuchen, Prinzipien des Verstehens zu formulieren, die keiner empirischen Prüfung bedürfen, skizziert der Autor im Rahmen des kritischen Rationalismus eine naturalistische Hermeneutik, die geeignet ist, die Probleme des Verstehens und der Interpretation zu lösen. Die souveräne Behandlung der Probleme und die Klarheit und Folgerichtigkeit der Gedankenführung machen das Buch zu einem wichtigen Beitrag zur Grundlagenproblematik der Geistes- und Sozialwissenschaften. – Hans Albert
Vorwort
Einleitung
1. Teil: Das Zeugnis anderer – Eine Quelle gerechtfertigter wahrer Meinung?
2. Teil: Karl Poppers Theorie objektiven Verstehens (Situationslogik)
3. Teil: Über die ,Notwendigkeit’ von Rationalitäts- und Wahrheitspräsumtionen beim Verstehen
Zusammenfassende Schlußbemerkung
Literaturverzeichnis
Personenregister
Sachregister
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