Abstract
This article focuses on the question of what enabled the careers of Leonhard Thurneysser and Georg am Wald, specifically in the second half of the 16th century. The author argues that it is Paracelsian influences that shaped these careers. After briefly outlining â first â Thurneysserâs career and â second â am Waldâs career, he will demonstrate how Paracelsus and his new medical doctrine â and even more so, his reputation â played a key role in making these careers possible. In a further step, the author will examine the same biographical elements in fictionalized accounts of healer figures, particularly Salomon Trismosin, Christian Rosenkreuz, and an anonymous Rosicrucian who was reported in Wetzlar in 1615. A comparative analysis of these biographies will reveal how the historical reputation of Paracelsus is reinterpreted in these fictional narratives. The aim is to highlight the framework within which these careers unfolded, reflecting the various ways in which they were shaped by Paracelsian thought.
1 Leonhard Thurneysser
Die schillernde Karriere Leonhard Thurneyssers ist mehrfach beschrieben worden.1 1531 in Basel als Sohn eines Goldschmieds geboren, erlernt er das väterliche Handwerk in dessen Werkstatt. 1547 beginnt er eine mehrjährige Wanderschaft, teilweise als Soldat. 1553 ist er wieder in Basel und heiratet eine vermögende Witwe, muss aber bereits gegen 1560 auf der Flucht vor seinen Gläubigern Basel wieder verlassen. Die Ehe wird 1563 geschieden, Thurneysser leitet jetzt Bergwerke und eine Schmelzhütte in Tarrenz (Tirol). Er schlieÃt eine zweite Ehe und unternimmt im Auftrag des Erzherzogs von Ãsterreich weite Reisen, angeblich bis nach Schottland und Ãgypten. Nachweislich war er auf jeden Fall in Portugal, denn handschriftlich erhalten ist seine Beschreibung der dortigen Flora, Fauna und Geographie, einschlieÃlich einer Beschreibung der schwarzen Sklaven, mit denen er dort in Kontakt kam.2 Nach seiner Rückkehr beginnt er mit dem Wiederaufbau der abgebrannten Schmelzhütte in Tarrenz. 1569 ist er in Münster, um seine beiden ersten Publikationen, die Archidoxa und die Quinta essentia, drucken zu lassen. Unzufrieden mit der Leistung des Druckers begibt er sich nach Frankfurt an der Oder, um den Druck dort selbst zu überwachen. Er begegnet dem brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg, kann dessen erkrankte Gattin durch eine Kur heilen und wird daraufhin von diesem 1571 als kurfürstlicher Leibarzt eingestellt.
Damit beginnt eine steile Karriere. Nicht nur ist er von nun an für die Gesundheit des Kurfürstenpaars zuständig, sondern der Kurfürst ermöglicht ihm mit der Ãberlassung des Grauen Klosters in Berlin die Gründung eines pharmazeutischen Unternehmens und einer Druckerei. Thurneysser kann damit nicht nur die Archidoxa und die Quinta essentia so drucken, wie es seinen Vorstellungen entspricht, sondern gleichzeitig auch noch die Heilmittel herstellen und verkaufen, die in diesen Werken angepriesen werden. Zudem entwickelt er in Berlin eine neue Technik des Harnprobierens, die er ebenfalls in einem Buch erklärt. Diese Technik ist äuÃerst erfolgreich. In den folgenden Jahren wird ihm der Urin eines zumeist adligen Patientenkreises aus ganz Europa zugesendet. Thurneysser analysiert diesen Urin und schickt die von ihm verschriebenen und hergestellten Medikamente an die Patienten zurück, so dass er im Grauen Kloster gleichzeitig die Funktionen des Laboranten, Arztes, Pharmakologen und Apothekers in einer Person ausübt.
Neben Heilmitteln im engeren Sinne entwickelt und verkauft Thurneysser auch das, was man heute Pflege- und Schönheitsprodukte nennen würde, sowie Amulette und Talismane. Ebenfalls groÃer Beliebtheit erfreuen sich seine Kalender, in denen wiederum bestimmte seiner Produkte entsprechend den jeweiligen astrologischen Einflüssen spezifisch für den entsprechenden Tag angeboten werden. Zeitweise arbeiten im Grauen Kloster an die 200 Angestellte für ihn: Drucker, Schreiber, Setzer, Formschneider, SchriftgieÃer und Korrektoren in der Druckerei, Pharmazeuten und Chemiker im Labor. Von 1571 bis 1584 erwirbt Thurneysser damit ein riesiges Vermögen. Legendär sind die Berichte von seinem Auftreten, seinem Schmuck, seiner Kleidung und seinen mehrspännigen Kutschen. 1584 beginnt der ebenso plötzliche wie abrupte Abstieg. Vier Jahre zuvor, 1580, hatte Thurneysser seine dritte Frau geheiratet, wiederum eine Baslerin. Die Ehe gestaltet sich schwierig, Thurneysser schickt seine Frau zurück nach Basel und verlangt die Scheidung. Der Basler Rat lehnt ab. Es kommt zu jahrelangen juristischen Streitigkeiten, die für Thurneysser mit einem Verlust zumindest eines groÃen Teils seines Vermögens enden.3 Aus ungeklärten Ursachen flieht Thurneysser aus Berlin, konvertiert zur katholischen Kirche und zieht nach Rom. Dort kann er sich wohl bedingt erneut etablieren, jedenfalls nimmt der Kardinal Marx Sittich von Hohenems ihn als Leibarzt in seine Dienste und er kann eine Villa in Frascati bei Rom erwerben. 1596 stirbt er in Köln im Haus eines Goldschmieds.
Thurneysser hat nicht promoviert, ja nicht einmal studiert, darf sich aber âLeibmedicusâ des Kurfürsten nennen. Er kann kein Latein. Er behauptet zwar, es in seiner Berliner Zeit gelernt zu haben, genauso wie Griechisch und einige andere Sprachen, daran sind jedoch Zweifel angebracht.4 Mit dem Studium und den Lateinkenntnissen fehlen ihm die rudimentärsten Grundlagen für eine gelehrte Karriere. Dennoch entfaltet Thurneysser in seinen Berliner Jahren eine in ihrem Ausmaà einzigartige Publikationstätigkeit. Neben den beiden bereits erwähnten alchemo-pharmazeutischen Rezeptbüchern, die Archidoxa und die Quinta essentia, treten â unter anderem â ein Buch über (al)chemische Prozesse und Techniken (Magna alchymia, 1583), eine umfassende Beschreibung der Gewässer Mitteleuropas (Pison), zwei Schriften zur Uroskopie und Harnanalyse (Praeoccupatio, 1571 und Confirmatio, 1576), ein auf mehrere Bände angelegtes Werk zur Pflanzenkunde, zahlreiche Kalender und nicht zuletzt Werke, die der eigenen Verteidigung gegen gelehrte Angriffe gelten, wie sie insbesondere von akademischer Seite gegen ihn geführt wurden. Der Ruf eines Scharlatans haftet an Thurneysser genauso wie der Ruf eines vermögenden Mannes.
Am Anfang dieser Karriere stehen die Archidoxa und die Quinta essentia, die deshalb auch einen besonders deutlichen Hinweis darauf geben, worauf der Erfolg Thurneyssers gründet.5 Was an beiden Büchern zuerst auffällt, ist der drucktechnische Anspruch, der aus ihnen spricht. Es handelt sich um überdurchschnittliche Druckerzeugnisse des späten 16. Jahrhunderts, gerade angesichts der Tatsache, dass es sich im Kern um zwei Rezept- und Lehrbücher handelt, also im Grunde eine buchtechnisch sehr anspruchslose Gattung. Rezepte werden im Allgemeinen, schon in dieser Zeit, einfach als Liste gedruckt, verfasst in einer schlichten, schnörkellosen Prosa. Von beidem kann bei Thurneysser keine Rede sein. Beide Texte sind in Knittelreimen verfasst, die ihrerseits allerdings â im Falle der Archidoxa â nur die Mittelspalte eines insgesamt dreispaltigen Textes bilden. Die Knittelreime der Mittelspalte erzählen eine allegorische Himmelsreise, während die eigentlichen Rezepte sich â in verschlüsselter Form â in den Marginalien finden. Im Gegensatz zur Archidoxa erläutert die Quinta essentia ihre (al)chemischen Lehren zwar in unverschlüsselter Form (jedenfalls bis zu dem Punkt des Buches, an dem es um den Stein der Weisen geht), wird aber nicht müde, den geheimen Charakter des â gleichzeitig jedoch vermittelten â Wissens zu behaupten. Beide Bücher sind komplementär zu verstehen: die Archidoxa erläutert die astrologischen Bedingungen (al)chemisch-pharmazeutischer Rezepte, die Quinta essentia die (al)chemischen Grundlagen.
Neben die allegorische Erzählung und die in den Marginalien verschlüsselten Rezepte treten in der Archidoxa graphische Elemente. Beigegeben sind ihr dem jeweiligen Sternzeichen entsprechende Tafeln und sogenannte âÃsteâ, die als drehbare Volvellen auf den astrologischen Tafeln angebracht werden konnten (siehe Abb. 1). Auf diesen âÃstenâ sind Gemütszustände, Körperteile, Krankheiten, chemischen Substanzen, Affekte, Engel, Tiere, Pflanzen, Säfte usw. eingetragen. In der Kombination beider Elemente â nachdem er die âÃsteâ ausgeschnitten und auf den Tafeln angebracht hatte â konnte der Benutzer herausfinden, welches Medikament unter welchem Sternzeichen gegen welche Krankheit half. Die Archidoxa ersetzt damit sowohl den Astrologen wie den Arzt und Apotheker. Wenn die âÃsteâ einmal auf die Tafeln montiert waren, konnte der Käufer des Buches durch Drehung der Volvellen selbst bestimmen, welches Medikament er an welchem Tag gegen welches Leiden verwenden konnte und wie dieses Medikament chemisch zuzubereiten war. Die Geheimnisse der astro-medizinischen Pharmazeutik waren damit jedem zugänglich, der sich die Archidoxa leisten konnte.



Leonhard Thurneysser: Astrolabium. Berlin 1575
Citation: Daphnis 53, 2-3 (2025) ; 10.1163/18796583-05203028
konstruktionsweise vorgeführt am exemplar der staatsbibliothek berlin, sign. libri impr. rari fol. 641.Ãhnlich behauptet auch die Quinta essentia von sich, die Geheimnisse der (Al)Chemie allgemein zugänglich zu machen. Das erste Kapitel trägt den Titel âDie Ewige Heimligkeit redetâ. Der vorangestellte Holzschnitt (siehe Abb. 2) zeigt die Heimlichkeit personifiziert als weibliche Figur mit einem Schloss vor dem Mund, auf einer Truhe sitzend, zu der sie den Schlüssel in der rechten Hand hält. âAzotâ und âThohâ steht auf der Truhe, wobei es sich bei âAzotâ um jenes Allheilmittel des Paracelsus handelt, das langes Leben und Gesundheit verspricht. âLaudanusâ ist auf dem Schrank links oben zu lesen, womit auf das später âLaudanumâ genannte Opiumderivat verwiesen ist, das ebenfalls als eine Erfindung des Paracelsus galt und in der Folge zu einem der bekanntesten Pharmaka der paracelsischen Apotheke wurde.6 Unter den FüÃen der âHeimligkeitâ liegen De natura rerum von Paracelsus und die Archidoxa, links daneben die Quinta essentia, unter ihrem linken Arm das Herbarium, also die Bücher von Thurneysser selbst. Oberhalb der âHeimligkeitâ hängt an der Wand das Wappen Thurneyssers, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits den Adelstitel âzum Thurnâ zugelegt hat. Die Quinta essentia geben dann in der Folge eine Einführung in die neue, paracelsische Apotheke, sowohl in die ihr zugrundeliegende Anthropologie wie in die Zubereitung der Pharmaka.



Leonard Thurneysser: Quinta essentia. Leipzig 1574, S. 26: »Die Ewige Heimlichkeit redet«.
Citation: Daphnis 53, 2-3 (2025) ; 10.1163/18796583-05203028
abbildung aus dem exemplar der staatsbibliothek berlin, sign. 4 mu 2011a.Thurneysser nennt in seiner Quinta essentia den âjemmerlichenâ Zustand der zeitgenössischen Pharmazie als Grund dafür, das Buch überhaupt geschrieben zu haben. Die Apotheken müssten überprüft werden, weil sie einem alles Mögliche verkauften, ohne dass man sich auf die Qualität und behauptete Herkunft der Stoffe verlassen könne.7 Die Ãrzte ihrerseits würden ihren Patienten die aus diesen Stoffen hergestellten Pharmaka dann einflöÃen, ohne sie vorher kontrolliert zu haben. Die pharmazeutischen Substanzen dürften zudem nicht einfach nach Rezepten zusammengemischt werden, die man seit der Antike immer wieder abgeschrieben habe. Grundsätzlich aber sei die âalte Artzeneyâ, also die aus der Antike stammenden, aus pflanzlichen Stoffen hergestellten Pharmazeutika, weitaus weniger wirksam als die neuen, âaus Minerischen sachenâ hergestellten Pharmazeutika.8 Die Kräuterheilkunde der Antike sei zwar nicht zu verachten, leide aber darunter, dass sie nicht einfach auf eine andere Zeit, eine andere Region und andere Menschen übertragbar sei. Metalle dagegen seien âaller orten gleichâ und hätten eine âgrösser würckungâ âdenn alle andre ding auff Erdtâ.9
Das sind 1574 deutliche Verweise auf die neue Medizin des Paracelsus, auf die im Ãbrigen die gesamte Quinta essentia zuläuft. In der Geschichte des (al)chemischen Wissens, wie sie Thurneysser im ersten Kapitel entwickelt, bildet Paracelsus den Höhepunkt. Er sei zwar früh von Gott abberufen worden, aber âSeine schrifften ligen hie vnd dar/ | Denen man teglich starck nachtrachtâ.10 Das ist ein Verweis auf die zeitgleichen Bemühungen um eine Paracelsus-Ausgabe, wie sie dann ab 1589 von Johann Huser in Basel herausgebracht werden wird.11
Die Archidoxa und die Quinta essentia verhalten sich damit komplementär zueinander, indem die Archidoxa die astrologischen und die Quinta essentia die (al)chemischen Grundlagen der neuen paracelsischen Medizin entwickeln. Die Kombination beider Bücher soll dem Käufer eine Selbstmedikation erlauben, die sowohl den Arzt wie den Apotheker überflüssig macht. Beide Bücher hat Thurneysser später nicht mehr gedruckt, nachdem er im Grauen Kloster seine Versandapotheke aufgebaut hatte. Man könnte vermuten, dass die Idee einer Selbstmedikation, angeleitet durch die Archidoxa und Quinta essentia, überflüssig geworden war, nachdem Thurneysser im Grauen Kloster eine ökonomisch höchst rentable Versandapotheke aufgebaut hatte. Herstellung und Versand der Pharmaka waren weitaus einträglicher als der Verkauf der Bücher.
2 Georg am Wald
Wie Thurneysser stammt auch Georg am Wald aus einfachen Verhältnissen.12 Geboren wird er 1554 in Passau. In Basel immatrikuliert er sich unter dem Namen Georg am Wald, der eine adlige Abstammung suggeriert. Spätere Gegner verweisen jedoch darauf, dass am Walds Vater ein Buchführer gewesen sei, der âAmwaldâ in einem Wort geheiÃen habe und verarmt und verschuldet gestorben sei. Am Wald schlieÃt sein Jura-Studium in Basel mit dem Lizentiat ab, scheint jedoch keine juristische Karriere anzustreben, denn bereits 1577 hatte er sich in Padua immatrikuliert, wo er kurz darauf zum Doktor der Philosophie und Medizin promoviert wurde. Da der Titel ihm jedoch nur von einem Pfalzgrafen verliehen wurde, angeblich am Tag nach seiner Ankunft in Padua, haftete ihm der zweifelhafte Ruf eines âDoctor bullatusâ an, d. h. eines Doktortitels, der ohne vorherige Prüfung verliehen wurde.13 Nach einem Aufenthalt in Memmingen, wo er heiratet, zieht er 1580 nach Donauwörth, das er allerdings verlassen muss, nachdem ihm der dortige Pfarrer vorgeworfen hatte, âdie Leut mit seinem Curieren schändlich [zu] verderben.â 1583 versucht am Wald, sich in Augsburg als Arzt niederzulassen, sein Paduaner Doktorat wird jedoch als Voraussetzung für eine ärztliche Tätigkeit nicht anerkannt. Einem Collegium Medicum, das am Wald einem Examen unterziehen soll, verweigert er sich.
Er kehrt zurück nach Donauwörth, söhnt sich mit dem dortigen Pfarrer aus und lässt sich als Arzt nieder. Er darf sich jetzt âbestalter Physicusâ der Reichsstadt Donauwörth nennen und beginnt mit dem Vertrieb seiner âterra sigillata vnd vniuersal Artzeneyâ. 1581 erscheint in St. Gallen der Bericht vnd Erklerung [â¦] Wie vnd was gestalt das new von jm erfunden Terra Sigillata vnd vniuersal Artzeney sei. Insgesamt listet am Wald schon auf dem Titelblatt dieses Berichts an die dreiÃig Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen (wie man das heute nennen würde) auf, gegen die seine Universalmedizin helfen soll, darunter immerhin die Pest, die Syphilis und die Gicht, aber etwa auch Seitenstechen und Gedächtnisverlust.
1590 wird am Wald in Donauwörth wegen Umtrieben gegen die religiöse Ordnung entlassen. Er zieht nach Schwabach und widmet sich von hier aus dem Vertrieb seines jetzt âPanacea Amwaldinaâ genannten Universalarzneimittels, nach eigener Aussage basierend auf einer verbesserten Rezeptur der âterra sigillataâ. Das Mittel ist sehr erfolgreich, denn schon 1592 hat am Wald so viel verdient, dass er Schloss Thürnhofen bei Feuchtwangen erwerben kann. Ab jetzt führt er den Adelstitel âauf Dürnhoffâ und legt sich (wie Thurneysser) ein Wappen zu. 1591, 1592, 1594, 1596 und noch einmal 1601 erscheint sein immer wieder erweiterter Bericht über die âPanacea Amwaldinaâ. Die Krankheiten, die am Wald damit kurieren zu können behauptet, sind inzwischen auf über hundert angewachsen. Der Verkauf scheint zu funktionieren, denn am Wald kann noch 1605 seinen Besitz in Thürnhofen erweitern.14 1616 stirbt er dort.
Anders als im Falle von Thurneysser basiert das Geschäftsmodell am Walds auf einem einzigen Medikament. Im Unterschied zu Thurneysser verfasst am Wald auch keine pharmazeutischen Rezeptbücher, in denen er behauptet, sein Wissen mitzuteilen. Im Gegenteil, am Wald hat die Rezeptur seines Universalmedikaments gerade nicht preisgegeben, wenn er auch die Grundidee in einigen Sätzen erklärt. Diese Grundidee lautet: Es gibt einen âLebensgeistâ (spiritus vitae) im menschlichen Körper, dessen Schwächung letztlich für alle Krankheiten verantwortlich ist. Stärkt man diesen Lebensgeist â wie er es von seiner âPanaceaâ behauptet â, kann man auch alle Krankheiten heilen.15
Am Walds Bericht ist zur einen Hälfte Werbebroschüre, zur anderen Hälfte entspricht er dem, was heute die Packungsbeilage eines Medikaments bildet, d. h. er erklärt, gegen welche Krankheiten die âPanaceaâ hilft und wie sie jeweils einzunehmen ist. Dieser Einsatz des Buchdrucks â als Werbebroschüre und Packungsbeilage â ist 1581 durchaus eine innovative Idee.16 Ãber die Hälfte des Berichts besteht aus Zuschriften, die am Wald aus dem ganzen Reich erhalten hat und die die Wirkung der âPanaceaâ belegen. Für den Erfolg dürften diese Zuschriften von groÃer Bedeutung gewesen sein, denn hier werden namentlich diejenigen genannt, die mit der âPanaceaâ geheilt worden waren.17 Darunter finden sich Adlige, Geistliche, Akademiker und Bürger. Es sind Berichte von plötzlichen Heilungen und wundersamen Besserungen, teils nach langer Krankheit. Auch hier scheinen es, wie bei Thurneysser, insbesondere die Höfe zu sein, über und durch die sich der Siegeszug der âPanacea Amwaldinaâ vollzieht. Von Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt ist brieflich überliefert, dass er mit dem Gedanken gespielt hat, eine gröÃere Menge der âPanaceaâ zu erwerben, um sie kostenlos an Arme zu verteilen.18
Gelehrte Einsprüche können dem Erfolg der âPanaceaâ nichts anhaben. Schon 1593 hatte Johannes Posthius darauf hingewiesen, dass die âPanaceaâ Schwefel und Quecksilber enthalte, und dem Nürnberger Rat empfohlen, sie verbieten zu lassen.19 Ãhnlich lautet das viel ausführlicher begründete Urteil, zu dem ein Jahr später Andreas Libavius kommt, nachdem er eine eigene, chemische Analyse durchgeführt hat, mit demselben Ergebnis wie Posthius.20 Libavius bestreitet nicht nur der âPanaceaâ jede Wirkung, sondern macht sich auch über am Walds Lateinkenntnisse lustig, das fingierte Adelsprädikat und den âDoctor bullatusâ.21 Vor allem aber ist es der geldgierige âKrämerâ22 und Betrüger, gegen den Libavius zu Felde zieht. Wer wirklich heilen wolle, so Libavius, der müsse die Zusammensetzung seiner Medikamente öffentlich machen und damit nicht nur Geld verdienen wollen.23 Am Wald reagiert auf Libavius mit mehreren Gegenschriften und weiteren Zeugnissen, die die Wirkung seiner âPanaceaâ bestätigten. Ãkonomisch geschadet haben ihm die Einsprüche von Posthius und Libavius scheinbar nicht.
Ãhnlich wie Thurneysser beruft sich am Wald für seine Universalmedizin auf Paracelsus und dessen neue, (al)chemisch hergestellte Pharmazeutika. Deutlich genug heiÃt es in am Walds Bericht, seine âPanaceaâ sei âAstralisch vnd auffs höchst durch die Spagyrisch/ Chymistisch vnd Scheydkunst gereinigetâ.24 Zwar bezeichnet sich am Wald als Freund sowohl Galens als auch Paracelsusâ,25 gleichzeitig aber brüstet er sich damit, âauch die aller beschwerlichsten Kranckheiten/ so man in der Schul Galeni für vnheilbar gehalten/ vnd noch halten thutâ, kurieren zu können.26 An anderer Stelle heiÃt es, er hätte seine Kunst nicht von Paracelsus, sondern wäre durch Gebet und âNachdenckenâ zu denselben Ergebnissen wie dieser gekommen.27
Wie auch immer es sich mit diesem âNachdenckenâ verhält: Der ökonomische Erfolg von am Walds âPanaceaâ beruht, wie bei Thurneysser, auf einem neuen, (al)chemisch hergestellten Medikament, das unter Umgehung der lokalen Ãrzte und Apotheker unmittelbar vom Hersteller versandt wird. Der Selbstversand seiner âPanaceaâ ist am Wald so wichtig, dass er ihn â zusammen mit dem Preis â gleich im ersten Satz seines Berichts als einzige Bezugsmöglichkeit nennt.28 Die genauen Dosierungsanleitungen des Berichts erlauben die Selbstmedikation des Patienten. Der lokale Apotheker ist damit auch hier, wie bei Thurneysser, als vermittelnde Instanz zwischen dem vom Arzt ausgestellten Rezept und dem Patienten ausgeschaltet und der Pharmazeut â der gleichzeitig als Arzt fungiert â kann den gesamten Gewinn allein abschöpfen. Die technische Möglichkeit für dieses Geschäftsmodell ist damit erstens der Buchdruck und zweitens die Etablierung eines Postwesens, wie sie sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollzieht.29
Die Ausschaltung der Apotheken ist dabei insofern programmatisch, als sowohl Thurneysser wie am Wald nicht nur die überhöhten Preise der Apotheker beklagen, sondern vor allem deren Unfähigkeit bei der Herstellung der neuen, âspagyrischenâ, nämlich (al)chemisch hergestellten Medikamente. Zumindest in diesem Punkt â dass die Apotheker die neuen, (al)chemischen Techniken der Herstellung von Medikamenten nicht beherrschten â hatten Thurneysser und am Wald einen Punkt getroffen. Die Ausbildung in diesen Techniken setzte sich erst mit der zunehmenden Etablierung der paracelsistischen Medizin durch. 1609 wird in Marburg auf Drängen und auf Kosten des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel der erste Lehrstuhl für Chemie an einer europäischen Universität eingerichtet.30 Was die Studenten dort im Labor lernten (nachdem sie eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet hatten), waren genau die Techniken, deren mangelnde Beherrschung am Wald beklagte. Georg Molther, Stadtarzt in Wetzlar â auf den noch zurückzukommen sein wird â gehört zu den ersten Absolventen dieses Studiengangs.31
3 Paracelsus als Vorbild und Modell
Die Abhängigkeit von Paracelsus geht bei Thurneysser und am Wald jedoch viel weiter. Wir haben es mit zwei frühen Epigonen zu tun, die die medizinischen, pharmakologischen Innovationen des Paracelsus ökonomisch nutzbar machen, gleichzeitig aber vor allem den Paracelsismus als alternative Medizin gegen die âSchulmedizinâ der Zeit in Stellung bringen. Beide brüsten sich ihrer Opposition gegen diese âSchulmedizinâ und übernehmen damit eine Haltung, die bereits Paracelsus selbst stark ausgeprägt hatte. Durchaus analog zu modernen Strömungen einer âalternativen Medizinâ32 grenzen Paracelsus, Thurneysser und am Wald sich in ihrer Selbststilisierung als akademische AuÃenseiter von einer als wirkungslos diffamierten âSchulmedizinâ ab.33 Ihr gesellschaftlicher Aufstieg führt nicht über die Universität und akademische Grade, sondern über die Höfe und den Adel. Mit den Wappen und Adelstiteln, die sich beide zulegen, wird diese Orientierung auch über die gewählten Statussymbole deutlich.
Der Höhepunkt der Wirksamkeit Thurneyssers und am Walds fällt dabei genau in die Zeit, in der die Schriften des Paracelsus â und mehr noch sein Ruf, seine Legende als Heiler, der die akademische Medizin bloÃgestellt hatte â ihre Wirksamkeit zu entfalten beginnen. 1541 war Paracelsus gestorben, ohne im Buchhandel gröÃere Spuren hinterlassen zu haben. Par excellence gilt für ihn, dass er sich nicht über das akademische Statussymbol der Publikationen definiert, sondern über seine Stilisierung zum akademischen AuÃenseiter, allein der Natur und der eigenen Erfahrung verpflichtet. Wenn er in Basel den Canon des Avicenna verbrannt hat, ist das symptomatisch. Paracelsus ist kein akademischer Lehrer, der Studenten betreut, Disputationen absolviert und Vorlesungen hält, sondern ein charismatischer âWanderpredigerâ und âMeisterâ, der einen Kreis von Schülern um sich versammelt und seine Lehren in âlebendigerâ Unterweisung vermittelt, nicht in gedruckten, âtoten Werkenâ. Die Schriften, die er publiziert, provozieren mit ihrer bis hin zur Unverständlichkeit reichenden, merkwürdigen und zum Teil unbekannten Terminologie. Zum Zeitpunkt seines Todes ist wenig von ihm im Buchhandel zu erwerben. Es ist erst der um 1550 anhebende Paracelsismus, der Paracelsus als Gründerfigur einer alternativen Medizin und einer auf der (Al)Chemie basierten Pharmakologie installiert.34
Ab 1560 erscheinen Einzelausgaben paracelsischer Werke, und zwar in erheblichen GröÃenordnungen. Allein Adam von Bodenstein, der wichtigste der frühen Herausgeber, edierte zwischen 1560 und 1577 über vierzig Ausgaben paracelsischer Werke. Sudhoff zählt in seiner Bibliographie für den Zeitraum von 1566 bis 1588 insgesamt an die zweihundert Titel.35 1589 beginnt für Sudhoff mit dem Erscheinen des ersten Bandes der Paracelsus-Ausgabe Johann Husers eine neue, noch gesteigerte Epoche der Edition und Rezeption. Am Anfang dieser Bewegung steht dabei ein Band mit (al)chemischen Schriften, den Cyriakus Jacob 1550 unter dem schlichten Titel De alchemia in Frankfurt druckt. Im Widmungsbrief Jacobs an den Kurfürsten Ottheinrich liest man zum ersten Mal die Legende von jenem Wunderheiler Paracelsus, dem es gelungen wäre, auf (al)chemischem Wege eine Medizin zu entwickeln, mit der man auch die schwersten Krankheiten heilen könne.36
Vor diesem Hintergrund sind die Archidoxa (die schon mit dem Titel Paracelsus zitieren)37 und die Quinta essentia Thurneyssers, wie sie 1570 zum ersten Mal erscheint, zu verstehen. 1570 ist die Bewegung des Paracelsismus im Anrollen, gleichzeitig gibt es im Buchhandel noch keine Lehrbücher oder Ãberblicksdarstellungen, in denen der interessierte Leser die Rezepte hätte finden können, auf denen die neue, (al)chemische Medizin des Paracelsus beruhte. Umso erstaunlicher ist, dass es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, 1570, im dreizehnten Buch der Quinta essentia heiÃt, einer der Gründe, aus denen er, Thurneysser, dieses Buch geschrieben habe, sei die Tatsache, dass gerade jeder ein Paracelsist sein wolle, obwohl die wenigsten überhaupt wüssten, was damit gemeint sei.38
Die programmatische Identifikation von Medizin und (Al)Chemie, die den Paracelsismus ausmacht, findet sich schon im Titel der Quinta essentia:
Quinta essentia, Das ist/ Die höchste subtilitet/ krafft vnd wirckung/ beyder der fürtrefflichsten/ vnd menschlichem geschlecht am nützlichsten Künsten/ der Medicin vnd Alchemy/ Auch wie nahe diese beyde mit sipschafft gefreund vnd verwandt sind/ Vnd das eine ohn beystandt der andern nicht nütz sey/ oder in den menschlichen cörpern zuwircken kein krafft habe. Vergleichung der alten vnd newen Medicin/ vnd wie alle subtiliteten ausgezogen/ die Element geschieden/ alle Corpora gemutirt/ vnd das die Minerischen Corpora allen andern simplicibus, es sein Kreuter/ wurtzeln/ Confect/ Steine/ etc. nicht allein gleich/ sondern an krefften/ aus vnd jnnerhalb menschlichs cörpers/ vberlegen seyen.
Die Quinta essentia Thurneyssers ist damit das erste paracelsistische Rezeptbuch auf dem Buchmarkt, vierzig Jahre vor der Basilica chymica Oswald Crolls, die 1609 erscheint und zum wichtigsten paracelsistischen Rezeptbuch wird.39 Trotz ihrer merkwürdigen Form, ihrer Geheimnistuerei und ihrer Knittelreime sind die Rezepte Thurneyssers ernst zu nehmen und entsprechen den praktischen Anforderungen der Zeit.40 Auf ihnen begründet Thurneysser sein Vermögen. Es entbehrt deshalb auch nicht einer gewissen Konsequenz, dass nur einige Jahrzehnte später, 1608, der Paracelsist und Spiritualist Benedict Figulus Thurneysser seine âVermarktungâ der paracelsischen Alchemie zum Vorwurf macht und ihm âMercketenderey/ vnnd Kauffmanschafftâ mit den paracelsischen Geheimnissen vorwirft.41
Während Thurneysser mit der Archidoxa und der Quinta essentia die ersten paracelsistischen Rezeptbücher vorlegt und damit zumindest bedingt an die Lehren des Paracelsus anknüpft, ist für die Karriere am Walds die Legende von dem Wunderheiler Paracelsus, der über ein Universalmedikament verfügte â wie sie mit dem zitierten Widmungsbrief Jacobs 1550 inauguriert wurde â von gröÃerer Bedeutung. Die Figur dieses Wunderheilers gewinnt in einigen pseudo-paracelsischen Schriften, die um 1570 erscheinen, massiv an Kontur. Es handelt sich dabei vor allem um die Archidoxa, von der Thurneysser schon den Titel übernommen hatte, und De tinctura physicorum. Beide Texte hatte Michael Toxites 1570 in StraÃburg herausgegeben.42
In diesen beiden Texten fand sich genau jene Behauptung, die am Wald übernehmen wird, nämlich dass es eine âUniversalarzneiâ43 gebe, die jede Krankheit und sogar den Tod besiege:
Vnd soll sich niemandts des verwundern/ auch keyn Artzet sich entferben soll/ daà das lang leben mag gelengert werden/ dann es hat zwo vrsachen. Die eyne/ da ist keyn terminus gesetzt/ auff welchen tag wir sterben sollen/ Sonder wir haben das in vnserm gewalt. Die ander vrsachen/ das wir die Artzney geschaffen haben/ von dem der vns beschaffen/ zuenthalten den Leib in seiner gesundtheyt/ oder zuuertreiben jhm sein krankheyten.44
Wenn diese Universalmedizin sich nicht durchgesetzt hätte â so konnte man in der Vorrede weiter lesen â läge das an den Ãrzten, den âSchulmedizinernâ der Zeit, die eine solche Medizin unterdrücken mussten, um ihr eigene Unfähigkeit zu verschleiern und weiter in Amt und Würden zu bleiben.45 Auch die grundlegende Idee, dass es sich bei dieser Universalmedizin um eine Stärkung des âLebensgeistesâ handle, hat am Wald aus De tinctura physicorum übernommen. Am Wald macht aus dieser Abhängigkeit kein Geheimnis. Die âConclvsioâ seines Berichts bietet auf knapp zehn Seiten eine Verteidigung des Paracelsus gegen alle Anschuldigung und Vorwürfe von galenischer Seite. Ausdrücklich beruft sich am Wald dabei auf De tinctura physicorum.46
Welchen Einfluss diese pseudo-paracelsischen Schriften mit ihrem raunenden Tonfall, ihrer Unverständlichkeit und ihrer Ãberheblichkeit hatten, zeigen neben Thurneysser und am Wald auch andere Heiler-Figuren der Zeit. Wenigstens auf Anna Maria Ziegler sei hier noch hingewiesen.47 Ziegler â die beanspruchte, die Schülerin eines angeblichen Sohnes von Paracelsus gewesen zu sein â behauptete, eine Substanz herstellen zu können, die sie âLöwenblutâ nannte. Neben einigen anderen Eigenschaften sollte diese Substanz Fruchtbarkeit und Gesundheit verschaffen. Zumindest für kurze Zeit war Ziegler â eine Frau aus einfachen Verhältnissen, ohne Studium â damit erfolgreich. Indem Ziegler Herzog Julius von Wolfenbüttel davon überzeugen konnte, sie finanziell zu unterstützen, gelang ihr eine steile, in diesem Fall allerdings sehr kurze Karriere: 1573 wurde sie wegen Betrugs (und einiger anderer Anschuldigungen) in Wolfenbüttel lebendig verbrannt. Auch in ihrem Fall war es ein Hof, an dem sich ihr Aufstieg vollzog, auch hier war es ein (al)chemisch hergestelltes Medikament, auch hier waren es die pseudo-paracelsischen Schriften, die das wichtigste Modell dafür zur Verfügung stellten.48
Sowohl für Thurneysser wie für am Wald und Ziegler ist damit in der Figur des Paracelsus ein Vorbild benannt, und zwar nicht nur, was die (al)chemische Zubereitung von Medikamenten betrifft. In Paracelsus vorgebildet war die Polemik gegen die akademische Medizin, vorgebracht von einem Mann, der selbst möglicherweise keinen Doktortitel hatte, auf jeden Fall die Universität verachtete, der auf den Gebrauch der lateinischen Sprache als der Sprache dieser Universität verzichtete, ihre Bücher verbrannte, die etablierte Ãrzteschaft verspottete, sich auf die Empirie berief und über neue, weitaus wirksamere Arzneimittel zu verfügen behauptete. Der Legende zufolge hatte Paracelsus dieses Allheilmittel, das bei ihm den Namen âAzothâ trägt, in der Knaufkugel seines Schwertes mit sich geführt.49 Zwar erscheint das pseudo-paracelsische Liber Azoth seu de ligno et linea vitae erst 1591 im Druck, aber schon 1567 wird diese Legende auf einem der berühmtesten Porträts des Paracelsus ins Bild gebracht.50



Ausschnitt aus Matthias Quad: Avreolvs Philippvs Theophrastvs Paracelsvs. Nürnberg, Balthasar Camox, circa 1606.
Citation: Daphnis 53, 2-3 (2025) ; 10.1163/18796583-05203028
zürich: zb, graphische sammlung, paracelsus i, 13.âAzothâ ist dabei einer der (al)chemischen Decknamen für Quecksilber, das aufgrund seiner chemischen Eigenschaften, vor allem seines âlebendigenâ, zwischen flüssig und fest schwankenden Aggregatzustandes als pharmazeutische Ausgangsmaterie der Universalarznei galt. Dass es sich bei diesem Allheilmittel nicht um eine Legende handelt, wissen wir deshalb, weil Paracelsus selbst es eingenommen hat, und zwar über einen langen Zeitraum hinweg. Eine forensische Untersuchung seiner Gebeine konnte 1992 in diesen einen stark erhöhten Quecksilbergehalt nachweisen. Diese Quecksilber-Vergiftung dürfte â unter anderem â dazu geführt haben, dass Paracelsus (im Gegensatz zu dem in Wetzlar gesichteten Rosenkreuzer, auf den gleich zurückzukommen sein wird) schon früh einen GroÃteil seiner Zähne verloren hatte.51
4 Legendenhafte Variationen der Heiler-Figur um 1600
Die These lautet, dass für die Reputation Thurneyssers und am Walds die Stilisierung zu Nachfolgern des Paracelsus zumindest ein, wenn nicht das entscheidende Element war. Damit soll allerdings nicht gesagt sein, dass der Glaube an die Existenz eines Universalheilmittels ausschlieÃlich paracelsi(sti)scher Provenienz ist. Dieser Glaube lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen und ist im Mittelalter nahezu allgegenwärtig, sei es unter den Begriffen der âPanaceaâ52 oder der âterra sigillataâ,53 wie am Wald sie benutzt oder sei es unter dem Begriff âTheriakâ.54 Sogenannte Theriak-Krämer waren auf den Marktplätzen des frühneuzeitlichen Europa häufig anzutreffen. Aus einer genuin (al)chemischen Tradition stammt der Glaube an die Existenz einer âquinta essentiaâ oder eines âelixir vitaeâ,55 die als Universalheilmittel fungieren, genauso wie der Glaube an den âStein der Weisenâ, der nicht nur Metalle in Gold verwandeln, sondern auch alle Krankheiten heilen kann.56 Johannes de Rupescissa hatte mit seinem Liber de consideratione quintae essentiae omnium rerum (um 1350) eines der in den nächsten Jahrhunderten erfolgreichsten (al)chemischen Werke verfasst. Mehrere hundert Abschriften sind erhalten.57 Die Grundidee dieses Textes ist die (al)chemische Isolierung einer âQuintessenzâ, die über die medizinischen Qualitäten einer Universalmedizin verfügt. Genauso alt wie die Quintessenz ist auch der Glaube an die lebensverlängernde Kraft des Trinkgoldes, d. h. eines in Flüssigkeit gelösten Goldes.58 Mit ihm hat um 1600 etwa der Engländer Francis Anthony ein Vermögen verdient, bis er auf Betreiben der etablierten Ãrzteschaft im Gefängnis landete. Aus diesem wurde er erst entlassen, nachdem dieses Vermögen aufgebraucht war.59
Rezepte für Trinkgold oder für ein âelixir vitaeâ finden sich auch in paracelsistischen Rezeptbüchern, allerdings mit einem merklich realistischeren Anspruch. Der berühmte französische Paracelsist Joseph Duchesne (Quercetanus), Leibarzt von Heinrich IV., veröffentlichte 1607 in seiner Pharmacopoea dogmaticorum restituta das Rezept für ein âelixir vitaeâ, ein âbewundernswertes Heilmittelâ, von dem es heiÃt, dass es bestimmte (eine wichtige Einschränkung gegenüber den Behauptungen am Walds) Krankheiten des Alters vertreibe, die Gesundheit erhalte und das Leben verlängere.60 Duchesne listet allerdings die Bestandteile â auch hier im Gegensatz zu am Wald â differenziert auf und erklärt die Zubereitung präzise. Ãhnliche, sehr konkrete Rezepte finden sich in Oswald Crolls Basilica chymica (1609), dem wohl erfolgreichsten paracelsistischen Rezeptbuch,61 oder dann etwa in Johann Agricolas Chymischer Medicin (1638),62 die höchst detaillierte und pragmatische Anleitungen für die Zubereitung gibt â darunter an erster Stelle auch hier wieder ein Rezept für Trinkgold.
Die Behauptung der Existenz von lebensverlängernden Universalheilmitteln oder auch nur besonders wirkmächtigen Pharmazeutika ist um 1600 keine Neuheit. Neu scheint allerdings in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Auftreten von pharmazeutischen Unternehmern und Heiler-Figuren, die ihre Reputation auf diese Pharmazeutika begründen. Diese Reputation kann die Grenzen von Fiktion und Realität überschreiten, und zwar in beide Richtungen. Die Stilisierung und legendhafte Ãberformung von Paracelsus spiegelt sich in hagiographischen Biographien, die dann wiederum, wie im Fall von Christian Rosenkreuz, für fiktive Biographien Modell stehen.
Das beginnt schon am Ende des 15. Jahrhunderts mit Texten wie der Hermetischen Philosophia des (pseudonymen) Bernardus Trevisanus63 und dem Opuscule très excellent de la vraye philosophie naturelle des métaux (1567) des französischen Alchemikers Denis Zecaire.64 In beiden Texten, deren Rezeption im deutschsprachigen Raum durch Ãbersetzungen und Ausgaben der Paracelsisten Gerard Dorn, Michael Toxites und Georg Forberger forciert wird, behauptet ein autodiegetischer Erzähler, nach langen, ausführlich berichteten Mühen und Irrwegen, den Stein der Weisen gefunden zu haben, alle Krankheiten heilen zu können und dies auch an sich selbst bereits praktiziert zu haben. Im Falle von Denis Zecaire begibt sich dieser Erzähler am Ende des Textes auf eine Wanderschaft, unerkannt und mit wenigen Dienern. Um das Geheimnis zum Wohle der Menschheit einzusetzen und zu verhindern, dass es in falsche Hände gerät, will er von nun an in der Anonymität leben. Damit nimmt Zecaire ein Element vorweg, das nur wenig später bei den Rosenkreuzern prominent werden wird.
Die interessanteste Kombination von legendenhafter Biographie, Entdeckung einer Universalmedizin und behaupteter Paracelsus-Nachfolge â vor Christian Rosenkreuz â ist die Person von Salomon Trismosin. Er tritt vor allem als Verfasser des Aureum vellus (1598) in Erscheinung, einer Sammlung alchemischer Traktate und Rezepte.65 Vorangestellt ist diesem Aureum vellus ein Lebensbericht (Tractat vnnd Wanderschafft des hochberhümpten Herren Salomonis TriÃmosini/ sampt dreyen gewaltigen Tincturen), in dem Trismosin von sich berichtet, dass er als âjunger Gesellâ bei einem (Al)Chemiker, âder Flocker genanntâ, in die Lehre gegangen sei. Dieser âFlockerâ verfügte über diverse Substanzen und Fähigkeiten, wollte aber sein Wissen mit dem Erzähler nicht teilen, sodass dieser im Jahr 1473 zu einer Wanderschaft aufgebrochen sei, die ihn auf der Suche nach dem Stein der Weisen quer durch Europa geführt habe. In Laibach und Mailand verbringt er längere Zeit. In Venedig geht er bei einem Juden in die Lehre und stöÃt dort auf âCabalische vnd Magische Bücher in Egyptischer Spraachâ, die er ins Griechische und von dort ins Lateinische übersetzen lässt. Aus diesen Büchern lernt er, dass die âgröÃten Heydnischen Königâ â ânämblich der König Xophar, der König Sunsfor, der König Xogar, der König Xopholat, der König Julaton, der König Xoman, vnd andere mehrâ â den âSchatz der Tincturâ, also den Stein der Weisen, besessen hätten. Trismosin stellt die Tinktur nach diesen Rezepten her, die dann in der Folge des Aureum vellus auch abgedruckt werden. Die Transmutation der Metalle gelingt ihm und er findet âeinen solchen Schatz der vnauÃsprechlich ist/ vnd ohn auffhören gemehret werden kannâ.66 Auch hier hat der Stein der Weisen zudem die Kräfte einer Universalmedizin. Der Erzähler versichert in einem der anderen Traktate des Aureum vellus (dem Liber Suforethon), sich selbst durch die verjüngende Kraft des Elixirs âschon new gemachtâ zu haben und das auch âbià am jüngsten Tagâ fortsetzen zu können. Besondere Wirkung entfaltet Salomon Trismosin insofern, als mit dem Splendor Solis in der Folge nicht nur einer der berühmtesten Text-Bild-Traktate der (Al)Chemie unter seinem Namen gedruckt wird, sondern Trismosin schon auf dem Titelblatt des Aureum vellus zum Lehrer des Paracelsus â âso deà grossen Philosophi vnd Medici Theophrasti Paracelsi Praeceptor gewesenâ â erklärt wird.67
Die persönliche Verbindung zu Paracelsus wird, wie schon im Fall von Anna Zieglerin, zum Ausweis besonderer (al)chemischer Kenntnisse. Ein ähnliches Phänomen ist bei der berühmtesten Heiler-Figur der Zeit zu beobachten, Christian Rosenkreuz. 1614 erscheint anonym die Fama fraternitatis Johann Valentin Andreaes, der zufolge sich Rosenkreuz, enttäuscht von den europäischen Universitäten, ins Heilige Land begeben haben soll und dort in ein geheimes Wissen eingeweiht worden war, kodifiziert im Buch âMâ. Nach seiner Rückkehr will Rosenkreuz sein Wissen mit den europäischen Gelehrten teilen, aber diese wollen davon nichts wissen â man bleibt lieber âbey der alten Leyrenâ. âBapst, Aristoteles, Galenus, ja was nur einem Codice gleich siehetâ68 gilt mehr als das neue Naturwissen, das Rosenkreuz mitbringt.
Paracelsus ist der einzige, von dem in der Fama berichtet wird, er habe das Buch âMâ gelesen, auch wenn er der Bruderschaft nicht beigetreten sei.69 Enttäuscht von den europäischen Universitäten und ihrer mangelnden Reformbereitschaft zieht sich Rosenkreuz mit drei Mitbrüdern in ein Kloster zurück. Sein Ruf als Heiler verbreitet sich schnell und der âunglaubliche zulaufâ70 der Kranken zwingt bald zur Aufnahme weiterer Brüder in den Orden. Um ihre Aufgabe der unentgeltlichen Krankenheilung desto besser erfüllen zu können, ziehen die Brüder in die Welt hinaus. Da sie keine Ordenstracht tragen dürfen, leben sie unerkannt unter den Menschen. Nur einmal im Jahr treffen sie sich im âGebäw Sancti Spiritusâ.71 Aufgrund ihres höheren medizinischen Wissens sind sie zwar nicht unsterblich, aber âihre Leiber [sind] aller Kranckheit und Schmertzen befreyetâ,72 was ja schon mal kein ganz unwesentlicher Fortschritt ist.
Als die Brüder zufällig das Grab von Rosenkreuz entdecken, finden sie in seiner Hand das Buch âTâ, das wiederum mit einem längeren âElogiumâ endet, in dem es unter anderem heiÃt, Rosenkreuz sei über hundert Jahre alt geworden und wäre nie krank gewesen, noch hätte er Krankheit bei anderen geduldet.73 Für das medizinische Wissen der Rosenkreuzer, wie es die Fama entwickelt, spielt Paracelsus insofern eine besondere Rolle, als es an der Stelle nicht nur heiÃt, Paracelsus habe das Buch âMâ gelesen, sondern in der Grabkammer von Rosenkreuz sei auch ein âVocabulariumâ des Paracelsus entdeckt worden.74 Damit dürfte ein Wörterbuch gemeint sein, dass die schwere bis unverständliche, medizinische Terminologie des Paracelsus entschlüsselte.
Rosenkreuz tritt damit in gewissem Sinn neben Paracelsus. Die Parallele ist Andreae so wichtig, dass er Inkonsequenzen in Kauf nimmt, um sie der Fama zu integrieren. Denn wenn es von Paracelsus heiÃt, er habe das Buch âMâ gelesen â und also dann wohl zumindest einen Teil seines Wissens aus diesem übernommen â, ist es nicht ganz einsichtig, warum Rosenkreuz wiederum ein âVocabulariumâ zu dessen Schriften so nötig ist, dass er es im wahrsten Sinne des Wortes mit ins Grab nimmt. Vor allem aber gibt es durch diese Integration der Paracelsus-Figur in die Legende der Rosenkreuzer eine gravierende chronologische Inkonsistenz, denn nach Ausweis der Fama ist die Grabkammer von Rosenkreuz 1484, also neun Jahre vor Paracelsusâ Geburt, versiegelt worden. Andreae macht damit Rosenkreuz zum Lehrer von Paracelsus â ganz ähnlich, wie dies von Salomon Trismosin behauptet worden ist oder wie Ziegler von sich behauptete, die Schülerin eines Sohnes von Paracelsus gewesen zu sein.
Die Geschichte von Rosenkreuz, wie sie die Fama erzählt, greift zudem zahlreiche Elemente wieder auf, wie sie aus den Texten von Bernardus Trevisanus, Denis Zecaire oder Salomon Trismosin bekannt sind und wie sie paradigmatisch mit der Figur des Paracelsus verknüpft sind: die lange Suche nach einem neuen medizinischen Wissen, die Entdeckung lebensverlängernder Pharmazeutika, die Abgrenzung von der Universität, das Leben in der Anonymität und auf Wanderschaft. Bedingt lebt diese Geschichte zumindest auch von Figuren wie Thurneysser und am Wald: mit dem einzigen, aber natürlich entscheidenden Unterschied, dass die Rosenkreuzer kein Geld mit der Krankheit anderer Menschen verdienen wollen. Rosenkreuz ist als Figur gerade in Abgrenzung von der âVermarktungâ des Paracelsismus konzipiert, wie sie Thurneysser und am Wald betreiben.
In den auf die Publikation der Fama folgenden Jahren schwappt über Europa die unglaubliche Welle von Publikationen, in denen über die Bruderschaft gerätselt, vor ihr gewarnt, um Aufnahme gebeten wird oder ihre Statuten erklärt werden.75 Interessant, was die Frage nach der Reputation betrifft, ist dabei ein Bericht, den Georg Molther, Stadtarzt in Wetzlar, 1615 auf Latein und ein Jahr später auf Deutsch veröffentlicht.76 Molther berichtet darin von der Begegnung mit einem Mann, der beim Kräutersammeln beobachtet wurde und bescheiden seine Dienste anbietet, als er von einer kranken, unter Atemnot leidenden Frau hört. Von vornherein will der Mann für diese Dienste kein Geld oder sonstige geldwerte Vorteile annehmen. Er kann der Frau tatsächlich helfen und wird daraufhin einer weiteren Patientin vorgestellt, die an Brustkrebs erkrankt ist. Ihr kann er zwar nicht mehr helfen, aber durch Anwendung eines unscheinbaren, an der Stadtmauer wachsenden Krautes kann er ihre Schmerzen erheblich lindern.77 Der Mann ist schlicht gekleidet, kann sich aber sehr gut ausdrücken und beherrscht âaller Völcker Sprachenâ.78 Obwohl er nach eigener Aussage einundachtzig Jahre alt ist, sieht er aus wie vierzig.79 Er hat kein graues Haar und (im Gegensatz zu Paracelsus) noch alle Zähne.80 Er ist in der Heiligen Schrift wohl belesen und verfügt über ein auÃergewöhnliches Gedächtnis.81
Dazu kommen einige etwas ungewöhnlichere Vermögen, wie sie in der Zeit unter dem Begriff der magia naturalis verhandelt wurden. So weià er, was über ihn gesagt wurde, obwohl er nicht dabei war. Er weià auch, was an einem weiter entfernten Ort passiert ist, und zwar schon am nächsten Morgen.82 Er weiÃ, wo Schätze vergraben sind.83 Er beherrscht Praktiken wie das Vertreiben von Mäusen, des Herbeilockens von Fischen, des Ableitens von Blitzen und â besonders hilfreich â er kann durch bestimmte Kräuter Leute vertreiben, deren Anwesenheit man nicht erträgt.84 Nach eigener Auskunft beruhen diese Techniken auf seiner Kenntnis der Signaturen der natürlichen Dinge, was auf Paracelsus verweist.85 Auch wenn er die beiden Frauen mit Kräutern behandelt â was eher auf die galenische Medizin deutet â, so heiÃt es von ihm doch, dass er âalle chymischen Praeparationenâ beherrsche.86 Auf paracelsistische Kenntnisse verweist auÃerdem die Tatsache, dass er sich an astrologische Vorgaben hält, was das Pflücken der Kräuter betrifft.87 Er kann den Todestag der erkrankten Frau präzise vorhersagen und das Wetter des folgenden Jahres.88 Er teilt dem Stadtarzt im Gespräch viele seiner Kenntnisse mit, will aber nicht, dass dieser sich etwas aufschreibt. Falls dieser das doch täte, behauptet er, das Geschriebene von ferne wieder auslöschen zu können.89 Am Abend vor seiner Abreise gibt der Mann sich als Rosenkreuzer zu erkennen.90 Da er, um nicht entdeckt zu werden, nie länger als zwei Nächte an einem Ort bleiben könne, verspricht er Molther, sich wieder bei ihm zu melden, was er allerdings bis dahin noch nicht getan hat91 und wahrscheinlich â nachdem der Stadtarzt den Bericht über ihn publiziert hat â auch nicht mehr tun wird.
Angesichts der Tatsache, dass die Widmung von Molthers Bericht auf den ersten April 1616 datiert ist, könnte man kurz die Hoffnung haben, dass es sich um einen Aprilscherz handelt und der Stadtarzt von Wetzlar ein groÃer Ironiker war.92 Die Widmung fehlt jedoch in einer anderen Ausgabe des Textes aus demselben Jahr, stattdessen wird der Bericht dort mit einer âAntwortâ auf die Fama fraternitatis abgedruckt, in der Molther klare Anweisungen gibt, wie man sich zu verhalten habe, wenn man in die Bruderschaft der Rosenkreuzer aufgenommen werden wolle.93 Dieser Text ist völlig ironiefrei, so dass die Datierung der Widmung auf den ersten April wohl ein Zufall ist.
5 Eine abschlieÃende Perspektivierung: Elemente paracelsistischer Reputationskarrieren
Molthers Begegnung mit dem anonymen Rosenkreuzer illustriert das enorme Potential, das die Reputation eines âhöherenâ medizinischen Wissens in der gesellschaftlichen Imagination der Zeit gehabt hat. Der Rosenkreuzer, der 1615 in Wetzlar gesichtet wurde, ist ein später Reflex auf die Reputationskarriere des Paracelsus, der abseits der Universitäten und ihres âtotenâ Buchwissens ein Jahrhundert zuvor durch das Heilige Römische Reich gezogen war und wundersame, erstaunliche Heilungen vollbracht hatte.
Der Paracelsismus erscheint mit Blick auf die skizzierten Karrieren deshalb auch nicht als die Geschichte einer Unterdrückung â bösartige âSchulmedizinerâ, die eine neue, revolutionäre Medizin aus Eigennutz zu verhindern versuchen â, sondern gerade umgekehrt als die Erfolgsgeschichte einer âalternativenâ Medizin, der es gelingt, sich abseits der Universitäten und ihres Prüfungsbetriebs zu etablieren. Für den Erfolg dieser âalternativenâ Medizin ist es wichtig, weiter unterdrückt zu werden (oder dies zumindest zu behaupten), selbst wenn davon keine Rede mehr sein kann. Denn der Paracelsismus ist mit seinen (al)chemisch hergestellten Medikamenten zu Beginn des 17. Jahrhunderts längst in der âSchulmedizinâ angekommen. Die bereits genannten, (al)chemischen Rezeptbücher eines Oswald Croll oder Johann Agricola sind Indizien dafür, genauso wie der erste Lehrstuhl für Chymiatrie, den Landgraf Moritz von Hessen-Darmstadt an der Universität Marburg eingerichtet hatte. Daniel Sennert, Professor für Medizin an der Universität Wittenberg und eine Berühmtheit der âSchulmedizinâ, plädiert 1619 explizit in einer Abhandlung De chymicorum cum Aristotelicis et Galenicis consensu ac dissensu (Ãber die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Chymikern einerseits und Aristotelikern und Galenisten andererseits) für eine Integration der (Al)Chemie in das universitäre Curriculum.94
Um damit noch einmal auf die eingangs gestellte Frage nach den Elementen einer Heiler-Reputation zurückzukommen: Grundlegend ist sicherlich die Opposition gegen eine akademischen âSchulmedizinâ. Widersprüchlich dagegen ist der Befund, was das ökonomische Potential dieser âalternativenâ Medizin betrifft. Während Paracelsus selbst von seinem Wissen keinerlei ökonomische Vorteile hatte, sondern verelendet starb, werden Thurneysser und am Wald mit diesem Wissen sehr reich. Rosenkreuz und seine Nachfolger verpflichten sich dagegen, genau in Absetzung von Thurneysser und am Wald, auf unentgeltliches Heilen.
Diese Ambivalenz wiederholt sich, was den Buchdruck und die Veröffentlichung des âgeheimenâ Wissens betrifft. Paracelsus selbst hat den Buchdruck nur sehr begrenzt als Medium zur Vermittlung seines Wissens eingesetzt. Die Reputation seines Wissens ist wesentlich an seinen geheimnisvollen, nur eingeschränkt zugänglichen Status geknüpft. Stärker noch als die genuin paracelsischen Schriften inszenieren die pseudo-paracelsischen Schriften mit ihrer Unverständlichkeit diesen Status. Thurneysser übernimmt diese Strategie, indem er den âgeheimenâ â oder besser: geheimnisvollen â Charakter des paracelsischen Wissens buchtechnisch inszeniert. Am Wald bedient dieselbe Strategie, indem er sein Wissen geheim hält. Für Rosenkreuz und seine Nachfolger wiederum gilt, dass sie nicht nur nicht publizieren, sondern sich zur Anonymität (und damit zum Verzicht auf jede akademische Reputation) verpflichten, offensichtlich bereits als Reflex auf die Ãberflutung des Buchmarkts mit paracelsi(sti)schen Schriften einerseits und als Abgrenzung von den akademischen Ãrzten andererseits.
Die Aura des Geheimnisvollen, Unverständlichen versichert den höheren Status des Wissens, in maximaler Opposition zum universitären Lehrbuch. Die âlebendige Erfahrungâ der Natur, wie sie Paracelsus für sich behauptet, ist nicht in einer universitären Prüfung abzufragen: Man muss die (al)chemische Veränderung der Materie tatsächlich erleben, in einsamen Nächten vor dem Ofen oder auf der Wanderschaft, auf der man die unbekannten Besitzer dieses âhöherenâ Wissens aufsucht. Gerade die Wanderschaft etabliert sich mit Paracelsus als Nachweis der âlebendigen Erfahrungâ und wird bei Salomon Trismosin und Christian Rosenkreuz zum Ausweis ihrer Reputation als Besitzer dieses âhöherenâ Wissens. Durch biographische Erzählungen werden Ansprüche auf ein Wissen erhoben, das sich nicht durch institutionalisierte Prüfungen fassen lässt. Der per definitionem nicht beobachtbare Prozess der innerlichen Erfahrung findet seinen Ausdruck in narrativen Mustern der Naturbegegnung, Wanderung und Wunderheilung.95
Die Strategie, das paracelsische Wissen als âalternativeâ, erfahrungsbasierte Medizin zu inszenieren, wird in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zunehmend paradox, indem der Buchmarkt mit paracelsischen Schriften geradezu geflutet wird und â wie Thurneysser das ausdrückt â plötzlich jeder ein Paracelsist sein will.96 Andreae zieht daraus in der Fama fraternitatis die Konsequenz, dass die Rosenkreuzer durch ihre Statuten gezwungen sind, ihr Wissen geheim zu halten und aus der Anonymität zu wirken. Diese âRettungâ des paracelsischen Impulses funktioniert â auch das ist paradox â allerdings nur, indem die Existenz der geheimen Bruderschaft der Rosenkreuzer durch die Fama bekannt gemacht wird. Es tritt das Gegenteil von dem ein, was mit der geheimen Bruderschaft eigentlich bezweckt zu sein behauptet worden war, nämlich dass in den folgenden Jahren der Orden mit Aufnahmegesuchen geflutet wird. Die Ironie dieser Reputationskarriere ist zumindest Andreae selbst nicht entgangen, der in seinen späteren Schriften nicht müde wurde, genau diesen âErfolgâ der Fama zu beklagen.97
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Nummedal, Tara. Anna Zieglerin and the Lionâs Blood. Alchemy and End Times in Reformation Germany (Philadelphia: University of Philadelphia Press, 2019).
[Pseudo-Paracelsus]: Archidoxa Philippi Theophrasti Paracelsi Bombast/ des hocherfahrenen/ vnnd berühmtesten Philosophj/ vnd beyder Artznej Doctoris/ Von heymligkeyten er Natur/ Zehn Bücher. Item, I. De tinctura Physicorum. II. De occulta Philosophia (StraÃburg: Rihel, 1590).
Paulus, Julian. âRupescissa.â In Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft, hrsg. von Claus Priesner und Karin Figala (München: C.H.Beck, 1998), 185â187.
Paulus, Julian. âA Catalogue raisonné of Pseudo-Paracelsian Writings: Texts Attributed to Paracelsus and Paracelsian Writings of Doubtful Authenticity.â In Pseudo-Paracelsus. Forgery and Early Modern Alchemy, Medicine and Natural Philosophy, hrsg. von Didier Kahn and Hiro Hirai (Leiden, Boston: Brill, 2021), 161â486.
Pereira, Michela âTeorie dellâelixir nellâalchimia latina medievale.â Micrologus 3 (1995), 103â148.
Peuckert, Will-Erich, Hrsg. Der Alchymist und sein Weib. Gauner- und Ehescheidungsprozesse des Alchymisten Thurneysser. (Stuttgart: Fromanns, 1956).
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Sudhoff, Karl. Versuch einer Kritik der Echtheit der Paracelsischen Schriften, Theil 1: Bibliographia Paracelsica. Besprechung der unter Theophrast von Hohenheimâs Namen 1527 1893 erschienenen Druckschriften (Berlin: Georg Reimer, 1894).
Telle, Joachim. âDer Splendor Solis in der frühneuzeitlichen respublica alchemica.â Daphnis 35 (3/4) (2006), 421â448.
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Thurneysser, Leonhard. Quinta essentia (Leipzig: Steinmann, 1574).
Tilton, Hereward. The Quest for the Phoenix. Spiritual Alchemy and Rosicrucianism in the Work of Count Michael Maier (1569-1622) (Berlin, New York: De Gruyter, 2003).
[Trismosin, Salomon]. Aureum vellus Oder Guldin Schatz vnd Kunstkammer: Darinnen [â¦] Schrifften [â¦] Von dem Edlen [â¦] Philosopho Salomone TriÃmosino (so deà grossen Philosophi vnd Medici Theophrasti Paracelsi Praeceptor gewesen) in sonderbare [â¦] Tractetlein disponiert (Rorschach Bodensee: Jacob Straub, 1598).
Wald, Georg am. Kurtzer Bericht, Wie/ was gestalt vnd warvmb das Panacea am Waldina/ als ein einige Medicin/ [â¦] auffs aller nützlichst/ ersprieÃlichst vnd fürträglichst vermittelst Göttlicher Gnaden in gar kleinen vnglaublichen Gewicht/ nach weià vnd art deà Lapidis Philosophici vnd der Vralten wahren Medicorum vnd Philosophorum, anzuwenden seye/ vnd also menniglich an dieser einigen Artzeney allein ein recht Vniuersal/ auÃerwehlt/ annemblich/ fürbindig/ vnschädlich/ vollkomlich/ vnd fürständiges Mittel/ vnd gantze Apotecken haben/ vnd nicht allein sich selbst/ sonder auch andere ohn einiges Doctors Rath vnd Zutuung curiren könne (Frankfurt: Lechler, 1582).
Wels, Volkhard. Manifestationen des Geistes. Frömmigkeit, Spiritualismus und Dichtung in der Frühen Neuzeit (Paderborn: V & R University Press, 2013).
Wels, Volkhard. âLeonhard Thurneyssers Archidoxa (1569/75) und Quinta essentia (1570/74).â In Nach der Kulturgeschichte. Perspektiven einer neuen Ideen- und Sozialgeschichte der deutschen Literatur, hrsg. von Maximilian Benz und Gideon Stiening (Berlin, Boston: De Gruyter, 2022), 249â298.
Zecaire, Denis. Opuscule tres-eccelent de la vraye philosophie naturelle des metaulx, hrsg. von Renan Crouvizier (Paris, Mailand: S.E.H.A.-Archè, 1999).
Zedler, Johann Heinrich. Grosses vollständiges Universallexicon Aller Wissenschafften und Künste (Halle (Saale), Leipzig: Johann Heinrich Zedler, 1731â1754), 4:1922.
Zimmermann, Heinz. Arzneimittelwerbung in Deutschland vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts (Würzburg: Jal-Verlag, 1974).
Zu Thurneysser vgl. (stellvertretend für die ältere Forschungsliteratur) Bulang, 2017a: 283â298. Von den Arbeiten Bulangs zu Thurneysser ist in pharmakologischem Zusammenhang insbesondere hervorzuheben Bulang, 2012: 118â136. Grundlegend und unersetzlich für die Biographie aufgrund der Kenntnis des handschriftlichen Nachlasses ist nach wie vor Moehsen, 1783 (1976): 1â198.
Herold/Horst/Leitão, 2023a haben den Text transkribiert und ins Portugiesische übersetzt, vgl. dazu auch Herold/Cabral, 2023b: 123â144. Zu Thurneyssers Beschreibung der schwarzen Sklaven vgl. Herold, 2018: 463â488.
In seinem Nothgedrungen AuÃschreiben (1584) publiziert Thurneysser nicht nur Teile der juristischen Texte aus dem Scheidungsprozesse, sondern auch noch höchst private Details seiner Ehe und eine Abrechnung mit seinem â wie er es darstellt â trunksüchtigen und betrügerischen Bruder. Dieses für die Frühe Neuzeit ziemlich einzigartige Dokument hat Peuckert 1956 modernisiert herausgegeben.
Zu Thurneyssers Selbststilisierung als Reisender und seinen behaupteten Sprachkenntnissen vgl. Bulang, 2017b: 510â537.
Das folgende Argument ist ausführlich entwickelt in Wels, 2022.
Zu den Legenden, die sich nach dem Tod des Paracelsus um dieses Wundermittel zu ranken begangen vgl. Kühlmann/Telle, 2004: II.2: 478â483 (dort übrigens erwähnt in einem Brief von Michael Toxites an Thurneysser), sowie Telle, 2010/11: 48â51.
Thurneysser, 1574: 204.
Thurneysser, 1574: 209.
Thurneysser, 1574: 209.
Thurneysser, 1574: 34.
Zur Entstehung des frühneuzeitlichen Paracelsismus grundlegend ist Kühlmann/Telle, 2001â2013; zur Entstehung der Paracelsus-Ausgabe Husers vgl. Kühlmann/Telle, 2001:1: 1â39.
Zu am Wald vgl. Müller-Jahncke, 1994: 213â304, dessen Angaben der folgende biographische Abriss folgt. Zu am Walds âPanaceaâ vgl. vor allem Rankin, 2009: 680â710 und Moran, 2007: 125â132.
Vgl. Zedler, 1731â1754, hier Bd. 4: Sp. 1922.
Müller-Jahncke, 1994: 224.
am Wald, 1582: 4.
Jedenfalls kennt auch Zimmermann, 1974 keine älteren Publikationen dieser Art. Einen gewissen Vorläufer stellen die âSecretaâ-Sammlungen dar, vgl. Eamon, 1994.
Vgl. die brieflichen Quellen, die Müller-Jahncke, 1994: 256â281 zusammengestellt hat. So auch die Einschätzung von Moran, 2007: 125â142.
Vgl. den Brief Georgs I. in Müller-Jahncke, 1994: 266â267.
Vgl. Müller-Jahncke, 1994: 235 sowie dort 279â280 den Brief von Posthius an Camerarius, 1595.
Vgl. Müller-Jahncke, 1994: 236â237 sowie ausführlich Moran, 2007: 125â142.
Libavius, 1595.
Vgl. Müller-Jahncke, 1994: 238.
Libavius, 1595: bes. 129â131.
am Wald, 1582: 6r.
am Wald, 1581: f. 1v: âAmicus Galenus, amicus Paracelus: At maxime amica veritas, et praevalet.â
am Wald, 1582: 6v.
am Wald, 1582: 45r: âHab zwar meine Kunst von jhme Theophrasto vrsprunglich nicht/ sonder von denen er es selber gehabt/ vnnd mir sonsten durch fleissigs Betten vnnd Nachdencken (ohn Rhum zumelden) wunderbarlicher weià auà grosser Güte vnnd Barmhertzigkeit Gottes zugestanden/ weià auch wol/ wann der Theophrastus noch im Leben/ würde mir so bald/ als ich jhm/ nachziehen.â
am Wald, 1582: 4r.
Vgl. stellvertretend Behringer, 2003.
Moran, 1989: 225â246; Moran, 1991. Einen Einblick in die Ausbildung dort vermittelt Ganzenmüller, 1941: 215â217.
Krafft, 2009: 159ff.
Höchst ironisch ist dabei, dass es heute die chemische Pharmazeutik ist, an der sich eine âalternativeâ, auf pflanzlichen Wirkstoffen basierende Medizin abarbeitet, während es im 16. Jahrhundert gerade die Vorläufer dieser chemischen Pharmazeutik waren, die sich gegen eine âSchulmedizinâ durchsetzen mussten, die vor allem auf pflanzlichen Wirkstoffen beruhte.
Gleichzeitig â und auch das analog zu modernen Phänomenenâ buhlt die âalternativeâ Medizin um die Anerkennung durch die Universitäten und um akademische Würden, wie nicht zuletzt der âDoktor bullatusâ am Walds und Thurneyssers Streitschriften gegen Angriffe seitens der Universität zeigen.
Stellvertretend für die ältere Forschung vgl. Kühlmann/Telle, 2001â2013. Die Einleitungen in die Bände und zu den jeweiligen Autoren bieten einen hervorragenden Ãberblick. Insbesondere sei hingewiesen auf Bd. 2: 6â13: âZwischen Universität, Hof und Stadt: Soziale Verankerung, historische Dynamik und kulturtopographische Vernetzung einer alternativen Wissenschaftâ. Eine monographische Gesamtdarstellung bietet Kahn, 2007; Neumann, 2011: 255â304, analysiert die Strategien, mit denen sich der Paracelsismus als alternatives medizinisches Wissen etablierte. Zur Inszenierung der akademischen Ãrzte und ihren Strategien der Ausgrenzung nicht-akademischer Heilkundiger vgl. Schütte, 2017.
Sudhoff, 1894.
Vgl. Abdruck und Ãbersetzung des Widmungsbriefes in Kühlmann/Telle, 2001: 1: 45â56.
Die (pseudo-)paracelsische Archidoxa erschien 1569 lateinisch in Krakau, 1570 deutsch in München. Thurneysser stand mit wichtigen Frühparacelsisten in brieflichem Kontakt (vgl. die Angaben in Kühlmann/Telle, 2004: II: bes. 436â462, 477â484) und dürfte von der Edition zumindest gehört haben.
Thurneysser, 1574: 202.
Gerard Dorns Clavis totius philosophiae chymisticae erscheint zwar bereits 1567, bietet aber keine konkreten Rezepte, genauso wenig wie die Idea (1571) des Petrus Severinus.
So jedenfalls das Urteil der Pharmaziegeschichte, vgl. Bosch, 1980: 28; Morys, 1982: 47, 53 charakterisiert die pharmazeutischen Anweisungen Thurneyssers geradezu als vorbildlich für ihre Zeit und bestätigt ihnen âpraktische Verwendbarkeitâ.
Figulus, 1608: f. **6v. Kühlmann/Telle, 2001: 666â667 haben auf diese Stelle hingewiesen.
Archidoxa Philippi Theophrasti Paracelsi Bombast [â¦], 1590. Ein äuÃerst hilfreiches Verzeichnis der pseudo-paracelsischen Schriften bietet Paulus, 2021: 161â 486.
âAlso ist die tinctura physicorum eyn vniuersal, welches als eyn vnsichtbar fewr verzehrt alle kranckheyten/ wie sie jmmermehr mögen genennt werden. Sein dosis ist sehr kleyn/ aber die würckung mächtig groÃ.â (De tinctura physicorum, f. a 2v f.) Es folgt im Anschluss eine Aufzählung der Krankheiten, die damit geheilt worden seien. Die Liste ist noch nicht ganz so lang wie bei später bei am Wald.
Archidoxa Philippi Theophrasti Paracelsi Bombast [â¦] (Zehendes Buch: De vita longa), 1590: f. T 1v.
Archidoxa Philippi Theophrasti Paracelsi Bombast [â¦], (Vorrede, 1590: f. ):( 8v).
am Wald, 1582: 45.
Alle Angaben nach Nummedal, 2019.
Nummedal, 2019: 79â117.
Die Parallele zum paracelsischen âAzothâ stellt schon Libavius her, vgl. Libavius, 1595: f. c1r.
Vgl. Gilly, 1993: 13â27.
Kritscher/Hauser/Reiter/Szilvássy/Vycudilik, 1997: 9â31. Die forensische Untersuchung hat im Ãbrigen auch ergeben, dass es sich bei Paracelsus biologisch um eine Frau (oder einen intergeschlechtlichen Menschen) gehandelt hat.
Stellvertretend vgl. Jüttner, 1999: 6: Sp. 1650â1651 und Priesner, 1998: 263â264.
Stellvertretend vgl. Dilg, 2002a: 7: Sp. 1861â1862.
Stellvertretend vgl. Dilg, 2002b: 8: Sp. 677â679.
Stellvertretend Pereira, 1995: 103â148.
Am Wald spielt in seinem Bericht auf die Nähe seiner âPanaceaâ zum Stein der Weisen an, wenn es S. 45r heiÃt, die Transmutation der Metalle sei nach De tinctura physicorum eine weitere Eigenschaft der Tinktur, er selbst, am Wald, begnüge sich jedoch mit den medizinischen Eigenschaften. Zum Stein der Weisen vgl. stellvertretend Principe, 1998: 215â220.
Vgl. Newman, 1998: 28. Zu Rupescissa vgl. Paulus, 1998: 185â187; Figala, 1998: 300â302. Einen Ãberblick zur Geschichte lebensverlängernder Pharmazeutika bietet Dilg, 2008: 361â387.
Stellvertretend vgl. Principe, 1998: 66; Console, 2013: 171â191. Rubbiani/Wahrig/Ott, 2014: 961â965 bieten eine chemisch-pharmazeutische Analyse eines Trinkgold-Rezeptes aus dem 17. Jahrhundert.
Der Traktat von Anthony ist abgedruckt in Linden, 2003: 170â173. Zu Francis Anthony vgl. Debus, 1965: 142â45.
Duchesne, 1607: 21â23.
Vgl. allerdings Hirai, 2016: 381â385, der zeigt, dass Croll die âUniversalmedizinâ mit dem Wort Gottes identifiziert. Wie ernst Croll die âPanaceaâ am Walds genommen hat, zeigt sein Briefwechsel mit Duchesne, vgl. Croll, 1998: 43â45 (Brief Nr. 6): Croll übersendet Duchesne eine Probe der âPanacea Amwaldinaâ und bittet diesen um seine Meinung.
Eines der wenigen Rezeptbücher, das in einer kritischen Ausgabe zugänglich ist, vgl. Agricola, 2000.
Vgl. Kahn, 2003: 265â336. Zur Attraktivität des Bernardus Trevisanus im Paracelsismus vgl. dort 311. Am Wald, 1582: 44 beruft sich ausdrücklich auf ihn.
Vgl. Zecaire, 1999. Zu Person und Werk die Einleitung dort: 16â91.
Trismosin, 1598: 1â5. Zur Figur des âSalomon Trismosinâ und dem Aureum vellus vgl. Telle, 2006: 434â438. In Kühlmann/Telle, 2013: 3: 219â238 findet sich als Nr. 102 ein Brief Trismosins an Paracelsus, datiert 1515, erhalten allerdings erst in einer Abschrift aus den 1590er Jahren. Das kurze Biogramm dort, 219â223, referiert das âausweglose ficta/facta-Labyrinthâ, in das die Person Salomon Trismosins verstrickt ist.
Trismosin, 1598: 4â5.
Trismosin, 1598.
Andreae, 2010: 139.
Andreae, 2010: 145.
Andreae, 2010: 146.
Andreae, 2010: 148.
Andreae, 2010: 149.
Andreae, 2010: 155.
Andreae, 2010: 145.
Stellvertretend vgl. Gilly, 1995.
Molther, 1617a: 83â108. Die lateinische Erstausgabe war mir nicht zugänglich, vgl. Molther, 1616. Auf Molthers Bericht hingewiesen hat Tilton, 2003: 151â154.
Molther, 1617a: 92.
Molther, 1617a: 97.
Molther, 1617a: 96.
Molther, 1617a: 93, 98.
Molther, 1617a: 93, 103.
Molther, 1617a: 102.
Molther, 1617a: 102.
Molther, 1617a: 101.
Molther, 1617a: 102.
Molther, 1617a: 101.
Molther, 1617a: 100.
Molther, 1617a: 99â100.
Molther, 1617a: 103.
Molther, 1617a: 97.
Molther, 1617a: 104.
Vgl. die Widmung in Molther, 1617a: 84â87, datiert âGeben zu Wetzlar den ersten Aprilis/ im Jahr vnserer Erlösung/ tausentsechshundert vnnd sechszehen.â Tilton, 2003: 155 hat die Möglichkeit eines Aprilscherzes in Betracht gezogen. In Wels, 2013: 257 hatte ich diese Ansicht noch geteilt. Indem mittlerweile der zitierte Druck aus demselben Jahr, ohne Widmung, zugänglich geworden ist, scheint mir diese Möglichkeit unwahrscheinlich.
Molther, 1617b. Das â soweit ich sehe â einzige erhaltene Exemplar des Drucks findet sich in der SLUB Dresden (Sign. 3.A.10066, angeb.12, urn:nbn:de:bsz:14-db-id4051759147).
Sennert, 1619. Sennert meint allerdings mit âChymikernâ keineswegs die Paracelsisten, sondern bezieht sich damit auf die traditionelle (Al)Chemie, von der Paracelsus sehr viel gelernt hätte, leider ohne dies zu vermerken (Kap. 4, 28â51). Paracelsus stellt mit seinen theologischen Prätentionen, seinem unordentlichen Lebenswandel und seiner provokanten Berufung auf die Magie für Sennert eine bedauernswerte Ausnahme in der Entwicklung der (Al-)Chemie als einer seriösen Wissenschaft, nämlich als einer reinen âMaterialwissenschaftâ, dar: Die Entzauberung des (al)chemischen Wissens geht mit seiner Etablierung an der Universität einher.
Ich danke Frau Gesa Blume für diese Formulierung.
Thurneysser, 1574: 202.
Vgl. das von Gilly, 1995 zusammengestellte Material.
